x
x
Sepp DeppPrämie für Falschangaben zur Geschichte
Groß/klein Ein Suchwort von mindestens 3, höchstens 30 Zeichen
xMobile
x Der Verfasser auf Facebook
x Der Verfasser auf Twitter
Nr.38: Kriegsmathematik

Wehrmacht-Ausstellung: Schlacht von Stalingrad 1943

Nominierung

Thema: Die Wehrmacht und Stalingrad im Bild aktueller Medienberichte
Quellen: ZDF-Themenabend Stalingrad
- Serie "Der Jahrhundertkrieg" ab 20,00 h
- Reihe "Frontal 21", 9.04.02, ab 21,00 h
- Schlaglichter der deutschen Geschichte. Sonderausgabe für die Landeszentralen für politische Bildung. Brockhaus-Verlag, Mannheim 1990, S.294.
Urheber: Den Jahrhundertkrieg macht Guido Knopp / Karsten Deventer ist Frontal / Zahlentricks als "politische Bildung" liefern Buchautor Helmut M. Müller, seine mitwirkenden Berater Prof. Dr. Karl Friedrich Krieger, Prof. Dr. Hanna Vollrath sowie die Redaktion von Meyers Lexikon

Aussagen

1) Zitat: "die von Deutschen zerstörte Stadt" (Stalingrad)
2) Stalingrad als die "verlustreichste Schlacht seit Menschengedenken", der Brockhaus-Verlag assistiert mit Zahlentricks
3) Die Schlacht von Stalingrad sollte dazu dienen, das dt. Volk auf den totalen Krieg einzuschwören
(Szenenausschnitt der Sportpalastrede Goebbels)
4) Nach dem Krieg wurden in Deutschland "Überläufer als Verräter angesehen"
5) Dazu als Beleg ein Filmzitat aus "Hunde wollt ihr ewig leben?"
6) Beleg für Verbrechen der Wehrmacht: Dienstanweisung von 1941 "Verhalten der Truppe ..." in der Wehrmachtausstellung
7) Interview Reemtsma: Das Bewußtsein um eigenes Leid führe zur Verleugnung der Geschichte
8) CDU-Kanzler Adenauer wollte ebenfalls die Wehrmachtverbrechen rechtfertigen

Tatsachen

xHistorischer Hintergrund
Die Schlacht von Stalingrad wird in rückschauender Interpretation als Wende des Zweiten Weltkriegs bewertet.x(1) Sie war Teil des Feldzugs der deutschen Wehrmacht gegen die Sowjetunion im Zusammenhang mit Hitlers Vision von germanisch-arischem "Lebensraum im Osten", etwa ausgeführt in seiner programmatischen Schrift "Mein Kampf". Das Recht für diese Eroberung sah Hitler parallel zum biologistischen Denken des Briten Charles Darwin im Vorrecht "rassisch überlegener Völker".
Ideologische Motive wurden von der Gegenseite im Krieg erwidert. Dort gab es staatlich geförderte Haß-Propaganda gegen "deutsche Untermenschen" mit der Forderung, die "deutsche Rasse auszurotten, und den letzten Fritz im Zoo auszustellen". Denn "Deutsche sind keine Menschen, sondern Pestbazillen, ihre Ausrottung ist ein Segen für die Menschheit" und "für uns gibt es nichts Lustigeres als deutsche Leichen!".
Rechts ein Ausschnitt aus der sowjetischen Karikatur von Demjan Bednyi "Kreuzzug" (1932) gegen andere "Volksfeinde": Kirche (Papst mit Pistole links), Juden (Rabbi mit Thora rechts) und "Nazis" im Sturm gegen den sowjetischen Sozialismus, hinter ihnen allen der Kapitalist mit Zylinderhut.x(2)
Durch den völkerrechtswidrigen Partisanenkrieg der Sowjets entwickelte sich eine Brutalisierung der Kriegführung. Für diesen Krieg waren die Haager Konventionen über internationales Landkriegsrecht formal allerdings ohne Bedeutung, da Rußland/Sowjetunion diese nie unterschrieben hatten. Einzelne Befehle des deutschen Oberkommandos (OKW) im Rußlandfeldzug beachteten sie ebenfalls nicht mehr (z.B. "Kommissarbefehl"). Die Grenzen zwischen Kriegführenden und Zivilisten verschwammen. Letztere wurden auch dann Opfer von Vergeltungsmaßnahmen, wenn sie nicht an Partisanen-Aktionen beteiligt waren. Eine genaue Täter-Ermittlung gegen Partisanen im Krieg war selbst nach dem Haager Völkerrecht weder gefordert noch praktikabel.

Hintergrund der Sendung
Offizieller Anlaß dieser Reportage ist ein Jahrestag des Endes der Schlacht von Stalingrad. Zuvor wurde bereits im gleichen Sender eine Reportage geboten in der Reihe "Der Jahrhundertkrieg". Ein weiterer Impulsgeber ist die "Wehrmachtausstellung". Sie wurde von politisch motivierten Aktivisten begründet, darunter der Politologie-"Professor" Jan Philipp Reemtsma, Interviewpartner der Sendung. Seine Ausstellung behauptet, daß die deutsche Wehrmacht, also die Armee zwischen 1935 und 1945, ebenso verbrecherisch handelte wie die NS-Führung. Dies sei bis zu dieser Ausstellung stets verdrängt und verleugnet worden. Ziel der Ausstellung ist es, deutsche Soldaten jener Jahre pauschal als Kriegsverbrecher darzustellen. Nach damaligen Anschauungen legitime Vergeltungsaktionen der Wehrmacht gegen russische Partisanen-Aktionen werden zu diesem Zweck als Teil von rassenideologischen Ausrottungsaktionen deklariert, womit eine Parallele zur NS-Judenverfolgung gezogen werden soll. Abgesehen davon werden Moralmaßstäbe an damalige Kriegführung angelegt, die erst nach dem Zweiten Weltkrieg definiert wurden.

Fernseh-Propaganda

1) Die "von Deutschen zerstörte Stadt"
Der Nebensatz vermittelt uninformierten Zuschauern den Eindruck: "DIE" Deutschen kamen ins friedliche Stalingrad, um es kaputt zu machen, weil die ja immer so böse Menschen sind, wie diese Reportage mal wieder beweist.
xStalingrad, ehemals Zarizyn, heute Wolgograd, war ein Zentrum russischer Stahlindustrie mit 445.000 Einwohnern (1939) 40 km entlang der Wolga, die als Transportweg für die Rohstoffe und Produktionsgüter diente. Neben Traktoren wurden dort auch Panzer (T34) und andere Armee-Ausrüstung am Fließband produziert. (Im Bild Sowjetsoldaten in der Stalingrader Kanonenfabrik "Rote Barrikade") Auch US-Rüstungslieferungen für Stalin auf dem Seeweg wurden dort der Sowjetarmee zugeführt. Insgesamt hatte Stalingrad militärische Bedeutung für die russische Kriegführung der Region. Zudem sollte aus Sicht des deutschen Generalstabs vermieden werden, mit diesem sowjetischen Rüstungszentrum eine Gefahr im Rücken zu behalten beim Vorstoß in den Kaukasus mit seinen Ölvorkommen.x(3)
Der russische Staatsführer Stalin (übersetzt: "der Stählerne") hatte die Stadt 1918 als bolschewistischer Kriegskommissar gegen den Zarengeneral Denikin gehalten und ihr 1925 seinen Künstlernamen gegeben.x(4) Eigentlich hieß er Jossif W. Dschugaschwili. Für seinen Kriegsgegner Hitler, der keinen Falschnamen trug und keine deutsche Stadt z.B. in "Hitlerhausen" umbenannt hatte, wurde der Kampf um diesen Ort symbolträchtig; eine wohl gegenseitige Einschätzung. Immerhin war Stalin bereit, Hunderttausende seiner Soldaten in der Schlacht zu opfern bei wesentlich geringeren deutschen Verlusten.x(5) Als vorrückende deutsche Truppen im August 1942 das Stadtgebiet erreichten und diese nicht kapitulierte, erklärte die Wehrmacht am 25.08.1942 den Belagerungszustand. Das Kampfgeschehen war überwiegend ein Häuserkampf, typischerweise eines der verlustreichsten Schlachtszenarien. Paris wurde deshalb vor den vorrückenden deutschen Truppen 1940 auch zur "offenen Stadt" erklärt, in der es keine Kämpfe gab, während Stalingrad im gegenseitigen Kampf zerstört wurde.
Die offizielle Sprachregelung zur Zerstörung deutscher Städte in diesem Krieg folgt einer anderen Moral. Es heißt nicht etwa analog "die von Anglo-Amerikanern zerstörten Städte Dresden/Köln/Hamburg", oder "die von Russen zerstörten Städte Kolberg/Breslau/Berlin/Danzig ..." usw. Es heißt vielmehr "die kriegszerstörte/vom Krieg zerstörte Stadt". Also: war der Kriegstäter kein Deutscher, dann war der Täter "der Krieg". Im Falle zerstörter deutscher Städte ist stets von "sinnlosem deutschem Widerstand bis zur letzten Patrone" die Rede, was Schuld sei an der Zerstörung. Zugleich ist undenkbar, daß etwa Stalingrad nicht zerstört worden wäre, wenn die russische Stadtbesatzung vor der deutschen Armee kapituliert hätte. Dort kämpften Russen nicht bis zur letzten Patrone, sondern "bis zum letzten Blutstropfen".x(6)

x Wir lernen: Wenn das russische Stalingrad durch Kämpfe zerstört wurde, sind "die Deutschen" schuld. Wenn aber deutsche Städte im selben Krieg von ihren Gegnern zerstört wurden, ist entweder "der Krieg" schuld oder sogar wieder die Deutschen, sie hätten sich mal nicht verteidigen sollen.

Tage zuvor hatte bereits der "Dokumentationssender" Phoenix zum Thema deutscher Luftkrieg über England ein weiteres Beispiel solch rustikaler Doppelmoral abgeliefert. Phoenix ist nicht nur unternehmensrechtlich eine Tochtergesellschaft des ZDF. Bezugspunkt der Tochter-Doppelmoral war der Flug des Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß nach England. Der deutschen Seite warf die Sendung Kriegshetze und Kriegstreiberei vor, die zum Luftkrieg über England führte. Daß Heß davor noch nach England flog mit Hitlers Auftrag, einen Frieden zu sondieren, wird dennoch bewertet als "vom Wahn verblendet". Ein Widerspruch liegt darin nicht, das Fernsehen hat immer Recht.

x Wir lernen: Machen "die Deutschen" Krieg, sind sie wahnverblendet; wollen sie Frieden machen, sind sie ebenfalls wahnverblendet. Sie können also machen was sie wollen: es ist immer wahnverblendet. Das scheint angeboren zu sein.

2) Stalingrad: verlustreichste Schlacht seit Menschengedenken
Mehrfach wird in beiden Sendungen betont, daß es eine solch verlustreiche Schlacht wie die von Stalingrad noch nie zuvor gegeben habe. Mit dieser Deutung wird die Bedeutung des Themas betont, was wohl zugleich auch für die in beiden Sendungen transportierte Botschaft gelten soll.
xNeuere deutsche Medienberichte zu Themen des Zweiten Weltkriegs neigen zum Superlativ, wenn von Niederlagen der deutschen Wehrmacht die Rede ist. Der Verlust einer gemischtnationalen Armee (Rumänen, Bulgaren, usw.) auf deutscher Seite in Stalingrad mit angeblich rund 200-250 Tsd. Opfern ist eine große Zahl. Erwähnt wird noch, daß nur 6.000 dieser Soldaten zurückkehrten. Die Höhe der Verluste ist jedem Zuschauer deutlich und offenbar durch die Schlacht erklärlich. Die realen Zahlen sind aber ganz anders. Insgesamt 230.300 Angehörige hatte die 6. Armee und ihr unterstellte Verbände in Stalingrad überhaupt, sie konnte also schwerlich 250 Tsd. verlieren. Ebensowenig 200 Tsd. wenn 6.000 zurückkehrten. Von den 230 Tsd. Mann der 6. Armee waren 16.800 vor der Kapitulation in russische Gefangenschaft geraten, 42.000 von der Wehrmacht über die Luftbrücke evakuiert worden und 91.000 hatten schließlich kapituliert. Mit 80.500 wird die Zahl der Toten und Schwerverwundeten angegeben, wobei schwerverwundet in sowjetischer Gefangenschaft mit Tod gleichzusetzen war.x(7) Die Zahl der Schlacht-Toten auf deutscher Seite war real somit wesentlich geringer als das ZDF angibt. Daß abgesehen von den 42 Tsd. Evakuierten der Stalingrad-Armee nur 6 Tsd. aus Gefangenschaft zurückkehrten, ist aber unstrittig. Wie erklärt sich also die Differenz der 111 Tsd. verschwundenen Soldaten, die nicht auf dem Schlachtfeld starben aber auch nicht heimkehrten?

Es gab 91.000 + 16.800 = 107.800 Kriegsgefangene der Stalingradarmee, von denen 6.000 zurückkamen. Folglich starben 107.800 - 6.000 = 101.800 in russischer Gefangenschaft. Erst wenn man diese Getöteten zu den Opfern des Schlachtfelds hinzurechnet, erhält man 101.800 + 80.500 = 182.300 Todesopfer. Und damit eine Verlustzahl, die der ZDF-Angabe ähnelt.

Das ZDF hat also klammheimlich die Toten der russischen Gefangenschaft zu Opfern des Schlachtfelds gemacht. So wird elegant vertuscht, daß etwa drei Fünftel der Kriegsopfer der 6. Armee nicht im Kampf von Stalingrad starben sondern in russischer Haft. Dieser Zahlentrick benutzt nicht einmal eine Falschangabe, sondern arbeitet mit der Unterschlagung von Angaben, hier der Gesamtstärke der 6. Armee sowie jener 16.800 Soldaten, die vor der Kapitulation in die Hände der Russen fielen. So zu finden ist das auch 12 Jahre vor der Sendung bei unseren Landeszentralen "für politische Bildung". (Fundstelle wie in der Nominierung) Möglicherweise ist das letztlich der Ursprung dieser höflichen Manipulation zu sowjetischen Gunsten.All diese undenkbarsten Zahlen seit Menschengedenken könnten noch in Relation gesetzt werden zu russischen Verlusten im selben Krieg. Während der erfolgreichen deutschen Offensiven 1941/42 wurde die Kesselschlacht nach Umfassungsoperationen eine wirksame Taktik des deutschen Generalfeldmarschalls v.Manstein. Im Falle des Kessels von Kiew im Spätsommer 1941 verlor die Rote Armee mehrere Armeen mit insgesamt 665.000 Soldaten. Dies wurde auch möglich durch Stalins Befehl an die Truppe: "Keinen Schritt zurück, halten und notfalls sterben".x(8) Eine Testfrage im Bekanntenkreis mag zeigen, wer etwas vom "Kessel von Kiew" gehört hat, ohne dabeigewesen zu sein. Es ist kein Thema für Fernsehjournalisten, denn da hatten die Falschen verloren.
Auffällig ist, daß die Truppen auf deutscher Seite auf einmal alles "Deutsche" sind. Die dahinter liegende Logik heißt möglicherweise: sie dienten alle den "Nazis", waren also selbst "Nazis" und da "Nazis" nur Deutsche sein können, sind z.B. 13.000 Rumänen auf der falschen Seite in Stalingrad also Deutsche. Eine gewisse Dreisatz-Logik ist darin durchaus erkennbar.

x Wir lernen: Über die Niederlagen der Sieger des Krieges spricht man nicht, auch geringere deutsche Verluste sind nach politischer Algebra die größten seit Menschengedenken. Die Sieger und das ZDF bestimmen, was ein "Nazi" und damit ein Deutscher ist. Zahlen braucht man nicht zu fälschen, man braucht nur einige wichtige zu verschweigen. Da kaum noch einer im Kopf rechnet, fallen Tricks nicht auf.

3) Stalingrad als Vorbereitung auf den totalen Krieg
Die Aussage vermittelt uninformierten Zuschauern den Eindruck: Die NS-Regierung plante von Anfang an den den totalen Weltkrieg und brauchte dafür Vorbereitungsschritte wie die Schlacht von Stalingrad. Dazu wird ein Ausschnitt aus der bekannten "Sportpalastrede" von Josef Goebbels gezeigt. Aus dieser ist am besten bekannt die rhetorische Frage des Reichsmedienministers (zuständig für Krieg natürlich): ob man den totalen Krieg wolle, notfalls noch totaler und radikaler, als man ihn sich vorstellen könne.

Eine verlorene Schlacht soll nach Vorstellung des TV-Senders eine Einladung oder Vorbereitung zum totalen Krieg gewesen sein. Noch unlogischer würde es, wollte man unterstellen, die NS-Führung habe deshalb absichtlich die Schlacht verlieren wollen. Tatsächlich reagierte die NS-Staatsführung mit dieser Rede auf den alliierten Luftkrieg gegen deutsche Zivilisten und ihre Städte seit 1942 (Dazu hier eine Prämierung). Er verwischte den Unterschied zwischen geschützten Zivilisten und kampfführender Truppe. Unter dem "totalen Krieg" sollten die Zuhörer der Rede verstehen, daß nun jeder Deutsche freiwillig oder unfreiwillig mitten im Kampfgeschehen stehe, auch zuhause in seiner Wohnung. Deshalb solle jeder die entsprechenden Konsequenzen gemeinsamer Anstrengungen gegen den Gegner ziehen. Unter 1) wurde hinsichtlich der Friedensmission von Heß bereits deutlich, daß die NS-Regierung zumindest 1940 noch keinen Weltkrieg beabsichtigt haben konnte. Falls überhaupt, was seriöse Historiker durchaus auch nicht einhellig behaupten.

x Wir lernen: Zwar wollte die NS-Regierung 1940 einen Frieden mit England, doch der nur von "den Deutschen" verschuldete Weltkrieg begann trotzdem schon 1939. Seit Stalingrad war der Krieg verloren, wie jeder wußte, aber nach Stalingrad konnte Goebbels noch wirksam den totalen Krieg herbeireden. Daß dessen Rede auch eine Reaktion auf den alliierten Luftkrieg war, gehört zu den Dingen, über die man besser nicht spricht, es ist jedenfalls sehr zu empfehlen.

4) Überläufer als Verräter
Die Knopp-Sendung bietet einem deutschen Zeitzeugen umfangreichen Raum zur positiven Darstellung des Überlaufens zur Roten Armee. Dies sollen Zuschauer offenbar als einzig sinnvolles Verhalten eines deutschen Soldaten an der Ostfront bewerten.
xDer Zeitzeuge ist der ehemalige deutsche Jagdflieger Graf v.Einsiedel und wird nur so vorgestellt. Allenfalls indirekt wird angedeutet, daß v.Einsiedel damals auf die sowjetische Seite überlief zum "Nationalkomitee Freies Deutschland". Es wurde während des Krieges von Walter Ulbricht und Ulrich Weinert gegründet. Ziel war es, mediengeeignete deutsche Soldaten in sowjetischen Rundfunksendungen zur Demoralisierung der deutschen Truppe sprechen zu lassen. Die Mitwirkenden wurden von Sowjets ideologisch geschult, ihr Kreis sollte Kernzelle und Führungskader eines künftigen kommunistischen Staates in Deutschland werden. Ulbricht, ein KP-Aktivist schon in der Weimarer Republik, war bereits vor dem Krieg von Deutschland nach Moskau emigriert. Ulbricht im Bild links, Weinert rechts am Mikrofon in einem russischen Schützengraben, wohl bei einer Propagandadurchsage.x(9) Ulbricht wurde später Staatsratsvorsitzender der DDR. Graf v.Einsiedel ist seit längerer Zeit Parlamentsabgeordneter der postkommunistischen PDS, Nachfolgepartei der SED, identisch mit der DDR-Staatsführung. Dieser Hintergrund seiner Person wird im Untertitel der Reportage nicht erwähnt. Anders bei einem Zeitzeugen, der dem Tenor der Sendung widerspricht. Bei ihm heißt es, daß er Vorsitzender eines Verbands von Wehrmacht-Veteranen ist. Zuschauer lesen daraus, daß er wohl parteilich und unzuverlässig im Urteil sein wird.Kernpunkt der Überläuferdiskussion ist in diesem Falle die Frage, welche Art politischer Ideologie man als schädlich für ein Land einstuft. Daß die ZDF-Fernsehsendung darüber eine andere Auffassung hat als die damalige Wehrmacht liegt nahe. Ob dies ein Maßstab zu deren Beurteilung sein kann ist eher fraglich. Denn die im ZDF verwendete Moral unterstellt, daß es gut für ein Land sei, wenn ein Überläufer im Krieg auf jene Seite wechselt, die dieses Land gerade militärisch zerstört. Sofern die politische Weltanschauung stimmt, natürlich, denn durch sie werde selbst der Schaden zum Segen.

x Wir lernen: Es ist gut, zu vertuschen, wie moralisch fragwürdig das Überlaufen an der Kriegsfront grundsätzlich war. Dieses Schönreden ist aber nur solange gut, wie das Überlaufen in eine Richtung ging, die aus heutiger Sicht als politisch korrekt gilt. Welcher Zeitzeuge zweifelhaft ist, verrät uns das Fernsehen ansonsten durch Untertitel.

5) Filmzitat
Das Filmzitat stammt aus dem deutschen Kinofilm "Hunde wollt ihr ewig leben?" von 1958 (imdb.com/Title?0051749). In der gezeigten Szene will ein deutscher Major zum russischen Gegner überlaufen und wird dabei von einem unterstellten Soldaten erschossen. Die Sendung will dem Zuschauer nahelegen, wie verblendet diese Abneigung der deutschen Täter-Öffentlichkeit nach dem Krieg gegen tapfere Überläufer doch war.
xDer Zusammenhang der kurzen Szene aus dem zitierten Spielfilm ist jedoch ein anderer. Die fragliche Überläufer Major Linkmann wird darin gezeichnet als fanatisch-ideologischer NS-Offizier, der ebenso großspurige wie unrealistische Befehle gibt. Seine Erfolge versucht er stets mit den Knochen untergebener Soldaten zu erreichen, ohne sich selbst in Gefahr zu begeben. Wenn es ernst wird, organisiert er sich immer einen Ausweg zu persönlichem Vorteil. In der aussichtslosen Lage am Ende des Kessels von Stalingrad holt er aus seinem Gepäck einen Passierschein, der russ. Soldaten gezeigt werden sollte als Hinweis auf die Absicht des Überläufers. Die Sowjets streuten solches Propagandamaterial bei ihrem Gegner aus. Der Gefreite Krämer, der ihn erschießt, hatte zuvor erleben müssen, wie dieser überlaufende Major Kameraden mutwillig in den Tod geschickt hatte. In der zitierten Szene spitzt sich dieser Konflikt zu.

x Krämer (im Bild links) steht auf Befehl von Major Linkmann an der Front und derselbe Vorgesetzte will sich nun vor seinen Augen in Sicherheit bringen durch das Überlaufen. Der da überläuft, ist also kein sozialistischer Held sondern ein Egoist, der seine eigene Haut retten will, nachdem er zuvor die der anderen aufs Spiel gesetzt hatte. So versteht man, warum frühere Zuschauer des Film diesen Schuß gegen den Überläufer als Gerechtigkeit verstanden haben mögen, ohne politische Motive zu haben.
Man kann sich leicht vorstellen, wie ganz anders die ZDF-Sendung etwa russische Soldaten bewerten würden, die zur deutschen ("Nazi-")Seite überliefen. In Stalingrad standen 19.300 russische Kriegsgefangene, von denen viele als "Hiwi" (Hilfswillige) die Wehrmacht unterstützten.x(10) Einer der vielen Zusammenhänge zur Grundsatzfrage zeigt also im Filmzitat, daß man Überläufer auch anders kritisieren konnte denn als Verräter. Die von der Reportage verwendete Moral ist hingegen kein ethischer Wertmaßstab sondern wird nur so lange verwendet, wie es den eigenen Zwecken nützlich ist. "Agitprop" hieß diese Technik bei Lenin.

x Wir lernen: Der Mißbrauch dieses Filmzitats durch die verbiegende Interpretation der ZDF-Sendung hat keinesfalls Ähnlichkeit mit früheren "Nazi-" oder Sowjet-Methoden. Denn sonst würde uns das Fernsehen sicher mit einem Untertitel darauf hinweisen.

6) Belege für Wehrmachtverbrechen
Die ZDF-Reportage nennt keinerlei Belege für diese Verbrechen. Hingegen wird pauschal von "DER" Verbrecherwehrmacht gesprochen, was nun endlich aufgedeckt und enthüllt worden sei von der fraglichen Ausstellung. Deren diffamatorische Aussage wird den Zuschauern als Wende zur Wahrheit verkauft, in der sich nun jeder seriöse Mensch einig sei. Vor allem fachliche Experten wie etwa Journalisten und ein Polit-Professor.
xFür den Widerspruch gegen diese Gemeinsamkeit wird der Vorsitzende eines deutschen Frontveteranenvereins gezeigt, der ebenfalls in Rußland war. Was dieser auch immer vortrug, erfährt der Zuschauer nicht. Geboten wird ihm nur der kurze Ausschnitt, worin dem Veteran nicht viel mehr einfällt als seine Versicherung "extrem gegen die Ausstellung zu sein". Der Zuschauer soll erkennen, daß ein Augenzeuge nichts zu bieten hat, wenn er nicht der gleichen Meinung ist wie der Polit-Professor. Als Quasi-Beleg für den eigenen Diffamierungsvorwurf dienen Sendung und Ausstellung ein deutscher Frontbefehl von 1941. Dessen Zusammenhang wird nicht genannt, nicht einmal der Wortlaut. Was er belegt, ist somit nicht erkennbar. Da die ZDF-Reportage außer gefühlsgeladenen Bildern und melancholischer Musik kaum Sachinformation zu bieten hat, ist deutlich, daß ihr Anlaß kein historischer Jahrestag der Schlacht von Stalingrad ist sondern Reklame für eine Ausstellung. (Bild) Ein Jahrestag verbindet sich mit dem ZDF-Themenabend ohnehin nicht. Die Kämpfe in Stalingrad begannen im August und endeten auch nicht im April sondern je nach Stadtteil zwischen dem 31. Januar und dem 2. Februar 1943.x(11)
Immerhin ist den Produzenten der Sendung wohl dies klar: die Umstände des deutschen Rußlandfeldzugs könnten aufmerksam machen auf sowjetische Völkerrechtsverbrechen und ideologischen Haß als deren Motiv. So würde die Absicht des Ausstellungsmachers Reemtsma gefährdet, diese Dinge alleine nur für die deutsche Seite zu reservieren. Deshalb kann man auf die Idee kommen, in einer Fernsehreportage vorbeugend alle Zweifel an dieser Ausstellung politisch zu verdächtigen.

x Wir lernen: Man könnte für diese Ausstellung auch zum Welttag der grünen Tomaten Reklame machen. Denn es gab sicher auch grüne Tomaten in Stalingrad - und deutsche Soldaten, und die waren Verbrecher, und das hat die Ausstellung angeblich bewiesen. Wer mehr dazu wissen will als Reemtsma zu sagen hat, ist ein verdächtiger Charakter.

7) Reemtsma: eigenes Leiden ist Verleugnung
Laut Reemtsma sei das deutsche Familienskelett nach Kriegsende nicht ausgegraben worden, weil man eigene Leiden vor Augen gerückt und eigene Verbrechen damit vertuscht habe. Dies möchte er als "Verleugnungsgeschichte" in unsere Wörterbücher eingehen sehen.
xDer Vater von Reemtsma war Zigarettenfabrikant aus dem Baltikum und hatte ein hohes Amt in der Kriegwirtschaftslogistik des NS-Staates. Man sagt ihm weltanschauliche Nähe zum - jedenfalls Dienst am NS-Staat nach. Sein Sohn konvertierte aus der Sippenhaft dieses Familienhintergrunds vom Saulus zum Paulus. Dem Polit-Professor, der mutig auch in fachfremder Geschichte macht, sind zu seinem Lieblingsthema Rußlandkrieg sowjetische Völkerrechtsverbrechen ein Dorn im Auge. Sie könnten den von ihm erwünschten Eindruck stören, daß nur Deutsche geborene Verbrecher seien. Er fängt dieses Problem auch hier wieder durch pauschale Diffamierung ab. Sofern von deutschen Leiden und Opfern nach diesem Krieg die Rede gewesen sei, habe dies nach seinen Forschungsergebnissen beigetragen zu einer "Verleugnungsgeschichte".
Damit dies der Reportage nicht passiert, sieht der Zuschauer in einer alten deutschen Wochenschau frischlackierte deutsche Kriegsgefangene mit Blumen in der Hand, die offenbar nach kerniger Arbeit an erfrischender sibirischer Land- und Bergluft auf einer Art multikulturellem "Workshop" wie vom Urlaub heimkehren. Ob diese Wochenschau damals im West- oder Ostteil Deutschlands produziert wurde, wird nicht angegeben. Was die Wochenschau sonst noch über Heimkehrer gezeigt haben könnte, ist dem kurzen Ausschnitt ebenfalls nicht zu entnehmen. Andere dieser Heimkehrer wie die sportlich-schlanken Herrschaften auf dem Foto rechts wurden von der ZDF-Kamera übersehen. Sie waren wohl zu schmal für´s Bild.x(12)

x Der Kollege im Foto links kehrt zwar von gleichem Ausflug heim, muß aber wohl ein Russe sein. Denn deutsche Kriegsgefangene kehren von dort laut ZDF-Reemtsma stets prächtig erholt und blumengeschmückt wieder zurück. Wer das nicht so sieht, ist selbstverständlich ein verdächtiger Übeltäter aus Reemtsmas "Verleugnungsgeschichte". Einer dieser verleugnenden Übeltäter 1947:
"Ein Bericht der amerikanischen Militärregierung stellt fest: Alle aus der Sowjetunion in die amerikanische Zone zurückkehrenden deutschen Kriegsgefangenen befinden sich in so schlechter körperlicher Verfassung, daß sie zu jeder Art Arbeit unfähig sind, und manche von ihnen werden vielleicht nie wieder arbeiten können."x(13)

Insgesamt zwei Milliarden Manntage Zwangsarbeit erbrachte der Workshop, wie man später errechnet hat. Die ca. 3.2 Mio. deutschen Kriegsgefangenen in der Sowjetunion wurden gemäß dem Kriegsvölkerrecht ganz bestimmt auch direkt nach Kriegsende aus Rußland entlassen. Also so zwischen 1947 und 1956, denn es gibt auch eine politische Zeitzählung. Daß inzwischen 1,5 Mio. von ihnen verschwanden durch das Sowjetprogramm "Vernichtung durch Arbeit", ist dem ZDF eher unbekannt.x(14) Diese Form von Vernichtungsprogramm ist gemäß TV-notorischer KZ-Sendungen ohnehin für deutsche Täter reserviert, das kann es also in der reizenden Sowjetunion nicht gegeben haben. Bilder dieser Art wie hier zeigt man also nicht, oder höchstens wenn mal wieder eine KZ-Dokumentation ansteht. Für das Fernsehen und die Ausstellung sind Bilder austauschbar. (Hier bereits prämiert)
Weniger austauschbar sind 20.000 deutsche Frauen in Rußland, die als teilweise ziviles Nachrichten- oder Sanitätspersonal neben der Wehrmacht überhaupt nicht in Kriegsgefangenschaft genommen werden durften. Da nur gut die Hälfte von ihnen überlebte und es keine Fotos gibt, ist das für Reemtsma kein Thema. Verleugnen kann man nur deutsche Untaten, andere gibt es nicht, und Tote können nicht mehr über seine Ausstellung meckern. Schriftliche Notizen der deutschen Kriegsgefangenen in der Sowjetunion z.B. über die Umstände der Zwangsarbeit, waren streng verboten und wurden hart bestraft. Man wußte wohl warum. Denn wer es dennoch wagte, berichtete Eindrücke wie diese:
"Sonntag nicht frei, auch nicht Montag, wie versprochen, sondern Sauarbeit: schwere Unterwasserstämme herausholen und stapeln. Noch dazu von diesem Meister schon mehrmals beschissen, trotz 112 Prozent Arbeitsleistung nur 720 Gramm Brot statt 870, und zwar drei Tage lang. Trauriges Volk, das sogar die Kriegsgefangenen um das bißchen Verpflegung und Brot bescheißen muß..."
x(15)
Daß es eigentlich Reemtsma ist, der hier etwas verleugnen will, ist gänzlich undenkbar, das Fernsehen würde sonst mit Untertiteln darauf hinweisen.

x Wir lernen: Täter können keine Opfer sein, sofern sie Deutsche sind. Kommen sie verhungert odernicht mehr aus Kriegsgefangenschaft zurück, sind sie es selbst schuld. Hätten sie mal mehr gegessen und nicht so viel gearbeitet. Diese Streber sind immer alles selbst schuld.

8) Geschichte als Parteipolitik
Die Reportage zeigt eine Fotographie des ehemaligen CDU-Bundeskanzlers Adenauer und zitiert aus einer seiner Bundestagsreden. Darin heißt es, daß man wegen Verfehlungen einzelner nicht eine ganze Armee und alle ihre Soldaten als Verbrecher ansehen dürfe, folglich bleibe die Ehre der Wehrmacht unangetastet.
xNun hat die ganze Reportage aber keine andere Aussage als die, daß die Wehrmacht-Ausstellung den "Mythos der sauberen Wehrmacht" endgültig widerlegt habe. Das heißt, daß eben doch alle ihre Soldaten Verbrecher gewesen seien und dies hinterher verleugneten, bis das Hamburger HB-Männchen mit dem Professoren-Titel sie alle entlarvte. Adenauer steht nun als uneinsichtiger Helfershelfer eines Verleugnungs- und Rechtfertigungsmythos vor den Augen der Zuschauer, gewissermaßen als Verbrecherkumpan. Er war deshalb so böse, weil er Deutschland wieder eine Armee geben wollte, wie die ZDF-Sendung betont. Ist diese Armee also auch ein Verbrecherverein?
x Quizfrage: Welche deutsche Parlamentspartei betont vor allem diese Aussage, z.B. 1998 auf Wahlplakaten?
x Tip: Zu welcher Parlamentspartei gehört Zeitzeuge v.Einsiedel wie in 4)?
x Ganz heißer Tip: Die fragliche Partei hat DDR-Vergangenheit. Von dort stammt traditionellerweise diese Form von Adenauer-Kritik.
Dazu links das entsprechende SED-Propaganda-Plakat; mit Blick auf den Slogan naheliegenderweise aus der Zeit vor dem DDR-Mauerbau 1961. Der englische Begriff "No" soll Adenauers Westorientierung kritisieren.x(16)
Die ZDF-Reportage folgt dieser Diffamierungstradition und stellt Adenauer in eine Reihe mit deutschen Wehrmachtgenerälen, die sich angeblich durch Verleugnung aus der Verantwortung für Kriegsverbrechen stehlen wollten (die nicht genannt werden). Kurzschnitte aus einem Interview mit einem Historiker an der Uni Tübingen (der vermutlich auch anderes sagte, was nicht gesendet wird), sollen diese Wertung autorisieren.
Daß Adenauer während der NS-Zeit in Haft war, ist vermutlich bei vielen hier im Lande inzwischen in Vergessenheit geraten. Besser bekannt ist aber, welcher Partei Adenauer angehörte. Denn seine heute noch bestehende Partei und ein etwas übergewichtiger Ex-Bundeskanzler aus gleichem Verein haben mit dieser Symbolfigur stets gerne Reklame gemacht. Ebenso ist wohl bekannt, wer jetzt die Regierung stellt und wer diese im kommenden Herbst als Opposition herausfordert.

x Wir fragen: Was könnte das über Hintergrund und Motive solch aktueller Fernsehbeiträge wie z.B. des ZDF-Themenabends aussagen? Was sagt es über Journalisten, die derartige Sendungen machen?

Fazit

Viele Seltsamkeiten um die Diskussion von Stalingrad/Rußlandfeldzug und Wehrmachtausstellung erklären sich durch die politische Algebra, daß beide damalige Kriegsparteien weltanschauliche Pole repräsentieren, selbst wenn die Soldaten damit nichts zu tun hatten. Der eine Pol ist verfemt und dient dem anderen heute zur eigenen Selbstrechtfertigung und Begründung politischer Ansprüche. Der Anspruch auf Definitionsmacht über das Kriegsthema ist für letzteren deshalb zugleich eine Existenzfrage. Das verfemte Phantom wird also aus der Geschichte ausgegraben, um es verprügeln zu können. Verbindet man dies mit der Diffamierung einer ganzen Nation, entsteht Widerspruch und damit ein Beweis für die Existenz von Phantomen. So werden die Gespensterjäger nicht arbeitslos, sie erzeugen selbst, was sie bekämpfen wollen.
Die ZDF-Zahlenspielereien zur Verharmlosung sowjetischer Kriegsgefangenschaft berühren zwar nicht grundsätzlich das Verständnis des Themas zeigen aber manipulative Tendenz. Sie steht im Einklang mit ansonsten faktenarm inszenierten Unterstellungen. So können zwar keine Fehler bemängelt werden, gezieltes Verschweigen führt dennoch zu Falscheindrücken der historischen Vorgänge. Für die Produzenten hat diese Technik den zusätzlichen Charme, weniger Mühe zu erfordern. Pauschalurteile und Unterstellungen kann man auch ohne viel Wissen leicht produzieren. Die Vermeidung von Fakten schützt zusätzlich davor, falscher Angaben überführt zu werden. Mit dieser schlanken Methode ist manch einer schon Professor geworden - nicht nur in Hamburg. Fernsehzuschauer haben sich wohl achselzuckend an diese Geschichtsklitterung gewöhnt. Erfolgreich ist sie ja, auch finanziell. Und was Erfolg hat, wird schon nicht falsch sein.
Institutionen wie das ZDF werden vor allem unterhalten durch staatliche Fremdfinanzierung über deutsche Steuerzahler und durch Pflichtgebühren für Rundfunk. Wir gratulieren allen Beitragszahlern zu dieser politisch überaus korrekten Investition. Hochrühmlich, wer sich durch manipulative Verdächtigungen beleidigen läßt und dafür auch noch Geld bezahlt. Nur so hat man brav aus der Geschichte gelernt.

Belege


x(1)Wende
Z.B. Lexikon zum Zweiten Weltkrieg, Eintrag Stalingrad, Ch.Zentner (Hrsg.): Das Dritte Reich Bd. 4, S.308.

x(2) Russisch-Ideologisch
Die Karikatur aus der Stalin-Biographie von Adam B. Ulam in Zentner a.a.O. Bd. 5, S.358. Die hier nicht gezeigten Bildteile haben religionsfeindliche Themen.
Die zitierte Deutsch-Feindschaft stammt von Ilija Ehrenburg. Weitere Hintergründe: Marschall Tschernjakowski, 12.1.45:
"Es ist unnötig, von Soldaten der Roten Armee zu fordern, daß Gnade geübt wird. ... Das Land der Faschisten muß zur Wüste werden..." Selbst in der offiz. sowjet. Geschichtsschreibung heißt es dazu (Geschichte des großen Vaterländischen Krieges): "Eine der wichtigsten Aufgaben der politischen Arbeit war die Erziehung zum glühenden Haß gegen die faschistischen Okkupanten ... daß man keinen Feind besiegen kann, wenn man ihn nicht aus vollster Seele haßt." Hintergrund: Scholochow, Surkow, Simonow, Tolstoi, Ehrenburg, russ. Intellektuelle predigen unter Förderung der sowjet. Staatsführung Deutsch-Haß und rufen zum bestialischen Töten auf. Beginn der Kampagne im Juni 1942 mit dem Werk von Scholochow "Schule des Hasses". Dann Simonow mit dem Gedicht: "Töte ihn!", sowie Surkow: "Ich hasse!". Ehrenburg wurde Sieger des Wettbewerbs um Deutsch-Haß mit seiner Forderung, "Deutsche als Untermenschen zu behandeln", und den oben im Text weiter zitierten Sätzen. Die russ. Soldaten klärte Ehrenburg auf:"Es genügt nicht, die Deutschen nach Westen zu treiben, sie müssen ins Grab getrieben werden!". Am 17.9.44 schrieb Ehrenburg in der russ. Soldatenzeitung "Unitschtoshim Wraga":"Wir werden nicht schänden. Wir werden nicht verfluchen. Wir werden nicht hören. Wir werden totschlagen." Die Zitate laut Nawratil, Heinz: Schwarzbuch der Vertreibung 1945-1948, München 1999.

x(3) Militärstadt
Zentner, a.a.O. Bd. 4, S.53. Laut OKW Auffassung (Fall Blau) eine "Rüstungsmetropole", so Carell: Unternehmen Barbarossa, a.a.O., S.476. Ölmotive des OKW laut "Weisung 41", ebd., S.520.

x(4) Zarizyn
Zentner, a.a.O., Bd. 4, S.62.

x(5) Stalins Haltung
Tagesbefehl 30. Juli 1942:
"Keinen Schritt zurück: Eiserne Disziplin und Kaltblütigkeit sind die Voraussetzungen unseres Sieges. Sowjetische Soldaten: keinen Schritt zurück! Das ist der Ruf eurer Heimat. ... Unser sowjetisches Vaterland ist groß und reich. Aber man kann sich nichts schlimmeres vorstellen, als daß ihr auch nur einen Fußbreit Boden aufgebt, ohne die allergrößten Anstrengungen zu seiner Verteidigung gemacht zu haben, daß ihr diese oder jene Stadt räumt, ohne bis zum letzten Blutstropfen gekämpft zu haben." Zitiert von Alexander Werth: Rußland im Krieg 1941-1945. München-Zürich 1965.

x(6) Patronen& Blut
Letzte Patronen laut Hitlerbefehl nach Stalingrad Januar 1943, Stalins letzte Blutstropfen wie in seinem Tagesbefehl Anmerkung 5).

x(7) Zahlen
Nach Angaben des DRK in Zentner, a.a.O. Bd. 5, S.284, gleichlautend auch Paul Carell: Die Gefangenen. Deutsche Soldaten hinter Stacheldraht. Augsburg 1999 unter Bezug auf "Wissenschaftlichen Kommission für die Dokumentation des Schicksals der deutschen Gefangenen des Zweiten Weltkriegs", deren Dokumentation von der Regierung Willi Brandt 1969 Veröffentlichungsverbot erhielt. Carell genauer in "Unternehmen Barbarossa", a.a.O., S.549, demnach Gesamtzahl 6. Armee laut Verpflegungsstärke 18. Dezember 1942.

x(8) Wehrmacht-Superlative
Paul Carell: Unternehmen Barbarossa. Frankfurt/M.-Berlin-Wien 1963, Kap. 6, hier S.109. Dort auch der Stalin-Befehl.

x(9) National-Walter
Karlludwig Opitz: Nationalkomitee Freies Deutschland. Mit Bild in: Zentner, a.a.O., Bd. 4, S.64-67.

x(10) Hiwis
Carell: Unternehmen Barbarossa, a.a.O., S.549.

x(11) Schräger Jahrestag
Zentner, a.a.O., S.62. Zum Ende der Kämpfe auch Carell: Unternehmen Barbarossa, a.a.O., S.548.

x(12) Zurück vom Workshop
Heimkehrer-Bild rechts aus Böhme, Kurt W.: Kriegsgefangene. In: Zentner, a.a.O. Bd. 5, S.280-285. Bildangabe: "Nach fünf Jahren Kriegsgefangenschaft in Rußland".

x(13) Lumpenheimkehrer
Heimkehrer-Bild links aus dem Auffang-Lager Willingen in Hessen laut Tageszeitung "Heute", München, 15.08.1947. Bildunterschrift:
"Aus Rußland heimgekehrt. Ein Kamerad mußte ihn hierher tragen, weil der völlig Entkräftete sich selbst nicht mehr schleppen konnte." Das Zitat zum Bericht der US-Militärregierung aus dem Text des Artikels. In: Zentner, a.a.O., Bd. 5, S.297.

x(14) Arbeitsstunden und Verlustzahlen
Paul Carell: Die Gefangenen. A.a.O. unter Bezug auf die Wissenschaftliche Kommission wie unter 7).

x(15) Notizlose Kriegsgefangenschaft
Ein Tagebuch, herausgeschmuggelt aus dem Lager Providankar berichtet unter dem 03.09.1946. In: Zentner, a.a.O. Bd. 5, S.418.

x(16) SED-Plakat
Zentner, a.a.O. Bd. 5., S.407.
Veröffentlichung: April 2002
+Nr.37: LernresistentNr.39: Schwarze Schafe+
 
13.03.2018-00 Impressum 2,42
x
System: PUBLIU
Sepp Depp: Prämie für Falschangaben zur Geschichte: Redaktionell ausgewählte Webseite auf onlinestreet.de
Sepp Depp: Prämie für Falschangaben zur Geschichte: Redaktionell ausgewählte Webseite auf wogibtes.info

 

®