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Nr.7: Stürmische Zeiten

Französische Revolution: Sturm auf die Bastille 1789

Nominierung

Thema: Der "Sturm auf die Bastille" während der Französischen Revolution 1789
Quelle: Schulbuch: Das Werden des nationalen Staates. Stuttgart 1977, Kap. III, S.75
Urheber: Bearbeiter: H. Forster, H. Pinnow, F. Schmitt, unter Mitarbeit von Prof. Dr. W. Conze, Heidelberg

Aussage

"Düster ragte mitten in Paris die Bastille auf, Stadtburg und Gefängnis zugleich. Sie war schon seit langem Gegenstand des Hasses und der Furcht, ein Sinnbild der Gewalt. Ohne Rücksicht auf Verluste griff eine Volksmenge die starken Mauern und Türme an. Nach wenigen Stunden ergab sich der Kommandant gegen freien Abzug."Die Behauptung legt nahe: Das durch Adelsherrschaft geknechte französische Volk stürmte in heldenhaftem Kampf eine der drohendsten Zwingburgen der Unterdrückung. Erst nach hartem Gefecht gegen die fürchterlichen Soldaten des bösen Königs wurde die Befreiung des Volkes mutig und opferreich errungen. Die zu unrecht in der Bastille eingekerkerten unschuldigen Bürger erlangten ihre Freiheit wieder.

Tatsachen

"La Révolution" Stich von 1797: brennend und mordend zieht die Medusa durch das Land
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Ereignishintergrund
Infolge von Finanznöten im Staat durch auszehrende Kriege verfiel der König auf die Idee, durch "Generalstände" die Verantwortlichkeit und Aktivität größerer Schichten seiner Untertanen, vor allem der Adeligen, zu mobilisieren und den Staat zu sanieren. In diesem Forum der drei Stände (Adel, Klerus, Volk) sollten die Delegierten des dritten Standes im Mai 1789 durch allgemeine Wahlen im Land bestimmt werden. Die Generalstände wurden zum Anstoß eines politischen Grundsatzstreits. Der Adelige Graf Mirabeau und der Kleriker Abbé Sieyès forderten mehr Macht für den dritten Stand, das Volk. Dem Abt ist zusätzlich eine erhellende Erklärung für die "Unterdrückung" der Franzosen zu verdanken laut den Ausführungen in seiner Streitschrift "Was ist der Dritte Stand?". Nach seiner Kenntnis liege dies daran, daß der französische Adel von deutschen Franken, den "Eroberern" abstamme. Als Lösung schlug er vor, sie einfach wieder nach Deutschland zurückzuschicken.x(1)
Die Abgeordneten des Dritten Standes erklärten sich selbst am 17. Juni 1789 zur "Nationalversammlung", die einen neuen französischen Staat bilden wollte durch eine Verfassung auf der Grundlage der Volksherrschaft. Es ist wohl Ironie der Geschichte, daß die nachfolgende Revolution im Namen des Volkes viele Opfer unter Klerikern und Adeligen forderte, die in Gestalt von Mirabeau und Sieyès zu Gründungsvätern dieser Revolution gehörten. Der später während der Terrorzeit im Alter von 34 Jahren selbst hingerichtete Jurist und eloquente Revolutionär Georges J. Danton formulierte dazu den wohl berühmtesten Ausspruch: "Die Revolution ist wie Saturn, sie frißt ihre eigenen Kinder."x(2)

x Die Revolution entstand während einer Zeit institutioneller Schwäche der Monarchie aus dem Kreis einer aufstrebenden bürgerlichen Mittelschicht.
Sturm auf die Bastille: zeitgen. Gemälde im Musée Carnavalet Paris
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Der Sturm auf die Bastille
Die genannten Vorgänge schürten im Frühsommer des Jahres zunehmende Unruhe unter den Pariser Bürgern, die gerne Nägel mit Köpfen aus der sich anbahnenden Bürgerherrschaft machen wollten. Revolutionäre Bürger hatten die Selbstverwaltung der Stadt übernommen und mußten eine "Nationalgarde" aufstellen, um die zunehmenden Plünderungen und die allgemeine Gesetzlosigkeit zu bekämpfen. Unter dem Einfluß politischer Fanatiker kam es in Paris immer wieder zu Ausbrüchen von Massengewalt. Eine davon war die Erstürmung der Bastille am 14. Juli 1789. Sie war eine alte Festungsanlage und lange vor dieser Zeit auch wohl ein zentrales Gefängnis der Stadt. Das war zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht mehr der Fall. Von nur wenigen, meist invaliden Soldaten bewacht, verzichtete der Kommandant auf eine Verteidigung und öffnete dem randalierenden Mob vor der Festung die Tore. Die tapferen Bürger fanden in dem angeblichen "Sinnbild der Gewalt" folgende Häftlinge vor: vier Urkundenfälscher, ein auf Ersuchen seiner Angehörigen eingesperrten Sexualstraftäter sowie zwei Geistesgestörte, die am folgenden Tag in das Narrenhaus der Stadt eingewiesen wurden.
Die Besatzung der Soldaten einschließlich Kommandant wurde beim "freien Abzug" von der aufgeputschten Meute umgebracht und die Bastille später buchstäblich dem Erdboden gleichgemacht. Heute erinnern in Paris nur noch einige im Boden eingelassene rötliche Granitquader an die Stelle, wo sie einmal stand.x(3)

x Gemessen an der Einwohnerzahl der Stadt war die Bastille weder ein erwähnenswertes Gefängnis noch ein militärischer Faktor. Ihre Zerstörung und die Ermordung der Besatzung war sinnloser Aufruhr.

Fazit

Es trifft nicht zu, daß der Kommandant der Bastille erst "nach wenigen Stunden" den militärischen Widerstand gegen den Ansturm der heldenhaften Bürger aufgab, die Bastille wurde überhaupt nicht verteidigt. Sie war auch kein Sinnbild von Gewalt, außer in der Phantasie einiger fanatischer Wirrköpfe, und erst recht kein skandalöser Bürgerkerker wie die Zahl und Art der vorgefundenen Inhaftierten zeigt. Das französische Volk revoltierte nicht gegen König Ludwig XVI. weil er so hart regierte, sondern weil genau das Gegenteil der Fall war. Ganz im Gegensatz zu seinen Vorgängern aus der Zeit des Absolutismus war ihr Nachfahre eine passive und schwache Persönlichkeit. Er ließ dem Land mehr Freiheiten als zuvor üblich. Unter den früheren Absolutisten mit ihrer Herrschaftsmacht und Geheimpolizei wäre eine Revolution dieser Art vermutlich nicht möglich gewesen.

Belege


x(1)Fränkischer Adel
Nawratil, Heinz: Schwarzbuch der Vertreibung 1945-1948, München 5/1999, S.136 unter Hinweis auf Poliakov, Leon: Über den Rassismus. Stuttgart 1979, S.91 f.

x(2) Dantons Rede
Bluche, F.: Danton. Stuttgart 1988, S.407 f, das Zitat auch im Dokumentarfilm wie zu (4).

x(3) Die genannten historischen Fakten
zur Französischen Revolution sind seit langem bekannt. Als Beleg dafür
- Ein Schulbuch: Tenbrock/Kluxen/Stier (Hrsg): Das Werden der modernen Welt (1648-1900). Paderborn 1968, S.73;
- Eine Überblicksdarstellung: Steinle, Jürgen (Hrsg.): Überblicke. Materialien für geschichts- und sozialkundliche Beiträge. Köln 1993, Artikel "Die Französische Revolution im Abriß", S.54-64 mit Literaturübersicht.
Veröffentlichung: Oktober 1999
+Nr.6: HeißblutmordeNr.8: Echt überraschend+
 
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