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Sepp DeppPrämie für Falschangaben zur Geschichte
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Nr.11: Zwangsarbeiter

NS-Zwangsarbeiter: Arbeitslager Dora-Mittelbau

Nominierung

Thema: Opfer des Arbeitslagers Nordhausen
Quelle: Journalartikel: US-Magazin "Life" vom 21. Mai 1945
Urheber: Redaktion des Life-Magazins

Aussage

Die unten gezeigte Abbildung soll laut Text des Journalartikels folgendes zeigen: 3.000 Zwangsarbeiter eines deutschen Konzentrationslagers in Nordhausen, getötet durch Verhungern, durch Überarbeitung und Mißhandlungen.

Tatsachen

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Das Lager
Es ist zu unterscheiden zwischen Arbeitslagern und Konzentrationslagern, was sich auch in verschiedenen, insgesamt allerdings unübersichtlichen behördlichen Zuständigkeiten zeigte. Bei der Stadt Nordhausen in Thüringen wurde ab August 1943 ein Lager für Zwangsarbeiter eingerichtet, anfänglich als Außenstelle des Konzentrationslagers Buchenwald. Ab 1. Oktober 1944 erhielt es wegen stark gewachsener Kapazität den Status eines eigenen Lagers, das in wichtigen Organisationsfragen nun der Rüstungsproduktion (Ministerium Speer) unterstellt war. Wie auch die anderen mindestens 11 Arbeitslager für die Rüstungsproduktion erhielt es einen Decknamen, hier "Mittelwerk Dora". Es diente der Produktion der deutschen Vergeltungswaffen (Fieseler 103 "Kirschkern" =V1 und "Aggregat-4" =V2). Das Arbeitslager bestand aus der Hauptproduktionsanlage Dora im Kohnstein des Harzgebirges mit Unterkunft und 30 zusätzlichen Produktionsstätten und Unterkünften, sog. "Außenlager". Eines und vermutlich das größte von ihnen lag in der ehemaligen Boelcke-Kaserne im Süden der Stadt nahe der Rotenburgstraße. Dort wurde die betreffende Aufnahme gemacht.

Die Häftlinge
Angaben über solche Lager sind nicht nur hinsichtlich ihrer Häftlingszahlen zuweilen wenig zuverlässig. Laut Angaben der "Gedenkstätte KZ-Nordhausen" soll dort die Flak-Rakete "Taifun" produziert worden sein, die jedoch bis Kriegsende nochnicht fertig entwickelt war.x(1) Es bestanden laut erhaltener Baupläne offenbar Absichten zu einer solchen Produktion, die bis Kriegsende jedoch nicht über das Planungsstadium hinauskamen. Von den kurz nach Kriegsende zerstörten Barackenunterkünften sei eine "wiederbeschafft" worden, so als könne man original alte Steinhäuser auf dem Flohmarkt kaufen.x(2) Die Begriffs-Akrobatik soll offenbar verschleiern, daß die Baracke schlicht neu gebaut wurde und insofern von fraglicher Authentizität ist.
Das Außenlager Boelcke-Kaserne soll 2.000 Häftlinge umfaßt haben, der Gesamtkomplex Dora 11.675 (am 31. Juli 1944). Für verschiedene Zeitpunkte sind zahlreiche weitere Zahlenangaben in Umlauf, für die ebenfalls keine überprüfbare Quelle genannt wird.
Ab Januar 1945 erhielt der Komplex starke Zuwächse an Häftlingen durch die Evakuierung der weiter im Osten gelegenen Konzentrationslager. Eine Statistik dazu scheint nicht verfügbar. Die Zwangsarbeiter hatten zunächst die Aufgabe zum Bau der unterirdischen Stollenanlagen, wo sie zugleich bis Frühjahr 1944 auch ihre Unterkunft hatten. Die schwierigen Lebens- und Arbeitsbedingungen sollen zu einer hohen Todesrate unter den Häftlingen geführt haben. Es wird eine nicht überprüfbare Gesamtopferzahl von 20.000 Toten genannt, wozu wahrscheinlich auch die Opfer von anglo-amerikanischen Bombenangriffen mitgerechnet werden, denn eine separate Auflistung ist nicht zu finden. Es werden stets nur die Gesamt-Todesopfer genannt. Anfang April 1945 wurde der Komplex "Mittelbau Dora" evakuiert. Am 11. April 1945 wurde das Gebiet von US-Truppen besetzt. Bei dieser Gelegenheit entstand die fragliche Fotographie, von der es eine weitere Version gibt, die einige Minuten zuvor aufgenommen wurde.

Die Todesopfer auf dem Bild
Seit dem Beginn der Bombardierung von London durch deutsche V-Waffen hatte der britische Kriegspremier W. Churchill die Vernichtung der deutschen V-Waffen-Anlagen als vorrangiges Ziel erklärt. Entsprechend wurden die Produktionsanlagen bei Nordhausen am 3. und 4. April 1945 durch Luftangriffe fast völlig zerstört. Die auf der Fotographie sichtbaren Toten waren die Opfer dieser anglo-amerikanischen Luftangriffe.x(3) Sie wurden in einem Massengrab des heutigen "Ehrenfriedhofs Nordhausen" beigesetzt.
Es trifft zu, daß im Arbeitslager "Mittelbau Dora" bei Nordhausen sehr viele Häftling durch schlechte Lebensbedingungen und harte Behandlung umkamen. Eine bewußte Massenvernichtung ist hingegen wenig plausibel, da die deutsche V-Waffen-Produktion mit großen Hoffnungen auf eine Wende im Krieg vorangetrieben wurde und es wenig sinnvoll gewesen wäre, bei äußerstem Arbeitskräftemangel gerade jene Arbeiter zu töten, die diese Waffen produzieren. Rüstungsminister Albert Speer sagte vielmehr im Nürnberger Tribunal aus, daß er sich aus naheliegenden Gründen ständig um eine Ausweitung der Zahl von Arbeitskräften bemühte. Eine Massenvernichtung der ihm unterstellten schließlich 14 Mio. Arbeitskräfte wie jene im Lager Nordhausen wurde ihm im Urteilsspruch auch nicht angelastet.x(4) Manche der teilweise katastrophalen Zustände für die Zwangs- und Fremdarbeiter, wie etwa Versorgungsmängel, waren Resultat der alliierten Flächenbombardierungen und deren Folgewirkungen, die auch die deutsche Bevölkerung in gleicher Weise traf.

Fazit

Die fragliche Fotographie zeigt die Opfer des anglo-amerikanischen Luftangriffs auf die Waffenproduktionsstätte. Es ist kaum anzunehmen, daß die fotographierenden US-Kameraleute oder die Redaktion des Life-Magazins die Zusammenhänge nicht kannten.

Belege


x(1)Unfertige Taifun:
Heinz J. Nowarra: Die deutsche Luftrüstung 1933-45. Bd. 4. Bonn 1/1977, S.65.

x(2) Wiederbeschaffung und Lager-Chronik
Angaben der heutigen Gedenkstätte in 99734 Nordhausen (
www.nordhausen.de/dora/). Die erstaunliche "Wiederbeschaffung" und die verfrühte Rakete auf einer Webseite (www.nordhausen.de/dora/html/dora_info.htm).

x(3) Opfer des Luftangriffs
Martin Broszat: Studien zur Geschichte der Konzentrationslager. In: Schriftenreihe der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte Nr. 21, Stuttgart 1970, S.194 f.

x(4) Speers Aussagen
Dokumentation: Der Prozeß gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Militärgerichtshof in Nürnberg 14. November 1945 - 1. Oktober 1946. Nürnberg 1947. Hier: Bd. 16, S.475 f.. Der Tenor des Urteils ebd. Bd. 1, S.374 ff.
Veröffentlichung: Dezember 1999
+Nr.10: Der Super-BruchNr.12: Transportproblem+
 
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