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Nr.41: Das Allerletzte

Gustav Adolf im Dreißigjährigen Krieg 1630-1648

Nominierung

Thema: Motive des Schwedenkönigs im Dreißigjährigen Krieg
Quelle: Fachbuch: Der Teutsche Krieg 1618-1648. Frankfurt/M. 1988, S.150f.
Urheber: Günter Barudio

Aussage

Der König war gehalten, diese Schiffe (=schwedische Flotte) als sichtbaren Ausdruck einer souveränen Krone zum Schutz der Rechte und Freiheit Schwedens (...) einzusetzen (...). Es war ihm aber nicht erlaubt, sie zu ungerechten Kriegszügen zu mißbrauchen. Dies beabsichtigte Gustav Adolf auch nicht. Er kam im Frühling 1620 als Freier ins Heilige Reich und konnte noch nicht ahnen, daß er zehn Jahre später als dessen Befreier (mit etwa 70 Schiffen...) aufbrechen sollte.

Dieser Schwedenkönig war laut solcher Ansicht also nur am Wohl seines Landes orientiert und verteidigte stets dessen Freiheit und Unabhängigkeit. Einen Krieg gegen Deutschland hatte er demnach nie im Sinn und wurde nur auf Bitten der armen deutschen Protestanten in ihn hineingezogen, wo er als segensreicher Befreier sozusagen von kirchlich-imperialistischer Unterdrückung wirken konnte.

Tatsachen

xSchwedischer Hintergrund
Gustav Adolf (1594-1632) wurde mit 17 Jahren König von Schweden (1611, Bild links: Portrait-Ausschnitt aus Anthonis van Dyck um 1630). Und er blieb immer jung, denn er wurde nicht alt, jedenfalls fehlte ihm die Gelegenheit dazu. Sein Temperament gilt als jähzornig und aufbrausend.x(1)
Schweden stand lange unter der Lehnsherrschaft Dänemarks, doch unter der Regentschaft des protestantischen Hauses Wasa und nicht zuletzt unter der Kriegspolitik von Gustav Adolf konnte sich das Land zur führenden Macht in Skandinavien und Ostseeraum aufschwingen. Im Krieg gegen Dänemark unterlag Schweden 1613, konnte 1617 jedoch Stücke der russisch/baltischen Ostseeküste für sich abschneiden und griff 1621 Polen an, womit sein Interesse am Dreißigjährigen Krieg und Eroberungen in Deutschland zunahm.

Expansionspläne 1: Gustav, der Söldner
Erstes Interesse an deutschen Eroberungen zeigte sich im Dänischen Krieg (1625-1629). Er folgte Nachwirren aus den reformatorischen Unruhen in Prag ab 1608. Protestanten hatten dort nach Tolerierung durch den Kaiser begonnen, gegen die katholische Kirche vorzugehen (Verbot des Jesuitenordens), worauf die protestantische Herrschaft in Prag durch Kaisertruppen gestürzt wurde (Schlacht am Weißen Berg). Friedrich, der Führer der Protestanten ("Winterkönig"), war 1620 nach Holland geflüchtet, wo er den dänischen König und Söldner für diese Sache gewinnen konnte, denn der Däne wollte gerne Bremen und Verder haben. Gustav Adolf bot sich in diesem Konflikt gegen Geld als Söldner an, um zur Unterstützung des Dänenkönigs in Deutschland einzufallen.x(2) Vielleicht war der Schwede etwas teuer, seine Kundschaft (Franzosen, Holländer) setzte also lieber auf den kostenlosen Sieg des Dänen, der diesen Krieg jedoch verlor.

Expansionspläne 2: Gustav auf Freierei
Also versuchte Gustav Adolf den Sprung nach Deutschland auf dem Heiratsweg ("Auf die Freierei gehen"), die deutsche Sprache beherrschte er. Im Frühjahr 1620 bewarb er sich in Berlin um Prinzessin Maria Eleonora von Preußen-Brandenburg. Das inzwischen protestantisch beeinflußte Preußen unter der Lehnshoheit Polens wäre eine gute Machtbasis gewesen für weitergreifende Pläne im Ostseeraum, auch gegen das katholische Polen.
Das herrschaftliche Selbstverständnis findet sich oft in den kleinen Details. Bei Gustav Adolf wohl die Flotte, wo Flaggschiffe die Namen hatten "Krone, Schwert, (Reichs-)Apfel und Schlüssel." Es sind die Insignien der Königs- und Kaisermacht sowie des Papstes (Schlüssel). Das Herrschaftsprogramm ist deutlich erkennbar. Für seine Brautschau in Berlin begleitete sein Schiff die "Szepter" (Krönungsinsignium / hier: 38 Kanonen), er selbst fuhr auf der "Jupiter". Der ist in griechischer Mythologie analog zu Zeus der Chef-Gott und Himmels-Vater (dyeu-piter)x(3)
Auf dem Landweg nach Berlin reiste der Schwedenkönig inkognito als "Adolf Carlsson" und sein Gefolge notierte Beobachtungen über militärische Einrichtungen. Die Deutschlandreise führte ihn bis nach Dessau, Erfurt, Frankfurt/M. (Einkauf Brautgeschenk) und Heidelberg, wo er Kontakte in Kreise der Protestantischen Union pflegte. Im Breisgau führten seine Freunde ihn als Zuschauer zu einem kleinen Gemetzel mit Truppen katholischer Habsburger.x(4) Erst nach einigen Komplikationen konnte der schwedische Kanzler die Heirat dann aushandeln gegen gute Versprechungen für Brandenburg.

Gustav Adolf in einem vielbenutzten Schulbuch
für Gymnasien (Büste G. Petel 1632, Stockholm)
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Expansionspläne 3: Gustav der Befreier
Ab 1618 tobte der Dreißigjährige Krieg in Deutschland. Er schwächte die Zentralmacht Mitteleuropas politisch und militärisch. Gustav Adolf kam auf die blendende Idee, daraus für sich und sein Land Vorteile zu ziehen. Ein Jahr vor seinem Eroberungsfeldzug fiel er 1929 im Senat zu Uppsala mit dieser Idee auf. Ein Deputierter bezweifelte, daß bei einem schwedischen Sieg die Deutschen sich einem schwedischen König anschließen. Der König sah darin kein Problem: "Wenn ich ihr Sieger bin, sind sie meine Beute."x(5)

Zur Begründung seiner Kriegszüge hatte der Schwedenkönig keine Probleme mit Lüge und Wahrheit. Obwohl er es war, der Polen angegriffen hatte, beklagte er sich unter Anrufung Gottes in seiner Kriegsrede vor dem Stockholmer Reichstag darüber, daß Polen sich mit dem kaiserlichen Feldmarschall Wallenstein verbündet habe. Deshalb sei er auch leider zum Eingreifen gezwungen, obwohl dies weder sein Wunsch noch seine Lust sei. Manche deutsche Schulbücher beschränken sich auf diese Version, ohne weitere Fakten zu nennen oder seine Motive infrage zu stellen.x(6)
Auf seine angebliche göttliche Sendung berief sich der Schwedenkönig nicht nur an dieser Stelle. Häufig mußte Gott sein Zeuge sein für alles mögliche. Vor allem dann, wenn er mal wieder vor Wut brüllte.x(7) Und da man sich auf göttliche Sendung alleine nicht verlassen kann, schloß er im Dezember 1629 einen Vorvertrag mit Frankreich, der ihm die Finanzierung seines Krieges gegen Deutschland sicherte.x(8) Am 24. Juni 1630 im Kriegshafen Älvsnabben aufgebrochen, hatte er begonnen, Deutschland von Norden her zu erobern. Wie schönfärbende Chronisten jener Tage verbreiten wollten, sei er bei der Landung in Pommern schon auf dem Schiffssteg in die Knie gesunken, um Gott anzurufen. Tatsächlich war er gestolpert und hatte sich am Knie verletzt. Wen er in diesem Moment anrief, sei dahingestellt.x(9)

Feldlager im Krieg. Sebastian Bourdon 1643, staatl. Kunstsammlung Kassel x

Motive
Vor seinem Angriff hielt Gustav Adolf die Kriegsziele in Deutschland schriftlich fest:
"Das höchste und letzte der ganzen Sache ist ein neues evangelisches Haupt; das vorletzte: eine neue Verfassung unter den evangelischen Ständen mit solchem Oberhaupt."x(10)
"Das höchste und letzte" ist das eigentliche Ziel. Hier also das "neue Haupt", oder schlicht "Gustav Adolf" als Herrscher der deutschen Protestanten, deren Verfassung ihm nur das Vorletzte war. Es schien denkbar, daß die militärische Unterstützung aus dem schwedischen Ausland dieser Partei langfristig eine dominante Stellung im Reich verschafft hätte, wobei Gustav Adolf vielleicht der Papstkaiser aller Deutschen und dann Europas hätte werden können (Schiffs-Symbolik: Schlüssel und Krone). So entfuhr ihm in einem Gespräch mit dem Herzog von Mecklenburg: "Sollte ich Kaiser werden ..."x(11)

Honoratioren zu Nürnberg waren im Vertrauen auf die Propaganda des Schwedenkönigs wohl noch der Ansicht, der sei im Sinne ihrer protestantischen Sache als Todestourist in Deutschland unterwegs und verdiene für seine Freundesmühe ein Handgeld. Dieser Ansicht war der Schwedenfreund durchaus auch, bemühte sich aber zugleich mit seinem charakteristischen Charme, Mißverständnisse über das Handgeld geradezurücken:
"Ich verlange zu wissen, ob ich diejenigen Orte, welche ich von den Papisten erlangt: Würzburg, Mainz und andere in meiner Gewalt behalte. Ich verlange ferner zu wissen, ob ich in den denjenigen Ländern, welche ich an meine Freunde zurückgegeben, nicht diejenigen Rechte der Oberhoheit behalte, die vorher mein Feind, der Kaiser, gehabt hat."x(12)
Auch gegenüber seinem eigenen Hofstaat pflegte Gustav Adolf z.B. bei Informationsbedarf die barocke Tonart: "Auskunft, oder ich hau´ dir was auf´s Auge!"x(13)
Andere deutsche Protestanten waren erst nicht so beschränkt wie ihre Nürnberger Kollegen. Durch den Angriffskrieg der Schweden war aus dem Kaiser nun weniger der Vertreter der katholischen Kirche geworden sondern der Beschützer ihrer Nation. Falls es je eine Religionsfrage in diesen Konflikten jener Zeit gab, der Schwede hatte dies behoben. Dies mag wohl auch Gustav Adolf irgendwann eingesehen haben, als er zornig tobte, daß die deutschen Fürsten nicht wissen, "... ob sie lutherisch oder ob sie papistisch, ob sie kaiserlich oder ob sie deutsch, ob sie endlich frei oder Sklaven sein wollen."x(14)
Die Logik war einfach: wer nicht auf seiner Seite kämpft, sei papistisch, anti-deutsch und versklavt. So hirnverbrannt es auch klingt, möglicherweise hat er dies sogar selbst geglaubt. Für vernünftige Einsicht wurde er nicht alt genug.

Deutscher Widerstand
Lange wurde Gustav Adolfs Propaganda nachgeplappert und behauptet, es habe ein förmliches Hilfe-Ersuchen der deutschen Protestantenstände an ihn gegeben.x(15) Diese Behauptung des Schweden konnte bislang nie belegt werden und wird inzwischen kaum mehr vertreten. Das Gegenteil ist gut belegt. Der König von Dänemark meinte, daß die deutschen Reichsstände aus verschiedenen Gründen zu ihrem Kaiser stehen und es "nicht wohl aufnehmen werden", wenn ausländische Herrscher mit mächtigen Heeren in das Reich eindringen. Er drohte deshalb damit, selbst Schweden anzugreifen, falls Gustav Adolf nach Deutschland ziehe.x(16) Der Däne wußte, wovon er sprach; Gustav Adolf wußte, was er nicht hören wollte. Der Herzog von Pommern schickte vergeblich Gesandte nach Stockholm, um Gustav Adolf die Kriegspläne gegen Deutschland auszureden.x(17)
Zur Invasion sprachen sich viele deutsche Stände der Protestanten gegen den protestantischen Schweden und für den Kaiser aus, auch wenn während des Krieges immer wieder einzelne deutsche Fürsten meinten, das Heer der Schweden für ihre Zwecke benutzen zu können.x(18) Deutlich wurde der protestantische Herzog Friedrich Ulrich v.Wolfenbüttel. Gegenüber dem Pfälzer Gesandten Albrecht v.Solms drohte er, der Schwedenkönig werde es noch zu büßen haben, daß er Krieg führe "... unter dem Deckmantel der Religion, die doch in unseren Landen am wenigsten angefochten ist. Es ist aber nicht zu begreifen, wie man ein solches Vorgehen rechtfertigen kann. Jedenfalls sind wir gewiß, daß sie es mit keinem einzigen Vorwand oder Deckmantel der Religion dartun können."x(19)
So ließ Friedrich Ulrich auch in seinen protestantischen Kirchen das Gebet verlesen, "... daß der allmächtige Gott über diejenigen, welche die Religion zum Deckmantel ihrer Räuberei, Tyrannei und Brandschatzung gebrauchen, (...) endlich seine Rache und Strafe ergehen lasse."

Gustav und sein Erbe
Gustav Adolf starb im November 1632 im Alter von 37 Jahren. Man fand ihn nach halbtägiger Abwesenheit durch ein Schlachtgetümmel des Nachts nackt unter einem Haufen Toter in einem Schützengraben bei Lützen.x(20)
In Stockholmer Kriegsakten wurden schwedischen Zerstörungen mit Ort säuberlich aufgeführt. Es errechneten sich demnach 1.976 vernichtete Schlösser, 1.629 Städte und 18.210 Dörfer in 32 deutschen Herrschaften.x(21) In dieser Liste noch nicht berücksichtigt sind die Zerstörungen von Muskau, Liveland, Preußen, Polen, sowie der Klöster und adeligen Kleinherrschaften.x(22) Je nach Region starben ein Drittel bis zur Hälfte der deutschen Bevölkerung im Verlauf des Krieges. Die Verwüstungen waren so groß, daß Ortschaften für immer verlassen und nie wieder aufgebaut wurden. Keiner der beiden Weltkriege hat im ganzen deutschen Territorium die Zerstörungsdimension des Dreißigjährigen Krieges auch nur annähernd noch einmal erreicht.
Deshalb mußte Schweden für seine vielen Mühen in diesem Krieg im Friedensvertrag zu Münster 1648 natürlich gegenüber dem Deutschen Reich bestehen auf einem kleinen Handgeld für seine vielen Mühen: auf der Abtretung von Pommern, Rügen, Wismar, Bremen und Verden, zuzüglich 5. Mio. Goldtaler Kriegsentschädigung. Ein teuflischer Mensch, wer dies Kriegsbeute nennt. Schließlich ging es ja um aufrichtige Hilfe für die richtige Religion.

Jacques Callot: Überfall und Plünderung eines Dorfes. In: Die großen Schrecken des Krieges, 1633
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Fazit

In dem prämierten voluminösen Werk von 700 Seiten wird eine große Menge an interessanten Fakten zusammengetragen aber im Resultat nur selektiv berücksichtigt. Aspekte gegen die im Prämierungszitat genannte Ansicht sind teilweise durchaus erkennbar, werden aber nicht zur Gesamtbeurteilung verwendet. Die Detailmenge aus Fleißarbeit kann zuweilen den Blick versperren für analytische Gewichtung. Im Ergebnis führt dies hier zu der erstaunlichen Moral, immer nur Sicherheitsbedürfnisse von Schweden hervorzukehren, wobei es sich von selbst versteht, daß Polen, Baltikum und Norddeutschland zu seinem Einflußbereich gehören. Was Schweden da zu suchen hat, ist erst keine Frage. In der Gesamtübersicht ist deutlich erkennbar, daß die eigentlichen Absichten des Schwedenkönigs auf Expansion und Ausbau einer Machtdominanz in Richtung Festland und den Küsten von Deutschland, Polen und Baltikum gerichtet waren. Religiöse Begründungen erscheinen dabei nur als zeittypische Dekoration, die man im Falle der Kreuzzüge z.B. auch nie gelten läßt.
Motive sind oft eine Mischung. Sie scheinen ähnlich wie mathematische Funktionen Ableitungen zu haben. Eine Sache ist, was die Motive von jemandem sind, eine andere, was der für sein Motive hält. Man kann durchaus das Motiv haben, eine Arbeit zu erledigen, und deshalb erstmal eine Pause machen. Es stärkt ja für die weitere Arbeit ...
Gustav Adolf hatte sicher auch religiöse Ideen. Natürlich, das war üblich in jener Zeit. Diese Motive führten oft zu praktischen Resultaten zu eigenem Vorteil. Natürlich, das war üblich in jener Zeit. Also, so die weitere Interpretation, war Gustav Adolf auch von religiösem Eifer beseelt. Und weil für alle schlimmen Dinge ein anderer Adolf zuständig ist, kann es ja nicht sein, daß der Schwede ein Kriegstreiber war.
Da müssen wir Gustav Adolf also etwas schönreden. Wir führen also die Interpretationskette etwas weiter und sagen, letzterer sei eigentlich NUR von religiösem Eifer beseelt gewesen. Also war er eigentlich ein "Befreier". So hat er das ja auch selbst gesagt und das steht so auch in anderen modernen Büchern zu diesem Thema.
Es ist schön, daß Geschichte so einfach ist ...

Belege


x(1)Hitzkopf
Der Schwedenkönig kritisierte seinen Kanzler Oxenstierna, daß die Menschen erfrieren müßten, wenn sie so kalt seien wie er. Oxenstierna erwiderte, daß sie verbrennen müßten, wenn sie so hitzig seien wie Gustav Adolf. Bei: C.V. Wedgwood: Der Dreißigjährige Krieg. München 1990, S.243.

x(2) Abgeblitzter Söldner
J. Burg: Protestantische Geschichtslügen. Essen 10/1909, S.197.

x(3) Chef-Gott
M. Grant/J. Hazel: Lexikon der antiken Mythen und Gestalten. München 1986, S.229.

x(4) Reise-Beobachtungen
Militärische Notizen und Namen in der Flotte beim prämiertenGünter Barudio: Der Teutsche Krieg 1618-1648. Frankfurt/M. 1988, S.150.Allerdings ohne Kenntnis des Schlüssel-Symbols.

x(5) Siegerbeute
J. Burg: Gustav Adolf im Lichte der neuen Geschichtsforschung. Essen 8/1895. Ebenso ders. in: Geschichtslügen, a.a.O., S.196.

x(6) G-Adolfs Version
"Gott den Allerhöchsten, vor dessen Augen ich hier sitze, nehme ich um Zeugen, daß ich das nicht aus eigenem Wunsch oder aus Lust am Krieg tue, sondern daß ich dazu seit manchen Jahren gewaltig gereizt und getrieben worden bin. Unseren Gesadten in Lübeck haben die Kaiserlichen alle Schmach angetan; ihr Feldmarschall hat sich mit den Polen gegen uns verbündet; unsere hochbedrängten Nachbarn, Verwandten und Schwager haben uns dazu ermahnt, ja selbst ferne Könige haben uns dringendst zu diesem Krieg geraten. Vor allem aber müssen unsere unterdrückten Religionsverwandten von dem päpstlichen Joch befreit werden, und das wird, hoffen wir, mit Gottes Hilfe möglich sein ..."
Rede vor dem Reichstag in Stockholm am 19. Mai 1630, in: H. Busley: Spiegel der Zeiten Bd. 2, S.223. Gustav Adolf hatte immerhin damit Recht, daß der König von Frankreich ihm dringend dazu raten ließ, er zahlte ihm ja auch viel Geld für diesen Angriffskrieg.

x(7) Sendungsbewußt
Als Beleg eine von zahllosen Streitereien mit einem französischen Gesandten. Hallwich: Briefe und Akten, II, S.404f. Ebenso: Archenholtz: Mémoires concernant Christine, Reine du Suède, II, App. S.21-4.

x(8) Finanzierung
Laut dem schließlich am 23.01.1631 in Bärwalde geschlossenen Vertrag zahlte Frankreich jährlich 40.000 Goldtaler an Schweden für den schwedischen Kriegseinsatz von 30.000 Infantristen und 6.000 Kavalleristen. C.V. Wedgwood: Krieg, a.a.O., Sn. 234, 242.

x(9) Landungskniefall
Schönfärbender Chronist: Chemnitz: De Bello Suecico. Stettin 1648, Kap. 1, S.55. Die wahre Begebenheit entdeckt G. Droysen: Gustav Adolf, II: Gustav Adolfs Landungsgebet. In: Mitteilungen des Instituts für österreichische Geschichtsforschung XXII, S.269-287.

x(10) Das Vorletzte
J. Burg: Geschichtslügen, a.a.O., S.196f., unter Hinweis auf eine Archivalie in Stockholm.

x(11) Ich als Kaiser
Kretzschmar: Gustavs Adolfs Pläne und Ziele in Deutschland und die Herzöge von Braunschweig und Lüneburg. Hannover 1904, S.176.

x(12) Oberhoheit
Keym: Geschichte des Dreißigjährigen Krieges Bd. 2, Kap 1, S.33.

x(13) Augenscheinlich
Barudio: Krieg, a.a.O., S.151.

x(14) Fürstliches Nichtwissen
G. Droysen: Gustav Adolf, a.a.O., S.296.

x(15) Gustav Adolfs Lüge
Der Schwedenkönig vor den Anhängern seiner Kriegsidee in den Stockholmer Reichsständen am 29. Mai 1630:
"Die hilfeflehenden Hände der deutschen Protestanten ..." Genannt bei J. Burg: Geschichtslügen, a.a.O., S.200.

x(16) Dänische Einschätzung
"Praesertim eum omnia Imperii membra Imperatorem, sive ex affectu, sive timore periculi colere, et non oppido bene accepturos esse credit, si intellexerint, Principes extraneos cum potentissimis exercitibus in viscera Imperii penetraturos." In: J. Burg, a.a.O., S.198, Fn. 7., die Drohung ebd., S.201.

x(17) Ausredungsversuch
Gfrörer: Gustav Adolf, König von Schweden. Stuttgart 3/1852, S.605-607.

x(18) Sachstände
Entscheidung der protestantischen Stände zu Lüneburg, Mecklenburg, Lübeck, Hannover, Rostock, Wismar, Parchim, Anhalt und Wolfenbüttel. So Onno Klopp: Der Dreißigjährige Krieg bis zum Tode Gustav Adolfs Bd. 2. Paderborn 1893, Sn. 403, 677.

x(19) Deckmäntelchen
Laut Kriegsakten im im kaiserlichen und königlichen Staatsarchiv Wien, Josephsplatz F 74 in: J. Burg: Geschichtslügen, a.a.O., S.199.

x(20) Die Nackten und die Toten
C.V. Wedgwood: Krieg, a.a.O., S.287. Die Frau des Schwedenkönigs im Brief aus Erfurt vom 22.11.1632, zwei Wochen nach dem Ereignis mit wohl nicht ganz zuverlässigen Angaben:
"Er ist gleich an 20 Kompagnien Kürassiere geraten ... In dieser Charge ist dem Könige der linke Arm über dem Gelenke entzwei geschossen worden, und als er die Reiter zur rallieren gesucht, wurde er in eigener Person von den Feinden, unter welchen einer gewesen, der ihn gekannt haben soll, verfolgt. Wegen des dicken Nebels ist der König dann von den Truppen abgekommen und hat niemanden als den Leibknecht Andres, den Herzog Franz Albrecht von Sachsen, Kammerjunker Truchseß und einen Pagen bei sich gehabt. Von diesen haben sich, weil der Fein so stark gewesen, die letztgenannten retiriert, der Leibknecht Andres aber bei dem Könige sich erschlagen lassen. In solcher Entfernung hat der König noch einen Schuß von hinten durch den Rücken und einen durch den Kopf bekommen, ist alsbald vom Pferde gefallen, aber von unseren Reitern, daß er nicht in der Feinde Hände geraten, entsetzt worden."

x(21) Bilanzierung
Akten des Stockholmer Reichsarchivs publiziert bei B. Dudik: Schweden in Böhmen und Mähren 1640-1650. Die Auflistung nennt folgende Orte: Pommern, Mecklenburg, Holstein, Brandenburg, Meissen, Schlesien, Böhmen, Mähren, Österreich, Pfalz, Franken, Voigtland, Thüringen, Merseburg, Halle, Magdeburg, Halberstadt, Hildesheim, Braunschweig, Lüneburg, Bremen, Osnabrück, Minden, Paderborn, Fulda, Waldau, Westfalen, Köln, Metz, Trier, Würzburg und Limburg.

x(22) Zerstörungsübersicht
J. Burg: Geschichtslügen, a.a.O., S.205.
Veröffentlichung: Oktober 2002
+Nr.40: Dunkler PunktNr.42: Nestbrand+
 
13.03.2018-00 Impressum 1,39
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