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Nr.40: Dunkler Punkt

U 995: Fahnenflucht und Mord nach der Kapitulation 1945

Nominierung

Thema: Deutsche Marine im Zweiten Weltkrieg und das Kriegsrecht
Quelle: TV-Dokus "Schleswig-Holstein-Magazin", NDR, 19.09.2001 und 13.01.2002
Urheber: NDR Landesstudio Schleswig-Holstein

Aussage

Kurzbericht über das Marine-Ehrenmal Laboe, wo das letzte deutsche U-Boot aus dem Zweiten Weltkrieg, U-995, als technisches Museum dient. Um den letzten Einsatz in Norwegen 1945 gebe es einen "dunklen Punkt", ja sogar ein Geheimnis, das der Sender von einem anonymen Zeugen erfahren haben will. Der letzte Kommandant und Ritterkreuzträger Hess, "ein Draufgänger wie Hitlerjunge Quex", auf dessen Boot stets "NS-Allüren" geherrscht haben sollen, habe "einen Mord zu verantworten". Nach der Kapitulation der deutschen Wehrmacht sei folgendes vorgefallen:

"... ein junges Besatzungsmitglied (hat) seine norwegische Freundin besucht. Man stöbert ihn auf (...) Die Offiziere des Bootes bringen ein Besatzungsmitglied dazu, den jungen Mann zu erschießen. Ein Femegericht. Der Tote, Karl Brachmann, wird in Tuch gehüllt und in den Fjord geworfen. (...) Der Kommandant hatte, so ein Zeuge, die Besatzung vergattert, unbedingt Stillschweigen über diesen Mord zu bewahren."

Tatsachen

xU-995 vom Standardtyp VII C/41 war vom 25. November 1942 bis zum Stapellauf am 16. September 1943 bei Blohm& Voss in Hamburg gebaut worden. Unter seinen Kommandanten KL Walter Köhntopp (Sept. 1943-Okt. 1944) und OL Hans-Georg Hess (Okt. 1944-Mai 1945) war es im Nordatlantik gegen anglo-amerikanischen und sowjetischen Nachschub eingesetzt. Dabei wurden zwei Frachtschiffe und weitere kleinere Fahrzeuge versenkt. Nach der Kapitulation am 9. Mai 1945 wurde das Boot im Dezember 1952 als "Kaura" in die norwegische Marine eingereiht und 1965 an die deutsche Marine zurückgegeben unter der Auflage, es als Museumsstück der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. (Bild rechts: Boot der VIIC-Klasse im Nordatlantik)
Der genannte Todesfall K. Brachmann fällt in die Kategorie der Desertionen, was die Sendung nicht offenlegt.

Rechtslage nach der Kapitulation
Deutsche Soldaten, die zum Kriegsende im aktiven Dienst standen, wurden Gefangene der Siegermächte. Soweit sie nicht direkt in deren Gewahrsam gerieten, hatten deutsche Offiziere den reibungslosen Übergang sicherzustellen. Die militärischen Regeln von Befehl und Gehorsam galten weiter bis zur Entlassung durch die Siegermächte. Unerlaubte Entfernung von der Truppe galt als Fahnenflucht. Doch kann nach Ende eines Krieges angeführt werden, daß dann andere Bedingungen vorliegen. Die Bestrafung von Deserteuren im Krieg sollte sicherstellen, daß befehlstreue Soldaten nicht ihr Leben riskieren, während Untreue und Flucht durch milde Behandlung lohnend werden. Eine solche Lage ist nach Ende der Kämpfe nicht mehr gegeben, doch soll die Einhaltung militärischer Ordnung bei den Gefangenen ihre schwierige Lage erleichtern und Straftaten verhindern. Allerdings war es bislang so, daß eine Siegermacht nur solche Gegner gefangen halten durfte, die sie auch selbst "einkassiert" hatte. Wer zum Kriegsende (hier: Waffenstillstand) als Soldat der Verlierer noch in Freiheit war, hätte diese nach bisherigem Brauch auch behalten dürfen und wäre in das Zivilleben entlassen worden.

Befehlslage
Für die unerlaubte Entfernung von der Truppe galt der Befehlsrahmen des Oberkommandos der Wehrmacht (OKW) sowie des OK der Marine (OKM). Letzterer in der Fassung vom 15. Februar 1944, deren Bestimmungen jedem Soldaten regelmäßig zur Kenntnis gegeben wurden.x(1) Nach OKW-Bestimmungen von Anfang 1945 bestand zusätzlich Pflicht zum Waffengebrauch beim tätlichen Angriff auf Vorgesetzte.x(2) In den Wirren zum Kriegsende 1945 hatte es solche Fälle gegeben. Dazu liegt speziell aus dem norwegischen Einsatzgebiet der deutschen Kriegsmarine ein Vergleichsfall aus selbem Zeitraum vor.x(3) Für die Zeit zur und nach der Kapitulation galt zusätzlich die Bestimmung von Hitlers Nachfolger Dönitz vom 15. Mai 1945, worin die Gültigkeit der militärischen Gehorsamspflichten auch nach der Kapitulation betont wurde.x(4)

Im OK der Marine (v.l.): KL A. Schnee, GA K. Dönitz, KA E. Godt
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Der vom NDR genannte Fall war bereits kurz nach Kriegsende Gegenstand eines Marine-Gerichtsverfahrens unter Aufsicht der alliierten Sieger. Dabei wurden folgende Fakten festgestellt:

Ortslage
Die Besatzung von U-995 bezog nach der Kapitulation am 9. Mai 1945 gemeinsam mit der anderer deutscher Marine-Einheiten am Ort in Norwegen ein Lager an Land. Dieses unterstand den örtlichen Offizieren im Auftrag der deutschen Seekriegsleitung, die wiederum Anweisungen der Siegermächte folgte.

Fahnenflucht
Einige Tage nach der Kapitulation war Maschinenmaat Karl Brachmann von U-995 nicht aufzufinden. Eine Suche fand ihn Tage später bei seiner norwegischen Freundin. Brachmann wurde in einem Holzschuppen gefangen gesetzt und von einem deutschen Wachsoldaten beaufsichtigt, der in dieser Funktion formell sein Vorgesetzter wurde. Der Fall Brachmann stand zur Untersuchung durch die zuständige Marinegerichtsbarkeit an.

Tödlicher Ausbruch
Brachmann unternahm aus dem Arrest einen Fluchtversuch, bei dem er den Wachsoldaten angriff. Dieser gibt an, sich mit einer Pistole gewehrt zu haben, wobei Brachmann tödlich verletzt wurde. Ein Fall von Desertion, zumal unter solch tragischen Umständen, beschädigt den Ruf von Vorgesetzten und Soldaten einer Einheit. Der Kommandant legte der Besatzung nahe, den Fall diskret zu behandeln. Eine "Vergatterung" ist jedoch eine förmliche Befehlsübergabe auf der Ebene einer Vereidigung, die entsprechend protokolliert wird. Dies lag hier nicht vor. Im Gegenteil hatte Kommandant Hess den Vorfall dem deutschen Oberkommando gemeldet, das eine entsprechende Untersuchung veranlaßte. Diesem späteren Untersuchungsverfahren durch die deutsche Militärjustiz unter alliierter Aufsicht lagen die Aussagen der Beteiligten zugrunde, darunter zwei weiteren Maaten (Unteroffizieren) der Besatzung von U-995. Nach Prüfung des Sachverhalts wurde das Untersuchungsverfahren ohne Schuldspruch eingestellt.x(5)

Propaganda-Taktiken

Der noch lebende Kommandant der Besatzung von U-995, heute Rechtsanwalt Dr. H.G. Hess war zur Recherche für die Sendung nicht befragt worden. Zur Begründung heißt es, man habe angenommen, "Hess sei mit unbekanntem Wohnsitz in den USA untergetaucht". Tatsächlich lebte er in Deutschland, war zeitweise Geschäftsführer einer Industrie- und Handelskammer, mit seiner Anwaltskanzlei 200 Kilometer vom Sitz des NDR-Justiziariats ansässig, sowie über die Telefonauskunft erreichbar.
Beschwerde:
Als Hess von der Sendung am 19.09.2001 erfuhr, beschwerte er sich schriftlich beim Sender NDR mit dem Antrag auf Gegendarstellung laut Pressegesetz. Der Sender wies das Begehren ab, da es nicht den Formvorschriften des NDR-Staatsvertrags entspreche. Diese Behauptung erwies sich als Lüge.
xBeweislast:
Weitere Argumentationen von Hess wurden abgewiesen mit der Aufforderung, daß er doch erst einmal seine Version der Ereignisse beweisen solle. Tatsächlich aber liegt die Beweislast bei dem, der seine Behauptung öffentlich verbreitet, ohne mehr Beleg oder Beweis zu haben als einen anonymen Zeugen.
Gegendarstellung:
Hess beschwerte sich daraufhin beim Rundfunkrat. Erst da wurde ihm zugestanden, seine Stellungnahme in einer NDR-Sendung zu veröffentlichen. Ein Fernsehteam zeichnete dazu 40 Minuten Interview in seiner Wohnung auf.
Propaganda:
Es folgte aber keine Gegendarstellung von Hess im Rundfunk sondern eine neue Sendung des NDR zu U-995 vom 13.01.2002. Darin wurden insgesamt nur rund 90 Sekunden aus der 40 minütigen Hess-Aufzeichnung verwendet sowie ein Satz eines Historikers an der Uni Kiel, worin er von einem "Kartell des Schweigens" spricht. Dieser Historiker wiederum war seinerseits vom gleichen Fernsehteam besucht worden und hatte in 100 Minuten Interview-Aufzeichnung berichtet. Er stellte darin klar, daß es sich im Falle Brachmann weder um einen Mord noch um ein Kriegsverbrechen gehandelt hatte. Dies aber sendete der NDR nicht. Vielmehr lautete das Fazit der Sendung, es gebe zwei Versionen der Vorgänge, wobei die Wahrheit nicht aufklärbar sei.

Spekulative Verdachtsmomente

Hans-Georg Hess
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Das deutsche Oberkommando und seine Offiziere durften gemäß Kriegsbrauch und Völkerrecht nach Kriegsende keine bisher freien eigenen Soldaten in die Gefangenschaft der Sieger ausliefern. Auch wenn ein Waffenstillstand kein offiziell endgültiges Kriegsende ist (Friedensvertrag), ändert dies nichts daran, daß der Krieg zuende war und daß eine Armeeführung in der Treupflicht steht gegenüber ihren Soldaten. Wenn also z.B. Brachmann der Ansicht war, daß er mit dem Kriegsende Zivilist sei und sich zu einer Freundin in Norwegen absetzen kann, hätte er damit einen legitimen Standpunkt vertreten. Formalrechtlich waren seine Offiziere weiter seine Vorgesetzten und zwar bis zum Zeitpunkt einer offiziellen Entlassung. Es hätte ja wie nach dem Ersten Weltkrieg sein können, daß der Staat seine Soldaten auch nach Kriegsende noch benötigt. Aber mit der Übergabe an die Sieger 1945 wäre der Rechtsbruch deutscher Offiziere offenkundig gewesen und ihre Soldaten hätten dann nach eigenem Ermessen auch gegen Befehl handeln können. Strittig mag bleiben, ob Befehle schon mißachtet werden dürfen, noch ehe der Rechtsbruch einer Auslieferung an die Gegner durch die eigenen Offiziere eingetreten ist. Unstrittig wird sein, daß von der Ankündigung betroffene Soldaten nicht erst abwarten wollen, bis der unrechtmäßige Schaden für sie schon eingetreten ist.

Hess im Einsatz
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Das dt. OKM trifft keine unmittelbare schuldhafte Verantwortung, weil die Auslieferungs-Anweisung auf Befehl der Siegermächte erfolgte. Sie konnten ihren Willen gewaltsam durchsetzen und taten das auch. Das OKM hatte in der Sache also keinen freien Willen mehr und deshalb nur eingeschränkte Verantwortung. Inwieweit das OKM oder die Offiziere bei der Truppe zum Widerstand verpflichtet gewesen wären, ist sicher eine schwierige Frage. Ein Prinzip der Rechtslehre heißt, daß wer Gewalt ausübt und damit anderen seinen Willen aufzwingt, die rechtliche Verantwortung für resultierende Taten hat. Schuld bei den Gezwungenen gibt es nur, soweit sie realistische Möglichkeiten zum Widerstand aus Bequemlichkeit, Eigeninteressen, etc. versäumt haben. Letzteres ist dann der schwierige Teil der Beurteilung.

Wäre Brachmann nicht aus dem Arrest geflüchtet, und hätte es ein Marinegerichtsverfahren wegen Fahnenflucht gegeben, dann hätten er oder seine Verteidiger das OKM anklagen können wegen völkerrechtswidriger Auslieferung an die Siegergefangenschaft. Dann hätte sich das OKM auf den Zwang durch die Siegermächte berufen, die dann selbst angeklagt gewesen wären. Sie waren aber ab 1945 die Aufsichtherren der Marinegerichtsverfahren. Ein Anklagefall also, der Gericht und Gerichtsherren als Schuldige enthüllt hätte. Solchen Desertionsfall hätte es also besser nicht geben dürfen. Welcher Verdacht kommt einem da in den Sinn? Was an diesem tragischen Todesfall ist letztlich nun unglücklicher Zufall oder Unfall und wo wurde vielleicht nachgeholfen?

Die NDR-Sendung beruft sich auf einen anonymen Zeugen, und macht daraus einen "Mordfall". Welches Interesse hat ein ehemaliger U-Boot-Soldat, seine Kameraden vor Medien zu denunzieren, deren promillehafte Faktenkompetenz und seltsamer Wahrheitsbegriff bekannt sind? Da nun schon erwiesen ist, daß der Sender in dieser Sache regelmäßig Zeugenaussagen durch Schnitt-Technik in der Aussage umgestrickt hat: Was mag der anonyme Denunziant wohl wirklich gesagt haben? Hat er vielleicht tatsächlich das oben skizzierte Völkerrechtsproblem gemeint und der Sender hat es nach seiner Lesart so umgebogen, daß es wieder in den Zeitgeist und zur pflichtgemäßen Lobdienerei der alliierten Sieger paßt? Warum ist der Denunziant eigentlich anonym? Das, was er laut unüberprüfbarer Angabe des Senders angeblich gesagt haben soll, würde ihm doch eigentlich den Beifall des Zeitgeistes sichern und Geltungsdrang wecken. Ist er deshalb anonym, weil er eigentlich auf etwas hinweist, was man heute nicht gerne hört? Ist er anonym, weil er eigentlich etwas anderes sagen will, als der Sender gerne hört? Hat er seinen Namen erst dann zurückgezogen, als erkennbar wurde, was der Sender aus seiner ursprünglichen Geschichte umbastelt? Gibt es den anonymen Zeugen überhaupt?

Fazit

Abgesehen von den zuletzt genannten spekulativen Verdachtsmomenten, zu deren weiterer Klärung die Grundlagen fehlen, fehlt der NDR-Sendung jeder Einblick in die Hintergründe. Das scheint typisch zu sein für derzeitige Medienberichterstattung, wie weitere Marine-Beispiele zeigen (Art. 25 / 35) Für einen Auftragsmord liegt bisher kein Beweis vor und ein angeblicher anonymer Zeuge kann nicht mehr bieten als eine Denunziation. Falls man dazu Spekulationen und Verdachtsmomente anschließen möchte, landet man allerdings nicht bei NS-Fanatismus als Motiv für Rechtsbrüche, sondern bei ganz anderen Völkerrechtsvergehen, als sie dem Verständnishorizont der NDR-Sendung erkennbar sind.
Vom Grünen Punkt zum dunklen Punkt: Das dumme Geschwätz aus der Hausküche des Norddeutschen Rundfunks vertuscht im berichteten Fall wichtige Fakten und Zusammenhänge: Dem Tod von Brachmann lag keine Feme zugrunde, er wurde auch von der Nachkriegsjustiz, die von Alliierten kontrolliert wurde, als Folge einer Notwehrhandlung bewertet. Entsprechend gab es weder eine Anweisung des Kommandanten der Besatzung zur Tötung des Soldaten, noch einen Schweige-Befehl. Nach bisherigem offiziellen Stand der Sache hatte Brachmann seinen Tod durch Desertion, Fluchtversuch und Angriff auf die Wache offenbar selbst provoziert und verschuldet. Dieser Faktenbefund war auch in unseren Tagen bekannt durch Auswertung der Akten im Militärgeschichtlichen Forschungsamt.
Ein sehr dunkler Punkt liegt allerdings in der Tat über dem Schicksal von U-995: es ist die empörende und niederträchtige Art, wie der Sender NDR mit Kritik an seinen Falschmeldungen umgeht. Dies bestätigt, daß hier nicht ein bedauerlicher Irrtum gerne korrigiert wird, sondern daß eine bösartige Hetzpropaganda bewußt beabsichtigt ist und auch nach Klärung der Fehler weiter durchgesetzt wird durch Totschweigen widersprechender Fakten und Beteiligter des Vorgangs. Dabei werden auch Aussagen von Historikern an der Universität solange zurechtgeschnitten, bis ein Satz übrigbleibt, der dem Propagandazweck des Senders dienlich ist.
Ziel ist es offenbar, gemäß derzeitiger Medientradition auch mit Hilfe erfundener Geschichten und Vorwürfe alle deutschen Soldaten des Zweiten Weltkriegs als Verbrecher zu diffamieren. Hintergrund ist hier vermutlich der seit einigen Jahren laufende Versuch, Verurteilungen von Deserteuren als Mord, aber Fahnenflucht als gerechtfertigt darzustellen.

Belege


x(1)Fahnenfluchtbefehl
Großadmiral Karl Dönitz (M 1 M 5/S.12 8.2.44)
"Fahnenflucht ist eines der schimpflichsten soldatischen Verbrechen, ein Treubruch gegenüber dem Führer, den Kameraden und der Heimat. Wer die Fahne verläßt, schwächt die deutsche Kampfkraft und unterstützt den Feind. Fahnenflucht trägt den Keim zu weiteren Straftaten notwendig in sich. Auf ehrliche Weise kann ein Fahnenflüchtiger seinen Lebensbedarf nicht beschaffen. Mit Recht wird die Fahnenflucht daher scharf bestraft. Aus den mir vorgelegten Urteilen habe ich festgestellt, wie gering oft der Anlaß zu einer Fahnenflucht mit ihren schwerwiegenden Folgen ist: Heimweh, Liebeskummer, mangelnde Einordnungsbereitschaft, ungeschickte Behandlung, Furcht vor disziplinarer oder gerichtlicher Strafe. Keiner dieser oder ähnlicher Gründe rechtfertigt ein Weglaufen von der Truppe. Fahnenflucht kann den beklagten Zustand nicht beseitigen sondern nur verschlimmern. Darüber ist sich anscheinend nicht jeder Fahnenflüchtige klar. Ich befehle daher:
1. Alle Angehörigen der Kriegsmarine (einschließlich des Gefolges) sind durch die Disziplinarvorgesetzten vierteljährlich auf Grund dieses Erlasses über die Bedeutung der Fahnenflucht und ihrerer Folgen eingehend zu belehren. Jeder einzelne muß genau wissen: Fahnenflucht kostete den Kopf. Nur sofortige freiwillige Rückmeldung innerhalb einer Woche nach der Tat ermöglicht eine mildere Beurteilung.
2. Wer dennoch Fahnenflucht begeht, ist unerbittlich hart zu verfolgen. Ich erwarte, daß die Kriegsgerichte das Versagen solcher treulosen Schwächlinge allein an der bis zum Tode getreuen Einsatzbereitschaft aller anständigen Soldaten messen.
Ich selbst werde in diesen Fällen jeden Gnadenerweis für einen Fahnenflüchtigen ablehnen."

(Berlin, 27. April 1943) In: Bundesarchiv MA, RM 8/66.

x(2) Vorgesetzten-Angriff
Fahle, Günter: Verweigern-Weglaufen-Zersetzen. Deutsche Militärjustiz und ungehorsame Soldaten 1939-1945. Das Beispiel Ems-Jade. Bremen 1990, S.208.

x(3) Angriffbeispiel
Fall Tromsö Mitte Mai 1945 laut Fernschreiben des Kommandanten der Seeverteidigung vom 24.05.1945 an das OKM, Privatbesitz H.J. Brosig, publiziert in Fahle, a.a.O., S.224: ein Leutnant erschießt angreifenden Matrosen.

x(4) Schlußbestimmung
Dönitz laut Fernschreiben KR HBLXP 210 15.5. 131 über AOK Ia Nr. 288/45:
"(...) 2. Jeder Soldat verbleibt an seinem Platz, bis er von seinen Vorgesetzten weitere Befehle erhält. Der Zeitpunkt der Entlassung aus dem Wehrdienst hängt von der Entscheidung der Besatzungsmacht und dem Abtransport ab. Bis dahin ist es Ehrenpflicht jedes deutschen Soldaten, sich seiner Uniform durch Wahrung der innern und äußeren Haltung würdig zu zeigen und seinen Vorgesetzten wie bisher zu gehorchen. (...)" In: Bundesarchiv MA, RH 53-10, 130.

x(5) Einstellung
Der ehemalige Kommandant der Besatzung von U 995, Dr.iur. Hans Georg Hess, in seiner Beschwerde an den NDR sowie den Rundfunkrat Schleswig-Holstein des Norddeutschen Rundfunks. Dies auch berichtet im Ostpreußenblatt vom 16.02.2002 (
www.webarchiv-server.de/pin/archiv02/0702ob08.htm) / zweiter Teil (www.webarchiv-server.de/pin/archiv02/0702ob10.htm), sowie "Ausguck" Nr. 1/August 2002, dort auch bestätigt durch Beschwerdebrief Prof. Dr. Franz Seidlers, München an den NDR-Intendanten Plog:
"(...) Ich kenne das Kriegsurteil im Fall Karl Brachmann, obwohl ich es nicht in meinem Buch "Fahnenflucht", "Der Soldat zwischen Eid und Gewissen", München (Hebig) 1993 aufgenommen habe. Die Darstellung in der Sendung spricht jeder wissenschaftlichen Wahrheit Hohn. Ich verstehe nicht, welchen Spielraum sie historisch unbedarften Journalisten einräumen. Darf man in ihrem Sendebereich wirklich einfach drauflos lügen? Wer so schludrig recherchiert, gehört eigentlich nicht in eine öffentlich-rechtliche Sendeanstalt."
Es ist sicherlich nicht verwunderlich, daß im Internet-Archiv des NDR kein Hinweis auf die bewußten Sendungen mehr zu finden ist ...
Veröffentlichung: September 2002
+Nr.39: Schwarze SchafeNr.41: Das Allerletzte+
 
16.10.2018-13 Impressum 1,78
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