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Nr.30: Rundheraus

Weltbild des Mittelalters: Die Kugelgestalt der Erde

Nominierung

Thema: Weltbild des Mittelalters / Kugelgestalt der Erde
Quelle: Schulbuch "Spiegel der Zeiten", Frankfurt/Berlin/München 4/1972, S.164
Urheber: Hejo Busley, Franz Bahl

Aussage

"Im Mittelalter galt die Erde für die meisten Menschen im Abendland als eine kreisrunde Scheibe ... Das Weltmeer, so glaubte man, umgab alles Land wie eine unüberwindliche Schranke."

Tatsachen

Christoph Kolumbus, zeitgenössisches Gemälde von Sebastiano del Piombo
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Nach verbreiteter Ansicht habe man im Mittelalter die Erde für eine Scheibe gehalten, bis der Aufbruch der Neuzeit und die Abkehr vom christlichen Weltbild die Wahrheit über die Welt erschloß. Als erster Griff nach der Wahrheit über die vollgerundete Erde wird der Florenzer Gelehrte Toscanelli genannt (um 1400), von dessen Überlegungen wiederum der Portugiese Christobal de Colon (Kolumbus, 1447-1506) rundheraus und folgerichtig die kühne Idee abgeleitet habe, ein fernes Landziel wie Indien auch auf dem umgedrehten Seeweg zu erreichen. Übersehen wird dabei, daß fast zweitausend Jahre vor den genannten illustren Herrschaften bereits ein recht berühmter Grieche die Kugelgestalt der Erde nachgewiesen hatte und daß dessen Schriften und Gedanken das Weltbild des Mittelalters mitgeprägt haben:

"(Die Welt des Mittelalters) ... war groß und klein zugleich. Groß insofern, als man die vernünftige und einleuchtende Argumentation des Aristoteles zugunsten der Kugelgestalt der Erde bereitwillig akzeptierte. Die immer noch verbreitete Meinung, vor Kolumbus´ Entdeckung Amerikas habe man die Erde für flach gehalten, ist ein elender Irrtum. Aristoteles und Ptolemaios sind viel gelesen worden, und Scroboscos Lehrbuch 'Über die Sphäre', gleichfalls geschätzt, hat die verhältnismäßige Riesigkeit des Alls drastisch veranschaulicht."

Fazit

Nun ist es wohl relativ, was man sich bei der oben prämierten Aussage unter den "meisten Menschen" vorzustellen hat. Hier ist wohl die "Mehrheitsmeinung" gemeint. Worin diese im Mittelalter (ca. 700-1400) bestand, wird heute wohl niemand sagen können, da es damals keine repräsentativen Umfragen gab. Die Mehrheit dürfte damals als Landwirt oder als Kleinhandwerker und -händler gearbeitet haben. Diese Menschen hatten sicher andere Sorgen und Fragen als die nach der geometrischen Gestalt der Erde. Da sie ihren Lebensunterhalt nicht mit Schreiben verdienten, haben wir kaum authentische und repräsentative Zeugnisse über ihre Fragen und Gedanken. Soweit sich die nominierte Aussage notwendig also auf die schreibenden und lesenden Gelehrten des Mittelalters bezieht, ist sie offenbar falsch. Spätestens seit Aristoteles (384-322 v.Chr.) ist die Kenntnis ältester Zeiten über die Kugelgestalt der Erde im europäischen Kulturkreis belegbar. Den Gelehrten des Mittelalters war diese Kenntnis ebenfalls vertraut. Schließlich war es vor allem die durch den Scholastiker Thomas von Aquin (1225-1274) vermittelte Logik des Aristoteles, welche die wissenschaftliche Entwicklung des Hochmittelalters mit ihren aufblühenden Universitäten mitbeeinflußte.

Beleg

Zitat bei Otto Borst: Alltagsleben im Mittelalter. Frankfurt/M. 1983, S.530.
Veröffentlichung: Oktober 2001
+Nr.29: Toller RandNr.31: Martin Zombie+
 
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