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Nr.31: Martin Zombie

Schicksal von NS-Funktionären: Martin Bormann

Nominierung

Thema: Das untote Leben des NS-Spitzenfunktionärs Martin Bormann
Quelle: Netzpublikation eines möglicherweise auch in Buchform erschienen Textes: "War Hitler ein Diktator?" Nachtrag nach dem Schlußwort
Urheber: Friedrich Christian Prinz zu Schaumburg-Lippe

Aussage

"In diesem Zusammenhang erwähnte ich, daß ich nach dem Krieg - 1948/49 - Herrn Bormann in Buchloe auf dem Bahnhof gesehen hätte. Diese Bemerkung löste eine Lawine aus und eine führende deutsche Illustrierte bat mich um eine Unterredung."

Tatsachen

xZur Person
Martin Bormann, geboren am 16.07.1900 in Halberstadt als Sohn eines Postbeamten und Oberfeldwebels der Reserve, war gelernter Landwirt. Er gehörte nach dem Ersten Weltkrieg zu Kreisen radikaler Nationalisten und wurde für seine Beteiligung an einem politischen Feme-Mord 1924 zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Verheiratet war er mit Gerda Buch, der Tochter eines Majors und frühen Hitler-Gefährten. Aus der Ehe gingen seit 1930 insgesamt neun Kinder hervor. Bormann hatte indes zeitweise ein Verhältnis mit einer Schauspielerin, wovon auch seine Frau wußte, weshalb sie ihm brieflich eine "Reichsnotehe" zu Dritt vorschlug im Sinne wechselschichtiger Steigerung der Nachwuchsproduktion (seine Kommentarnotiz am Rand des Briefs: "gute Idee!").
Bormann war seit 1927 Mitglied Nr. 60.508 der NSDAP und ab 1933 Stabsleiter beim Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß. Das Vertrauen Hitlers zeigte sich auch darin, daß er Bormann die Verwaltung seines Privatvermögens übertrug, ebenso Bauaufsicht und Verwaltung seines Privatwohnsitzes "Berghof" am Obersalzberg. Bei ihren Eheschließungen 1945 und 1929 waren Hitler und Bormann jeweils Trauzeugen füreinander. Seit 29.05.1941 war Bormann Leiter der NS-Parteikanzlei im Rang eines Reichsministers, seit dem 12.04.1943 auch offiziell Sekretär des Staatschefs Hitler. Er bekleidete zuletzt zugleich den Rang eines SS-Gruppenführers (General).

Zentrale Machtstellung
Bormann wußte sich durch unauffällige Nützlichkeit bei Hitler unentbehrlich zu machen (Schirach: "das Gedächtnis Hitlers"), daher seine Vertrauensstellung, seine Ämter und hohen Ränge. Von Hitler sind Zitate überliefert der Art "Um den Krieg zu gewinnen, brauche ich Bormann / Wer gegen Bormann ist, ist gegen mich". Bormann sammelte zum Beispiel Meinungen und Aussprüche Hitlers, aus denen er später im Schriftverkehr fertige Antworten und Befehle vorformulierte, die Hitler oft nur noch abzeichnete. Es heißt, Bormann habe für seinen Entwurf jeweils die schärfere Fassung unterschiedlicher Varianten vorheriger Hitler-Äußerungen gewählt. Da Bormann allmählich alle organisatorischen Obliegenheiten der Führung übernehmen konnte, ging schließlich die Befehlsgebung des Reiches hauptsächlich durch seine Hände. Er galt daher mit seiner unauffälligen aber zentralen Stellung hinter den Kulissen als zweitmächtigster Mann im NS-Staat, noch vor Himmler, Göring und anderen. Als Mensch war er unbeliebt, auch Hitler sagte: "Ich weiß, daß Bormann brutal ist. Aber was er anfaßt hat Hand und Fuß, und ich kann mich unbedingt und absolut darauf verlassen, daß meine Befehle sofort und über alle Hindernisse hinweg zur Ausführung kommen ..."

Fahndung und Verurteilung
Nach Kriegsende wurde er von den Verfolgern des Nürnberger Tribunals vier Wochen lang in Rundfunksendungen aufgefordert, sich dieser Justiz zu stellen. Auf 200.000 Plakaten in allen Besatzungszonen Deutschlands wurde er zur Fahndung ausgeschrieben. Dies mag entsprechende Phantasie in der Bevölkerung geschaffen haben und eine Grundlage der späteren Legenden. Das Tribunal verurteilte Bormann in Abwesenheit zum Tode durch Erhängen wegen "Kriegsverbrechen" und "Verbrechen gegen die Menschlichkeit".
x Der erste Urteilsgrund war wenig überzeugend gegenüber einem Parteibeamten, der als Zuträger keinen maßgeblichen Einfluß auf taktische oderstrategische Entscheidungen der Kriegsführung hatte. Anders als etwa Keitel im Oberkommando, der zwar auch Befehle ausführte, dabei aber mitberaten konnte, war Bormann nicht zuvor an der Entscheidungsfindung beteiligt. Bauer Bormann hätte dafür auch keinerlei Ausbildung oder Kompetenz vorweisen können. Militärische SS-Ränge wie bei Bormann erhielten auch deutsche Diplomaten oder Wissenschaftler als eine eher symbolische Auszeichnung, wobei die SS wiederum vom Nimbus einer hochgestellten Persönlichkeit für ihr eigenes Ansehen profitieren konnte. Befehlsgewalt über Truppen hatten solche Quasi-Offiziere ehrenhalber bis Kriegsende meist nie erhalten.
x Der zweite Urteilsgrund beruft sich auf ein Gebot, das erst vom Tribunal selbst erfunden worden war und das es zuvor noch nie gegeben hatte. Folglich konnte man nicht dagegen verstoßen haben. Dieser Urteilsgrund selbst aber war ein Verstoß gegen den Rechtsgrundsatz des Rückwirkungsverbots.

Als Zombie unterwegs
Da Bormann seit Kriegsende sowohl tot wie lebend verschwunden blieb und abwegige Gerüchte umgingen, hohen NS-Spitzenfunktionären sei die unerkannte Flucht ins Ausland gelungen, verstummten auch nie Geschichten über Begegnungen mit Bormann. Er wurde in den 1970er Jahren angeblich als Mönch in Südamerika wiedererkannt, als Nachbar von KZ-Arzt Dr. Mengele in Paraguay, er wurde als russischer Spion wiedergefunden, als Frater Martini in einem Franziskanerkloster in Rom, als Bauer in Spanien, er wurde in Deutsch-Südwestafrika (Namibia) und in Tirol wiedergefunden und auf viele andere Weisen, stets eine Schlagzeile der Boulevard-Presse. Sein Tod war aber bereits früh standesamtlich erklärt worden (Standesamt Berlin I, Az. I/1483 Nr. 29223 vom 24. Juli 1954).

Die dramatische Realität
Nach Hitlers Tod erhielt sein Nachfolger als Staatschef, Karl Dönitz im norddeutschen Mürwik bei Flensburg, am 1. Mai 1945 aus Berlin einen Funkspruch von Reichsminister Bormann: "Testament in Kraft. Ich werde so schnell als möglich zu ihnen kommen." Bormann war in Hitlers Testament vom 29. April 1945 als Testamentsvollstrecker und künftiger NS-Parteiminister bestimmt worden. Bei Dönitz ist er aber nie angekommen. Die zuverlässigste Zeugenaussage über sein Schicksal stützt sich auf die Angaben des Reichsjugendführers Arthur Axmann, der mit zu jener Gruppe gehörte, die kurz nach Hitlers Tod aus dem Führerbunker in Berlin zu fliehen versuchte. Bormanns Sekretärin im Bunker wußte später zu berichten, daß er sich von ihr verabschiedete mit den Worten: "Also denn auf Wiedersehen! Viel Sinn hat es doch nicht mehr. Ich werde es mal versuchen, aber durchkommen werde ich wohl nicht."

Das Ende
Axmann hatte sich von Bormann getrennt, um sich mit seinem Adjutanten in Richtung Moabit durchzuschlagen. Bormann ging mit dem SS-General Dr. Stumpfegger in einer Wehrmachtsuniform gekleidet und im Schutz eines deutschen Tigerpanzers in andere Richtung weiter. Der Panzer wurde nach Axmanns Beobachtung jedoch von gegnerischer Artillerie abgeschossen. Axmann seinerseits traf bei seiner Flucht auf sowjetische Panzer und mußte umkehren. Beim Rückweg über die Invalidenbrücke habe er Bormann und Stumpfegger mit ausgebreiteten Armen und Beinen auf dem Rücken liegend auf dem Gehsteig gesehen. Er fand keine Verwundungen, aber auch keine Lebenszeichen und flüchtete weiter. Die Leichen sollen tagelang auf der Eisenbahnbrücke am Lehrter Bahnhof gelegen haben, bis sie von deutschen Postarbeitern unter russischem Kommando im nächsten Sprengtrichter verscharrt wurden.

Der Fund
Zwar waren die Urteilssprüche der völkerrechtswidrigen Nürnberger Tribunale aufgehoben worden, doch blieb der ungeklärte Fall Bormann wegen dessen Funktion im NS-Staat unter Strafverfolgung. Aufgrund der Berichte über sein letztes Auftreten behielten die deutschen Behörden diese Stelle in Berlin weiter im Auge. 1965 war das Gebiet erstmals systematisch aber vergeblich nach den Leichen abgesucht worden. Im Jahr 1972 begannen dort Ausschachtungen für Krankenhausneubauten entlang der Bahnstrecke. Der für den Fall Bormann zuständige Staatsanwalt in Frankfurt bat Polizei und Bauleitung darum, auf Knochenfunde zu achten. Tatsächlich stieß ein Arbeiter am 7. Dezember 1972 mit einem Greifbagger dann auch auf einen Schädel. Die Polizei konnte zwei Skelette freilegen. Eines davon war sehr groß, SS-Arzt Stumpfegger war in der Tat 1,90 m groß gewesen, das andere hingegen klein und Bormann war 1,68 groß gewesen.

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Identifizierung
Zur Feststellung der Identität der Leichen wurden die Unterlagen und Angaben hinzugezogen, die der Zahnarzt Dr. Hugo Blaschke nach Kriegsende über seine prominenten Patienten in der NS-Staatsführung gemacht hatte, darunter auch Hitler. Zwar hatte Blaschke im Falle Bormanns nur von einer Brücke im Unterkiefer gesprochen, doch hatte der Schädel mit der größten Ähnlichkeit zu Bormann zwei Zahnlücken. Die Blaschke bekannte Zahnbrücke fehlte zunächst, wurde wenige Tage später jedoch von einem Bauarbeiter an der Fundstelle entdeckt. Weitere Nachforschungen ergaben, daß Bormann wirklich zwei Zahnlücken im Unterkiefer gehabt hatte. Zahntechniker Echtmann aus Bensheim, der Bormanns Brücke einmal angefertigt hatte, erkannte seine eigene Arbeit an der gefundenen Brücke auch sogleich wieder. Die rechte Augenhöhle des betreffenden Schädels zeigte eine leichte Verformung, Bormann hatte tatsächlich einen Auto-Unfall und eine Schädelfraktur am rechten Augenknochen erlitten. Beide Schädel hatten Glassplitter zwischen den Zähnen. Dies konnten also Reste der Zyankali-Kapseln sein, welche hohe NS-Funktionäre bei sich führten für den Fall, daß sie keinen Ausweg mehr sehen. Auch Himmler und Göring konnten sich auf diese Weise ihrer Verurteilung entziehen.Der auf dem Bild oben gezeigte Unterkiefer stammt also in der Tat von der Leiche Martin Bormanns, dem ebenso wie seinem Begleiter Stumpfegger am 1. Mai 1945 nicht mehr der Ausbruch aus dem belagerten Berlin gelang. So konnte die Staatsanwaltschaft Frankfurt/M. am 11.04.1973 aufgrund des Leichenfundes und der forensischen Indizien die frühe standesamtliche Todeserklärung aus Berlin bestätigen und nochmals offiziell den Tod Martin Bormanns feststellen (StA Frankfurt/M. Az. OJs 11/61).

Fazit

Zwar hatte sich Hitlers Schatten auch nach Tod und Kriegsende für etwa 30 Jahre lang selbständig machen können in einer Art untoter Existenz aus der Phantasie von Sensationsmeldungen. Über seinen Tod am 1. Mai 1945 und sein Schicksal kann es seit 1973 jedoch keinen vernünftigen Zweifel mehr geben. Auch dann nicht, wenn Augenzeugen der damaligen Staatsführung wie der Urheber des prämierten Zitats Gegenteiliges behaupten.

Belege

- Steffahn, Harald: Martin Bormann. Die braune Eminenz. In: Zentner, Ch.(Hrsg.): Das Dritte Reich. Sammeldokumentation zur Zeitgeschichte, Bd. 4. Hamburg o.J. ca. 1975, S.520-523, ebd.: Lexikon Bd. 2, S.394.
- Collier, James L.: Wenn Zahnärzte zu Detektiven werden. In: Das Beste aus Readers Digest. Nr 7/Juli 1974, S.57-60.
Veröffentlichung: Oktober 2001
+Nr.30: RundherausNr.32: Gänzlich unberufen+
 
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