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Nr.10: Der Super-Bruch

Erdgeschichte und Karolinger: Urzeit der Eifel

Nominierung

Thema: Eifler Frühzeit vom Vulkan bis zum Mittelalter.
Quelle: Fachbuch: Die Geschichte der Eifel. In: Houben, Arne / Mirkes, Dietmar: Die Eifel. Köln 1990, S.75-89.
Urheber: Arne Houben

Aussage

a)"In jene Zeit fallen die gewaltigen Eruptionen der Eifelmaare, die wie vorzeitliche Super-Gaus die Landschaft mit giftigen Gasen überwehten und alles Leben unter glühender Asche erstickten." (S.77)
b) "843 brach das fränkische Reich auseinander, Frankreich und Deutschland wurden seine Nachfolger. Die Eifel gehörte kurz zu Lothringen, kam aber dann mit diesem zum ostfränkischen, zum deutschen Reich." (S.82)

Tatsachen

Vorzeitlicher "Super-Gau"
Mit dem anachronistischen Begriff des GAU ist ein Maximalunfall in Kernkraftwerken gemeint. Die Bildung der Erdkruste ist jedoch kein Unfall sondern ein natürlicher Vorgang. Ein Unfall ist ein menschliches Versagen oder den Menschen betreffendes Unheil. Das aber dürfte in der Zeit der geologischen Entstehung der Eifel wohl nicht der Fall sein. Der "Super-Gau" ist zudem ein begrifflicher Widerspruch in sich. Ein GAU, also ein größter anzunehmender Unfall, ist ein Superlativ, etwas, das es nur einmal gibt. Die "längste Brücke" kann nur eine sein und nicht mehrere, erst recht gilt das für die "super-längste-Brücke". Folglich kann es auch keinen Unfall geben, der größer wäre als der größte Unfall. Ein "Maar" ist schließlich das Resultat nach dem Ende vulkanischer Aktivität aber nicht sein Aktions-Ort. Im Falle der Eifelmaare ist meist ein wassergefüllter Krater gemeint, was "in jener Zeit" seiner feurigen Entstehung sicher nicht zutraf.

Reiterstatuette eines fränkischen Herrschers aus der Mitte des 9. Jhs.
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Bruchschaden: Ende des Frankenreiches
Das Auseinanderbrechen eines Objekts ist zugleich seine Zerstörung. Das ist hier nicht der Fall, das Reich blieb bestehen, es hatte seit dem Teilungsvertrag nur mehrere Herrscher. Es waren die drei Söhne von Ludwig dem Frommen, Erbe Karls des Großen. Die Brüder teilten unter sich das Land wie auch im damaligen Privatrecht üblich nach fränkischem Erbrecht. Von zwei Reichen kann also keine Rede sein, höchstens von drei und dann auch noch nicht zu diesem frühen Zeitpunkt. Der meist als "Auseinanderfallen" beschriebene Prozeß dauerte rund hundert Jahre. Insofern konnte die Erbmasse auch keine direkten Nachfolger haben.
Nachfolger für das Reich Karls des Großen und Ludwig des Frommen waren nicht "Deutschland" und "Frankreich" sondern drei Brüder, die von Nationen noch nichts wußten. Die Definition einer Nation stützt sich auf die einem Volk gemeinsamen Eigenschaften. Wenn aber, wie in Mittelalter und Früher Neuzeit, die Länder nicht von Völkern sondern von Herrschaftsfamilien regiert werden, haben Begriffe aus Volksdefinitionen keinen Informationswert. Von zwei neuen Reichen geht die Geschichtsschreibung erst aus nach dem Tod des letzten Karolingers in Ostfranken, Ludwig das Kind (gest. 911) und der Herrschaft Konrads I. In Westfranken regierten Karolinger indes bis 987.

Raumwirrungen
Ähnliche Probleme ergeben sich bei der Zuordnung der Eifel zu Lothringen wie im Zitat. Im ersten Teilungsvertrag von Verdun 843, wie genannt im Zitat, erhielt Lothar I. einen Vertikalstreifen Mitteleuropas von Friesland bis Rom, in dessen Mitte auch die heutige Eifel lag. Mit dem Regionalbegriff "Lothringen" heutiger Lesart hat dieses Gebiet also reinnichts zu tun. Um Verwechslungen zu vermeiden, wird deshalb auch meist von "Lotharingien" gesprochen. Teile Lotharingiens von Friesland bis Genf einschließlich Eifel gingen beim Teilungsvertrag von Meerssen 870 über an das Reich Ludwigs des Deutschen, blieben jedoch innerhalb dessen ein geschlossenes Herrschaftsgebiet. So blieb dies auch im Vertrag von Verdun und Ribemont 879/80. Die dann folgende Herrschaft Lothringen zur Zeit der deutschen Kaiserreiche unter den Ottonen und Saliern bis hin zu den Staufern reichte immer noch von Boppard bis Cambrai, von Nimwegen bis zur Quelle der Mosel. Dieses Gebiet entspricht also immer noch nicht dem heutigen Lothringen. Zu dem hochmittelalterlichen Raum gehörte auch weiterhin die Eifel, sie war sogar das Kernland. Nur daß man inzwischen bis in das 13. Jahrhundert gekommen ist. Der letzte Staufer, König Konrad IV. starb am 21. Mai 1254. Dann kann es also kaum stimmen, daß die Eifel ab 843 "KURZ" zu Lothringen kam und dann zum Osfränkischen Reich. Diese Zugehörigkeit umfaßt vielmehr die Zeit bis zur Neuordnung des Gebiets, was etwa 400 Jahre ausmacht. Das ist erstens nicht kurz und zweitens ging die Eifel dann auch nicht im Ostfränkischen Reich auf, denn das gab es damals schon lange nicht mehr. Im heutigen Gebiet der Eifel fanden sich nach der "Lothringischen Zeit" vielmehr mehrere Fürstentümer innerhalb des Reiches Karls IV. (Luxemburg, Limburg, Lüttich und Streubesitz von Kaiserlanden).

Fazit

Der Verfasser des Zitats, der wohl vor der tatsächlich komplizierten Materie der Territorialentwicklung nach Karl dem Großen kapituliert, rettet sich hilfsweise in falsche Vereinfachungen. Der "Super-Gau" aus den "Maaren" zeigt zudem wenig Sinn für Sprachlogik. Kompetenz im Umgang mit Geschichte ist in diesem Aufsatz auf Schülerniveau nicht zu erkennen. Dies zeigt auch ein weiterer Prämierungsvorschlag.

Belege

Da die genannten Fakten in jedem beliebigen Werk über die Zeit genannt werden, erübrigt sich die Angabe. Für weitere Informationen dürfte jedes Schulbuch zu dieser Zeit dienen können, notfalls unter Nutzung von Geschichtskarten wie Putzger, F.W.: Historischer Weltatlas. Berlin 1970, S.42-59.
Veröffentlichung: November 1999
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