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Sepp DeppPrämie für Falschangaben zur Geschichte
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Nr.5: Späte Eingeborene

Afrikanische Eingeborene: Ureinwohner von Kapland

Nominierung

Thema: Historisches Heimrecht in Südafrika
Quelle: Science-Fiction Roman: Die Vollstrecker. Terror im Weltraum. Freiburg-Basel-Wien 1973, S.7
Urheber: Mark Brandis

Aussage

"Captain van Kerk, mein Pilot, war zu mir getreten, ein unerschütterlicher Südafrikaner mit starren Grundsätzen, von denen der bornierteste lange Zeit jener gewesen war, daß man gefälligst zu unterscheiden hätte zwischen weißen Menschen und farbigen Eingeborenen."

Die Gegenüberstellung von weißen und schwarzen Südafrikanern wird im Falle letzterer mit der Aussage verbunden, diese seien die "farbigen Eingeborenen". Da sie keine bunten Flecken im Gesicht haben, ist ihre Bezeichnung als "Farbige" wohl einigermaßen unglücklich, jeder Mensch hat nur eine Hautfarbe. Der Begriff "Eingeborene" meint "die Erstgeborenen", also jene, die zuerst da waren und denen das Land gehört.
Damit wird im Roman eine historische Information vermittelt. Sie besagt, daß die schwarze Bevölkerung ursprünglich in Südafrika lebte und später dann von den weißen Kolonialisten überwältigt wurde, wobei ihnen ihr eigenes Land abgenommen und fremdbeherrscht wurde.

Tatsachen

Westafrik. Darstellung eines portugiesischen Seefahrers a.d. 16. Jh.
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Zeithintergrund
Vor der Besiedlung durch Weiße lebten im Süden des afrikanischen Kontinents nur einige Hottentotten und Buschmänner in verstreuten Gruppen. Die Hottentotten waren ein Mischvolk aus Proto-Buschmännern und kaukasoiden Ostafrikanern.x(1) Beide nicht-negroiden Völker waren also nicht die Vorfahren der heute dort lebenden Schwarzen. Die Hottentotten, welche sich selbst "Khoi-Khoin" (Menschen) nannten, starben ebenso wie die Buschmänner aus vor der Gründung der niederländischen Kapkolonie. Ursachen waren Epidemien und Kämpfe mit den Bantu. Letzte Reste beider Urvölker gingen während der Kolonialzeit in anderen schwarzen und weißen Volksgruppen auf. Nur Angehörige der "Nama" gelten heute als direkte Nachfahren der Ureinwohner des Kaplands.x(2) Die Besiedlung der Kapregion fand ein leeres Land vor und war Ergebnis von zwei Zuwanderungsbewegungen: der Besiedlung durch negroide Stämme aus dem Norden des Kontinents und der Besiedlung durch weiße Kolonisten aus einem maritimen Stützpunkt an der Küste der Südspitze des Kontinents.

x Die Ureinwohner Südafrikas sind bereits lange ausgestorben, die ersten Einwohner der Neuzeit waren weiße Kolonialsiedler.

Weiße Siedlung von Süden
Die ersten Reisenden im Kapland waren ab dem 16. Jahrhundert portugiesische Seefahrer auf der Reise nach Indien und Asien (Bild). Sie gründeten jedoch keine Siedlungen. Erst während der Aktivitäten der 1602 gegründeten niederländischen Aktiengesellschaft "Niederländisch-Ostindische Kompagnie" wurde die Südspitze von Kapland als fester Stützpunkt genutzt auf der Seereise nach Ostindien. Im Jahr 1652 baute der niederländische Arzt Jan von Riebeck mit 90 Begleitern einen ersten Stützpunkt in der Tafelbay auf, ein befestigtes Fort mit Vorräten für die Seereise und Hospital. Obwohl die Besiedlung des Landes von der Kompagnie nicht geplant war, siedelten ab 1657 Teile der Stützpunktbesatzung als Bauern außerhalb des Forts. Ab da begann der Import von Sklaven aus Madagaskar, Malaysia und Moçambique für die Landarbeit.x(3) Durch Zuwanderung stieg die Zahl der weißen Siedler, die nicht mehr Angestellte der Gesellschaft waren. 1688 kamen 300 französische Hugenotten hinzu, welche die Aufhebung des Ediktes von Nantes vertrieben hatte.x(4) Im Jahr 1707 lebten ingesamt 1770 Weiße und 1107 Sklaven verschiedener Herkunft im Siedlungsgebiet um die Tafelbay.x(5)

x Die ersten schwarzen Einwohner Südafrikas kamen als Sklaven der weißen Siedler dorthin.

Schwarze Siedlung von Norden
Durch Kriege und Hungersnöte wurden im Laufe von mehreren hundert Jahren ab dem Mittelalter zunehmend schwarze Stämme aus dem Gebiet der großen Seen in Ostafrika nach Süden getrieben. Archäologische Funde zeigen immer wieder Belege für frühe Siedlung einzelner schwarzer Völker nördlich des Flusses Limpobo, etwa um das 6. Jh., doch ist dies erstens nicht das Kapland und war dies zweitens keine dauerhafte Siedlung. Die Stämme der Nguni (Xhosa, Swasi, Zulu) zogen erst ab dem Mittelalter durch Sambia und Rhodesien bis in den Raum Transvaal und Natal. Die Tsonga zogen bis Moçambique und Ost-Transvaal. Die Sotho und Tswana zogen über Sambia und Botswana bis zum Oranje-Fluß, während die Venda im Raum Rhodesien ihren Zug nach Süden beendeten. Diese parallelen Völkerwanderungen, ständig begleitet von gegenseitigen Kriegen, hatten unterschiedliche Zeitverläufe. Während die Tswana vermutlich schon um das Jahr 1400 nördlich des Vaal-Flusses auf die Ureinwohner der Kapregion stießen, wurden Xhosa 1686 an der Küste von Transkei gefunden. Als letzte erreichten Sotho vermutlich um 1700 das Gebiet südlich des Flusses Limpobo an der Nordgrenze des heutigen Staates Südafrika.x(6) Alle genannten schwarzen Völker werden meist unter dem Begriff "Bantu" zusammengefaßt.

x Die Einwanderung schwarzer Völker von Norden erreichte erst um 1700 Südafrika.

Grenzklärung
Die beiden Siedlungsbewegungen stießen 1775 am Großen Fischfluß aufeinander. Weiße Siedler kämpften gegen die von Norden vorstoßenden Xhosa. Die Kämpfe wurden von den weißen Kolonisten "Kaffernkriege" genannt. Der Begriff geht auf portugiesische Ethymologie zurück und griff auf das arabische Wort "Kafir" (=Ungläubige) zurück.x(7) Der Krieg entzündete sich am seltsamen Eigentumsbegriff der Bantu. Obwohl die weißen Siedler ihrem Vieh eine Brandmarke als Eigentumszeichen gegeben hatten, betrachteten die Bantu alles Vieh, das nicht in einem eingezäunten Korral stand als ihr Eigentum.x(8) Da die Aktiengesellschaft der niederländischen Kaufleute keine Besiedlung des Kaplands beabsichtigte, unterstützte sie die Kolonisten nicht in ihrem Vorgehen gegen den Diebstahl. Der Große Fischfluß wurde daher längere Zeit die Grenze zwischen beiden Siedlungsräumen.x(9)

Die Ureinwohner
Die Bantu waren vor und nach der Wanderung ortsfest siedelnde Bauern, die Ackerbau und Viehwirtschaft betrieben. Ihre Gesellschaftsform hatte einen wesentlich höheren Organisierungsgrad erreicht als jene der nomadisierenden Ureinwohner des Kaplands. Deren Zivilisationsniveau gilt als "äußerst zurückgeblieben".x(10) Die durch Wanderungen kriegsgewohnten Bantu waren den Ureinwohnern des Kaplands daher überlegen und töteten häufig die Männer und nahmen die Frauen. Zusätzlich dezimierten Seuchen ihre Bevölkerungszahl: "Im 17. und 18. Jahrhundert erscheinen die Hauptdarsteller, Buren und Bantu, auf einem bis dahin hinsichtlich Geschichte leeren Schauplatz."x(11)

x Im Gebiet des heutigen Südafrika existierte vor der weißen Kolonisierung kein Siedlungsgebiet schwarzer Völker.

Fazit

Die Staatspartei ANC im heutigen Südafrika hat nie behauptet, daß Schwarze die ursprünglichen Einwohner der Kapregion gewesen seien. Der von ihr erhobene Herrschaftsanspruch für Schwarze gründet alleine auf ihrer HEUTIGEN zahlenmäßigen Überlegenheit, ein Umstand, der nicht typisch war für die Zeit der ursprünglichen Besiedlung. Das genannte Zitat erweckt insofern einen falschen Eindruck zu den Fakten der Geschichte. Im Hinblick auf ihre Besiedlungsleistung seit dem 17. Jahrhundert ín einem leeren Land können eher die Weißen als Eingeborene von Südafrika gelten. Ansonsten ist die Kapregion seit dieser Zeit ein Vielvölkergemisch, in dem Begriffe wie "Eingeborene" weitgehend unpassend sind und zu falschen Eindrücken verleiten.

Belege


x(1)Über die Ureinwohner
Cornevin, Robert u. Marianne: Geschichte Afrikas von den Anfängen bis zur Gegenwart, Stuttgart 1966, S.248.

x(2) Untergang und Nama
Groot, Gerhard de: Entscheidung in Südafrika. Versäumnisse und Chancen in der Politik zwischen Weiß und Schwarz, Freiburg-Würzburg 1978, S.11.

x(3) Die Siedlung
Ebd., S.12.

x(4) Zuwanderungen
Cornevin, a.a.O., S.250.

x(5) Siedlerzahlen
Groot, a.a.O., S.12.

x(6) Völkerwanderungen
Ebd., S.13 f., sowie Cornevin a.a.O., S.247.

x(7) Kaffernkrieg
Cornevin, a.a.O., S.247.

x(8) Viehdiebstahl
Cornevin, a.a.O., S.250 f.

x(9) Flußgrenze
Groot a.a.O., S.14.

x(10) Die Ausrottung
Cornevin, a.a.O., S.248.

x(11) Leerer Schauplatz
Cornevin, a.a.O., S.247.  
Veröffentlichung: September 1999
+Nr.4: ProtokollfragenNr.6: Heißblutmorde+
 
13.03.2018-00 Impressum 2,28
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