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Nr.45: Folterkunst

Passion: Kreuzigung von Jesus in Jerusalem im Jahr 30

Nominierung

xThema: Justizfall Jesus im Kinofilm (Kritik am Film Artikel 46)
Quelle: Kinofilm "The Passion of the Christ" (2004), Icon Productions
Urheber: Regie: Mel Gibson, Buch: Gibson, Benedict Fitzgerald

Aussage

Jesus, genannt Christus, sei Anfang des 1. Jahrhunderts durch die römische Besatzungsjustiz in Jerusalem hingerichtet worden. Er sei mit einer scharfkantigen Peitsche gefoltert und mit den Handtellern ans Kreuz genagelt worden.

Tatsachen

Hintergrund
Die historische Gestalt von Jesus aus Galiläa (7 v.-30 n.u.Z.) war einer unter vielen erwerbslos wandernden und von Spenden lebenden Propheten im Kreis jüdisch-monotheistischer Glaubensüberzeugungen.x(1) Er verkündete ein Gottesreich jenseits dieser Welt, ließ sich als Sohn Gottes und Messias verehren und sich in tagespolitische Fragen nicht verstricken.x(2) Dies schützte ihn jedoch nicht davor, zwischen den Mühlsteinen der Mächte seiner Zeit zerrieben zu werden. Die politisch motivierte Hinrichtung von Jesus war ein Justizmord unter Mißachtung damaliger Rechtsnormen. Sie geschah auf der Nahtstelle zwischen minderer jüdischer Ordnungsjustiz, die keine Kapitalstrafen verhängen konnte, und der höheren Strafjustiz über Leib und Leben, welche die römischen Besatzer sich zur wirksamen Kontrolle einer Provinz selbst vorbehielten.

xRömische Sicht
Mit dem Eroberungsgebiet Palästina hatte das Römische Imperium keinen guten Fang gemacht. Natürlich herrschte auch dort die "Pax Romana", also: "Mund halten und Steuern zahlen", um Luxus, neue Eroberungen und weiteren Luxus des Imperiums zu finanzieren. Einen eigenen König gönnte man den unterworfenen Juden gerne, denn schon vor Herodes dem Großen (37-4 v.Chr.) wurden solche Provinzkönige von den Römern selbst ins Amt gesetzt und dienten den Bedürfnissen der Besatzer. Die Priesterschaft, deren Oberhaupt eine Art erbliche Pfründe wurde, tat klug daran, es ihrem König gleichzutun.x(3) Denn schließlich war er es, der ihnen Prachtbauten an Tempeln errichtete (Bild rechts oben: Rekonstruktion des großen Herodes-Tempels zu Jerusalem). Sie waren teilweise prächtiger als die Bauwunder Roms und dienten als deren Kopien zugleich zur Festigung der römischen Staatskultur im besetzten Land.x(4)
Doch an der Basis des jüdischen Volkes blieben alle möglichen fanatischen Terror-Grüppchen, die ständig träumten von einem Gottessohn, den Messias (Erlöser), der sein Volk befreit.x(5) Auf solche krausen Ideen kam ein echter Römer nicht. Abgesehen von verblassenden Bürgertugenden (virtus) war die treue Römerseele religiös "indifferent". Wir würden es heute multikulturell und liberal nennen. Ihre Bildung hatten sie von griechischen Sklaven, für ihre Religion einen Pantheon voller Götter mit offenen Eingangstüren. Da war stets auch Platz für ein neues Püppchen, wenn es prickelnde Frivolitäten bot, wie diverse kleinasiatische Fruchtbarkeitsgöttinnen und griechische Bacchuskulte. Außerdem wurde seit Augustus (31 v.-14 n.Chr.) auch schon der jeweilige Kaiser ein Gott aus Fleisch vom eigenen Blut, der für mancherlei Zeitvertreib sorgte und richtig mächtig war.x(6)
Für den verwöhnten Römergaumen hatten jedenfalls sowohl Juden wie Jesus göttermäßig wenig Ergötzliches zu bieten. Beider Glaubenslehre war ziemlich abstrakt und unpraktisch. Die einen mit einem unliberal anmaßenden Monopolgott und seinen komplizierten Riten; der andere wollte noch dessen Sohn sein und redete von einem himmlischen Reich. Ein Reich hatten die Römer selbst schon. Und Götter dutzendweise obendrein, worunter jeder Bürger sich nach Bedarf was Passendes aussuchen konnte. Das mit der breit gestreuten Liebe bei Jesus ging der pikanten römischen Seele durchaus ein, war aber zu breit, also anstrengend, auch nicht prickelnd und konkret genug.
Konkret waren jedoch die ständigen Unruhen in der Provinz Palästina rund um den jüdischen Messianismus. Zu ertragen waren die entsprechenden Fanatiker wie Zeloten oder Sadduzäer für das Imperium nur, solange sie sich selbst bekämpften. Zum Provinzjustizfall Jesus unter Kaiser Tiberius (14-37 n.Chr.) und seinem judäischen Präfekten Pontius Pilatus (26-36 n.Chr.) hatte man keine inhaltliche Meinung. Solange am Ende Pax Romana herauskam, egal wie. Wenn sie nur endlich einen gemeinsamen Messias präsentiert hätten! Den hätte Rom wohl schon für sich gekauft mit Gold, gemünzt aus den Steuern der Provinz. Statt dessen schaukelten sich die Unruhen hoch zu militärisch relevanten Aufständen, die fähige römische Truppen von wichtigeren Aufgaben abzogen. Bald würde die Provinz das Imperium mehr Geld kosten als sie einbrachte. Dann müßte Rom eben selbst einen Messias schicken: einen Generalissimus Maximus, der mit vielen Legionstruppen die Pax Romana wiederherstellt. Das gelang auch zwei Menschenalter nach der Hinrichtung Jesu durch die Ausrottung des jüdischen Staates in zwei Kriegen.x(7)

x Die römische Provinz Palästina war eine Problemzone. Die Besatzungsherrschaft wurde durch traditionelle örtliche Institutionen wie Königshaus und Priesterschaft ergänzt, die durch Korruption zur Stabilisierung der Besatzung beitrugen. Die Erwartung eines Messias blieb jedoch ein Reizthema, das Unruhen erwarten ließ, und unter der Aufmerksamkeit römischer Strafjustiz stand. Bald nach der Verurteilung von Jesus sollte ein Ausrottungskrieg daraus entstehen.

xJüdische Sicht
Die römische Besatzung blieb trotz aller Arrangements und Zugeständnisse für Juden lästig. Sie störte die eigenen Kreise und kostete obendrein noch viel Geld. Aber mit dem jüdischen Königshaus Herodes war kein Staat mehr zu machen. Auch der jüngste Sproß Herodes Antipas (4 v.-39 n.Chr.) war ein gekaufter Söldner der Römer, von dessen Korruptheit sich die Jerusalemer Priester nicht wesentlich unterschieden. Jeder suchte den Erhalt der eigenen Macht durch Anbiederung an die Besatzer. Eine Menge Israeli war inzwischen "syrische Hilfstruppen" in römischem Sold und Juden sogar Zöllner, die für die Römer Steuergeld eintrieben. Da war es auch kein Pflaster mehr für die wunde Seele, den Zutritt zum prächtigen Tempel von Jerusalem für Ungläubige unter Todesstrafe stellen zu können (Bild rechts: Warntafel in der damaligen Weltsprache Griechisch von der Wand des Tempels).x(8) Hier blieb wirklich nur noch die Hoffnung auf den Messias, der laut damaligem Oberpropheten Johannes bald auftauchen sollte. Aber was tauchte mit der Empfehlung von Johannes auf? Auf den ersten Blick ein solide gekleideter bärtiger Athlet, der meistens sehr nett war und sich in der religiösen Überlieferung bestens auskannte. Auf den zweiten Blick aber nur ein philosophierender Handwerker aus dem verschlafenen Provinznest Nazareth in Galiläa ohne Geld und Beziehungen. Er mochte zwar bei Bedarf das eine oder andere Wünderchen aus dem Ärmel wirken, aber das konnte es insgesamt nun wirklich nicht sein. So etwas Wunderbrot und Wunderwein war ja ganz schön, Heilen war auch ganz nett - aber ausgetriebene Dämonen konnte man nicht sehen, und übers Wasser laufen brachte auch nicht viel. Als besetzter Jude wünschte man sich eher, daß der Wundermann den Römern alles Brot und Wein wegzaubert, ihnen die Pest auf den Hals hetzt, oder sie im Wasser ersäuft wie weiland bei Moses, um seinem auserwählten Volk ein großes Reich zu schaffen. Das war in der Überlieferung vorhergesagt: groß und furchtbar sollte er sein.x(9) Und wenn der jüdische Gottkönig denn bald kommen sollte, war mit der Befreiung natürlich zuerst mal die von der römischen Besatzung gemeint, was denn sonst?x(10)

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Dieser Schlaumeier Jesus aber lehrte, seine Feinde zu lieben und nach der Ohrfeige noch die andere Backe hinzuhalten. Wenn man das mit den Römern machte, wurde man sie nie los. So viel Religion auf einmal war denn doch was zuviel. Sein Marketing war auch lausig: er hatte einfach keinen Blick für Publikumswünsche und verprellte willige Anhänger gleich scharenweise mit seiner komplizierten Moral. Das war also ganz sicher nicht der erhoffte himmlische Terminator, sondern der geborene Verlierer. Und wer der Messias ist, das hatte schließlich nicht Gott zu bestimmen, sondern Gottes auserwähltes Volk. Geduld hatten sie ja mit ihm gehabt. Zuletzt noch mit einem Triumph-Empfang in Jerusalem wie für einen auf dem Esel reitenden Kaiser mit lauten "Hosianna"-Rufen. Das hätte eigentlich auch dem letzten Trottel deutlich gemacht, was man von ihm erwartet: daß er langsam mal zur Sache kommt. Denn so war es in den heiligen Prophetien vorhergesagt: demütig auf einem Esel, aber zugleich auch siegreich, ein Herrscher über die Welt.x(11) Bei Jesus statt dessen wieder heiße Luft: viel religiöse Theorie und zum heiligen Paschafest der Juden ein Abendessen, bei dem er den verblüfften Tischgästen enthüllt, daß Speisen und Getränke sein Leib und Blut seien.x(12) Na großartig, dieser Erlöser brauchte anscheinend selbst Erlösung von seinem Leben und wurde einfach nur lästig. Vor allem wurde er der Priesterkaste lästig unter ihrem Chef Joseph Kaiphas (18-36 n.Chr.). Jesus hatte sie und speziell die hochangesehene Pharisäerpartei ständig öffentlich beschimpft als Geldzocker, Prophetenmörder, Schlangenbrut, Höllensöhne, Räuber, blinde Führer und Narren.x(13) Besonders schlimm daran war, daß es auch noch stimmte, und daß viele dies erkannten. Das ließ sich jedoch abstellen. Man brauchte doch nur dem römischen Präfekten den Floh ins Ohr zu setzen, daß dieser Religionshippie in einer gärenden Provinz als angeblicher Gotteskönig dem ungeliebten fremden Kaiser öffentlich den Herrschaftsanspruch streitig mache. Dann war auch ohne Prophetengabe leicht vorherzusagen, was die Besatzer mit ihm anstellen (Bild oben: Darstellung aus dem Film). Und einem verächtlich hingerichteten Verbrecher glaubt keiner mehr, was er mal gesagt hat. Zumindest würde man sich das vorher nochmal gut überlegen ...

x Die Verheißung eines Messias wurde von religiösen Juden zwar aus alter Religionstradition heraus gedeutet, unter dem Druck der aktuellen politischen Lage in Palästina jedoch reduziert und mißverstanden als der Siegeszug eines gewaltigen Königs gegen die Besatzung, bis eventuell hin zu einem jüdischen Weltreich. Diese Erwartung wurde durch die Botschaft Jesu nicht befriedigt, weshalb er als Unruhestifter Opfer einer verräterischen Intrige der jüdischen Honoratioren wurde.

Untersuchungsgrundlagen
xDie Kreuzigungsstrafe war die schrecklichste Hinrichtungsart im Römischen Reich. Sie durfte nicht gegen Bürger des Reiches angewandt werden, sondern war typischerweise für Sklaven oder Verfemte vorgesehen als Ausdruck äußerster Geringschätzung. Der römische Kaiser Konstantin schaffte sie im Jahr 337 ab, kurz darauf bezeichnete der Codex Theodosianus die Auspeitschung als menschenunwürdig. Seitdem wurden Kreuzigungen nie mehr wieder verwendet, abgesehen vielleicht von einzelnen kriminellen Exzessen, die nicht dokumentiert und nicht öffentlich bekannt wurden. Über die Details einer typischen römischen Kreuzigungshinrichtung kann also nur aus wenigen Textzeugnissen der Antike geschlossen werden. Diese werden ergänzt durch archäologische Funde, z.B. die zeitgenössische Kreuzigungsleiche von Givat Hamivtar sowie das Leichentuch von Jesus und inzwischen sehr umfangreiche Untersuchungen, auch durch (gerichts-)medizinische Studien (Bild rechts: H. Mödder im Franziskaner-Krankenhaus zu Köln 1947). Speziell das Leichentuch Jesu in Turin wurde seit den ersten Photographien 1898 Impulsgeber für eine wissenschaftliche Materialschlacht in Grenzgebieten neuester Untersuchungstechnologien der Kriminalistik, Forensik und anderen naturkundlichen Disziplinen, sogar mit Instrumenten der Weltraumforschung. Über kaum einen historischen Mord liegen so viele gesicherte Befunde vor wie in diesem Fall, bei dem sich naturwissenschaftliche Befunde und archivarische Studien ältester Textzeugnisse gegenseitig ergänzt haben. Die Prüfung von Details aus dem Kernthema der Filmhandlung kann zeigen, daß nicht alle Einzelheiten geschichtlich authentisch oder auch nur sachlich plausibel sind. Folgende exemplarisch genannten Arten von Schwächen kennzeichnen das Drehbuch:

a) Deutungen: Das Aufwischen des Blutes am Peitschungsort entspricht zwar dem jüdischen Brauch, ist aber nicht im Zusammenhang mit der Passion Jesu dokumentiert. Es könnte so gewesen sein oder auch nicht. Es ist aber wie manche andere Deutung eine durchaus plausible Ausgestaltung der in den historischen Berichten nicht erwähnten Details.

b) Unwahrscheinlichkeiten: Daß Jesus das komplette Kreuz zur Richtstätte trug anstelle des einfachen Querbalkens (Patibulum), ist nicht nur historisch unbelegt, sondern sogar unwahrscheinlich. Jesus hatte im Gegensatz zu den beiden anderen Delinquenten schwere Folter ertragen und starb auch wesentlich früher den Erschöpfungs- und Erstickungstod am Kreuz. Die historische Figur des Pilatus, im Film ein tragischer Getriebener, kann zeitgenössischen Belegen zufolge auch anders bewertet werden als dargestellt, vielleicht als gleichgültiger Opportunist.x(14)

c) Sachfehler: Aus dem Schrei im Tod wird ein Seufzer, ferner anatomisch unmögliche Folter-Details wie die Auspeitschung, die in gezeigter Form tödlich gewesen wäre, sowie die Handteller-Annagelung, die unter Zugspannung nicht gehalten hätte.
Da der Kern der Filmhandlung sich konzentriert auf die Passion, also die Justizierung von Jesus, sollen nachfolgend aus diesem Zusammenhang zwei exemplarische Beispiele geprüft werden anhand der kriminalistischen Untersuchungen am Leichentuch Jesu.x(15)

x Die Ereignisfakten über Leben und Sterben Jesu stehen wie viele sehr alte Themen der Geschichte auf dem unsicheren Grund parteilicher Berichte und weniger Sachindizien. Doch in diesem Falle sind die Voraussetzungen für ein zuverlässiges Bild der Ereignisse nicht schlechter als die von anderen und weniger strittigen Themen der Antike, die wesentlich weniger seriösen Forschungsaufwand erfahren haben als die Passion. Im Vergleich mit dessen Ergebnissen zeigt der Film Fakten-Differenzen.

Die Nagelwunde
xDa die Kreuzeshinrichtung Jesu laut den vorliegenden Berichten eine kurzfristige Entscheidung war, wird es kaum ein "Sonderkreuz" für ihn gegeben haben, sondern Ausrüstung aus dem Depotvorrat. Die Berichte deuten auf ein Standardmodell mit tieferliegendem Patibulum von ca. 2,5 m Länge hin (Crux Imissa). Der Wundkanal des Lanzenstichs in den Brustraum läßt nach Befunden des Leichentuchs auf eine Höhe des Kreuzstammes schließen, bei dem die Füße wenig unter 1 m Höhe über dem Boden hingen. Wie die Hände von Delinquenten einer Kreuzigung angenagelt wurden, wird in den Evangelien als typische Quelle der Passionsereignisse nicht erwähnt. Die Tradition europäischer Malerei zeigt einheitlich die Annägelung der Hände in der Handtellermitte. So ist dies auch im Film (Bild oben). xDer französische Armee-Arzt Barbet hatte erstmals mit systematischen forensischen Untersuchungen am noch erhaltenen Leichentuch Jesu diese Frage behandelt. Er konnte 1937 bei Leichenuntersuchungen feststellen, daß die Annagelung im Handteller anatomisch unmöglich ist. Barbet ermittelte am Leichentuch Nägel von etwa 8 mm quadratischem Querschnitt. Der Nagel im Fuß der Leiche von Givat Hamivtar aus dem Jüdischen Krieg, wenige Jahre nach der Hinrichtung Jesu, hatte 10 mm quadratischen Querschnitt. Bei dem 1,81 m großen aber schlanken Körper der Leiche Jesu ergab sich selbst bei niedrig angesetztem Körpergewicht der Term <80 kg / 2 x cos 65>, wobei 65 den durchschnittlichen Winkel der Arme zum Körper am Kreuz beschreibt. Daraus folgt ein Zuggewicht von 95 kg auf jede Nagelstelle. Die von Barbet untersuchten frischamputierten Männerhände rissen in der Nagelwunde aus; so hätte ein Körper also nicht am Kreuz hängen können. Der Film scheint dies beheben zu wollen durch die Darstellung einer Seilanschnürung, wie sie als mildere Form der römischen Kreuzeshinrichtung durchaus vorkam. Doch ist kaum denkbar, daß ein römischer Henker zuerst Mühe und Material für eine Annagelung aufgewendet hätte, um dann doch auf eine andere Weise die Arme am Kreuz zu fixieren. xAuf dem Leichentuch Jesu findet man einen deutlichen Abdruck der Hände und einer Nagelwunde mit Blutfluß der Gruppe A an der Handwurzel (Bild links oben). Es fällt auf, daß an beiden Händen kein Daumen sichtbar ist. Barbet konnte den Grund ermitteln. Die Knochen an der Handtellerwurzel bilden in der Mitte einen Kanal (Destot-Raum), der durch feste Sehnenbänder zusammengehalten wird. Hier eingetrieben könnte ein Nagel auch hohe Zugspannungen in der Hand halten. Allerdings liegt in diesem Kanal des Handskeletts der Mittelnerv der Hand (Nervus Medianus). Seine Verletzung, wie z.B. durch eine Nagel-Eintreibung, zieht beim lebenden Körper unwillkürlich den Daumen in die Handfläche, wo er bei Eintritt der Leichenstarre und für deren Dauer auch verbleibt. Da die Leiche Jesu eingezogene Daumen hatte, lag diese Verletzung des Mittelnervs bei ihm vor, woraus in Verbindung mit der Lage des Blutflusses folgt, wo und wie seine Hände an das Kreuz genagelt wurden.

x Es ist nicht anzunehmen, daß ein Delinquent einer Kreuzeshinrichtung mit den Händen angenagelt wurde, wie in der vom Film gezeigten Weise, da sie schon die praktische Funktion der Fixierung eines Körpers nicht erfüllen würde.

Fazit

Verglichen mit typischem Hollywood-Dutzendschrott zu geschichtlichen Themen aller Art gelingt diesem Film ein hohes Maß an historischer Genauigkeit und realistischer Eindringlichkeit, frei vom Gefühlskitsch früherer Passionsfilme. Neben vielerlei plausiblen Deutungen, die in durchaus gelungener Weise Detail-Lücken in den zeitgenössischen Berichten ergänzen, fallen jedoch auch Fragwürdigkeiten auf, die vorhandenen Kenntnissen über das Ereignis widersprechen.
Schade ist, daß es Drehbuchautor und Regisseur versäumten, den derzeitigen Kenntnisstand der historischen Fakten bei der Filmplanung einzuarbeiten. Dies, obwohl Produzent Mel Gibson in Interviews hier von seinem Lieblingsprojekt spricht, das er schon seit mehr als zehn Jahren verfolgt habe. Die forensischen Untersuchungen dieser Kreuzeshinrichtung und deren Veröffentlichung gehen jedenfalls bis auf das Jahr 1937 zurück und wurden in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts durch elektronenmikroskopische Befunde ergänzt.
Zwar stören die genannten Details nicht grundsätzlich die Authentizität der Gesamtdarstellung, und der Produzent ist kein Historiker, der mit quellenkritischer Methodik vertraut sein muß. Doch wenn man schon Wert darauf legt, die Passion in ihren Details zu zeigen, und Mühe auf deren Recherche verwendet, hätte mehr Sorgfalt in den Einzelheiten die Qualität des Films verbessern können.

Belege


x(1)Historischer Jesus
Durch eine Zählfehler unserer Zeitrechnung im Jahr 7 vor unserer Zeitrechnung in Betlehem geboren. Taufe im Jordan durch den Propheten Johannes um 26. Im Jahr 27 erstes öffentliches Auftreten in Jerusalem. Nach der Hinrichtung von Johannes Im Jahr 28 wurde Jesus Anno 30 selbst hingerichtet im Monat "Nisan" (heute: März/April). Außer in den christlichen Religionstexen (NT: Evangelien, Apostelgeschichte, Apostelbriefe, Apokalypse) ist er auch namentlich bezeugt durch den jüdisch-römischen Historiker Flavius Josephus (37-97 n.Chr.), den römischen Prokurator Plinius d.J. (62-114 n.Chr.), den römischen Schriftsteller Publius Cornelius Tacitus (55-120 n.Chr.), sowie den römischen Kabinettsgeheimsekretär unter Kaiser Trajan, namens Cajus Suetonius Tranquillus (75-150 n.Chr.). Eine syrische Quelle spricht unkonkret vom "König der Juden". Läpple, Alfred: Die Bibel heute. München 1972, S.141 f.

x(2) Unpolitisch
Mt. 22:
"17 Sage uns nun, was denkst du: Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuer zu geben, oder nicht? 18 Da aber Jesus ihre Bosheit erkannte, sprach er: Was versucht ihr mich, Heuchler? 19 Zeigt mir die Steuermünze! Sie aber überreichten ihm einen Denar. 20 Und er spricht zu ihnen: Wessen Bild und Aufschrift ist das? 21 Sie sagen zu ihm: Des Kaisers. Da spricht er zu ihnen: Gebt denn dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist. 22 Und als sie [das] hörten, wunderten sie sich und ließen ihn und gingen weg."

x(3) Erbpriester
Läpple, a.a.O., S.141.

x(4) Jüdischer König Herodes
Läpple, a.a.O., S.119 ff.Demnach war das Amphitheater von Cäsarea, gebaut durch Herodes, größer als das kurz später fertiggestellte "Kolosseum" in Rom.

x(5) Messianismus
Geis, Robert R.: Vom unbekannten Judentum. Freiburg-Basel-Wien 1961, S.158-170.

x(6) Gottkaiser
Friedrich Vittinghoff: Kaiser Augustus. Göttingen-Berlin-Frankfurt 1959, S.55ff. Im Jahr 12 "Pontifex Maximus", oberster der Staatspriester.

x(7) Jüdische Kriege
Erster Jüdischer Krieg: Herbst 66: Jüdischer Aufstand, Vertreibung der römischen Besatzung aus Jerusalem. Der römische General Vespasian marschiert Winter 67 aus Antiochia auf, General Titus von Süden; Niederwerfung des Aufstands.
Zweiter Jüdischer Krieg: Jahr 131 Jüdischer Aufstand des Bar Kochba, Vertreibung der römischen Besatzung aus Jerusalem. Der römische Kaiser Hadrian beschloß die endgültige Ausrottung und ließ Jerusalem einschließlich Tempel dem Erdboden gleichmachen und jüdische Überlebende vertreiben.

x(8) Warnschild
Archäologisches Fundstück aus der Zeit des Tempels von Herodes, Tempelruinen Jerusalem 1871:
"Fremdgläubige, halt! Nicht über dieses Gitter und Gehege hinauf das Heiligtum betreten! Wer im Innenraum angetroffen wird, hat sich die Folgen selbst zuzuschreiben: Todesstrafe!". Publikation in Läpple, a.a.O., S.121.

x(9) Messias - Reichserwartung
Neues Reich im AT Jeremias 23, 5-6:
"In seinen Tagen ist Juda befreit, wohnt Israel sicher." Groß und furchtbar: Malachias 3, 23: "Ich sende euch Elia den Propheten bevor der Tag des Ewigen, der große und furchbare kommt."

x(10) Messias - Befreier
Jesaias 53, 10-12:
"Dein Gott trat die Königschaft an! Stimme deiner Späher, - sie erheben die Stimme, sie jubeln vereint, denn Aug in Aug sehn sie, wie ER nach Zion zurückkehrt. Aufjauchzet, jubelt vereint, Ödungen Jerusalems, den ER tröstet sein Volk, er löst Jerusalem aus. Bloßgestreift hat ER den Arm seiner Erheiligung vor aller Weltstämme Augen, daß sehn alle Enden der Erde die Befreiretat unseres Gottes."
Tatsächlich aber meint der selbe Text die Erlösung von der Sünde durch die Königschaft des Messias:
Jesaia 53, 10-12:
"... Indem er ihre Vergehen sich auflud, drum teile ich die Vielen ihm zu, die Menge teilt er als Beute, dafür, daß er entblößte seine Seele zum Sterben, unter die Abtrünnigen gerechnet ward. Und trug doch, er, die Sünde der Vielen, für die Abtrünnigen ließ er sich treffen."

x(11) Siegreicher Messias
Se 9,9:
"Sieh an, dein König kommt dir, ein Bewährter und Siegreicher ist er, ein Demütiger und reitet auf dem Esel."Jesaia 11, 1-10: "Er schlägt die Erde mit dem Stab seines Mundes, mit dem Hauch seiner Lippen tötet er den Frevler ... Geschen wirds an jenem Tag: der Wurzelsproß Jischajs, der als Banner der Völker steht, die Weltstämme suchen ihn auf ..."

x(12) Komisches Pascha
Mt 26,20; Mk 14,17; Lk 22,14.

x(13) Pharisäer
Evangelium des Matthäus nach der Elberfelder Einheitsübersetzung, Brockhaus 1985 mit Vorwürfen speziell gegen die "Pharisäer" (hebr.), eine altjüdische orthodoxe Frömmlerpartei, sowie Schriftgelehrte, wohl im Sinne von Theologenpriestern der jüdischen Synagoge:
"- Heuchler: 12,38 Und er sprach in seiner Lehre: Hütet euch vor den Schriftgelehrten, die in langen Gewändern einhergehen wollen und die Begrüßungen auf den Märkten 12,39 und die ersten Sitze in den Synagogen und die ersten Plätze bei den Gastmählern [lieben]; 12,40 die die Häuser der Witwen verschlingen und zum Schein lange Gebete halten. Sie werden ein schwereres Gericht empfangen.
- Religionsfeinde: 23,13 Wehe aber euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr verschließt das Reich der Himmel vor den Menschen; denn ihr geht nicht hinein, noch laßt ihr die, welche hineingehen wollen, hineingehen.
- Söhne der Hölle: 23,15 Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr durchzieht das Meer und das trockene [Land], um einen Proselyten ((bekehrter Jünger)) zu machen; und wenn er es geworden ist, so macht ihr ihn zu einem Sohn der Hölle, doppelt so schlimm wie ihr.
- Materialisten-Narren: 23,16 Wehe euch, ihr blinden Führer! Die ihr sagt: Wenn jemand bei dem Tempel schwören wird, das ist nichts; wenn aber jemand bei dem Gold des Tempels schwören wird, ist er gebunden. 23,17 Narren und Blinde! Was ist denn größer, das Gold oder der Tempel, der das Gold heiligt?
- Steuerabzocker: 23,23 Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr verzehntet die Minze und den Anis und den Kümmel und habt die wichtigeren Dinge des Gesetzes beiseite gelassen: das Gericht und die Barmherzigkeit und den Glauben; diese hättet ihr tun und jene nicht lassen sollen.
- Blinde Führer: 23,24 Ihr blinden Führer, die ihr die Mücke seht, das Kamel aber verschluckt!
- Räuber: 23,25 Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr reinigt das Äußere des Bechers und der Schüssel, inwendig aber sind sie voller Raub und Unenthaltsamkeit. 23,26 Blinder Pharisäer! Reinige zuerst das Inwendige des Bechers, damit auch sein Auswendiges rein werde.
- Übertünchte Gräber: 23,27 Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr gleicht übertünchten Gräbern, die von außen zwar schön scheinen, inwendig aber voll von Totengebeinen und aller Unreinigkeit sind. 23,28 So scheint auch ihr von außen zwar gerecht vor den Menschen, von innen aber seid ihr voller Heuchelei und Gesetzlosigkeit.
- Prophetenmörder: 23,29 Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr baut die Gräber der Propheten und schmückt die Grabmäler der Gerechten 23,30 und sagt: Wären wir in den Tagen unserer Väter gewesen, so würden wir uns nicht an dem Blut der Propheten schuldig gemacht haben. 23,31 So gebt ihr euch selbst Zeugnis, daß ihr Söhne derer seid, welche die Propheten ermordet haben.
- Schlangenbrut: 23,32 Und ihr, macht [nur] das Maß eurer Väter voll! 23,33 Schlangen! Otternbrut! Wie solltet ihr dem Gericht der Hölle entfliehen? 23,34 Deswegen siehe, ich sende zu euch Propheten und Weise und Schriftgelehrte; und einige von ihnen werdet ihr töten und kreuzigen, und einige von ihnen werdet ihr in euren Synagogen geißeln und werdet sie verfolgen von Stadt zu Stadt;
- Christusfluch: 23,35 damit über euch komme alles gerechte Blut, das auf der Erde vergossen wurde, von dem Blut Abels, des Gerechten, bis zu dem Blut Zacharias', des Sohnes Barachjas, den ihr zwischen dem Tempel und dem Altar ermordet habt. 23,36 Wahrlich, ich sage euch, dies alles wird über dieses Geschlecht kommen."


x(14) Pilatus
Zentral: Klageschrift des jüdischen Theosophen Philon v.Alexandria an den römischen Kaiser Caliguala im Jahr 39. Erwähnt bei Siliato/Grabtuch wie in Anm. 15, S.264 ff.

x(15) Grabtuch-Forensik
Inzwischen dokumentiert in einer unüberschaubaren Flut von Publikationen aus aller Welt, die in die Tausende gehen dürfte. Hier nur einige Stichproben:
- Zuerst Barbet, Pierre: Die Passion Jesu Christi in der Sicht des Chirurgen. Dt.: Karlsruhe 1953, speziell S.160f.
- Frühe Nachkriegsstudien wie Mödder, H.: Die Todesursache bei der Kreuzigung. In: Stimmen der Zeit 144 (1948), S.50-59.
- Sehr gründlich der Jesuit Bulst, Werner: Das Grabtuch von Turin. Forschungsberichte und Untersuchungen. Frankfurt/M. 1955, bes. Sn. 43-67.
- Danach u.a.: Bucklin, Robert: An Autopsy on the Man of the Shroud. Ders.: The Legal and Medical Aspects of the Trial and Death of Christ. In: Medicine, Science and the Law, January, 1970, sowie weitere Publikationen aus dem Umfeld des STURP Forschungsprojektes am Turiner Grabtuch, auch in eigenen Fachzeitschriften..
- Zusammenfassende Übersicht durch die Archäologin Siliato, Maria G.: Und das Grabtuch ist doch echt. Augsburg 1998.
- Jüngst nun: Harrub, Brad/Thompson, Bert: An examination of the medical evidence for the physical death of Christ. In: Reason& Revelation, January 2002, 22[1]:1-7.
Veröffentlichung: März 2004
+Nr.44: Robbi-EndNr.46: Passioniert+
 
16.10.2018-13 Impressum 1,64
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System: PUBLIU
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