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Sepp DeppPrämie für Falschangaben zur Geschichte
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Nr.12: Transportproblem

NS-Judenverfolgung: Zugtransporte ins KZ

Nominierung

Thema: Transport von Juden in NS-Massenvernichtungslager
Quelle: a) Fachbuch: Kennzeichen "J". Berlin (Ost) 1981, S.185
b) Filmdokumentation: Der Tod ist ein Meister aus Deutschland, Teil 3, 2. Mai 1990
Urheber: Zu a): Herausgeber H. Eschwege; zu b) Prof. Dr. Eberhard Jäkel, Direktor des Historischen Instituts der Universität Stuttgart, sowie eine Journalistin mit dem Pseudonym "Lea Rosh"

Aussage

xDie nebenstehende Abbildung soll laut Text des Fachbuches einen Massentransport verhafteter rumänischer Juden zeigen, der sie "in Ghettos und Massenvernichtungslager führt". Der Transport in offenen Waggons soll zusätzlich die unmenschliche Behandlung belegen. Gleichlautend ist auch die Verwendung des Bildes in einer vierteiligen historischen Filmdokumentation, die auch als Buch verlegt wurde.x(1)

Tatsachen

Evakuierung: Die nebenstehende Fotographie wird häufiger verwendet, um die Massentransporte von NS-Opfern in Vernichtungslager zu dokumentieren. Die Behauptungen über den Bildgegenstand sind jedoch falsch. Tatsächlich wurde die Aufnahme nach dem Krieg aufgenommen im Hamburger Hauptbahnhof, 1946. Sie zeigt einen Massentransport von deutschen Flüchtlingen, die aus der durch anglo-amerikanische Luftangriffe zerstörten Stadt in das Ruhrgebiet evakuiert wurden, wo man bessere Versorgung erhoffte. Die bewußte Aufnahme wurde für den gewünschten Zweck manipuliert. Dies zeigt der Vergleich mit dem Original, das dem Bild zugrunde liegt. Das unten abgebildete Original der Aufnahme ist im Besitz der Deutschen Bahn AG. Es ist auch öffentlich bekannt, da eine Vergrößerung heute im Hamburger Hauptbahnhof ausgestellt ist. Es trägt den Titel "Flüchtlinge in Güterwagen 1946".x(2) Die Fälschung ist ein Ausschnitt daraus, der die typischen Kulissen des Hamburger Hauptbahnhofs nicht mehr erkennen läßt. Zusätzlich wurde der auf dem linken Gleis sichtbare Zug nach Lübeck retuschiert: Die Dachfenster wurden dunkel gefärbt. Damit wird versteckt, daß dieser Zug aus "Doppeldecker" Personenwaggons bestand, die es bis zum Kriegsende in Rumänien, dem angeblichen Ort der Aufnahme, noch nicht gab.

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DDR-Propaganda: Mutmaßlich ist das zitierte Buch der ursprüngliche Urheber der Bildproduktion. Die ehemalige DDR, Publikationsort des Buches, hatte den "Antifaschismus" als Staatsprinzip auf ihre Fahnen geschrieben. Entsprechend war die propagandistische Tendenz ihrer Beiträge zur Zeitgeschichte. Die von "dialektischen" Vorstellungen über Wahrheit und Objektivität geleiteten Hofhistoriker des Regimes hatten offenbar keine Probleme damit, fehlende historische Beweise einfach nach Bedarf selbst herzustellen. Die Fotographie wird ansonsten in vielen Publikationen über die Zeit des Zweiten Weltkriegs in unterschiedlichen Bildausschnitten verwendet. Seine Bildaussage scheint dabei weitgehend austauschbar. So findet man es auch deklariert als Vertreibung der Deutschen aus der Tschechien.x(3)

Fazit

Aufschlußreich ist, wer sich solche Produkte und deren Tendenz heute ungeprüft zu eigen macht. Zwar trifft es zu, daß es solche Massentransporte verhafteter Juden in Konzentrationslager gab und daß diese unter unmenschlichen Bedingungen stattfanden, vermutlich auch in offenen Güterwagen. Dies rechtfertigt es jedoch nicht, zur Dokumentation dieser historischen Fakten Fotographien zu fälschen.

Belege


x(1)Meisterwerk:
Die Filmdokumentation wurde vollständig im deutschen Fernsehen gezeigt, der bewußte Teil 3 am 2. Mai 1990. Die Filme sind weiterhin als Videocassette im Handel. Das Buch dazu: Jäckel, Eberhard / Rosh, Lea: Der Tod ist ein Meister aus Deutschland. Hoffmann und Campe, 1991. Dazu auch: E. Gauss: Vorlesungen über Zeitgeschichte. Tübingen 1993, S.144 f.

x(2) Das bekannte Original:
Das Originalbild mit dieser historischen Einordnung publiziert in: Hamburger Abendblatt, 21. Oktober 1981, S.4.

x(3) Multi-Funktional:
Vertreibung: Zentner, Ch.(Hrsg.): Das Dritte Reich. Bd. 5. Hamburg o.J., S.168, der Ausschnitt hier noch kleiner ohne den retuschierten Personenzug.
Veröffentlichung: Januar 2000
+Nr.11: ZwangsarbeiterNr.13: Rettet die Welt+
 
13.03.2018-00 Impressum 2,31
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System: PUBLIU
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