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Nr.33: Donald Depp

Entdeckung Amerikas: Zeitrechnung im 6. Jh.

Nominierung

Thema: Zeitrechnung und die Entdeckung Amerikas
Quelle: Comic-Serie "Donald Duck", hier: "Onkel Dagobert", Bd. 17, Stuttgart 1998.
Urheber: Don Rosa bei Walt Disney´s Company, USA, im deutschen Ehapa-Verlag

Aussage

xDonald Duck und seine Neffen erleben geleitet von einem "schlauen Buch" ihrer Pfadfinder die seltsamsten Abenteuer in aller Welt. In einem von ihnen müssen sie Amerika retten vor einem Wikinger-Bösewicht. Der hatte durch seine frühe Entdeckung des Kontinents ebenso wie seine Nachfahren einen Anspruch auf diesen. Das "schlaue Buch" von Donalds Neffen findet jedoch als noch früheren Entdecker Amerikas den alten irischen Mönch und Missionar "Brendan", was Donald und die Kinder beweisen durch Entdeckung eines entsprechenden Steinkreuzes wie im Bild oben, womit Amerika gerettet wird.

Tatsachen

In der spannenden und lustigen Donald-Duck Abenteuerserie werden oft zugleich auch Stücke von Allgemeinbildung vermittelt über Grundwissen der Weltgeschichte. Am prämierten Beispiel sei die Qualität dieser Art von Stückwissen dargestellt:

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a) Wikinger-Bösewicht
Daß nicht Christoph Columbus der erste europäische Entdecker des amerikanischen Kontinents gewesen ist, dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben. Vielmehr haben in der Tat Wikinger des Mittelalters auf gezielten Landnahmefahrten, die zum Teil christlich-missionarischen Motivhintergrund hatten, als erste frühe Europäer "Vinland" (Wein-Land/Amerika) erreicht über die Zwischenstation "Grönland" (Grün-Land), wo zu jener Zeit bereits unstrittig Wikinger-Stützpunkte existierten. Entsprechende historische Daten stützen sich auf die nordische Saga, deren Angaben zwar typische Realitätsschwächen von Mythen haben, deren Faktenkern im Falle der Wikinger-Entdeckung jedoch bereits durch Funde von Schiffswracks entsprechenden Alters und Wikinger-Bauart an der amerikanischen Ostküste bestätigt und datiert werden konnte. Der bekannteste Entdecker-Name von Leiv Eiriksson und dessen Bruder Torvald mit ihrer Landung in Amerika um das Jahr 1000 bleibt etwas mythologisch, doch scheint spätestens mit der Fahrt von Torfinn Karlsevne um das Jahr 1020 von Brattalid, Grönland aus eine Seereise nach Neufundland konkret belegt zu sein (Karte).x(1) Die Wikinger haben zwar einen schlechten Ruf in der Geschichte durch ihre Raubfahrten, doch sind deshalb nicht alle Wikinger notwendig Bösewichte und von der Wesensart ihrer genannten Entdecker ist in dieser Hinsicht nichts bekannt. Da gäbe es vielleicht eher und besser belegte neuzeitliche Anhaltspunkte, Amerikaner für Bösewichte zu halten. Etwa mit folgendem Aspekt:

b) Historische Ansprüche
Der Erzählkern der Donald-Geschichte legt nahe, daß historische Rechtsansprüche Wirkung in der Gegenwart haben (Beispiele: israelische Politik / Entschädigungsgeschäfte). Wie ist die Realität in der Heimat von Donald Duck? Ein Beispiel: die Ureinwohner Nordamerikas hätten erhebliche Rechtsansprüche aus der Geschichte, sogar aus Staatsverträgen mit US-Präsidenten, die jedoch alle gewaltsam gebrochen wurden. Ein anderes Beispiel ist die Gewalt unter den Pionieren des Westens. Ein Johann August Suter aus Rynenberg bei Basel gründete 1839 in Kalifornien die Kolonie Neu-Helvetien. Als ab 1848 Gold in Kalifornien gefunden wurde, verwüsteten Raubhorden von Goldrittern die Kolonie. Nach der Aufnahme Kaliforniens in die Union 1850 wurde die Anarchie gewaltsam beendet. Suter machte in einem Mammutprozeß seine Ansprüche geltend gegen 17.221 Raubsiedler auf seinem Grundbesitz. Im Urteil vom 15. März 1855 vor dem höchsten Richter des Staates Kalifornien, Thompson, wurden Suters Ansprüche zivilrechtlich bestätigt. Die unterlegenen Banditen verwüsteten Suters Kolonie, terrorisierten und ermordeten Familienangehörige. Jahrzehntelang irrte Suter als Bettler vor dem Kongreß in Washington umher, um in Petitionen sein Recht zu erlangen, bis ihn am 17. Juli 1880 ein Herzschlag auf den Stufen des Kongreßpalastes erlöste. Die Stadt San Franzisko und ihr Umland steht heute auf gestohlenem Boden, dessen ursprüngliche Eigentümer bis heute ein durch US-Justizspruch verbrieftes Recht auf diesen Besitz haben.x(2) Der Erzählansatz dieser Geschichte und die Rechtspraxis in der Heimat des Comic klaffen also weit auseinander.

c) Früherer Entdecker
Ein früherer Entdecker als die unter a) genannten Wikinger ist derzeit nicht bekannt, die Story von einem irischen Mönch daher reine Erfindung. Zwar gab es zu jener Zeit Namen wie "Breda", nicht aber "Brendan", der lautlich wohl spielt mit dem englischen Vornamen "Brendon". Zwar hat es wie angegeben um die Zeit und nach dem 6. Jahrhundert eine Zeit irisch-angelsächsischer Christenmission gegeben, die zugleich auch ein bedeutsamer Transfer von Kultur nach Zentraleuropa wurde, doch belebte dieser Kulturimpuls nur Europa und scheint Amerika verfehlt zu haben.

d) Das Steinkreuz
gibt eine Datierung an, die mit "A.D." gekennzeichnet ist. Dies war das z.B. in Epigraphik übliche Kürzel für "annus domini", also "Jahr des Herren". Mit dem Zusatz "Herr" ist der christliche Gott gemeint und bezeichnet im Rahmen der Zeitrechnung eine bestimmte und für die westliche Kultur heute einzig gängige Form der christlichen Zeitrechnung, die nur während der atheistischen Französischen Revolution einmal unterbrochen wurde. Der neue Gregorianische Kalender entstand aus Bedürfnissen an Systematik für den christlichen Religionskult, der auf Zeitdaten von Schlüsselereignissen gründet, wie etwa der Auferstehung Christi (Ostern). Der vorchristlich verbreitete römische Kalender, also die julianische Zeitrechnung, wurde zunächst auch in der christlichen Kultur verwendet und war bezogen auf das Schlüsselereignis der Gründung Roms (ab urbe condita). Da der Julianische Kalender astronomisch unzuverlässig war, kam es zu Verschiebungen, so daß das Osterfest zeitlich nicht mehr zur Mondphase paßte. Dionysius Exiguus konnte dem Papst im Jahre 525 erstmals ein verbessertes astronomisches Rechnungssystem für die christliche Zeitrechnung vorlegen, doch war dieser Vorschlag nicht zugleich schon die Einführung einer neuen Zeitrechnung, die sich vielmehr erst später mit der gregorianischen Kalenderreform 1582 in der westlichen Welt durchsetzte.x(3) Somit gab es in dem im prämierten Comic genannten Jahr 537 wohl eher noch keine christliche Zeitrechnung, auf die sich ein irischer Mönch "Brendan" hätte beziehen können.Es ist dennoch zu hoffen, daß beim latenten geistigen Niveau in der Heimat von Donald Duck nicht am Ende noch das "A.D." übersetzt wird mit "anus domini".

Fazit

Die europäischen Amerika-Entdecker der Wikinger waren keine Bösewichte, zumindest gibt es dafür bislang keine Anhaltspunkte. Wenn schon von frühester Christenmission in Amerika die Rede ist, würden dabei eher die Wikinger selbst in den Blick geraten, zumindest sind deren Motive belegt. Von der Ankunft eines irischen Mönchs in Amerika im 6. Jahrhundert ist hingegen bislang nichts bekannt. Selbst wenn, hätte er dann kein Steinkreuz hinterlassen können mit einer Zeitrechnung, die im genannten Jahr noch nicht eingeführt war.
Die gut inszenierten Disney-Geschichten von Donald Duck liegen zeitlich weit vor der neuen Masche der "Doku-Fiktion" wie sie heute in US-Spielfilmen ständig verbreitet wird. Zwar ist es löblich, wenn Kinder-Comics auf unterhaltsame Weise auch allgemeinbildende Kenntnisse vermitteln, so etwa zur Weltgeschichte (z.B. vorbildlich in "Asterix der Gallier") und es ist sicher in Ordnung, daß sich hier Phantasie mit Realität verschränkt. Zu fragen ist jedoch, welcher Zusammenhang bestehen könnte, zwischen der Akzeptanz von Geschichtsverfälschungen aus politischen Interessen wie in der US-Filmdokufiction und deren Vorlauf in solchen Comics. Ebenso ist zu fragen, wo Kinder den Unterschied lernen zwischen Phantasie und Fakten, wenn das Niveau der Schulbildung sinkt, die Einflüsse solcher Phantasiemedien aber zunehmen.

Belege


x(1)Wikinger-Entdecker
Ingstad, Helge: Die erste Entdeckung Amerikas. Auf den Spuren der Wikinger. Frankfurt/M.-Berlin-Wien 1983.

x(2) Suters Schicksal
Zweig, Stefan: Goldland. Z.B. In: Der Schatzgräber. Düsseldorf 1960, S.132-139.

x(3) Zeitrechnung
Grotefend, Hermann: Taschenbuch der Zeitrechnung. Hannover 1982, S.24 ff. / v.Brandt, Ahasver: Werkzeug des Historikers. Stuttgart-Berlin-Köln-Mainz 1958, S.31ff. 2.
Veröffentlichung: Dezember 2001
+Nr.32: Gänzlich unberufenNr.34: Kohlenanzünder+
 
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