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Sepp DeppPrämie für Falschangaben zur Geschichte
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Nr.4: Protokollfragen

NS-Judenverfolgung: Wannsee- Konferenz 1942

Nominierung

Thema: Behördliche Beschlüsse zur Judenvernichtung im NS-Staat.
Quellen:
a) Lexikon-Artikel: "Wannsee-Konferenz" in: Der Große Brockhaus Wiesbaden 18/1981, S.239
b) TV-Serie: "Hundert Jahre", ZDF 16.11.1999, 22,20 Uhr
c) Eine NRW-Landespublikation im Netz.
Urheber: a) Brockhaus-Redaktion, b) Guido Knopp, c) Ina Schaefer, Land NRW.

Aussagen

"Tagung von Spitzenvertretern der obersten Reichs- und Parteibehörden am 20. Januar 1942 unter dem Vorsitz von R. Heydrich in Berlin, Am Großen Wannsee Nr. 56/58. Auf Anordnung A. Hitlers beschlossen die Teilnehmer Maßnahmen zur Ausrottung der Juden in den von Deutschland beherrschten Gebieten Europas ('Endlösung der Judenfrage')"
In krassen Fällen, die im Falle der "Virtuellen Ausstellung NRW" (www.nrw2000.de/ns/endloesung.htm) wohl mit Steuermitteln des Bundeslandes finanziert sind, kann die Darstellung der Wannsee-Konferenz bis zu kreativ erfundenen Phantasien reichen, die so gut wie keinen Bezug mehr haben zu den historischen Fakten, auf die sie sich beziehen:
"Die nun systematische Vernichtung der Juden in Europa oder im Nazijargon die "Endlösung der Judenfrage" wurde am 20.1.1942 auf der Wannsee-Konferenz beschlossen. Heydrich, der den Vorsitz bei der Versammlung hatte, berichtete Staatssekretären und hohen Parteibeamten über bisherige Versuche und Experimente mit Methoden der "Massenvernichtung" und über den Bau von Vernichtungslagern."

Dies sind die derzeit dominanten Ansichten zur Sache. Sie finden sich auch in einem jüngeren Greuelbericht über Adolf Eichmann in einer historiographischen Fernsehserie des ZDF. Zur filmischen Abbildung der ersten und sechsten Seite einer Protokollfassung wird berichtet, daß laut dieser angeblich von Adolf Eichmann verfaßten Dokumente am Wannsee die Vernichtung von 10 Mio. Juden beschlossen wurde. Kurze Bild-Standzeiten und enge Bildausschnitte aus dem Dokument verhindern, daß Zuschauer erkennen, was der Text dort wirklich zeigt. Ähnlicher Art ist die Mehrzahl aller Berichte und Darstellungen zur Sache.

Tatsachen

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Das Protokoll
Sämtliche heutigen Angaben über diese Konferenz stützen sich auf Fassungen eines sogenannten Konferenzprotokolls, heute im Archiv des deutschen Außenministeriums, nebst einigen Begleitbriefen. Die Herkunft dieser Papiere ist bislang ungeklärt, sie stammen aus den Händen der US-Ankläger im Nürnberger Tribunal. Auf ihre Verwendung durch die Ankläger wurde jedoch offenbar verzichtet.x(1) In der Verhandlung und im Urteilsspruch des ersten Nürnberger Prozesses gegen die NS-Staatsführung tauchen sie nicht als Beweismaterial auf. Andere als diese Dokumente existieren über diese Wannsee-Konferenz heute nicht. Den Protokollen ist allerdings etwas ganz anderes zu entnehmen, als der zitierte Lexikon-Artikel oder die Fernsehserie behaupten.x(2) Zum Beleg der folgenden Angaben dienen die entsprechenden Seiten des Protokolls.x(3) Die Vorschaubilder vergrößern bei Zeigerberührung.

1) Hitlers Anordnung
Weder in verschiedenen vorliegenden Fassungen des Protokolls noch in deren begleitendem Schriftverkehr wird zum Gegenstand eine Anweisung Hitlers erwähnt. Lediglich eine kurze Aktennotiz Schlegelberger besagt, daß er von Hitler wisse, daß vor Ende des Krieges keine Entscheidung über die Art der Ausweisung von Juden getroffen werden soll.

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2) Maßnahmen zur Ausrottung
Soweit die Diskussionen des Protokolls trotzdem Ausweisungmethoden behandeln, wird nicht über Vernichtung beraten, sondern über Umsiedlung: "Anstelle der Auswanderung ist nunmehr als weitere Lösungsmöglichkeit nach entsprechender vorheriger Genehmigung durch den Führer die Evakuierung der Juden nach dem Osten getreten." (links Seite 5)

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3) Die Teilnehmer beschlossen
Laut Protokoll und Schriftverkehr wurde keinerlei verbindlicher Beschluß irgendwelcher Art zu dieser Sache festgelegt und dokumentiert. (rechts Protokollende 15)

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4) Vorsitz von Reinhard Heydrich
Der Chef der Sicherheitspolizei und des SD wird in der Teilnehmerliste der Konferenz nicht genannt. (links Seite 1, rechts Seite 2) Seltsamerweise dann aber im laufenden Text, etwa auf Seite 2. Dieser und andere Belege für ziemlich merkwürdige Auffälligkeiten ist inzwischen Anlaß für grundsätzliche Fragen zur Authentizität der Protokolle. Darunter sind Formulierungen wie (wörtlich:) "Parallelisierung der Linienführung". Eine solch ungewöhnliche Formel ist weder für den damaligen nach späteren Sprachgebrauch bekannt und inhaltlich wenig sinnvoll. Direkt übersetzt ins Englische ist es in dortiger Sprache allerdings bekannt.

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5) Protokollführer Eichmann
SS-Obersturmbannführer Eichmann aus dem RsHA wird auf Seite 2 des Protokolls als Teilnehmer erwähnt, doch über seine Eigenschaft als angeblicher Protokollführer ist den Dokumenten nichts zu entnehmen. Der ZDF-Beitrag belegt seine Behauptung auch nicht. Die Präsentation der zweistelligen Millionenzahl scheint den Eindruck erwecken zu wollen, als ob dies die tatsächliche oder wenigstens geplante Vernichtungszahl von Juden in deutschen Konzentrationslagern gewesen sei.
Tatsächlich zeigt diese Statistik im Protokoll auf Seite 6 (rechts) eine Zusammenstellung des vermuteten Anteils jüdischer Bürger in sämtlichen europäischen Staaten, darunter auch in solchen, die nie unter deutscher Besatzung standen (England, Irland, Portugal, Schweiz) und somit von welcher deutschen Planung auch immer nicht erreicht wurden.