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Sepp DeppPrämie für Falschangaben zur Geschichte
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Nr.35: Rotfunk-Report

Marine im Zweiten Weltkrieg: Versenkung der Bismarck 1941

Nominierung

Thema: Letzte Fahrt und Versenkung des deutschen Schlachtschiffs Bismarck im Zweiten Weltkrieg
Quelle: TV-Doku: "Der Jahrhundertkrieg", ZDF 08.01.2002, ab 20,15 h
Urheber: Buch: Guido Knopp, Reportage: Müllner/Scheer

Aussagen

Faktenaussagen
1) Das brit. Schlachtschiff Hood war kein Gegner, die Bismarck versenkt sie: "als ob ein Erwachsener gegen ein Kind kämpft"
(brit. Augenzeuge)
2) Nur Engländer hatten Radar(brit. Augenzeuge), die "Geheimwaffe der Navy". (Redaktion)
3) Die Bismarck sei ein typischer Beleg für ideologisches Prestige-Denken Hitlers. (Redaktion).
4) Sie war perfekt konstruiert, aber die Ruderanlage Schwachstelle und ihr Untergang.
(Redaktion).
5) Kdr. Lütjens zog mit unnötigen Funksprüchen die Verfolger auf sich.
(dt. Augenzeuge/Redaktion)
6) Die Rettung überlebender Deutscher wurde abgebrochen aus Sorge vor einem dt. U-Boot.
(brit. Augenzeuge)
Meinungen
7) Lütjens auf der Bismarck war "pflichtversessen".
(Das konnte ja nur schiefgehen / Redaktion)
8) Das "Trugbild der deutschen Seemacht und der Wahn von Unsinkbarkeit brachten nur Tod und Schmerz über England und Deutschland". (Redaktion)

Tatsachen

Von 1933 bis 1936 wurde das deutsche Schlachtschiff Bismarck entworfen.x(1) Es sollte zusammen mit der baugleichen Tirpitz und anderen künftig aufzustellenden Kampfschiffen ein Gegengewicht zur überlegenen britische Seerüstung bieten. Den Bau der Bismarck unter der Losnummer 506 übernahm für 196,8 Millionen Reichsmark die Werft Blohm&Voss in Hamburg von 1936 bis zum Stapellauf am 14. Februar 1939. In Dienst gestellt wurde es am 24. August 1940, Ausdockung und Probefahrt ab 15. September dieses Jahres. Am 18. Mai 1941 lief das Schiff zur ersten und letzten Feindfahrt aus (Unternehmen "Rheinübung"), zusammen mit seinem Begleitschiff Prinz Eugen. In einem Seegefecht versenkte die Bismarck am 24. Mai 1941 das stärkste und legendärste Kampfschiff der Briten, die 21 Jahre alte Hood auf 63° 20' Nord 3° 50' West. Von 1.418 Besatzungsmitgliedern der Hood überlebten drei. Die Schäden des Gefechts auf der Bismarck zwangen das Schiff zur Rückkehr in den Stützpunkt. Das Begleitschiff Prinz Eugen wurde entlassen und sollte auf eigene Faust den Auftrag zur Störung des britischen Rüstungsnachschubs fortsetzen. Auf dem Rückweg zur französischen Küste wurde die Bismarck im Nordatlantik von verfolgenden Verbänden gestellt mit insgesamt 41 gegnerischen Kriegschiffen, darunter zwei Flugzeugträger. Manövrierunfähig geschossen, wurde es im gegnerischen Dauerfeuer am 27. Mai 1941 gegen 10,40 Uhr selbstversenkt.

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1) Die Hood war kein Gegner?

x Größe und Fahrleistung Die Wasserverdrängung betrug 41.700 t bei der Bismarck und 41.200 t bei der Hood. Der Tiefgang beider Schiffe lag bei 8,7 m. Die Hood war mit 262 m zwar 11 m länger als die Bismarck, selbige mit 36 m aber knapp 5 m breiter. Trotz ungefähr gleichem Schiffraum hatte die Bismarck doppelt so viel Besatzung, doch zählt im Seegefecht mehr die Technik, weniger die Anzahl der Köpfe. Hinter den drei Schrauben der Bismarck lagen 138.000 PS Motorleistung, bei der Hood hinter vier Schrauben aber 144.000 PS.Daraus resultierte ein höheres Fahrttempo, etwa 3 km/h. Der nur gering erscheinende Vorteil bedeutete immerhin, daß über längere Zeit keine Flucht vor der Hood möglich war. Eine britische Darstellung der Ereignisse nennt sie heute sogar explizit und im Widerspruch zum Tenor der Fernsehsendung "das größte Schlachtschiff der Welt".x(2)
Fazit: Beide Schiffe hatten gleiche Größe, die Fahrleistung der Hood war überlegen.
x Bewaffnung
Beide hatten acht Stück 38 cm Kanonen und damit gleichschwere Artillerie. Über die Schußgeschwindigkeit liegen für die Hood keine Angaben vor. Da das Gefecht zwischen beiden nur kurz war, ist dieser Faktor hier von geringer Bedeutung. Die Hood hatte mit sechs Rohren mittelschwerer Artillerie (14-15 cm) zwar nur halb so viele wie die Bismarck, dafür aber vier 53 cm Torpedorohre, während die Bismarck keine hatte. Bei der Rohrzahl leichter Artillerie (10 cm) lagen beide Schiffe etwa gleich (16/14 - erste Zahl Bismarck, zweite Hood), ebenso bei Flak (28/24); beide kleineren Kaliber sind hier aber ohne Bedeutung.
Fazit: beide Schiffe waren für ein Seegefecht annähernd gleichwertig bewaffnet.
x Panzerung
Die Geschütztürme waren mit 38/36 cm gleichstark gepanzert, ebenso die Schiffswände mit 32/30 cm. Nur das Deck war mit 12/5 cm bei der Hood schlechter gepanzert. So mag es auch zum tödlichen Treffer gegen sie gekommen sein.
Fazit: Die Hood war etwas weniger gepanzert, deutlich aber nur an einer Stelle, die (vielleicht irrtümlich) als weniger wichtig galt.

x Das britische Schlachtschiff Hood war ein mehr als gleichwertiger Gegner für die deutsche Bismarck - deren Gefechtserfolg also eine militärische Leistung, welche die Sendung durch Zitatauswahl aus parteiischer Sicht abstreiten will. Die "schlechte Weltanschauung" muß nun mal als geborener Verlierer dastehen. Briten siegen immer; wenn sie mal verlieren, muß das natürlich ein ungleicher Kampf gewesen sein.

x2) Radar-Monopol der Briten?
Die Bismarck wollte durch die Dänemark-Straße zwischen Island und Grönland möglichst unbemerkt das Operationsgebiet im Atlantik erreichen. Die mit Radar ausgestatteten britische Kreuzer Norfolk und Suffolk hatten angeblich dank dieser überlegenen Technik, die nur sie besaßen, die Bismarck jedoch entdeckt. Der britische Interviewpartner der Sendung: "Ich will ja nicht sagen, daß wir die einzigen waren, die das hatten, aber wir waren deshalb besser". Bei der Funktechnik war aber Deutschland schon vor dem Ersten Weltkrieg führend durch die Erfindung der Braunschen Verstärkerröhre. Ebenfalls vor dem Zweiten Weltkrieg wurden deutsche Kriegsschiffe mit Radar (Funkmeß) ausgerüstet. Die Norfolk und Suffolk hatten ihre Radar-Anlagen aber erst einige Wochen vor ihrem bewußten Einsatz im Nordatlantik nachgerüstet erhalten, die Bismarck erhielt aber schon beim Bau leistungsfähigeres Funkmeß.x(3) Die Bismarck besaß zwei Antennen von je zwei mal sechs Metern Größe (Bild), die sogar bedingt als Feuerleitung für die Artillerie einsetzbar gewesen wären wie in heutigen Schiffen, während die Briten Radar auf den beiden Verfolgerschiffen nur zur Suche einsetzten. Ein Monopol auf "Radar" haben Briten in der Tat, aber nur auf diese englischsprachige Bezeichnung ("radiation detecting and ranging"), nicht auf die Technik an sich. Sie wurde unter dem Begriff "Funkmeß" zeitgleich und eher früher auf deutscher Seite entwickelt und eingesetzt.

x Die Funkmeßtechnik, gemäß gängigen Techniklegenden fälschlich als "Radar-Geheimwaffe" der Engländer dargestellt, stand beiden Seiten zur Verfügung. Der deutschen Seite hier aber früher und technisch besser ausgereift. Zuschauer der Sendung sollen aber wohl denken, daß sich in schlauerer Technik die gottgegebene Überlegenheit von Staaten mit besserer Weltanschauung zeige. Dazu kann man die tatsächlichen Fakten dann gerne auch einmal umdrehen.

x3) Prestigewahn
Angeblich soll Hitler Entscheidungen um den Einsatz der Bismarck aus Prestigewahn getroffen haben. Handelt es sich aber um Seekriegspolitik der Seemacht England, findet man diese Unterstellung bei genaueren Prüfungen wesentlich deutlicher auf dieser Seite. Speziell der britische Kriegspremier Churchill ist immer wieder mit nutzlosen Prestigeentscheidungen festzustellen, etwa, als er 1939 zu Kriegsbeginn mit unsinnigem Aufwand das deutsche Passagierschiff "Bremen" kapern wollte, und in seiner oft unwahren Autobiographie zur Vertuschung des Mißerfolgs noch eine Lüge bemühen mußte.x(4) Zur Bismarck-Jagd verkündete der britische Flottenchef Tovey (Bild) - übrigens im Gegensatz zu seinem deutschen Konterpart Lütjens nicht auf dem Schiff sondern per Funk aus der sicheren Heimat: "Die Versenkung der Bismarck kann eine Wirkung auf den Krieg haben, die für den Gegner weit mehr bedeutet als nur den Verlust eines Schlachtschiffes. Möge Gott mit ihnen allen sein und ihnen den Sieg bringen."x(5)
Solche Zitate passen natürlich nicht zu dem Bild, das die Sieger des Krieges heute von sich hinterlassen wollen, derlei erwähnt man also nicht in gefälliger Hofberichterstattung. Tatsächlich bestand der Auftrag der Bismarck in der Störung der britischen Kriegführung durch Versenkung kolonialer und US-amerikanischer Rüstungslieferungen über den Atlantik, die in sogenannten "Geleitzügen" fuhren aus transportierenden Frachtern und sichernden Kampfschiffen. Der Bismarck wäre dabei die Aufgabe zugefallen, die Geleitzugsicherung zu bekämpfen, die Frachter hätte ihr Begleitschiff versenkt, damals die Prinz Eugen.x(6) Im Gegensatz zur Tendenz der Fernsehsendung lag also schon ein konkreter und praktischer Grund für den deutschen Einsatz vor. Für die britische Seite kann man sich aber fragen, ob es sinnvoll oder Prestigesache war, für die Verfolgung eines deutschen Schlachtschiffs die gesamte englische Atlantikflotte bis nach Gibraltar zu mobilisieren. Andere Aufträge wie Geleitzugsicherung wurden dafür vernachlässigt, auch durch den Abzug britischer Marineflieger für die Suche nach der Bismarck. In der Tat meldet der deutsche Wehrmachtbericht in diesen Tagen nur für dieses Seegebiet im Nordatlantik dann auch die Versenkung von drei Frachtschiffen für England mit ingsgesamt 5.000 BRT und die schwere Beschädigung weiterer drei durch eigene Kampfflugzeuge.x(7)

x Das angebliche ideologische Prestige-Denken Hitlers und der deutschen SKL läßt sich in Fragen der Seekriegsführung bei Nachprüfungen leichter finden auf Seiten der schöngeredeten Sieger. Im Falle Englands verdankten sie ihre Weltmachtstellung ihrer Kriegsmarine und sahen speziell in dieser ihren nationalen Stolz. Die Jagd auf die Bismarck war eher eine Prestigefrage als ihr Einsatz. Die Sendung versucht, den gegenteiligen Eindruck zu erwecken, damit der Unterschied guter und böser Weltanschauungen deutlicher wird.

x4) Ruderanlage
Die Bismarck als Symbol technischer Stärke und Perfektion fand ihr Ende durch eine lahmgelegte Ruderanlage nach einem Torpedotreffer. Insgesamt neun gegnerische Verfolgerschiffe konnten dann in einem Schlachtfest über mehr als eine Stunde knapp 3.000 Granaten und 72 Torpedos gegen die Bismarck abfeuern, bis sie sich in aussichtsloser Lage selbst versenkte. Im Sinne der Sendung wird den Zuschauern nahegelegt, daß auf deutscher Seite Angeberei und Unfähigkeit zusammenkamen. Für die deutschen Produzenten der Fernsehsendung und ihr Medienprodukt trifft das sicher zu. Ihnen ist vielleicht nicht bekannt, daß die Ruderanlage der Bismarck stark genug war, das Ruderblatt war nach dem Treffer lediglich verklemmt. Auch dieser Fall war insoweit bedacht, daß das Schiff nach Ausfall der Ruderanlage steuerbar blieb durch ungleiche Ansteuerung seiner drei Antriebsschrauben. Unglücklicherweise war in diesem Fall jedoch der Torpedo während des Manövrierens in das Ruder geschlagen, als es "Hartlage" hatte (Backbord 15), also Anschlag in eine Richtung. Die Gegensteuerung durch die Antriebsschrauben blieb zwar möglich, hatte bei Seegang und Windstärke 5 und 7 aber wenig Effekt mehr und das Schiff drehte sich im Kreis.x(8) Die Zuschauer erhalten keine Gelegenheit zu erkennen, daß die Bismarck bei der gewaltigen Übermacht der Verfolger auf See und in der Luft in jedem Falle vor Erreichen des rettenden eigenen Luftschirms von der französischen Küste versenkt worden wäre, gleichgültig, was genau dann technisch den Ausschlag dazu gab.

x Die Lahmlegung der Ruderanlage auf der Bismarck war eine Verkettung mehrerer unglücklicher Zufälle mit insgesamt geringer Wahrscheinlichkeit, darunter auch Umstände wie die Wetterlage. Selbst wenn das nicht so gewesen wäre, hätte alleine nur die zahlenmäßige Übermacht ihrer Gegner in jedem Falle zum gleichen Ende geführt. Dies zu bekennen, könnte aber am Heldenbild der Sieger kratzen.

x5) Dummer Lütjens?
Durch ein Hakenmanöver konnte die Bismarck die verfolgenden britischen Schiffe an der Dänemark-Straße in die Irre schicken. Durch einen Funkspruch mit unnötigen Lagemeldungen von 25 Minuten Länge, der kurz darauf wiederholt wurde, habe dann aber Lütjens die Verfolger wieder auf sich gelenkt. Dessen verkniffenes Sauerkrautgesicht (Bild) wird den Zuschauern in ständiger Wiederholung des gleichen Filmclips immer wieder genüßlich vorgeführt. Die Sendung beläßt es beim fassungslosen Staunen - auch deutscher Augenzeugen - vor der angeblichen Dummheit von Lütjens und seiner sinnlosen Meldung. Nicht gesagt wird, daß Lütjens seinem Oberkommando melden mußte, daß er entdeckt und beschattet wurde, sein Auftrag also fraglich wurde und neue Befehle erforderte. Zumindest den Befehl, abweichend vom ursprünglichen Auftrag doch jeden Gegner anzugreifen und nicht wie vorgesehen nur Geleitzugsicherungen.x(9) Hätte er das nicht getan, würde der deutsche Fernsehzuschauer heute wieder einen neuerlichen Beweis für verblendete deutsche Selbstüberschätzung in solchen Fernsehsendungen vorgeführt erhalten. Seinem Oberkommando hätte es damals bewiesen, daß er nicht in der Lage ist, bei der Durchführung seines Auftrags zu "kommunizieren", besonders heute in anderem Zusammenhang immer ein beliebter Vorwurf.
Das tanzbärenhafte Vorführen deutscher Dummheit liegt im Konzept solcher deutscher Medienbeiträge, somit daher auch, daß das folgende nicht erwähnt wird:
Den Briten gelang in der Tat durch diesen Funkspruch von Lütjens die neuerliche Einpeilung der entwischten Bismarck. Diese Peildaten bezogen sich auf eine geographische Karte mit Polarprojektion und wurden so an die Verfolgerschiffe auf See weitergefunkt. Doch auf dem britischen Leitschiff King Georg V. wurden diese Koordinaten irrtümlich in eine Karte mit Mercatorprojektion übertragen (Die Prinzipien wie in der folgenden Grafik). So doof war Lütjens immerhin wohl nicht.

xNach dem daraus resultierenden falschen Bismarck-Standort suchten die Briten in gänzlich falscher Richtung, obwohl sie zuvor bis auf fast 100 Seemeilen wieder an die Bismarck herangekommen waren. Erst nach sieben Stunden vergeblicher Suche in der falschen Richtung wurde der Fehler entdeckt. Beim Kurs auf den korrigierten Standort (den die Bismarck inzwischen nicht mehr hatte), mußten etliche der Verfolger wegen Treibstoffmangel aufgeben. Ein britisches Aufklärungsflugzeug mit dem in den englischen Medien später speziell gefeierten Entdeckungspiloten D. A. Briggs fand schließlich eher per Zufall die Bismarck wieder.x(10)
Deutsche Fehler, die im Falle von Lütjens Funkspruch notwendig und ohne negative Wirkung waren, müssen in der prämierten Sendung dennoch der wahre Grund der Niederlage sein, nicht etwa die bekannte schlichte Zahlenüberlegenheit der alliierten Sieger des Krieges. Sonst könnten Zuschauer ja glatt denken, daß deren Sieg nicht etwa der Finger Gottes im Gang der Geschichte war, der ihre Politik und ihre Taten rechtfertigt; getreu dem Motto auf den Gürtelschnallen der deutschen Wehrmacht: "Gott mit uns". Lütjens hatte über diese Schicksalsleitung eine realistischere Auffassung, eine Woche bevor er mit der Bismarck zu seinem Einsatz auslief: "Ich bin mir klar, daß ich mich bei dem ungleichen Verhältnis der Kräfte doch früher oder später opfern muß. Ich habe mit meinem privaten Leben abgeschlossen".x(11)

x Lütjens gab seine Funkmeldung mit den üblen Wirkungen nicht ohne Grund, aber dieser Fehler blieb ohne Folgen, weil seine des Kartenlesens unkundigen Gegner noch dümmer waren, als man umgekehrt ihm unterstellt. Auch diese Erkenntnis kein Thema für das Schmeicheln der Sieger.

x6) Abgebrochene Rettung
In der Sendung berichtet ein ergriffener britischer Seemann im Interview, daß die Rettung der Bismarck-Besatzung mit 115 Überlebenden abgebrochen werden mußte, weil ein deutsches U-Boot gesichtet worden sei, vor dem die Briten flüchteten. Weitere Zahlen nennt die Sendung nicht, auch nicht die Zahl der ursprünglichen Überlebenden. Von schätzungsweise 400 schiffbrüchigen Überlebenden der 2.092 Mann Bismarck-Besatzung wurden tatsächlich 110 durch Briten gerettet, nicht 115.
Die britischen Schiffe Dorsetshire und Maori hatten am Vormittag je 85 und 25 Deutsche aufgefischt (Bild). Am Abend des Tages dann das deutsche U-74 weitere drei. Ein deutsches Wetterbeobachtungsschiff WBS-7 fand anschließend nur noch zwei letzte Überlebende auf einem Floß; das Wasser hatte Temperaturen wenig über null Grad. Somit waren bis dahin also fast 300 schiffbrüchige Seeleute der Bismarck von den englischen Schiffen dem Tod im Wasser überlassen worden.
Besonders perfide ist das Verschweigen der bekannten Tatsache, daß im Seegebiet zur Zeit von Gefecht und Untergang der Bismarck noch kein deutsches U-Boot stand, sonst hätte es auch in den Kampf eingegriffen. Da es keines gab, konnte also auch keines gesichtet worden sein.x(12) Folglich hatte der Abbruch der Rettung eher einen anderen Grund. Menschen sind vielleicht vor allem jene nicht, die vorher den Stolz der britischen Navy versenkt haben. Ansonsten war es üblicherweise so, daß die für diesen Zweck eigens bewaffneten britische Kampfschiffe jedes gesichtete deutsche U-Boot sofort angriffen. Vor allem dann, wenn wie hier gleich ein ganzer britischer Schlachtschiffverband gegen ein deutsches U-Boot gestanden hätte. Falls es so wäre, daß der britische Augenzeuge den wahren Grund der abgebrochenen Rettung kennt und sich verzweifelt hinter der offiziösen Schutzlüge versteckt, kann man seine Tränen vielleicht anders verstehen. Diese Schutzlüge wäre durch den Abgleich mit Kriegstagbüchern der deutschen U-Bootwaffe nachweisbar. Die Macher der Sendung haben darauf verzichtet - vielleicht, weil sie schon wissen, was sie dann herausgefunden hätten.

x Die englischen Sieger werden gemäß modischer Schnulzenmoral zugleich auch als wohltätige Retter dargestellt, wobei verschwiegen wird, daß auch deutsche Kräfte zur Rettung beitrugen. Schlimmer wiegt, daß mit der wohltätigen Rettung von insgesamt 110 Überlebenden durch Briten ein Totschlag von fast 300 Schiffbrüchigen verbunden ist durch unterlassene Hilfeleistung. Dies wird mit einer Lüge entschuldigt, die als solche bekannt ist, von den Machern der Sendung aber nicht aufgedeckt sondern gerne weitergegeben wird.

Meinungen

Bezeichnend für den Stil der Darstellung ist vor allem, daß Hitler oft nicht mit Namen oder Titel sondern als "der Kriegsanstifter" bezeichnet wird. So, als ob gerade jetzt konkreter Anlaß dafür bestehe, diese Wertung dem Publikum einzuhämmern. Zwei Beispiele für diese Agitationstechnik sollen hier das Gesamtbild abrunden:

7) Pflichtversessen
Was soll denn falsch daran sein, wenn jemand seinen Auftrag und seine Pflicht erfüllt? Der Umkehrschluß würde ja lauten, daß ein guter Mensch also stets seine Pflicht vergessen oder mißachten soll. Was würden die Produzenten der Sendung wohl sagen, wenn nach diesem Prinzip die allierten Sieger des Zweiten Weltkriegs gehandelt hätten und also die Verlierer geworden wären?

8) Wahn in anderem Sinne
In der Literatur ist eine deutsche Behauptung über eine "Unsinkbarkeit" des Schlachtschiffs Bismarck nicht zu finden, die Sendung nennt dafür auch keinen Beleg. Wohl aber ist bekannt, daß der Passagierdampfer Titantic mit diesem Attribut versehen wurde. Das war aber kein deutsches Schiff. Zu fragen ist auch, warum in der Sendung nicht analog der selbst so genannte "Mythos Hood" in gleicher Weise Ziel bösartiger Hetze wird. Auch in diesem Fall würde ja die Logik gelten, daß der Mythos der Stärke britischer Navy den Seeleuten der Hood zum Tod und Verderben wurde.

x Der "Wahn der Unsinkbarkeit" lebt ebenso wie andere tendenziöse Unterstellungen dieser Sendung als faktenfreie Dumpfbackenblüte im Denken der Fernsehmacher und ist hier also kaum diskutierbar.

Fazit

Sepp Knopp, Chef-Agitator für Zeitgeschichtsthemen des deutschen Rotfunks - pardon: "Rundfunks" -, liefert durch seine Kollegen ein neues Werkstück aus der Propagandaschmiede. Andere sind hier auch an weiteren Marine-Beispielen dokumentiert (Art. 25 / 40). Mit durchaus nicht immer falschen redaktionellen Sachangaben gelingt ihnen die gewünschte ideologische Beeinflussung durch unkommentierte Fehleindrücke vermutlich selektiv geschnittener Augenzeugen-Interviews und durch das, was sie im Zusammenhang nicht sagen, obwohl es den gleichen Quellen zu entnehmen ist, aus denen auch die berichteten Informationen stammen.Wirkungsziel der gewohnt tendenziösen Medienhetze zum Thema Zweiter Weltkrieg ist wie immer gleich: alle deutschen Kriegsanstrengungen des Zweiten Weltkriegs waren nur bösartig, todbringend und sinnlos. Das exakt gleiche Verhalten auf Seiten des Gegners, hier sinnvollerweise nicht eigens bewertet, war dagegen stets erfolgreich und segenstiftend, sehr sinnvoll also. Der Zuschauer mag dann selbst sehen, ob ihm der Widerspruch auffällt und welche Schlußfolgerungen er daraus zieht.

Belege


x(1)Technische Daten
Trantow, Heinz: Versenkt die "Bismarck". In: Zentner, Ch. (Hrsg.): Das Dritte Reich Bd. 6. Hamburg o.J, S.250-257; Parsons, Ian (Hrsg.): Kriegsschiffe und Seeschlachten. Bayreuth 1976, S.92-99. Teilweise differieren die technischen Daten, Trantow gibt S.250 eine andere Motorleistung der Bismarck an (150.000 WPS) als Parsons (138.000 PS).

x(2) Einfach das größte
Parsons, a.a.O., S.98. Ebenso auch Trantow, a.a.O, S.256. Zumindest das größte britische Schlachtschiff laut Wehrmachtbericht vom 25.05.1941 in: Die Wehrmachtberichte 1939-1945 Bd.1. Köln 1989, S.538.

x(3) Spätgerüstet
Trantow, a.a.O., S.256.

x(4) Prestige-Churchill
Wells, Adrian: Durchbruch und Heimkehr der Bremen. In: In: Zentner, Ch. (Hrsg.): Das Dritte Reich Bd. 2. Hamburg o.J, S.290-294, S.334-338, hier speziell S.337.

x(5) Gott mit uns
Zitat Admiral Sir John Tovey, britischer Flottenchef, im Funkspruch an den Kommandanten des verfolgungsleitenden Schlachtschiffs "King Georg V." nach dem Torpedotreffer in die Ruderanlage der Bismarck am 26. Mai 1941. Zitiert in Opitz, Karlludwig: Schlachtschiff Bismarck. In: Zentner, Ch. (Hrsg.): Das Dritte Reich Bd. 3. Hamburg o.J, S.290-303; hier: S.303.

x(6) Kampfauftrag
Operative Weisung der dt. SKL vom 02.04.41:
"Als entscheidendes Ziel im Kampf gegen England muß im Auge behalten werden, daß es darauf ankommt, die englische Zufuhr vernichtend zu treffen. Dieses läßt sich am besten und am wirkungsvollsten nur im Nordatlantik erreichen, wo alle englischen Zufuhrwege zusammenlaufen." Daraus wurde folgender Kampfbefehl formuliert: "Einsatz der Bismarck nur zur Bindung eines zur Sicherung beim Geleitschiffs stehenden Schlachtschiffes." Zitiert in: Opitz, a.a.O., S.291. Laut Trantow, a.a.O., S.256 waren das Ziel sieben alliierte Geleitzüge mit dringend benötigten Gütern für die britische Kriegführung.

x(7) Mobilisierungswahn
Opitz, a.a.O., S.294, der Wehrmachtbericht a.a.O., S.541f.

x(8) Selbstversenkung
Trantow, a.a.O., S.257.

x(9) Melde-Grund
Trantow, a.a.O., S.256.

x(10) Mercator-Briten
Trantow, a.a.O., S.256f. Briggs gehörte zur 209. Staffel Coastal Command.

x(11) Abgeschlossen
Opitz, a.a.O., S.293.

x(12) Faule Rettung
Opitz, a.a.O., S.303.
Veröffentlichung: Januar 2002
+Nr.34: KohlenanzünderNr.36: Holzkopfwurm+
 
13.03.2018-00 Impressum 1,65
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