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Sepp DeppPrämie für Falschangaben zur Geschichte
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Nr.34: Kohlenanzünder

Ende der Weimarer Republik: Reichstagsbrand 1933

Nominierung

Thema: Untergang der Weimarer Republik: Reichstagsbrand 1933 und seine Ursachen
Quelle: Schulbuch: Der Mensch im Wandel der Zeiten. Bd.2, Gestalten der Neuzeit. Braunschweig, Berlin, Hamburg, Kiel 1952, S.171.
Verantwortliche: Karl Schmidt als Lektor für J. Gerlach, F. Heckmanns, E. Langhorst, u.a. Genehmigung für den Gebrauch in Schulen durch NRW-Kultusminister (SPD), Registrierung II E2 018 / Tgb. Nr. 12 654/51 am 30.11.51.

Aussage

"Ein junger Mensch, den man verwirrt und mit Ruß bedeckt, im brennenden Hause ergriffen hatte, wurde zum Tode verurteilt. Ihm konnte man nachweisen, daß er mit ein paar einfachen Kohlenanzündern Vorhänge und Sessel in Brand gesteckt hatte. Aber wer war der wirklich Schuldige? Sachverständige wiesen darauf hin, daß andere Männer mit viel wirksameren Brandstoffen am Werke gewesen sein mußten. Sie konnten nur durch einen unterirdischen Gang eingedrungen sein, der den Reichstag mit der Heizungsanlage und der Amtswohnung des Reichstagspräsidenten verband. Reichstagspräsident aber war Hermann Göring, einer der Vertrauten Hitlers. Er stand an der Spitze der Polizei. War es da ein Wunder, daß durch die Polizei nicht festgestellt werden konnte, wer durch den Gang in den Reichstag eingedrungen war?"

Demnach wurde der Reichstagsbrand von der NS-Regierung aus politischen Zwecken instrumentalisiert, nachdem sie ihn selbst legen ließ und dies dann den gegnerischen Kommunisten in die Schuhe schob. Neuere offiziöse Darstellungen in gleicher Sache distanzieren sich etwas von dieser Täterangabe.x(1) Je näher sie aber BRD-Behörden und deren Finanzierung stehen, desto stärker suchen sie sich durch Gemunkel dieser Ansicht wieder zu nähern nach dem Prinzip: Man will ja nicht sagen daß, aber eigentlich ist doch logisch, daß...x(2)

Tatsachen

xHintergrund
Nach Beginn der Weltwirtschaftskrise um 1930 erhielten in Deutschland Radikale aller Art zunehmend Wählerstimmen. Diese Verschiebung ging nicht auf Kosten gemäßigter Kräfte sondern stammte aus zunehmender Wahlbeteiligung. In der Reichstagswahl im Juli 1932 hatte die NSDAP nach früheren Erfolgen in einem Erdrutschsieg Dominanz im Parlament erhalten, in einer weiteren Neuwahl des Reichstages im November des gleichen Jahres aber wieder Stimmenanteile verloren. Sie wurde als weiterhin stärkste Parlamentsfraktion am 30. Januar 1933 von konservativen Politikern mit der Bildung einer Präsidialregierung beauftragt. Der Anteil der KPD-Wähler in Deutschland war seit 1928 ununterbrochen angestiegen, die Partei etablierte sich seit dem Sommer 1932 stabil als drittstärkste und weiter wachsende Parlamentsfraktion. Da die NSDAP erstmals die Reichsregierung stellte und diese vorläufige Beauftragung durch eine Wahl im März 1933 bestätigt werden sollte, wurde diese von allen Seiten als Schicksalswahl für die Zukunft gefühlsmäßig aufgeheizt. Die politische Wirkung des Reichstagsbrands am 27. Februar 1933 auf diese Wahl bestätigt die Wahlstatistik wie oben.

x Der Brandstifter
Marinus van der Lubbe (Bild links), geboren am 13. Januar 1909 im holländischen Leiden, war durch einen Arbeitsunfall am Bau berufsunfähig geworden und widmete sich seitdem als Wohlfahrtsempfänger politischen Aktivitäten. Bis 1929 war er Mitglied der holländischen KP, wurde ausgeschlossen und trat darauf als Aktivist der linksradikalen Splittergruppe "Radekommunisten" (Rätekommunisten) in Erscheinung. In der aufgeputschten Stimmung zwischen Januar und März 1933 glaubte er, das deutsche Proletariat vom Nationalsozialismus retten zu müssen. Er wanderte kurz nach seiner Entlassung aus einer Augenklinik Anfang Februar nach Berlin, wo er am Nachmittag des 18. Februar eintraf. Er fand Unterkunft in einem Männerheim in der Alexandrinenstraße 12-13. Man sah ihn auf Veranstaltungen der KPD im Sportpalast, bei einem Konzert der SPD und sogar bei einem Aufmarsch des "Reichsbanners" im Lustgarten. Zutreffend nahm er eine fatalistische Stimmung in der deutschen Linken wahr. Die von Anfang an mit Gewalt gegen politische Gegner auftretende Linke war unter zunehmenden Druck der SA und anderer militanter Nationalisten geraten (Stahlhelm, DNVP, Schwarzes Corps), die seit der "Harzburger Front" 1931 in einem Aktionsbündnis zusammengeschlossen waren. Zwar stellten KPD und SPD zusammen eine parlamentarische Mehrheit gegen Nationalisten, doch waren beide Parteien nicht verbündet, eher zerstritten. So schien die Linke daran zu zweifeln, sich gegen den Trend nach Rechts noch durchsetzen zu können. Van der Lubbe wollte ein aufrüttelndes Fanal setzen, um linke Kräfte zu vereinigen. Die "Zwingburgen des Systems" sollten brennen, und das deutsche Proletariat zum politischen Kampf für die Ziele des Kommunismus anstacheln. xMissionsbeginn
Am 25. Februar kaufte van der Lubbe Streichhölzer und vier Pakete Kohlenanzünder der Marke "Oldin - die fleißige Hausfrau" (rechts Detail aus dem Lubbe-Bild). Das erste Ziel des Revolutionstouristen auf seiner Rettungsmission für Deutschland war um 18,30 Uhr die Holzbaracke des Wohlfahrtsamts in Berlin-Neukölln, die er als Sozialhilfe-Empfänger wohl von innen kannte. Er warf ein angestecktes Paket Kohleanzünder in eine offenes Fenster und ein weiteres auf das Dach. Um 19,15 Uhr stieß er ein Fenster im Untergeschoß des Neuköllner Rathauses ein, wo er ebenfalls ein weiteres angestecktes Paket hineinwarf. Gegen 20,00 Uhr kletterte der ehemalige Maurergeselle auf ein Baugerüst auf der Westseite des Berliner Stadtschloßes und warf das letzte seiner Pakete in ein unverschlossenes Fenster. Durch seine stümperhafte Vorgehensweise waren jedoch keine schädlichen Brände entstanden, Passanten hatten früh die ersten Anzeichen bemerkt. Die ergebnislose Anschlagserie fand wohl auch keine deutliche Erwähnung in der Presse.

xMissionserfolg
Dieser Mißerfolg verführte den Holländer, der sicherheitshalber inzwischen in ein anderes Obdachlosenasyl gewechselt war, zu einem kühneren Projekt, um öffentliche Aufmerksamkeit zu gewinnen. Am Morgen des 27. Februar 1933 kaufte er weitere vier Pakete Kohlenanzünder. Am gleichen abend stieg er kurz nach 21,00 Uhr über das Geländer auf der Westseite des Reichstagsgebäudes an der Außenwand hoch bis auf den Balkon vor dem Restaurant im Reichstagsgebäude. Dem Platz, wo Scheidemann am 9. November 1918 seinen berühmten Verkündungsauftritt hatte. Auf dem Balkon trat Lubbe ein Doppelfenster zum Restaurant ein und warf das erste angesteckte Paket Kohlenanzünder auf einen Holztisch, mit einem weiteren Paket entzündete er Vorhänge.

xTräge Reaktionen
Der Berliner Theologiestudent Hans Flöter war auf dem Nachhauseweg an der Vorderfront des Reichstages vorbeigekommen und Zeuge der Vorgänge geworden. Er gab später zu Prokoll, gegen 21 Uhr ein klirrendes Geräusch gehört und kurz darauf in einem Fenster des Mittelgeschoßes eine Gestalt mit einem brennenden Licht in der Hand gesehen zu haben. Flöter suchte einen Polizisten und traf auf Oberwachtmeister Buwert, der gerade Streife ging. Buwert sah zwar Feuerschein, konnte sich aber nicht entscheiden, was er tun sollte. Ein weiterer Passant schrie den Polizisten erregt an: "Mann, so schießen sie doch endlich!". Buwert schickte ihn jedoch zur Polizeiwache Brandenburger Tor, um Verstärkung zu alarmieren. Diese traf auch rasch ein: Polizeileutnant Lateit und zwei weitere Beamte, darunter Polizeiwachtmeister Helmut Poeschel. Lateit fiel vor lauter Einsatzkraft aber wieder nichts besseres ein, als nochmals Verstärkung anzufordern, wozu er einen Beamten wieder losschickte. Lediglich Poeschel war unterdessen in den Reichstag eingestiegen, um konkret gegen den Anschlag vorzugehen. Dort traf er auf den Hausmeister Scranowitz, der seinerseits durch das weitläufige Gebäude irrte.

xGeschnappt
Missionar Lubbe war unterdessen nicht untätig geblieben. Aus dem Reichstagsrestaurant hatte er Tischdecken und Spültücher beschafft. Zusammen mit seiner Kleidung und Kohlenanzündern verwendete er die Textilien als Fackeln. Im Plenarsaal angekommen, steckte er die Portieren des Präsidiums an, riß einen Dekorationsvorhang von den Stenographenplätzen und zündete mit ihm nach und nach sämtliche Fenstervorhänge des Plenarsaals an. Sein weiterer Missionsweg führte ihn in den anliegenden Bismarcksaal, wo er aber Poeschel und Scranowitz um 21,27 Uhr in die Finger lief, und sofort festgenommen wurde.

xInzwischen waren 15 Löschzüge der Berliner Feuerwehr eingetroffen und begannen mit den Rettungsarbeiten. Sie konnten nicht mehr verhindern, daß der Mittelteil des Reichstages weitgehend ausbrannte. Hermann Göring, damals preußischer Ministerpräsident, war erregt aus seinem nahegelegenen Dienstsitz am Brandort eingetroffen, man sagt vor Eintreffen des letzten Löschwagens. Gegen 22 Uhr gab er Großalarm für die gesamte preußische Polizei. Der verhaftete Lubbe, dessen Personalien durch den mitgeführten Ausweis festgestellt wurden, kam zunächst in die Polizeiwache Brandenburger Tor. Die nächste Etappe war das Polizeipräsidium Alexanderplatz, wo er den Kommissaren Helmut Heisig und Walter Zirpins eifrige politische Vorträge hielt über die Weltrevolution des Proletariats.

Das war die Kommune
Ministerpräsident Göring war auf der Fahrt zum brennenden Reichstag im Dienstwagen von Polizisten angehalten worden, wodurch er erste Angaben über den Anschlag erhielt. Göring wußte auch in diesem Falle sofort, was passiert war: "Die kommunistische Partei ist die Schuldige am Reichstagsbrand". Ziemlich erstaunlich, da es zu diesem Zeitpunkt noch keine Täter-Ermittlungen gab, es hätte ja auch ein Unfall gewesen sein können. Diese Verschwörungthese wurde auch später zu seiner fixen Idee. Seine Parteikollegen reagierten jedoch zurückhaltender auf die Nachricht des Anschlags. Joseph Goebbels, damals Gauleiter der NSDAP für Berlin, nannte die Brandnachricht zunächst "eine tolle Phantasiemeldung", auch Hitler war ratlos, was er davon halten sollte.

xNicht so Göring. Als ihm die Verhaftung des Täters gemeldet wurde, schnauzte er die Beamten an:
"Ein Mann? Das war nicht ein Mann. Das waren zehn, zwanzig Männer! Mensch, wollen sie denn nicht begreifen? Das war die Kommune, das ist das Signal zum kommunistischen Aufstand."
Immerhin hatte Göring damit Recht, daß Brandstifter v.d.Lubbe genau das beabsichtigt hatte.
Als Polizeichef in Preußen und Präsident des Reichstags erinnerte sich Göring, daß 1932 einmal Attentäter geplant haben sollen, durch einen unterirdischen Versorgungsschacht in das Reichstagsgebäude einzudringen. Dies schien ihm Erklärungen für die Brandverschwörung zu liefern. Einer seiner Leibwächter und drei Polizisten wurden von ihm in den Gang hinuntergeschickt, um Spuren zu suchen, die seine These vom Rudel brandstiftender KP-Funktionäre belegen (Bild links). Es wurde jedoch nichts gefunden. Die später vor Gericht angeklagten Funktionäre der KPD wurden mangels Beweisen freigesprochen.

Der Bulgare und KPD-Chef Dimitroff als Angeklagter im Reichstagsbrandprozeß
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Van der Lubbe blieb bis zu seiner Hinrichtung am 10. Januar 1934 in Leipzig dabei, daß ihm niemand bei seiner Tat geholfen habe. Die Berliner Polizei kam zum gleichen Ermittlungsergebnis, doch die Politik konnte mit der Wahrheit nichts anfangen. Nationalsozialisten und Kommunisten bezichtigten sich öffentlich gegenseitig, das Feuer gelegt zu haben, um politisches Kapital daraus zu schlagen. Zumindest den Nationalsozialisten gelang dies noch vor dem Brandstiftungs-Prozeß durch die Einführung einer Notverordnung ("Ermächtigungsgesetz" vom 28. Februar 1933). Sie richtete sich explizit gegen Kommunisten und ihre Freiheitsbeschränkungen bildeten Grundlage dafür, schrittweise die NSDAP zur Alleinherrschaft in Deutschland zu führen.Der Ermittlungsbericht der Berliner Polizeibehörden, Grundlage der hier verwendeten Angaben,x(3) läßt keinen Zweifel daran, daß der Attentäter des Reichstagsbrandes 1933 ein geistig angeschrammter Einzeltäter aus dem linken Chaotenmilieu war. Als solcher wurde Lubbe auch rechtskräftig verurteilt. Nach der Aufhebung dieses Urteils durch BRD-Behörden 1967 wurde lediglich das Strafmaß gemindert, nicht aber die durch Indizien, Zeugen und Geständnis gestützte Schuldfeststellung verworfen.

Argumente

Ausgebranntes Abgeordneten-Zimmer im Reichstag
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Dazu werden heute folgende Argumente weitergesponnen, von denen einige pikanterweise eine Kopie dessen sind, was ursprünglich von NS-Funktionären in umgekehrter Richtung produziert wurde:
x Der Reichstagsbrand nutzte der NSDAP, also hatte sie den Brand gelegt.
Aus dieser Logik würde folgern, daß die alliierten Siegermächte des Ersten Weltkriegs diesen Krieg verursachten, da ja nur sie später in Versailles daraus einen Vorteil erzielten. Nicht jeder Nutznießer ist ein Planer, es gibt auch geschickt genutzte Zufälle des Lebens.
x Der unterirdische Tunnel beweist, daß die NS-Regierung den Anschlag verübte.
Als Polizeichef hätte Göring keinen Tunnel gebraucht, um in den Reichstag zu kommen. Als Reichstagspräsident hatte er zwar einen Anspruch auf die Dienstwohnung am Ende des Versorgungstunnels, als Ministerpräsident aber wohl auf eine bessere als diese. Man nutzt auch wohl nicht freiwillig eine Möglichkeit, die einen selbst zum Verdächtigten macht und vor allem weist man dann nicht auch noch unnötig auf diese bis dahin unbekannte Tatsache öffentlich hin.

Van der Lubbe in Haft
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x Polizei und Rettungskräfte kamen so zögerlich, daß die Zerstörung des Reichstages wohl beabsichtigt war.
Diese Absicht bestand beim Brandstifter. Daß Polizei und Feuerwehr unprofessionell auf die Alarmmeldung reagierten ist bewiesen, eine entsprechende Anweisung der NS-Regierung bislang nicht. Damalige Einsatzkräfte wurden nicht wie heute per Funk koordiniert, waren also ohne eigene Schuld träger. Wer wäre in dieser Situation selbst in das dunkle Gebäude gelaufen, wo vielleicht bewaffnete Terroristen steckten? Nachdem man hinterher weiß, daß dort nur ein dummes Kind herumlief, ist es leicht, sich für mutig zu halten.
x NS-Funktionär Göring war noch vor dem letzten Feuerlöschwagen am Brandort, also war er der Brandstifter.
Aber vor Göring waren Theologiestudent Flöter und Streifenpolizist Buwert am Brandort, dann müßten sie nach dieser Logik die Brandstifter sein. Doch noch vor Flöter und Buwert war Lubbe dort und er war in der Tat der Täter.

Zeuge Goebbels im Reichstagsbrand-Prozeß
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x Einer alleine kann nicht mit vier Paketen Kohlenanzündern den riesigen Reichstag anstecken, das kann nur eine große Gruppe mit speziellen Brandbeschleunigern.
Dies war auch Görings Überzeugung. Physikalisch ist das falsch. Man kann auch mit einem Streichholz ein großes Lagerfeuer anzünden oder ein Hochhaus, indem man als Brandbeschleuniger das Holz des Lagerfeuers nutzt oder brennbares Material, das man im Hochhaus findet. Es sind schon häufiger Häuser zur Neujahrszeit abgebrannt, weil eine einzige Kerze einen trockenen Weihnachtsbaum entzündet hat. Kohlenanzünder sind spezielle Brandbeschleuniger, für nichts anderes als zu diesem Zweck werden sie hergestellt.

Fazit

Es ist wirklich kein Wunder, "daß durch die Polizei nicht festgestellt werden konnte, wer durch den Gang in den Reichstag eingedrungen war ". Dies lag aber nicht daran, daß NS-Funktionär Hermann Göring Chef der Polizei war, sondern daran, daß diesen Gang niemand benutzt hatte. Der ungebildete ausländische Attentäter kannte den Gang wohl auch nicht, aber als Maurergeselle leichtere Möglichkeiten, in den Reichstag einzudringen. Der "arme junge Mensch", ein kommunistischer Anarchist aus Holland, der bereits vorher terroristische Brandanschläge verübt hatte, war "wirklich der rußbedeckte Schuldige" des Berliner Reichstagsbrands im Februar 1933.Wenn die (ungenannten) "Sachverständigen" ernsthaft behauptet haben sollten, daß man mit vier Paketen Kohlenanzündern und einer halben Stunde Zeit kein Gebäude mit einer alten üppigen Holzausstattung in Brand setzen kann, dann kann man sie für ihre Dummheit nur bedauern - oder um das Geld beneiden, das sie vielleicht für diese Zweckaussage bekommen haben. Vielleicht waren diese "Sachverständigen" des prämierten Schulbuchs tatsächlich jene Zuträger für Görings Anklage vor Gericht, da es in dessen speziellem politischen Interesse lag, eine Bandenverschwörung der KPD herbeizureden. Erstaunlich, wie gut sich damalige NS-Argumente für heutige Interessen im Motiv-Recycling wiederverwerten lassen.Flammenschein zur rechten Zeit schafft überall Gemütlichkeit. Der Mythos vom Reichstagsbrand, angeblich gelegt von "Nazis", ist einer der Bausteine in der Gründungslegende der BRDDR. Demnach sei die NS-Machtergreifung so eine Art Putsch gewesen, verursacht von konservativen deutschen Kapitalisten, die in Hitler einen Strohmann finanzierten, der durch Tricks aller Art, darunter den Reichstagsbrand, Stimmung zur Abschaffung der Demokratie erzeugte. Eine Verschwörungstheorie, deren Angelpunkt der Reichstagsbrand ist, soll vertuschen, daß die Machtübernahme der NS-Regierung wesentlich bessere formale Legitimation hatte als der Beginn der Weimarer Republik, vor allem durch demokratische Wahlergebnisse. Dies darf natürlich nicht wahr sein, wenn man zum Beispiel in Schulbüchern die Demokratie und die Vernunft der Mehrheitsmeinung als Wunderlösung für die Verfassung eines Staates anpreisen will.

Belege


x(1)Distanzierung
Schulbuch: Spiegel der Zeiten Bd.4. Frankfurt/M., Berlin, München 1975, S.88.
Zitat:
"Noch heute sind Tat und Täter umstritten. Vielen gilt als sicher, daß der EHEMALIGE holländische Kommunist van der Lubbe als Einzeltäter den Reichstag angezündet hat, andere halten an der THESE fest, die Nationalsozialisten hätten den Brand gelegt, um einen Vorwand für die folgenden Terrormaßnahmen zu haben."
Distanz liegt hierin, die NS-Täterschaft zutreffend als "These" zu bezeichnen, mithin als unbewiesene Annahme. Propaganda liegt wieder darin, Lubbe als "ehemaligen" Kommunisten zu bezeichnen. Während der politisch motivierten Tat war er dies und nach der Tat hatte er keine Gelegenheit mehr, etwas anderes zu werden. Es sollen also Anschlag und Kommunismus im Denken der Schüler getrennt werden, damit sie Terror nur mit Nationalsozialismus verbinden.

x(2) Annäherung
Historisch-politisches Fachbuch: Müller, Helmut H.: Schlaglichter der deutschen Geschichte. Sonderausgabe für die Landeszentralen für politische Bildung. Brockhaus-Verlag, Mannheim 1990, S.264. Zitat:
"Nach wie vor aber bestehen Zweifel an der THESE der Alleintäterschaft des Holländers ... Der NAHELIEGENDE Verdacht, daß die Nationalsozialisten selbst den Brand gelegt haben könnten, um sich - vor den Reichstagswahlen - eine Handhabe zum Vorgehen gegen die KPD zu verschaffen, war UNTERSCHWELLIG sofort vorhanden, konnte aber während der nationalsozialistischen Herrschaft öffentlich NICHT geäußert werden. Auch spätere Nachforschungen haben die Schuldfrage nicht eindeutig klären können."
Fehler dieser Aussage:
Eine These ist eine Vermutung, der Polizeibericht, der die Alleinschuld des Holländers nachwies, stützte sich jedoch auf Fakten. Der Verdacht gegen den NS war 1933 deutlich vorhanden, er wurde auch öffentlich verwendet, z.B. in den öffentlichen Sitzungen des Reichstagsbrand-Prozesse, wo ihn internationale Presse weiterverbreitete. Mit den späteren Nachforschungen ist vermutlich das Jahr 1967 gemeint, wo das Urteil gegen den Attentäter überprüft und in seinem Schuldspruch bestätigt wurde.


x(3) Ermittlungsergebnisse
- Höhne, Heinz: Biedermänner, Banausen, Brandstifter. Das Drama des Maurergesellen Marinus van der Lubbe. In: Das Dritte Reich. Sammeldokumentation zur Zeitgeschichte Bd.1. Hamburg, o.J., S.47-53.
- Mauz, Gerhard: Auf dem linken Auge blind. Die Justiz der Republik blieb konservativ. In: Das Dritte Reich. Sammeldokumentation zur Zeitgeschichte Bd.1. Hamburg, o.J., S.54-57.
- Redaktionsbeitrag: Haben Sie Angst vor meinen Fragen, Herr Ministerpräsident? Das Propaganda-Duell vor dem Reichsgericht. In: Das Dritte Reich. Sammeldokumentation zur Zeitgeschichte Bd. 1. Hamburg, o.J., S.58-59.
Veröffentlichung: Dezember 2001
+Nr.33: Donald DeppNr.35: Rotfunk-Report+
 
16.10.2018-13 Impressum 1,91
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System: PUBLIU
Sepp Depp: Prämie für Falschangaben zur Geschichte: Redaktionell ausgewählte Webseite auf onlinestreet.de
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