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Nr.39: Schwarze Schafe

Charles Darwin 1870 und der Sozialdarwinismus

Nominierung

Thema: Sozialdarwinismus: Herkunft und Entwicklung der Menschheit
Quelle: Vorarlberger Nachrichten (Österreich), Sommerserie 2001, 18.08.2001 - Rubrik "scientific shortcuts, a shortcut to science for explosive thinkers" ... (members.vol.at/roemer/2001/roe_0133.htm)
Urheber: Rudolf Öller

Aussage

(Einleitung)
"Charles Darwin war der Schöpfer der modernen Evolutionstheorie. Seine Lehre vom "Survival of the fittest" wurde lange Zeit missgedeutet. Gute Theorien werden nicht selten für schlechte Ideologien missbraucht, weil Ideologen - wenn überhaupt - sich kaum mit wissenschaftlichen Fragen beschäftigen."
(Artikel)
"Darwin wurde vorgeworfen, seine zentrale Theorie von der Evolution des Lebens durch das "Überleben des Stärksten" beschreibe eine grausame Welt. Darwin hat in seinen Werken seine Theorien präzise beschrieben, vor allem, was er unter "The Fittest" (fälschlich mit "der Stärkste" übersetzt) versteht. Darwins geniale Analysen haben nicht verhindert, dass seine Ideen auf die menschliche Gesellschaft auf bedenkliche Weise angewendet wurden. So entstand die Ideologie des Sozialdarwinismus, wonach die Entwicklung von Gesellschaften dem von Darwin beschriebenen Schema entspricht. Sozialdarwinisten glaubten, dass Menschen wie Pflanzen und Tiere einzeln um das Überleben kämpfen. Reiche und mächtige Menschen sind die Stärksten, die wirtschaftlich schwachen Klassen sind die Schwächsten. Die Theorie wurde von politischen Kreisen als philosophische Rechtfertigung für Imperialismus, Rassismus und zügellosen Kapitalismus herangezogen. Es ist eine Binsenweisheit, dass es starke und schwache Menschen gibt, aber Darwin beschrieb, dass die Stärke einer Population auch darin liegen kann, dass die Starken die Schwachen unterstützen, diese aber nicht knechten. Man sollte eben die Werke großer Männer genauer studieren, bevor man daran geht, aus einer großen Theorie eine miserable Ideologie zu machen."

Der geniale Darwin habe demnach also die Evolution richtig beschrieben und nur ein fataler Irrtum von Imperialisten, Kapitalisten und Rassisten habe zur Übertragung seiner Naturbeobachtung der Tierwelt auf die menschliche Gesellschaft geführt. Der große Mann hingegen habe zur Hilfe für die Schwachen aufgefordert.

Tatsachen

xLaßt Darwin sprechen - In seinem Werk "Descent of Man"(1) skizziert der englische Naturforscher Charles Robert Darwin (1809-1882) im fünften Kapitel folgende Argumentation (in Klammern die Seitenangabe):

Rassebegriff: Imitationsfähigkeiten
Der Mensch könne durch Änderung von Verhaltensweisen verbesserte Anpassung an die Umwelt erreichen, während Tiere dazu ihren Körper ändern müssen. Beide Änderungen seien erblich. Daher sei die Vervollkommenung des Menschen in Urzeiten Resultat von "natürlicher Zuchtwahl" (163). Dies gelte auch für geistige Fähigkeiten (164). Die Ausbreitung neu gezüchteter Fähigkeiten in einer "Rasse" erkläre sich aus Nachahmung: "Bei den Affen ist ähnlich wie bei den Wilden der Nachahmungstrieb stark ausgeprägt." (165) Sozialtugenden wie Treue, Mut und Gehorsam seien nützlich und erfolgreich im Wettkampf; "... so streben die sozialen und moralischen Eigenschaften dahin, langsam fortzuschreiten und schließlich die ganze Welt zu erobern." (167). Unter Rasse scheint Darwin auch Völker zu verstehen, da er Griechen z.B. als eine Rasse bezeichnet (181).

Hilfsbereitschaft als Fortschrittshemmnis?
Er unterscheidet dabei grundsätzlich "Wilde" (wie zitiert) und "zivilisierte Völker" (171).
"Unter den Wilden werden die an Körper und Geist Schwachen bald eliminiert; die Überlebenden sind gewöhnlich von kräftigster Gesundheit. Wir zivilisierten Menschen dagegen tun alles mögliche, um diese Ausscheidung zu verhindern. Wir erbauen Heime für Idioten, Krüppel und Kranke. Wir erlassen Armengesetze, und unsere Ärzte bieten alle Geschicklichkeit auf, um das Leben der Kranken so lange als möglich zu erhalten. Wir können wohl annehmen, daß durch die Impfung Tausende geschützt werden, die sonst wegen ihrer schwachen Widerstandskraft den Blattern (Seuche) zum Opfer fallen würden. Infolgedessen können auch die schwachen Individuen der zivilisierten Völker ihre Art fortpflanzen. Niemand, der etwas von der Zucht von Haustieren kennt, wird daran zweifeln, daß dies äußerst nachteilig für die Rasse ist. Es ist überraschend, wie bald Mangel an Sorgfalt, oder auch übel angebrachte Sorgfalt, zur Degeneration einer domestizierten Rasse führt. Ausgenommen im Falle des Menschen selbst wird auch niemand so töricht sein, seinen schlechtesten Tieren die Fortpflanzung zu gestatten." (171-172).
Darwin führt dazu weiter aus, daß die "Hilfe für Hilflose" ursprünglich richtigem sozialen Instinkt entstamme. Doch sei diese Gewohnheit inzwischen zur Obsession geworden, die vernünftige Überlegung nicht mehr zulasse. (ebd.). So wie auch der Chirurg durch Härte das Wohl des Patienten erreiche, sei die "Vernachlässigung" der Schwachen durch höheren Nutzen zu rechtfertigen, doch sei dies in der zivilisierten Gesellschaft noch nicht als Erkenntnis durchgedrungen.
"Wir müssen uns daher mit den ohne Zweifel nachteiligen Folgen der Erhaltung und Vermehrung der Schwachen abfinden" (ebd.)

x Darwin diskutiert Gesellschaftskonzepte auf gleicher Ebene wie die Tierzucht. Hilfe für Schwache kann er akzeptieren als ethischen Wert, aber nur solange, wie er nicht beeinträchtigt, was Darwin als nützlich für den Fortschritt der Gesellschaft annimmt. Sein Fortschrittsgedanke heißt Evolution, und meint deshalb logisch konsequent die Förderung von Stärken und die Eliminierung von Schwächen.

Der Mensch im Zuchtplan Darwins
Das eigentliche Ziel sei auch im Geistigen, die Evolution als Fortschrittsentwicklung weiterzuführen:
"Was die körperliche Struktur angeht, so ist es nicht die Erhaltung scharf markierter, seltener Anomalien, die zum Fortschritt einer Gattung führt, sondern die Weiterzüchtung der im Verhältnis besser Begabten und die Ausscheidung der verhältnismäßig Minderbegabten. Ebenso wird es sich mit den intellektuellen Fähigkeiten verhalten, da die etwas befähigteren Menschen in jeder Gesellschaftsklasse mehr Erfolg haben als die Unbefähigten und deshalb an Zahl zunehmen, wenn kein Hindernis eintritt." (176)
Er diskutiert ferner angebliche Folgeprobleme in der Gesellschaft. So z.B. daß die Fähigsten und Mutigsten im Krieg weniger überleben als die Schwachen, die zuhause bleiben. Zwar bedeute vererbter Wohlstand eine Fortpflanzung der Fähigsten, doch bedeute ererbter Reichtum Niedergang der Fähigkeiten. Dies sei aber kein Problem, "... denn täglich sehen wir, wie reiche Narren und Verschwender ihren Reichtum verschleudern." (173)
Auch sonst vollziehe die Gesellschaft ebenso wie die Natur Zuchtauslese, indem sie schlechte Menschen als Verbrecher in Gefängnissen an Vererbung hindere (176), oder die "Ruhelosen ohne stetige Beschäftigung" als "Überreste kulturhinderlichen Barbarentums" durch Auswanderung in Kolonien nützlich werden lasse (ebd.).

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Dies noch weiter diskutiert an den Vererbungsgewohnheiten im Adel kommt Darwin zu dem Schluß, daß der Reichtum "zivilisierter Völker" zwar zur Degeneration neige, daß jedoch zugleich auch quasi automatische Prozesse dem entgegensteuern.
"Dies läßt sich daraus schließen, daß der Zivilisierte bei jedem Vergleich physisch stärker als der Wilde erscheint. Er scheint, wie viele abenteuerliche Expeditionen gezeigt haben, auch dieselbe Ausdauer zu besitzen. Selbst der große Luxus der Reichen scheint nicht sehr zu verweichlichen; denn die Lebensdauer unserer Aristokraten aller Altersstufen in beiden Geschlechtern scheint nur wenig kürzer zu sein als die eines gesunden Bürgers der untersten Klassen Englands." (174).
In der Grafik eine entsprechende Umsetzung dieses physischen Gedankens in der Ostara-Reihe des "Jörg Lanz v. Liebenfels" (Adolf Josef Lanz) aus den 1920er Jahren. Doch bestehe immer die Gefahr, daß es zum Rückfall einzelner Menschen in rückständigere Entwicklungsstufen der Evolution komme:
"Bei der Zucht von Haustieren ist die Ausscheidung derjenigen Individuen, die in irgend einer wichtigen Beziehung minderwertig sind, auch bei geringer Zahl keineswegs unbedeutend für den Enderfolg. Dies gilt besonders für die unerwünschten Merkmale, die, wie die schwarze Farbe der Schafe, als Rückschlag in einen früheren Zustand erscheinen. Es ist leicht möglich, daß auch bei den Menschen schlechte Anlagen, die ohne nachweisbare Ursache gelegentlich in Familien auftreten, als Rückschlag in einen noch wilden Zustand angesehen werden können, (...). Diese Annahme scheint tatsächlich durch den ganz alltäglichen Ausdruck anerkannt zu werden, daß solche Menschen das schwarze Schaf in der Familie seien." (177).

xDaß die sozialen Folgerungen aus seinen Evolutionstheorien zu harten Konsequenzen führen müssen, ist auch Darwin erkennbar, doch
"Da der Mensch aber denselben physischen Übeln wie die Tiere unterworfen ist, hat er kein Recht, Verschonung vor den aus dem Kampf ums Dasein hervorgehenden Übeln zu erwarten. Wäre er in den Urzeiten nicht der natürlichen Zuchtauswahl unterworfen gewesen, so würde er allem Anschein nach seine gegenwärtige Stellung nicht erreicht haben." (183 f.).
Die erwähnte Ostara-Reihe zog etwa 50 Jahre später ebenfalls die Linie von den Urmenschen zu Rassen-Argumenten und konnte dabei als wissenschaftlich-fortschrittlich gelten im Geiste Darwins. Zum Glück war Darwin im richtigen Teil der Welt geboren, denn die katholische Kirche habe durch den Zölibat die Fortpflanzung von Geisteselite behindert, in der Inquisition die besten Geister gebraten und dadurch "unberechenbaren Schaden angerichtet" und "folgende Generationen geschädigt". (182)
Ganz anders in der nichtkatholischen Heimat Darwins:
"Die im Verhältnis zu anderen europäischen Nationen hervorragenden Erfolge der Engländer als Kolonisten sind ihrer kühnen, beharrlichen Energie zugeschrieben worden. Eine Behauptung, die durch einen Vergleich der Fortschritte der Kanadier englischer und französischer Abkunft gut illustriert wird. (...) Es ist augenscheinlich viel Wahrheit in der Annahme, daß die außerordentlichen Fortschritte der Amerikaner und ihr gesamter Volkscharakter das Produkt natürlicher Zuchtauswahl sind." (182 f.)

x Laut Darwin sei der Mensch als höchstes Lebewesen Erfolgsprodukt von Evolution - bei ihm verstanden als unwillkürliche Höherzüchtung durch Nachahmung von Erfolgsverhalten. Diese zunächst theoretisch-abstrakte Vorstellung wird von ihm jedoch auch mit konkreten Beispielen aus menschlicher Geschichte und Gesellschaft illustriert. Daraus folgt - wie er auch wörtlich betont - daß weiterer Fortschritt nach seinem Verständnis bedeuten müsse, die "Minderbegabten auszuscheiden", weil sich der Mensch ebenso wie auch die Tiere nur durch Stärke erhalten und entwickeln könne.

Darwins Sozial-Vorstellungen
Der Tenor neuerer Beiträge zu diesem Thema stimmt darin überein, daß Darwins fragwürdige Evolutionstheorie und Sozialdarwinismus eine konzeptionelle Einheit sind.x(2)

Welteroberung: Größere Fähigkeit verdränge schwächere Fähigkeit; dies sei ein Element des Fortschritts in der Evolution; (167)
Idiotenheime: Die Zivilisation neige zur unreflektierten und sentimentalen Hilfe für Schwache, was schädlich für den Fortschritt, ja "töricht" sei; (171)
Chirurgen-Härte: Mitgefühl widerspreche den üblichen Kriterien für die Haustierzucht, wo nur Zweckvernunft das Handeln sinnvoll leite; (172)
Weiterzüchtung: Für geistige Fähigkeiten gelte das gleiche wie für die körperliche Zuchtauswahl, es gelte die Fähigen zu fördern und die Unfähigen zu vernachlässigen; (176)
Gut und Böse: Was schwach ist sei schlecht; (172)
Verschwender-Narren: Fehlentwicklungen wie Degeneration aus ererbtem Reichtum korrigiere die Natur der Gesellschaft von selbst. So stelle sie ebenso Zuchtauswahl sicher wie der Daseinskampf unter Tieren - im Erfolg die Durchsetzung der Fähigsten auf Kosten der weniger Fähigen; (173)
USA?: Ruhelose Barbaren seien ein atavistisches Kulturhindernis, aber wenn sie in Kolonien auswandern, seien sie immerhin noch nützliche Pioniere; (176)
Fortschrittsglaube: Die Welt werde immer besser, weil sich die Fähigeren gegen die Unfähigeren durchsetzen - freilich: "sofern kein Hindernis eintritt" ... (176)
Schwarze Schafe: Doch komme es immer wieder zum "Rückschlag" Einzelner in rückständige Entwicklungsstufen der Evolution, was schädlich für die Gesellschaft sei; (177)
Daseinskampf: Da der Mensch den Tieren ähnlich sei, dürfe er nicht erwarten, daß sein Leben leichter sei als ihres, womit also auch harte gesellschaftliche Maßnahmen zur Unterstützung des Evolutionsfortschritts irgendwie berechtigt erscheinen; (183)
Gut gewählt: Die beste europäische Menschenzüchtung seien Engländer und Amerikaner, woraus nach Darwins Logik folgern könnte, daß "... sie schließlich die ganze Welt erobern." (182/167)

Darwins Atheismus
Seine Thesen von der schrittweisen Entwicklung des Menschen aus Körpern von Primaten (Affen) sind ein wichtiger Baustein für atheistische Antworten auf die Frage nach der Herkunft von Mensch und Welt. Entsprechend lobte Lenin:
"Darwin widerlegte jene Anschauung über die Arten der Tiere und der Pflanzen, als wären sie von Gott erschaffene unveränderliche Wesen; er stellte zum erstenmal die Biologie auf wissenschaftliche Grundlage, indem er die Veränderlichkeit der Arten und die Vererbbarkeit gewisser Merkmale feststellte."x(3)
Darwin ließ gelegentlich wohl Respekt vor Schöpfungsglauben erkennen, verstand sich bis zu seinem Lebensende aber in der Tat als Atheist/Agnostiker.x(4)
Eine andere als Darwins Vorstellung einer gewissermaßen aus Naturmechanismen automatisch erwachsenen Entwicklung vom Primitiven zum Hochentwickelten als Ersatz für Schöpfungsglauben ist derzeit nicht verfügbar. Es ist daher aus dieser Weltdeutungsposition unerwünscht, festzustellen, welche logischen Konsequenzen Darwins Thesen haben müssen. Ihre Verbindung zur rassenideologischen Praxis wie im Nationalsozialismus oder in Form des "Sozialdarwinismus" sollte es möglichst also nicht gegeben haben.
Doch wie Darwin argumentiert liegt dies in der "Natur" seines Ansatzes. Wenn der Mensch zum überlegenen Leit-Tier geworden wäre durch Zuchtauswahl der Leistungsfähigeren, dann könnte es nach seiner Auffassung fast sittliche Pflicht sein, alles "Minderwertige" daran zu hindern, an der Entwicklung weiter teilzuhaben und so den weiteren Fortschritt zu stören. Umgekehrt könnte eine ihm folgende materialistische Weltdeutung aus Naturmechanismen schwer begründen, warum es sinnvoll ist, Kranke und Schwache zu unterstützen. Wenn der Mensch nur ein durch Zuchtauswahl im Daseinskampf zufällig höher entwickeltes Tier wäre, dann könnte schwer abgelehnt werden, daß Darwin die Urteilskriterien für Haustierzucht konsequent auch für die Entwicklung des Menschen in der Gesellschaft zugrundelegt.

Fragwürdige Evolutionstheorie
Darwins Evolutionstheorie hat abgesehen von hier nicht zu diskutierenden ethischen Fragen auch innerhalb naturkundlicher Logik viele Schwächen. So vor allem in der Evolutionsgenetik:
a) Genetische Mutationen treten nach bisheriger Beobachtung stets als Defekt auf (Verlustmutation) und nicht als Fortschritt. Von hier können also keine neuen Formen kommen, die Darwin als Impulsgeber für Fortschritt durch Konkurrenzauslese annehmen muß.
b) Typischerweise sind solche Verlustmutationen rezessiv und gehen in der weiteren Erbfolge verloren. Selbst wenn also eine Verlustmutation im Daseinskampf erfolgreicher als andere wäre, würde sie langfristig kaum Grundlage einer Änderung der Art.
c) Anpassungen von Organismen an Lebensräume können bisher nur als Änderung des Äußeren (Phänotypus) gefunden werden aber nicht als Änderung des Bauplans im Organismus (Genotypus). Nicht-genetische Änderungen vererben sich jedoch nicht.
d) Das Erlernen bewährter Verhaltensweisen ist nicht erblich sondern wie Darwin selbst sagt (165) ein Kopiervorgang. So können also keine Rassen begründet werden, wie überhaupt sein Rassenbegriff uneinheitlich ist.
e) Funde von Frühmenschen bestätigen seine Theorien bislang nicht sondern widerlegen sie. Der primatenähnliche und somit uriger wirkende Neanderthaler Typus (Alter ca. 100.000 Jahre) ist wesentlich jünger als die lange vor ihm ausgestorbenen und neuzeitlichen Menschen ähnlicheren Völker wie belegt in den Skelettfunden von Steinheim und Swanscombe (Alter ca. 300.000 Jahre), wobei selbst der etwa 400.000 Jahre alte Peking-Mensch nach Darwins Kriterien höher entwickelt war als der Neanderthaler.x(5)

x Atheistische/materialistische Weltdeutungen müssen wie Darwin aus automatischer Mechanik der Materie die Herkunft der Welt erklären, um Fragen nach einer metaphysischen Schöpfung zu vermeiden. So ist verständlich, daß ein Festhalten an seiner Theorie weniger aus Untersuchungen legitimiert ist, sondern aus dem Wunsch, die Konzeptlücke materialistischer Mode-Ideologie zu schließen.
Darwins Rassebegriff hat innere Widersprüche. Den Evolutionsfortschritt kann er nicht plausibel aus der Nachahmung von Erfolgsstrategien herleiten, weil diese nicht erblich sind. Frühmenschliche Skelettfunde widersprechen seiner Evolutionstheorie insofern, als ältere Funde oft höher entwickelt sind als jüngere Funde.

Fazit

Charles R. Darwin hat selbst und in genauer Diskussion eine Verbindung zwischen der Evolution im Tierreich und der des Menschen in der Gesellschaft gezogen. Kriterien, die er als Gründe für die Höherentwicklung bei Tieren vermutete, konnte er sich auch als Maßstab in der Gesellschaft vorstellen. Er bemühte sich zu zeigen, daß andere Verhaltensweisen dem üblichen Brauch z.B. bei der Tierzucht widersprechen und insofern als inkonsequent erscheinen. Caritative Motive werden bei ihm wahrgenommen, sind ihm jedoch nur verständlich, wenn sie nützlich für den von ihm vermuteten evolutionären Entwicklungsfortschritt sind. Diesen versteht er als Durchsetzung des Erfolgreicheren gegenüber dem Schwächeren im Daseinskampf, wobei die erfolgreichere Technik zugleich die bessere sei.
Es ist kaum haltbar, heute zu behaupten, daß Darwin im Vollzug seiner Evolutionstheorie kein Befürworter oder geistiger Vorläufer von Eugenik, Rassenideologie oder Euthanasie sowie Sterilisation oder Benachteiligung von Kranken und Behinderten gewesen sei. Man kann abgesehen von der jetzt mehr als hundert Jahre bekannten Publikation Darwins auch nicht sagen, daß dies eine neue Erkenntnis sei.
Immerhin zeigt der nominierte Beitrag anschaulich am eigenen Beispiel, daß "Ideologen - wenn überhaupt - sich kaum mit wissenschaftlichen Fragen beschäftigen". In diesem Falle jedenfalls nicht einmal mit dem beurteilten Gegenstand.

Belege


x(1)Aufstieg des Menschen
Charles Darwin: Descent of Man. 2. Aufl. 1874, dt.: Die Abstammung des Menschen. Stuttgart 1966, Kapitel 5, S.162-185.

x(2) Übereinstimmung
Nicht nur Brockhaus Enzyklopädie (Wiesbaden 1972), Stichwort "Sozialdarwinismus" sondern auch der Tenor in Beiträgen aller Art wie:
- Historisches Lexikon der Schweiz (
www.snl.ch/dhs/externe/protect/textes/D17431.html)
- Mediaweb Österreich: (
contextxxi.mediaweb.at/texte/archiv/rad000424.html)

x(3) Richtiger Beifall
Lenin zitiert nach M. A. Gremjezkij: "So wurde der Mensch", Wien 1947, S.18.

x(4) Schwankender Darwin
"Sehr bedeutende Autoren scheinen von der Ansicht einer unabhängigen Erschaffung der einzelnen Arten durchaus befriedigt zu sein. Meines Erachtens stimmt es nach allem, was wir wissen, besser mit den vom Schöpfer der Materie eingeprägten Gesetzen überein, daß das Entstehen und Vergehen der früheren und heutigen Erdenbewohner genau wie Geburt und Tod der Individuen eine Folge sekundärer Ursache ist ... Es ist wahrlich etwas Erhabenes um die Auffassung, daß der Schöpfer dem Keim alles Lebens, das uns umgibt, nur wenigen odernur einer einzigen Form eingebaut hat und daß, während sich unsere Erde nach den Gesetzen der Schwerkraft im Kreise bewegt, aus einem so schlichten Anfang eine unendliche Zahl der schönsten und wunderbarsten For-men entstand und noch weiter entsteht."
Derselbe in: "Die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl", zitiert bei Otto Spülbeck: Der Christ und das Weltbild der modernen Naturwissenschaften. Sieben Vorträge über Grenzfragen aus Physik und Biologie. Berlin 1957, S.165 -245, hier S.170.
Die Widerlegung aller Gerüchte über Darwins Hinwendung zur christlichen Religion hingegen durch Henrietta Darwin laut R.B. Litchfield, "Charles Darwin‘s Death-Bed: Story of Conversion Denied" In: Zeitschrift The Christian, 23. Februar 1922, S.12.

x(5) Probleme des "Missing Link"
Evolutionsgenetik Spülbeck, a.a.O., S.172 ff.; prähistorische Fundbewertung S.220 ff. In diesem Sinne laufend weiterführende Pressemeldungen.
Veröffentlichung: September 2002
+Nr.38: KriegsmathematikNr.40: Dunkler Punkt+
 
13.03.2018-00 Impressum 1,68
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System: PUBLIU
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