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Nr.6: Heißblutmorde

Deutsche Minderheit: Polnische Massaker 1939

Nominierung

Thema: Polnische Massaker an der deutschen Minderheit im September 1939
Quelle: Fachbuch: Nationalsozialistische Polenpolitik 1939-1945. Stuttgart 1961, S.50
Urheber: Dr. Martin Broszat, seinerzeit Direktor des Instituts für Zeitgeschichte, München

Aussage

Zu den Ermordungen von Deutschen in polnischen Besatzungsgebieten im September 1939: "Diese Übergriffe geschahen während der Panik der ersten Kriegstage unter den Bedingungen einer sich durch Rückzug und Räumung auflösenden Ordnung und des dabei herrschenden Erregungszustandes, nicht als geplante, mit kaltem Blut unternommene Ausrottungsmaßnahme."

Tatsachen

Ereignishintergrund
Nach dem Ersten Weltkrieg wurden im Versailler Vertrag umfangreiche Gebiete des Deutschen Reiches an Polen übertragen. In diesen Gebieten lebten daher ab 1919 viele Deutsche unter polnischer Herrschaft. Polnischer Haß gegen diese Bevölkerungsgruppe zeigte sich schon Jahre vor dem Zweiten Weltkrieg. Erste Morde an Deutschen geschahen während des sog. "dritten polnischen Aufstands" in Oberschlesien im Mai und Juni 1921.x(1) Am 15. Mai 1927 gab es ein Pogrom in Rybnik.x(2) Ab April / Mai 1939 wurden regelmäßig Überfälle und Angriffe auf Wohngebiete und Einwohner der deutschen Minderheit in polnisch besetzten Gebieten verzeichnet.x(3) Mehrere Monate vor Beginn des deutschen Angriffs gegen Polen am 1. September 1939 wurde in Rundfunk und Presse Polens verkündet, "daß im Kriegsfalle kein einheimischer Feind lebend entrinnen wird". Noch vor dem Krieg wurden zwei große polnische Konzentrationslager eingerichtet, worin die Opfer der geplanten Jagd auf die deutsche Minderheit (Polowanie na Niemcow) eingewiesen werden sollten.x(4)

Deutsche Opfer des Bromberger Blutsonntags, 03.09.1939
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Jagd auf Deutsche
Die Jagd begann am 1. September 1939. Ihr Hauptzentrum war der Raum um die Stadt Bromberg (Bromberger Blutsonntag), wo deutsche Einwohner von Polen bestialisch ermordet wurden.x(5) Andere Verfolgungsgebiete waren das polnische Industriegebiet in und um Lodz, Ortschaften entlang der neuen Grenze zu Deutschland sowie der sog. Korridor zwischen Danzig und Ostpreußen. Die Verbrechen dieser Verfolgung bestanden aus wahllosen Tötungen und gezielter Verschleppung der deutschen Führungsschichten.x(6)

Massenmorde
In Dörfern des westlichen Grenzgebiets wurde bis zur Hälfte der deutschen Bevölkerung umgebracht. Von polnischer Seite werden heute nur insgesamt 3.841 Opfer für möglich gehalten. Doch sind alleine 5.490 Tote und Vermißte dokumentarisch belegt. Die Gesamtopferzahl liegt vermutlich bei mehr als 6.000 Toten.x(7)

Verschleppungen
Die Verschleppungen begannen am 1. September mit Verhaftungen anhand von lange zuvor durch polnische Behörden erarbeiteten Jagdlisten.x(8) Die Verhaftungen geschahen ohne richterliche Legitimation wegen "Spionage" oder "subversiver Tätigkeit". Für die Vorwürfe wurde kein Beweis geführt, es war eine formelhafte Pauschal- Floskel. Die verschleppten Deutschen wurden nach Ostpolen auf Fußmärsche geschickt. Wer nicht weiterkonnte, wurde totgeschlagen. Zum Beispiel wurden von den 700 verhafteten Deutschen des Kreises Obornik nachweislich 231 während des Marsches getötet.x(9)

Täter
Die Täter dieser Verbrechen waren vor allem polnisches Militär, Polizei und paramilitärische Jugendeinheiten. Gewaltsame Übergriffe von polnischen Zivilpersonen gegen Deutsche waren selten, kamen aber auch vor, meist in Verbindung mit Aktionen von Behörden oder Organisationen.x(10) Das Zitat aus oben genannter Quelle legt nahe, bei den deutschen Toten polnischer Massaker des September 1939 habe es sich um einige verirrte Opfer des berechtigten polnischen Zorns über den deutschen Angriff gehandelt. Gewissermaßen eine entschuldbare Tötung im Affekt aus "Panik" und "Erregung".
Diese Ansicht ist abwegig und historisch falsch. Insgesamt vier Fakten widersprechen dem:

Zeitablauf / Ereignisrahmen
Da die ersten gezielten und geplanten Überfälle von Polen gegen die deutsche Minderheit bis in das Jahr 1921 zurückreichen und sich schon ein halbes Jahr vor Kriegsbeginn häuften, sind die Massaker des September 1939 Symptom und kein Sonderfall. Dies bestätigt auch die polnische Medienkampagne Monate vor Kriegsbeginn. Für die angebliche spontane Rache fehlt also die isolierte Stellung des Ereignisses.

Planerische Vorbereitung
Wenn es sich um eine spontane Rache gehandelt hätte, wäre die Einrichtung der beiden polnischen Konzentrationslager für die künftigen Opfer noch vor Kriegsbeginn schwer verständlich. Die Einrichtung dieser Anlagen setzt offizielle Planung und zeitlichen Vorlauf voraus. Weiterer Beleg einer langfristigen Planung der polnischen "Jagd auf Deutsche" sind die Verhaftungslisten der polnischen Behörden.

Opferzahlen und Täter
Bei einer so umfangreichen Zahl von Todesopfern innerhalb von zwei Wochen ist ebenfalls schwerlich spontaner Zorn in der polnischen Bevölkerung anzunehmen. Anderenfalls würde dies ein seltsames Licht auf den polnischen Volkscharakter werfen. Gerade weil die Täter meist Beamte (Militär, Polizei, Ortsverwaltungen) waren, ist zusätzlich die Handlung auf Anweisung und damit die Planung erwiesen. Insbesondere die Verschleppung Hunderter Menschen in einen anderen Landesteil setzt behördliche Organisation voraus.

Andere Opfer
Zur gleichen Zeit richteten sich polnische Gewaltakte gegen die ukrainische Minderheit in Ostpolen, wo ebenfalls Todesopfer zu verzeichnen waren.x(11) Zu diesem Zeitpunkt gab es aber keinen russischen Angriff auf Polen, er setzte erst Wochen später ein. Das geheime Zusatzabkommen zwischen Deutschland und Rußland über die geplante Teilung Polens war damals auch unbekannt. Wie wären also diese Opfer zu erklären? Etwa wieder Panik oder Erregung?

Schwangere Deutsche, ermordet während der poln. Massaker 1939. Noch im Sterben trat die Geburt aus.
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Fazit

Beim ersten Massenmord in der deutsch-polnischen Zeitgeschichte vom September 1939 waren die Opfer Deutsche, unbewaffnete Zivilisten. Für dieses Verbrechen gibt es keine Entschuldigung, Rechtfertigung oder Begründung, es fällt ausschließlich in die polnische Verantwortung. Polnische Massenmedien riefen schon vor Kriegsbeginn unmißverständlich zur Gewalt gegen Deutsche auf. Die Merkmale des Massakers lassen darauf schließen, daß es Teil einer behördlich geplanten ethnischen Säuberung Polens war, die sich auch gegen andere Minderheiten richtete. Das genannte beschönigende Zitat ist mit seiner Rechtfertigungstendenz eine Verhöhnung der Opfer.

Belege


x(1)Frühe polnische Pogrome
Hoefer, Karl: Oberschlesien in der Aufstandszeit, Berlin 1938, S.108; Roos, Hans: Die Geschichte der polnischen Nation 1918-1978, Stuttgart 1979, S.91; Keitsch, Frank: Das Schicksal der deutschen Volksgruppe in Oberschlesien in den Jahren 1922-1939, Dülmen 1982, passim; Vogt, Dietrich: Der Großpolnische Aufstand 1918/19, Marburg 1980, passim.

x(2) Pogrom von Rybnik 1927
Bohmann, Alfred: Menschen und Grenzen, Bd. 1, Köln 1969, S.38.

x(3) Die Lage im Frühjahr 1939
Zayas, Alfred M. de/Rabus, Walter: Die Wehrmacht-Untersuchungsstelle, München 1979, S.249 ff.

x(4) Polnische Medienkampagne und zwei Konzentrationslager
Aurich, Peter: Der deutsch-polnische September 1939, München-Wien 1970, S.48 f., S.82; Bierschenk, Theodor: Die deutsche Volksgruppe in Polen 1934-1939, Kitzingen 1954 Sn. 319, 348 ff., 353; sowie ein Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 31.08.1979.

x(5) Bromberger Augenzeugin
Else Zabel aus Hopfengarten in: Mühlfenzl, Rudolf (Hrsg.): Geflohen und vertrieben. Augenzeugen berichten, Königstein/Ts. 1981, S.36 ff.

x(6) Übersicht über die Verfolgungen
Nawratil, Heinz: Schwarzbuch der Vertreibung 1945-1948, München 1999, S.43-52 mit ausführlichen Belegen und Literaturangaben.

x(7) Die Opferzahlen
Zayas/Rabus, a.a.O., S.244 (4.000-5.000) unter Zitierung der Wehrmacht-Untersuchungsstelle mit Schätzungen zwischen 3.500 und 5.000; Ferner ebd., S.37 Hinweis auf die "Posener Zentralstelle für die Gräber ermordeter Volksdeutscher" mit 5490 Karteikarten für Tote und Vermißte der polnischen Pogrome vor Ende des Zweiten Weltkriegs; Roos/Geschichte a.a.O, S.168 (7.000); Polnisches Eingeständnis von 3.841 Opfern laut Schubert, Günter: Das Unternehmen "Bromberger Blutsonntag", Köln 1989, S.199.

x(8) Jagdlisten
Zayas/Rabus, a.a.O., S.234; Rosen, Hans Freiherr v.: Dokumentation der Verschleppung der Deutschen aus Posen und Pommerellen im September 1939, Bonn 1990, passim, Nawratil/Schwarzbuch, a.a.O., S.45, unter Hinweis auf die Dokumentation im Bundesarchiv Koblenz: Bundesministerium für Vertriebene (Hrsg.): Dokumentation der Vertreibung der Deutschen aus Ost- Mitteleuropa, Bonn 1953-1962.

x(9) Gesetzlose Verhaftungen/Todesmärsche
Ebd. in gleichem Zusammenhang.

x(10) Über die Täter
Nawratil/Schwarzbuch, a.a.O., S.45 unter Hinweis auf Zayas/Rabus, a.a.O., S.233 f.

x(11) Ukrainische Opfer polnischer Pogrome
Nawratil/Schwarzbuch, a.a.O., S.45 unter Hinweis auf Zayas/Rabus, a.a.O., S.241 f.
Veröffentlichung: Oktober 1999
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