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Sepp DeppPrämie für Falschangaben zur Geschichte
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Nr.23: Dienstag am Freitag

Weltwirtschaftskrise: Börsensturz New York 1929

Nominierung

Thema: Der US-Börsensturz und der Beginn der Weltwirtschaftskrise 1929
Quelle: Fachbuch: Schlaglichter der deutschen Geschichte. Sonderausgabe für die Landeszentralen für politische Bildung. Brockhaus-Verlag, Mannheim 1990, S.251, Beitrag Nr. 10.32
Urheber: Buchautor Helmut M. Müller, mitwirkende Berater Prof. Dr. Karl Friedrich Krieger, Prof. Dr. Hanna Vollrath sowie die Redaktion von Meyers Lexikon

Aussage

"Als im Oktober 1929 das ganze Ausmaß der Überproduktion sichtbar wurde und viele Aktien verkauft wurden, sanken die Kurse rapide. Ein Börsenkrach war die Folge, der ' Schwarze Freitag ' am 25. Oktober 1929."

Tatsachen

Reichtum für alle
Auslöser der Weltwirtschaftskrise nach lange unbemerkt dahinschwelenden Fehlentwicklungen war ein Börsensturz in den USA. Vorausgegangen war ein unglaublicher Aufschwung der Papiere. Ähnlich wie heute durch das Internet waren es neue Technologien, welche die Entwicklung antrieben. Technologiewerte wie z.B. RCA aus der damaligen Trend-Industrie Rundfunk hatten sich im Dezember 1928 innerhalb von einigen Monaten im Wert verfünffacht. Die Zuströme in die Börse waren gewaltig, was die Kurse weiter anheizte. Der Direktor von General Motors, J.J. Raskob, sprach noch 1929 für den Geist der Zeit: "Und da sich das Einkommen tatsächlich auf diese Weise vermehren läßt, glaube ich fest, daß nicht nur jeder reich werden kann, sondern daß jeder dazu verpflichtet ist."

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Der Traum
Das Geld im Schlaf verdienen, dieser Traum schien nun Wirklichkeit zu werden. Da die Unternehmensgewinne schon aus Steuergründen weggeschrieben werden, gibt es jedoch kaum Dividenden aus Aktien, Gewinne können also nur aus Kursbewegungen kommen. Das funktioniert jedoch nur so lange, wie neues Geld in die Börse fließt, sie ist ein Markt wie jeder andere auch. Steigende Preise kommen auch hier nur aus steigender Nachfrage. An der Börse wird also ebenfalls kein "Geld gemacht". Es wird vielmehr so lange umverteilt, bis die letzten Neueinsteiger die Hunde beißen: normalerweise die Kleinanleger ohne Hintergrundkenntnisse. Sobald der letzte Dollar des letzten Vermögens in Aktien angelegt ist, kann es keine börsenumfassenden und trendhaften Kursgewinne mehr geben.

Schwarzer Donnerstag
Seit 1928 zeigten sich erste breite Kursverluste, ab Sommer 1929 wurden viele Weltbörsen unruhig, der 19. Oktober brachte in New York bis zu 40 Dollar Verlust pro Aktie in den ersten beiden Eröffnungsstunden. Donnerstag, 24. Oktober, wollte die US-Brokerfirma W.E. Hutton noch mit marktschreierischem Reklame-Optimismus die Katastrophe abwenden: "Die Kurse sind heute wie ein Pfeil aus der Hölle gestiegen", was zunächst auch den erhofften Effekt hatte. Doch schon 10,15 Uhr wurden die Verluste so deutlich, daß bis zum Börsenschluß 12.894.650 Aktien von 974 Firmen verkauft worden waren, ein bis dahin unerreichter Rekord und etwa das Vierfache des normalen Tages-Satzes. Der Auftrag vieler verzweifelter Papier-Inhaber war: "Verkaufen sie zu jedem Preis." Die Kurs-Sprünge traten so rasch auf, daß auch professionelle Spekulanten (Bullen = Gewinnspekulanten und Bären = Verlustspekulanten) nicht mehr rechtzeitig darauf reagieren konnten. Die Nachrichten-Ticker kamen bis zu einer Stunde in Rückstand.
Daß dieser Donnerstag am Ende keine dramatischen Kursverluste ergab, lag an einer inszenierten Show des Bankhauses Morgan, das durch einen filmreifen Auftritt des Börsenvizepräsidenten Whitney große Kaufgebote in den Handel schoß und künstlichen Zweckoptimismus verbreitete.

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Turbulenter Freitag
Am Freitag waren die Geschäfte weiter turbulent, doch wurde weder mit der Anzahl verkaufter Papiere noch mit den gesamten Kursverlusten eine neue Marke erreicht. Der Freitag war aber der Tag, an dem sich die Nachrichten über die Ereignisse des Schwarzen Donnerstag über die Presse in aller Welt verbreiteten. In der Zeitung links vom 24.10.1929 als "Schwarzer Donnerstag" deklariert.

Schwarzer Montag
Der Trick künstlicher Aufkäufe vom Donnerstag hielt sich bis Montag, dem 28. Oktober. An diesem Tag klärte sich, daß hier keine normale Turbulenz den Markt erschüttert hatte sondern ein Erdbeben. Das Vertrauen in die Börse war so zerrüttet, daß weitere Tricks den Ernst der Lage nur noch weiter bewiesen hätten. Es wäre wohl auch niemand mehr bereit gewesen, freiwillig sein Vermögen zu verschleudern. Trotz der schlechten Preis wurden mit über 9 Mio. Aktien zwar weniger Papiere gehandelt als am Donnerstag, immer aber noch dreimal mehr als an normalen Börsentagen. Die Verzweiflung der Aktienbesitzer zeigte sich daran, zu welchen Preisen sie bereit waren, ihre Papiere abzustoßen. Die Kursverluste des Montags waren ein neuer Rekord, zugleich der größte Verlust in der Börsengeschichte des Landes: insgesamt 14 Mrd. Dollar. Nun wurde jedem deutlich, daß nichts mehr zu retten war und das Fazit des Handelstages war Panik.

Schwarzer Dienstag
Die eigentliche Katastrophe wurde deshalb der folgende Dienstag, 29. Oktober 1929. Laut einem damaligen Reporterbericht "... der Tag, an dem die Millionäre gemetzelt wurden. / Sie brüllten wie eine Meute Löwen und Tiger. Sie schrien und kreischten. Sie packten sich gegenseitig am Kragen." An Stand 6 der N.Y. Börse kam es zur Prügelei von zwei Angestellten, die durch die Hysterie angesteckt waren, ein Händler schleifte einen Boten an den Haaren durch den Saal, um ihn davon zu überzeugen, daß er ruiniert sei. Hartgesottene Makler wurden weinend gesehen, manche knieten zum Gebet nieder. Doch der Allmächtige hatte kein Einsehen: In den ersten sechs Börsenminuten fielen manche Werte um einen Dollar pro zehn Sekunden. In nur einer halben Stunde waren 3.259.800 Aktien verkauft zu einem Gesamtverlust von zwei Mrd. Dollar in dieser kurzen Zeit. Um 17,32 Uhr war die Show aus, die letzte Notierung des Börsentickers lautete: "Gesamtumsatz heute 16.383.700 (Aktien). Gute Nacht."

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Wirtschaftsbeben
Dieser Dienstag, der eigentliche "Schwarze Tag" und die Nachbeben der Katastrophe betrafen ein bis drei Millionen US-Amerikaner, viele verloren ihr ganzes Vermögen. Auch reiche Finanziers wie Bill Durant, ehem. Chef der GM, wurde mit 40 Mio. Dollar Verlust so schwer getroffen, daß er 1936 in Konkurs ging. Der gerissenste Abzocker, Jesse Livermore, war schon zwei Jahre vorher am Ende und erschoß sich auf der Toilette der Hotelbar des Sherry-Netherland. Micheal Meehan, Multi-Millionär und Börsenspezialist der Radio Corporation of America, machte die üblichen verharmlosenden Scherze, gestand seinem Sohn William viel später aber ein, eine achtstellige Summe verloren zu haben. Manche Betrügerei durch renommierte Unternehmen wie z.B. falsche Interimsaktien: C. Hatry/London und Aktienkauf durch Unterschlagung: Union Industrial Bank/Flint, Michigan wollte von dem raschen Aufschwung profitieren. Die erhofften Gewinne hätten die Schwindeleien vertuschen können. Als die Kurse verfielen, flogen die Manipulationen auf und verstärkten die krisenhaften Effekte in der Wirtschaft.

Fazit

Richtig ist lediglich, daß der 25. Oktober 1929 ein Freitag war. DER Tag des großen Börsensturzes auf dem Parkett in New York war er hingegen nicht. Entweder definiert man das Ereignis aus seinem Beginn, dann liegt man bei Donnerstag, 24. Oktober. Oder man sucht den Höhepunkt der Entwicklung. Der hätte in diesem Fall als Definitionskriterium die Zahl der maximalen Aktienverkäufe und der stärksten Kursverluste. Das aber war am Dienstag, 29. Oktober 1929.Eine Durchsicht von acht Schulbüchern aus den 1970er bis 1980er Jahren zu diesem Thema zeigt, daß diese den Begriff "Schwarzer Freitag" vermeiden oderden 24. Oktober nennen. Bis zu Autor und Verlag der oben genannten Publikation unter der Schirmherrschaft der Bundeszentrale für politische Bildung ist dieses Wissen selbst bis 1990 noch nicht durchgedrungen. Daß die hier genannten Kenntnisse schon mindestens elf Jahre vor der Veröffentlichung des Werkes bekannt waren, zeigt das Publikationsdatum des unten genannten Belegs. Bezeichnend für Qualität und Kompetenz der oben genannten Darstellung ist ein weiterer Prämierungsvorschlag.

Beleg

Thomas, Gordon / Morgan-Witts, Max: The Day the Bubble Burst. A Social History of the Wall Street Crash of 1929. New York 1979.
Veröffentlichung: August 2000
+Nr.22: Großer TraumNr.24: Davids Stadt?+
 
13.03.2018-00 Impressum 1,47
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