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Sepp DeppPrämie für Falschangaben zur Geschichte
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Nr.17: Voll emanzipiert

Amerikanischer Bürgerkrieg: Emanzipationserklärung 1862

Nominierung

Thema: Der US-Bürgerkrieg 1861-1865: Freiheit für Negersklaven duch die Emanzipationserklärung 1862.
Quelle: Ansprache "I have a Dream" vom 28. August 1963 vor dem Lincoln Memorial in Washington D.C., USA.
Urheber: Reverend Michael King, seinerzeit christlicher Prediger, besser bekannt unter dem Phantasienamen "Dr. Martin Luther King Jr.".

Aussage

"Vor fünf Zeitaltern unterschrieb ein großer Amerikaner, in dessen symbolischem Schatten wir hier heute stehen, die Proklamation der Emanzipation. Diese bedeutsame Verfügung schien auf wie ein mächtiges Leuchtfeuer der Hoffnung für Millionen von Negersklaven, die bis dahin in den Flammen einer vernichtenden Ungerechtigkeit schmachteten. Die Proklamation kam wie eine freudenstrahlende Morgenröte, um die lange Nacht ihrer Knechtschaft zu beenden."x(1)

Michael King, dessen theologische Doktorarbeit weitenteils aus einer anderen Arbeit abgeschrieben wurde,x(2) hielt eine berühmte Rede, Höhepunkt des "schwarzen Marsches" auf Washington zur Forderung von mehr Bürgerrechten für schwarze Amerikaner. Die Rede vor 250.000 Teilnehmern wurde von Nachrichtenmedien übertragen und häufig in Zeitungen zitiert. Durch Ort und Aussage wird eine historische Information vermittelt. Sie besagt, daß US-Präsident Lincolns Emanzipationserklärung während des Bürgerkriegs von der Absicht geleitet worden sei, für die Menschenrechte der schwarzen Amerikaner zu kämpfen (kam ... um zu).

Tatsachen

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Die Sklavenfrage
Während sich im Norden der USA durch Zuwanderungen ein proletarisches Vielvölkergemisch ausprägte, blieb der Süden ein durch landwirtschaftliche Latifundien geprägter Raum meist englischer Kolonisten. Die Arbeit von schwarzen Sklaven, hauptsächlich auf Baumwollplantagen, war Bestandteil des dortigen Wirtschaftskonzepts. Daraus entwickelte sich Mitte des 19. Jahrhunderts ein konzeptioneller Gegensatz zwischen beiden Hemisphären in den USA. Im Norden fürchtete man, daß aus den südlichen Ländern der Anspruch auf allgemeine Legitimation von Sklavenhalterei erhoben werden würde. Mancher Immigrant und vor allem schwarze Industriearbeiter fürchteten, dabei selbst zum Sklaven zu werden. Im Süden hingegen fürchtete man, aus dem Norden könne der Anspruch auf allgemeine Abschaffung der Sklaverei erhoben werden. Das hätte die Wirtschaftsgrundlage vieler Farmen gefährdet.x(3)

Der Weg in den Bürgerkrieg
Eine ausgleichende Vereinbarung zwischen Vertretern der streitenden Staaten war der "Kompromiß von 1850". Die Festlegung von Sklavenfreiheit in Kalifornien wurde der Gegenseite mit einem "Fugitive Law" entlohnt, das die Zwangsrückführung geflohener Sklaven auch aus sklavenfreien Staaten sicherstellte. Doch traten durch die fortlaufende Neubesiedlung entlang der Frontier (="Wilder Westen") immer neue Fragen und Probleme zur Sklavenfrage auf. Etwa 1854 das Problem, wie dies in neu gegründeten Bundesstaaten zu handhaben sei. Der Konflikt eskalierte 1861 zum Krieg.x(4)

x Der Bürgerkrieg nahm seinen Ausgang von gegensätzlichen wirtschaftlichen Interessen unterschiedlicher Gewerbezonen in der amerikanischen Kolonie und hatte keinerlei Bezug zu irgendeiner Menschenrechtsfrage.

Niederlagen der Union
Das Kriegsglück war den Nordstaaten unter Leitung des im März 1861 inaugurierten Präsidenten Abraham Lincoln (Bild oben) nicht gewogen. Vom Desaster bei Bull-Run aus begann eine Reihe trüber bis durchwachsener Schlachtergebnisse. Zusätzlich entwickelte sich die Unterstützung in Europa für die Nordstaaten nicht wie gewünscht. Obwohl die Südstaaten durch ihre Sezession formal und staatsrechtlich die zweifelhaftere Position vertraten, sahen breite Kreise in Großbritannien eher in den englischen Aristokraten des Südens ihren Bezugspunkt. Außerdem war die britische Textilindustrie auf die Baumwolle der Plantagen in den US-Südstaaten angewiesen. Der französische König Napoleon III. träumte von einer französischen Expansion in Mittelamerika, ausgehend von Mexiko. Damit verletzte er die Doktrin des früheren US-Präsidenten Monroe, die diesen Raum zum Interessensrevier der USA deklarierte und machte ihn für die US-Politik zum Feind. Die regelmäßigen militärischen Erfolge der reichen Südstaaten unter General Lee überzeugten auch Unentschlossene in Europa davon, sich auf diese Seite zu schlagen.x(5)

Kampfgeist durch Propaganda
Lincoln stellte bei seiner Lagebeurteilung fest, daß die vernichtenden militärischen Niederlagen Zuversicht und Engagement der Unionstruppen demoralisiert hatten. Ein anfeuerndes Ideal als Kriegsziel sollte dies kompensieren. Die radikalste Aktivistengruppe in seinem Lager aber waren die sog. "Abolitionisten", politisch fanatisierte Gegner der Sklaverei. Indem ihre Deutung des Krieges zum offiziellen Kriegsziel erklärt werden sollte, hoffte Lincoln die nötige Kampfesmotivation mit Hilfe der fanatisch kämpfenden Abolitionisten auch den anderen Unionssoldaten vermitteln zu können.x(6)

Sieg durch Emanzipation der Gegner
Im Juli 1862 präsentierte Lincoln seinem Kabinett eine "Proclamation of Emancipation". Sie sollte die Abolitionisten mobilisieren und die Farmer der Südstaaten unter Druck setzen durch die Freiheitserklärung für alle Sklaven. Pikanterweise sollte diese Freiheit aber nur für Negersklaven aus den Südstaaten gelten. Die Sklavenhalter in den Nordstaaten hätten ihre unfreiwilligen Diener weiter halten dürfen. Der taktische Hintergedanke: die ökonomische Grundlage der Kriegführung in den Südstaaten zu schwächen durch eine Sklavenrevolte oder Massenflucht der Sklaven. Staatssekretär Sewards Einwand dagegen: Wird diese Emanzipationserklärung verkündet, während der Krieg schlecht steht für die Union, erkennt jeder den Trick und das würde nicht gut aussehen. Besser wäre es, diese Erklärung auf einen Zeitpunkt zu verschieben, wo sich doch einmal ein militärischer Erfolg für die Union der Nordstaaten findet. Dies gelang am 17. September 1862 in der blutigsten Schlacht des Krieges bei Antietam / Maryland. Prompt nutzte Lincoln die Gunst der Stunde und proklamierte fünf Tage später sein bis dahin im Schreibtisch geparktes Freiheitsmanifest. Er drohte zugleich damit, diese Proklamation im folgenden Januar als Gesetz zu verabschieden, wenn die Südstaaten bis dahin nicht kapitulieren.x(7)

x Nachdem die Nordstaaten unter Lincoln regelmäßig militärisch versagten gegen das elitäre Niveau der Südstaaten, blieb ihnen nach eigener Erkenntnis nichts anderes übrig, als ihren Gegner durch Entzug seiner Wirtschaftsbasis zu besiegen. Dazu gehörten auch die Billigarbeitskräfte der Negersklaven.

Die Sklavenfrage aus Unions-Sicht
Weder Lincoln noch die Nordstaaten an sich waren prinzipiell gegen die Sklaverei. Wer in den Nordstaaten unter Präsident Lincoln Sklaven besaß, durfte sie auch im Krieg weiter behalten. Es gab dort nur wesentlich weniger von ihnen als im agrarischen Süden. Der Unionsoffizier Major General Ben Butler, Kommandeur von Fort Monroe, folgte diesem Brauch: Negersklaven, die ihm während des Krieges in und aus dem Süden in die Hände fielen, betrachtete er als Eigentum von "Süd-Rebellen". Und da Anweisung bestand, deren Vermögen zu beschlagnahmen, waren auch diese Sklaven seine Kriegsbeute, die er für sich und seine Truppe arbeiten ließ. Das US-Kriegsministerium und der Kongress billigten dies ausdrücklich.x(8) Ganz anders im folgenden Fall: Als im September 1861 ein abolitionistischer Unionsoffizier in Missouri wie üblich das Vermögen von Bürgern der Südstaaten konfiszierte, aber ihre Sklaven frei ließ, hob Lincoln persönlich diesen Befehl wieder auf. Er fürchtete den Zorn von Sklavenhaltern in den Nordstaaten.x(9)
Zu einem englischen Journalisten sagte Präsident Lincoln zum Beginn des Bürgerkriegs:
"Mein höchstes Ziel in diesem Kampf ist die Rettung der Union, nicht der Schutz oder die Vernichtung der Sklaverei. Wenn ich die Einheit retten könnte, ohne einen einzigen Sklaven zu befreien, würde ich es tun."
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Das war nur konsequent, da Lincoln ansonsten in Widerspruch geraten wäre zu seinem vorher öffentlich verkündeten politischen Programm, etwa während einer Wahlkampf-Veranstaltung am 06.11.1860:
"Ich trete heute sowenig wie jemals früher dafür ein, daß man Neger zu Wählern oder Geschworenen macht, sie für geeignet erkläre, Ämter zu führen oder weiße Frauen zu heiraten; es gibt eine physische Verschiedenheit zwischen der weißen und der schwarzen Rasse, die es, wie ich glaube, für immer ausschließen wird, daß die beiden Rassen auf dem Fuße sozialer und politischer Gleichheit miteinander leben. Und da sie nicht in Gleicheit leben können, aber doch zusammen bleiben, muß es Über- und Unterordnung geben, und ich trete ebenso wie jeder andere dafür ein, daß die übergeordnete Stellung der weißen Rasse zugesprochen werde."
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x Lincoln und die Nordstaaten konnten nicht mehr tun, als wenigstens offen zu sagen, daß ihnen das Schicksal von Negern und Menschenrechten völlig gleichgültig ist, solange es sich nicht militärisch verwerten läßt. Wer dann immer noch meint, das Gegenteil erfinden zu müssen, kann nicht hoffen, damit ernst genommen zu werden.

Fazit

Es erscheint als recht unglücklich, Lincolns Person und speziell die fragwürdige "Declaration of Emancipation" als ein Meilenstein des Weges hin zu den Menschenrechten zu bezeichnen. Weder Lincoln noch die Kriegsziele der Nordstaaten hatten diese Motive und Absichten. Die Emanzipationserklärung war ein geschickter Schachzug in den Charaden des Krieges in einer schwierigen militärischen Lage. Die Fragen von Sklavenhaltung und Menschenrechten waren keine Erfindung von Lincoln oder der Nordunion sondern wurden vor allem durch die Vorgeschichte und die Umstände des Krieges diktiert, der letztlich von unterschiedlichen ökonomischen Interessen seinen Ausgang nahm. Die heutige Betonung angeblicher Fortschrittlichkeit in der US-Geschichte verdeckt blutige Abgründe und enthält mehr Selbstbeweihräucherung als historische Fakten.

Belege


x(1)Kings Ansicht
Der Wortlaut im englischen Original:
"Five score years ago, a great American, in whose symbolic shadow we stand today, signed the Emancipation Proclamation. This momentous decree came as a great beacon light of hope to millions of Negro slaves who had been seared in the flames of withering injustice. It came as a joyous daybreak to end the long night of their captivity."

x(2) Kings Schwindeleien
Strom, Kevin Alfred: The Beast as a Saint. In: American Dissident Voice Broadcast, 15. Januar 1994:
"And no less an authoritative source than the four senior editors of The Papers of Martin Luther King, Jr. (an official publication of the Martin Luther King Center for Nonviolent Social Change, Inc., whose staff includes King's widow Coretta), stated of King's writings at both Boston University and Crozer Theological Seminary: "Judged retroactively by the standards of academic scholarship, [his writings] are tragically flawed by numerous instances of plagiarism.... Appropriated passages are particularly evident in his writings in his major field of graduate study, systematic theology." King's essay, "The Place of Reason and Experience in Finding God," written at Crozer, pirated passages from the work of theologian Edgar S.Brightman, author of The Finding of God. Another of King's theses, "Contemporary Continental Theology," written shortly after he entered Boston University, was largely stolen from a book by Walter Marshall Horton. King's doctoral dissertation, "A Comparison of the Conceptions of God in the Thinking of Paul Tillich and Harry Nelson Wieman," for which he was awarded a PhD in theology, contains more than fifty complete sentences plagiarized from the PhD dissertation of Dr. Jack Boozer, "The Place of Reason in Paul Tillich's Concept of God."

x(3) Die Entwicklung der Staaten-Differenz
Guggisberg, Hans R.: Geschichte der USA. Bd. 1: Entstehung und nationale Konsolidierung. Stuttgart 2/1979, S.62-112.

x(4) Schritte zum Krieg
Ebd., S.108-113.

x(5) Kriegsglück
Blum, John M.: The American Experience. A History of the United States. Harcourt Brace 1963, S.342-344.

x(6) Kriegsanfeuerung
Ebd.

x(7)Lincolns Trick
Ebd., S.345, in gleichem Sinne Guggisberg, a.a.O., S.116. Eine ähnliche Charakterisierung des Verhältnisses zwischen Idealismus und Phragmatik bei Lincoln: Goerlitz, Erich (Bearb.): Das Werden der modernen Welt (1648-1900). Paderborn 1968, S.174.

x(8) Das Butler-Prinzip
Blum, a.a.O., S.344.

x(9) In Missouri
Ebd.

x(10) Das Lincoln-Zitat
Zitat laut Fernau, Joachim: Halleluja. Die Geschichte der USA. München-Berlin 1977, S.155. Er bezieht sich auf das Interview des Journalisten Horace Greely vom 22. August 1862. Lincolns Wortlaut darin vollständig:
"My paramount object in this struggle is to save the Union, and is not either to save or to destroy slavery. If I could save the Union without freeing any slave I would do it, and if I could save it by freeing all the slaves I would do it; and if I could save it by freeing some and leaving others alone I would also do that. What I do about slavery, and the colored race, I do because I believe it helps to save the Union; and what I forbear, I forbear because I do not believe it would help save the Union."
- J.F.C. Fuller: Die entartete Kunst, Krieg zu führen. Köln 1964, S.107:
"Geht man von der amerikanischen Verfassung aus, so war Lincoln nichts anderes als ein Diktator. Das zeigte sich schon bei Kriegsbeginn, als er ohne Zustimmung des Parlamentes die Blockade der Häfen in den Südstaaten anordnete und gleichzeitig den Befehl zur Anwerbung von 75.000 Freiwilligen gab. In Teilen von Maryland setzte er aus eigener Machtvollkommenheit die Habeaskorpusakte (welche die persönliche Freiheit des Einzelnen garantieren sollten) außer Kraft. Wer in den Verdacht der Illoyalität geriet, wurde ohne Gerichtsverfahren ins Gefängnis geworfen."

x(11) Grundsatzfragen
Gerhard Prause: Niemand hat Columbus ausgelacht. München (Econ) 1997, S.251.
Veröffentlichung: April 2000
+Nr.16: Katalog-GötterNr.18: Mächtig holo+
 
16.10.2018-13 Impressum 2,39
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