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Nr.50: Eisbrecher

Machtpolitik der Sowjetunion vor dem Zweiten Weltkrieg

Nominierung

Thema: Machtpolitik der Sowjetunion vor dem Zweiten Weltkrieg
Quelle: Fachbuch: Die große Täuschung - Hitler, Stalin und das Unternehmen "Barbarossa". Siedler 1999
Urheber: Prof. Gabriel Gorodetsky (Universität Tel Aviv), Übersetzung Helmut Ettinger

Aussagen

xGorodetsky
Gleichnamig mit einem orthodoxen sowj. Historiker, der den Stalinismus rechtfertigte. Nach Studien in England und den USA erhielt er akademische Führungsaufgaben in Israel.
(Aus dem Vorwort)
 "Ich fühlte mich veranlasst, dieses wohlbestellte Feld noch einmal zu beackern, als 1985 eine Artikelserie erschien, aus der später mehrere Bücher entstanden. Der Verfasser war der Überläufer der russischen Militäraufklärung (GRU), W. Resun, besser bekannt als "Suworow". Für ihn galt bei den Ereignissen vom Juni 1941 (= dt. Angriff auf die UdSSR, 22.06.1941) Sowjetrußland als der Aggressor und nicht etwa als das Opfer. Er stellte die absurde, unbewiesene Behauptung auf, Stalin habe in den Jahren 1939 bis 1941 einen revolutionären Krieg gegen Deutschland in allen Einzelheiten vorbereitet. Operation "Grosa" (Gewitter) sollte am 6. Juli 1941 beginnen, Hitler sei ihr mit seinem Einmarsch in Rußland jedoch zuvorgekommen. Mit Suworow habe ich bereits die Klingen gekreuzt, als er seine Ideen zum ersten Mal präsentierte. Doch erst als sein Buch "Eisbrecher" in Rußland begeisterte Aufnahme fand, und russische Militärs, Diplomaten und Historiker sich schwer taten, ihn zu widerlegen, veröffentlichte ich in Moskau auf Russisch eine ausführliche Gegendarstellung unter dem Titel "Der Mythos vom Eisbrecher". Als ehemaliger Fachmann für Desinformation in der GRU nutzte Suworow die Tatsache, daß über die fragliche Zeit unzählige Mythen und Verschwörungstheorien im Umlauf sind, von denen die meisten gezielt in die Welt gesetzt wurden. Diese Erfindungen nahmen Historiker später unkritisch auf - nicht nur, weil es ihnen an soliden Informationen fehlte, sondern weil es auch zur politischen Polarisierung des Kalten Krieges paßte. Die Popularität, die Suworows fadenscheinige, windige Theorien in Rußland und vielerorts auch im Westen genießen, beweist nur, daß es die ältesten und abgegriffensten Verschwörungsgeschichten sind, die am längsten überleben. In seinen Büchern konstruiert Suworow Mythen und vereinfacht eine komplizierte Situation, womit er die Suche nach der Wahrheit hartnäckig und vorsätzlich behindert."
xSuworow
W.B. Resun war sowj. Heeresoffizier und hatte Einblick in Archive von Ministerien. Er befragte Offiziere des Zweiten Weltkriegs und will zeigen, daß die Rote Armee ihre Niederlagen nicht aus Unfähigkeit erlitt.

Erstaunlich ist, daß ein historisches Themenfeld "wohlbestellt" sein kann, aber noch immer geprägt von Suche nach Wahrheit in einer "komplizierten Situation". Vielleicht erklärt sich diese vorläufige Einschätzung der Feldbestellung aus der Sicht des Erntedanks einer Interessengruppe. Ein Übeltäter wie besagter Suworow bringe dennoch die eigene Meinungspartei mit seinen Argumenten in Verlegenheit. Aus dem ehemaligen sowj. Panzerkommandeur und späteren Auslandsspäher des militärischen Geheimdienstes wird nebenbei noch ein Propaganda-Angestellter ("Fachmann für Desinformation"). Aber vielleicht kennt sich der nominierte Urheber in dieser Branche gut genug aus, um das beurteilen zu können. Sekundanten solcher auch im Stil hetzerisch angelegten Vorwürfe betonen heute gerne, daß Suworow nichts von seinen Behauptungen belege. Also seien zur Überprüfung der nominierten Meinung vorzugsweise jene aussagekräftigen Argumente Suworows gesammelt, die er belegt hat.

x 1. Weltkriegspläne x 4.3 Offensivkonzept x 6.3 Grenzflucht x 8.4 Sondertruppen
x 2. Stalins Rüstung x 4.4 Planungen x 6.4 Partisanen x 8.5 Karpaten (Gebirgslage)
x 3. Offensive Panzerrüstung x 4.5 Stationierung x 7. Marine x 9. Kurz vor dem Krieg
x 3.1 Schnellpanzer x 4.6 Produktion/Ausbildung x 7.1 U-Boote x 9.1 Der rote Umschlag
x 3.2 Schwimmgerät x 5. Sowjetische Eroberungen x 7.2 Libauer Heringsfaß x 9.2 Vorbereitungen (Plan)
x 3.3 Stationierung x 5.1 Erfolge x 7.3 Sumpfmarine (Pinsk) x 9.3 Einkassiert
x 3.4 Produktion x 5.2 Der Pakt x 8. Mobilmachung x 10. Archive
x 4. Offensive Luftwaffe x 6. Umtriebige Grenzen x 8.1 Wehrpflicht (Angriffstips) x Fazit (Artikeldruck)
x 4.1 Fallschirmspringer x 6.1 Grenzaufbau (Zensur) x 8.2 Beobachtungen x Belege
x 4.2 Lastensegler x 6.2 Grenzabbau x 8.3 Aufmarsch (Armeen) x Literatur

1. Weltkriegspläne für die Weltrevolution

xSchon seit Friedrich Engels (1820-1895) und dem Kommunistischen Manifest 1848 war wörtlich ein Weltkrieg als Voraussetzung für den Sieg der Arbeiterklasse definiert.x(1) Auch Lenin (=Uljanow, 1870-1924) wollte seine Weltanschauung mit kriegerischen Mitteln in die übrige Welt zu tragen: "Der in einem Lande siegreiche Sozialismus schließt keineswegs ... alle Kriege überhaupt aus. Im Gegenteil, er setzt solche voraus." Denn: "Gewalt ist nützlich und notwendig."x(2) So lautete das Motto der KPdSU weiterhin: "Wir sind die Partei einer Klasse, die zur Eroberung angetreten ist, zur Eroberung der Welt".x(3) Entsprechend klang es auch vor dem Zweiten Weltkrieg im offiziellen Marschlied der Roten Armee (Budjonny-Marsch): "Erst her mit Warschau, dann her mit Berlin!".x(4)

xStalin (=Dschugaschwili, 1879-1953) stellte sich in seinen Reden in diese Tradition und betonte, daß solch ein Weltkrieg unvermeidlich sei. Er empfahl unter Verweis auf Lenin, daß die UdSSR den Krieg beginnen solle, "wenn alle Kapitalisten sich untereinander in die Haare geraten sind."x(5) Ebenfalls vor dem Zweiten Weltkrieg konnte Trotzki (=Bronstein, 1879-1940) vorhersagen: "Die UdSSR wird sich in geballter Masse in Richtung auf die Grenzen Deutschlands zu einem Zeitpunkt bewegen, wenn das Dritte Reich in einen Kampf um die Neuordnung der Welt verwickelt ist."x(6)

Der Machtstratege Stalin war klug genug dazu, weshalb er für den kommenden Weltkrieg schon 1925 empfahl: "aber wir greifen als letzte ein, ... um das entscheidende Gewicht in die Waagschale zu werfen."x(7) Spätestens am 19.09.39 erläuterte Stalin vor dem Politbüro der KPdSU, daß der Pakt mit Hitler dienen soll als Vorbereitung zur sowj. Eroberung Westeuropas. Im Mai 1941, als die SU schon mehrere Nachbarn erfolgreich angegriffen hatte, bekräftigte er als nächstes großes Kriegsziel Deutschland während der Antrittsrede als spätberufener Staatschef vor Absolventen der Militärakademien und ihren Dozenten. Bislang Generalsekretär, wurde Stalin im Mai 1941 "Vorsitzender d. Rates d. Volkskommissare", also Leiter der Staatsregierung. Der dt. Botschafter schlußfolgerte, daß Stalin damit "ein außenpolitisches Ziel von überragender Wichtigkeit für die Sowjetunion" in Angriff nehmen wolle.x(8)

x Wenn Kriegsschuld 1941 sich im Falle Deutschlands ableitet aus Hitlers Ruf nach "Lebensraum im Osten", dann wird es sicher besondere Aufmerksamkeit finden, daß sogar ein Weltkrieg das erklärte Ziel des Kommunismus, speziell in der SU gewesen ist. Hitler wäre dabei "Eisbrecher" für die Weltrevolution gewesen. Die durch seine Expansionskonflikte erschöpften westlichen Staaten hätten anschließend zum Wohl aller Proletarier einkassiert werden können.

2. Stalins Rüstung

xLenins "Neue Ökonomische Politik" ließ marktwirtschaftliche Elemente zu, um den Wirtschaftserfolg zu fördern. Unter seinem Nachfolger Stalin folgte ein Wirtschaftsdirigismus in Form von Fünfjahresplänen ab 1927. Ab da begannen umfangreiche Produktionserfolge an schwerem Kriegsmaterial, wobei zugleich die Basis der Rüstungsproduktion erweitert wurde. Um die dafür benötigten Devisen zu erhalten, wurden eigene Kunstgüter und Schätze ins Ausland verkauft, ebenso Nahrungsmittelernten. Die ab 1930 in der Landwirtschaft freiwerdenden Ressourcen wurden in die Rüstungsindustrie gelenkt. Ab 1940 wurden die Kräfte auf die effektive Netto-Kriegsproduktion gebündelt, und der Produktionsausstoß weiter erhöht.x(9) Stalin wünschte 1940 die Rüstungsindustrie in Bereitschaft zum Krieg zu finden: "Mobilmachungsbereitschaft ist nicht nur für die Rüstungsbetriebe erforderlich, sondern auch für die ganze Industrie. Im Krieg wird die gesamte Industrie zur Rüstungsindustrie."x(10) Damit wurde ein Konzept von Trotzki zur "Arbeitsarmee" weitergeführt, demnach der Industriearbeiter gewissermaßen ein Soldat an der Front sei, dessen Nachlässigkeit wie Fahnenflucht bestraft werden konnte.
x Frauenarbeit: Die ab 1939 zur Armee eingezogenen Männer wurden durch Frauen ersetzt, so daß sie Anfang 1940 bereits 41 Prozent aller Werktätigen in der Sowjetindustrie stellten.
x Kinderarbeit: Um mehr Kinder in die Industriearbeit zu nötigen (Bild rechts), wurde eine hohe Schulgebühr eingeführt, speziell in "nicht-nützlichen" musisch-künstlerischen Schulen.
x Arbeitszeit: Die tägliche Arbeitszeit in der Industrie wurde schrittweise erhöht auf bis zu 12 Stunden in sechs Tagen im Frühjahr 1941.
x Strafverfolgung: das "Bummeln" oder Entwenden von Material konnte mit hohen Gefängnisstrafen belegt werden.
x Warenlieferung: Im April 1941 wurde die Anweisung gegeben, die Munitionsproduktion an die Westgrenze zu schaffen und provisorisch auf dem Boden zu lagern. Die sinnvolle Dauer dieser Aufbewahrung ist sehr begrenzt.x(11)
Unter Stalin sank die Grundversorgung der Bevölkerung so stark ab, daß zusammen mit den Folgen der Zwangskollektivierung in der Landwirtschaft ab 1930 etwa 10 Millionen Sowjetbürger durch Hunger oder als Zwangsarbeiter in Konzentrationslagern umgekommen waren. Die russischen Opfer des verlustreichen Ersten Weltkriegs betrugen 2,3 Millionen Tote. Durch seine Hochrüstungspolitik hatte Stalin mehr eigene Bürger zu Tode gebracht, als im vorangegangenen Weltkrieg auf dem Schlachtfeld gefallen waren. Doch kann dies keine Reaktion auf dt. Bedrohung gewesen sein. Deutschland hatte bis 1935 keine ernstzunehmende Armee (Miniaturheer ohne schwere Waffen) und begann seine Expansion erst ab 1938 (Österreich, Tschechei). Eine offizielle Anweisung zur endgültigen Umstellung dt. Industrieproduktion auf Kriegsrüstung ist sogar erst ab Februar 1941 nachweisbar.x(12)

x Die von Stalin ab 1927 angekurbelte Rüstungsindustrie wurde unter größten Opfern ausgebaut, und zwar nicht als Reaktion auf äußere Bedrohung. Diese war zumindest im Westen kaum vor 1935 denkbar, als sich das nach dem Ersten Weltkrieg demontierte Deutschland durch Erklärung der Wehrhoheit vom Versailler Diktat freimachte. Gebietsexpansionen begannen erst 1938, die vollständige Umstellung auf Rüstungswirtschaft sogar erst ab Anfang 1941.

3. Offensive Panzer-Rüstung

Sowjetischer Schnellpanzer "BT" ohne Ketten im Reifenbetrieb
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3.1 Schnellpanzer: Panzer gelten wegen der schnellen Beweglichkeit der transportierten Kanonen tendenziell eher als Angriffswaffe. Verteidiger sind mehr daran interessiert, ihre Kanonen gedeckt im Gelände zu Sperrfallen aufzustellen gegen Angreifer. Die aber müssen im Gegenteil auch unter dem Risiko geringerer Deckung ihre Kanonen gegen Widerstand vorwärtstragen und benötigen dafür passende Transporter. Panzertruppen in Defensive graben oft ihre Fahrzeuge in den Boden ein, um nur das Geschütz zu verwenden. Beweglichkeit ist hier also ein wichtiges Merkmal für Angriffsqualität. Als Ausrüstung für die "mechanisierten Korps" der Roten Armee war die Panzerkonzeption so offensiv, daß die insgesamt 29 dieser Korps nach der dt. Invasion wegen mangelnder Verwendbarkeit aufgelöst werden mußten.x(13) Panzer sind konstruktive Kompromisse. Sind sie schnell und beweglich, fehlt ihnen die Panzerung zum Kampf gegen abwehrbereite Gegner und umgekehrt. Der von 1931-1938 in Massenserie produzierte Kampfwagen des Typs BT (Bystrochodny Tank = Schnellpanzer) war 100 km/h schnell, mehr, als selbst heute üblich. Der Panzer konnte seine schmalen Ketten abwerfen und auf den Gummirädern Straßen nutzen. Seltsam, daß die SU kaum geeignete Straßen besaß, weshalb diese Panzer nach dem dt. Angriff auf eigenem Verteidigungsgebiet kaum einsetzbar waren.x(14) Ab 1938 wurde ferner ein Typ AT-20 produziert. Erst längere Nachforschungen nach der Bedeutung des Namens wurden fündig bei ehemaligen Arbeitern des Betriebs Nr.138 in der "Lokomotivenfabrik" Charkow. Der Awtostradny Tank, also Autobahnpanzer, war eine Weiterentwicklung aus der BT-Reihe. Die SU besaß allerdings bis zum Zweiten Weltkrieg keine Autobahn, auch nicht ihre Nachbarländer. Es gab sie aber seit 1932 in Deutschland, wo dieser Begriff auch geprägt wurde.x(15)

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Flußüberquerung mit schwerer Artillerie im Manöver. Militärbezirk Leningrad 1940

3.2 Schwimmgerät: Ähnliches galt für Schwimmpanzer (PT = Plawajuschtschi Tank) und Ausrüstung für Pionierbrücken, deren Wert für Verteidigung gering ist. Ein Verteidiger braucht selten die Mittel zur Überwindung der ihm nützlichen Wassersperren. Denn er kann selbst bestimmen, wo diese so liegen, daß sie eigener Beweglichkeit nicht hinderlich sind. Sofern er Gewässer überqueren muß, nimmt er so lange seine vorhandenen regulären Brücken, bis er sie im Notfall sprengt. Von den 63 Panzerdivisionen, die Stalin bis Sommer 1941 aufstellte, hatte keine Sprengpioniere für Brückensprengungen, aber jede Pontonpioniere zum Bau von Hilfsbrücken über Wassersperren.x(16)

3.3 Stationierung: Die sowj. Mechanisierten Korps waren vor Kriegsausbruch direkt vor den dt. Linien stationiert oder zu Kriegsbeginn noch auf dem Bahntransport dorthin. Verladen auf Transportzügen konnten die Panzer nicht mehr rechtzeitig zum Verteidigungseinsatz mobilisiert werden.x(17) Entweder war die SU vom dt. Angriff nicht überrascht worden, oder sie bereitete gerade ihren eigenen vor ...

3.4 Produktion: Als der dt. General Guderian 1933 im Rahmen der Rüstungskooperation die russ. "Lokomotivenfabrik" in Charkow besuchte, betrug alleine deren Tagesausstoß 22 Panzer. Deutschland hatte zu diesem Zeitpunkt noch keine, die USA bis 1940 nur 400. Alleine dieses Werk hätte also pro Jahr zehnmal mehr Panzer produzieren können, als die USA sieben Jahre später insgesamt hatten.x(18) Im ersten Fünfjahresplan (1927-1932) gelang Stalin der Sprung von insgesamt 92 Panzern auf 4.000 Stück.x(19) Es hängt von der Stückzahl eines Kriegsgeräts ab, ob es zum Schutz vor der selben Waffe auf der anderen Seite dient, oder zum eigenen Angriff. Bei diesem Produktionsumfang und der skizzierten technischen Spezialisierung kann man diese sowj. Vorkriegsrüstung nicht mehr als Verteidigungsbemühen bewerten.

x Die SU begann früh vor dem Zweiten Weltkrieg mit der Massenproduktion von Panzern, in diesem Zusammenhang und in dieser Stückzahl eher zum Zweck einer Offensivwaffe. Die Mehrzahl der Produktion war wie Schwimmpanzer und Brückengerät speziell für Angriffs-Operationen konstruiert. Im Falle der Schnell- und Autobahnpanzer war die Spezialisierung so ausgeprägt, daß sie für die Verteidigung nicht einsetzbar waren, weil die eigenen Wege ungeeignet waren.

4. Offensive Luftwaffe

x4.1 Fallschirmspringer: In sowj. Luftfahrtklubs wurde bis zum Kriegsbeginn eine Million Fallschirmspringer ausgebildet; Deutschland hatte 4.000.x(20) Sie landen hinter den feindlichen Linien und werden von angreifenden eigenen Bodentruppen eingeholt, die in der Tiefe des gegnerischen Raumes bereits eigene Stellungen vorfinden und schneller vorrücken können. Ein Verteidiger hat aber nicht die Absicht, gegnerisches Gebiet zu erobern und deshalb kaum Interesse, eigene Soldaten dort isoliert auszusetzen, wo sie ihm nichts nützen und nur verloren gehen. Deshalb hatte auch die dt. Wehrmacht in der Zeit der Defensive zu Kriegsende ihre Fallschirmjäger als simple Bodentruppen verbraucht.x(21) Als interessantes Detail fiel auf, daß die Kommandeure von sowj. Luftlandetruppen deutschstämmige Soldaten mit entsprechenden Sprachkenntnissen in ihrem Stab hatten.x(22)

4.2 Lastensegler: Sie sind in der Kriegsgeschichte bisher nur bei großen Offensiven verwendet worden. Sie transportieren lautlos Truppen und Gerät an Einsatzorte hinter der eigenen Front und eignen sich deshalb besonders für Überraschungsangriffe. Es hätte daher ebenfalls Indizienqualität, wenn die SU im Frühjahr 1941 mit der Massenproduktion von Lastenseglern begann, für deren Lagerung es im nächsten Winter schon keine Lagerkapazität mehr gab.x(23)

4.3 Offensivkonzept: Sowj. Militärtheoretiker diskutierten schon 1929 Standardziele ihrer Luftwaffe wie den Eisenbahnknotenpunkt Leipzig und den Bahnhof Friedrichstraße in Berlin.x(24) Deshalb waren Flugzeuge wie die IL-2 gepanzert gegen Bodenbeschuß. Für einen Luftkampf gegen Abfangjäger war diese Konstruktion aber zu schwerfällig. Stalin verbot dem Konstrukteur Iljuschin, in dieses Flugzeug einen zweiten Sitz für einen Maschinengewehrschützen zur Verteidigung einzubauen. Das Gegenteil befahl er erst, nachdem der deutsche Angriff 1941 eigene Verteidigung nötig machte.x(25) Die sowj. Luftwaffenstrategie setzte voraus, daß die Flugzeuge eines Gegners bereits vor eigenen Masseneinsätzen am Boden zerstört wurden. Das ist nur möglich, wenn die eigene Seite den Angriff überraschend mit überlegenen Kräften selbst beginnen kann auf dem Gebiet des Gegners. Anderenfalls könnten die gegnerischen Luftstreitkräfte nicht rechtzeitig erfaßt werden. Auf dem 18. Parteikongreß der KPdSU 1939 wurde dieses Offensivkonzept öffentlich bekräftigt, was sich in Dienstvorschriften für die Armee fortsetzte. Und es galt nicht nur für die sowj. Luftwaffe: "Man hatte uns restlos für einen Angriffskrieg vorbereitet".x(26)

x4.4 Planungen: Die von Suworow dokumentierten sowj. Konzepte wie für Flugtransporte von Panzern (=KT/Krylja Tanka, A-40, Bild rechts) kamen über die Planung nicht hinaus. Doch Ingenieure wie Oleg Antonow setzt man nicht auf Pläne an, deren Realisierung man nicht für möglich und wichtig hält. Hierin liegt also durchaus ein Indiz für Absichten, da Verteidigungskonzepte kaum Nutzen finden können im Luftferntransport von Panzern.x(27) Tatsächlich gebaut wurde ab 1936 ein strategischer Fernbomber, die TB-7.

x(Nach d. Tod d. Konstrukteurs umbenannt zu PE-8, Bild links). Die Maschine erreichte 12 km Gipfelhöhe, war damit für Flak unerreichbar, und konnte 5t Bomben transportieren. Im Herbst 1941 reiste Außenminister Molotow mit einer solchen Maschine zu Verhandlungen nach England - auf dem direkten Weg und unbemerkt über dt. besetztes Gebiet.x(28)

4.5 Stationierung: Das sowj. Jagdgeschwader 123 lag im Sommer 1941 wie andere nur wenige Kilometer hinter der Grenze zum dt. besetzten Polen. So wäre zwar eine weitreichende Angriffsoperation nach Deutschland treibstoffsparend möglich gewesen, doch diese Stationierung machte eine große Zahl sowj. Kampfflieger im Sommer 1941 zum überraschten Opfer des dt. Angriffs.x(29)

4.6 Produktion/Ausbildung: Bis Ende von Stalins zweitem Fünfjahresplan 1937 waren innerhalb von zehn Jahren 24.708 Kriegsflugzeuge produziert worden. In der gleichen Zeit waren 50 Tsd. Militärpiloten und Navigatoren ausgebildet worden. Erstaunlich sind vor allem große milit. Flugschulen mit durchschnittlich 2.000 Schülern auf 147 Motorflugzeugen. Alleine bei der Armee, ohne die Marine, hatte sich ihre Anzahl innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt. Die Ausbildungszeit wurde seit Dezember 1940 auf die Hälfte verkürzt. Die Absolventen wurden nicht als Offiziere sondern als Sergeanten entlassen, um Sold zu sparen.x(30)

x Die Sowjetunion begann ebenfalls früh mit der Massenproduktion von milit. Serienflugzeugen. Deren Konstruktionsmerkmale setzten ebenso wie unvollendete Planungen als Einsatzvoraussetzung einen eigenen Überraschungsschlag voraus. Entsprechend angelegt waren auch sowj. Einsatzplanspiele und Dienstvorschriften sowie die Ausbildung von Fachpersonal. Die Stationierung dicht an der Westgrenze der SU nahm Gefährdung inkauf zugunsten schneller, weitreichender Angriffsmöglichkeiten ins westliche Ausland.

5. Sowjetische Eroberungen

5.1 Erfolge: Die SU versuchte, sich nach dem Zweiten Weltkrieg als "neutrales Land" bis 1941 darzustellen. Sie hatte gleichwohl bis zu diesem Jahr mehr lukrative Ausdehnungserfolge durch Gewaltanwendung erreicht als Hitler. Sie hatte bereits die meisten ihrer Nachbarn durch Krieg oder Annektion angegriffen und eine frisch okkupierte Bevölkerung erworben von über 24 Mio. Menschen in:x(31)
x Baltikum / Estland, Lettland, Litauen, (Komplette Okkupation, 1939-1940),
x Mongolei (Teilgebiet Mandschurei, Krieg August 1939),
x Polen (Teilgebiet Osten, Krieg September 1939),
x Finnland (Teilgebiet Karelien, Krieg Winter 1939/40)
x Rumänien (Teilgebiete Bukowina, Bessarabien, Okkupation 1940).

In einem Generalstabsbefehl für die Rote Armee, Ende 1940, wurden den eigenen Soldaten weitere Eroberungen in Aussicht gestellt.x(32) Entsprechende Welteroberungsstimmung verbreitete im Januar 1941 auch die Regierungszeitung "Prawda".x(33) Laut ihren Ausführungen solle "die Waffe der sozialistischen Gerechtigkeit" sowie Luftflotten sowj. Fallschirmspringer der Menschheit das Glück bringen. Denn Verteidigung bestehe im "Angriff auf das Territorium des Feindes", und zwar "bis zu den Grenzen des Festlandes der Alten Welt".x(34) Stalins nächster Griff nach Rumänien wurde durch den dt. Angriff verhindert. Wohl, weil Hitler nicht zulassen konnte, daß er mit diesem Verbündeten auch seine wichtigste Treibstoffquelle verliert. Stalin ließ damals bereits Pläne für einen eigenen Großangriff nach Westen erkennen.x(35)

5.2 Der Pakt: Der gegenseitige Pakt war für Stalin kein Hindernis für die Vorbereitungen eines eigenen Angriffs.x(36) Er war auch der Meinung, Hitler mit dem Pakt zu eigenem Vorteil "hereingelegt" zu haben.x(37) Zwar erlaubte der Pakt Hitler, die Westgebiete Polens zu erobern. Aber als Gegenleistung mußte er die Ostgebiete Polens Stalin überlassen, und zustimmen, daß Teile von Rumänien (Bessarabien), die Bukowina und das Baltikum sowj. Einflußgebiet wurden. Und mit dem dt. Angriff auf Polen war ein Eingreifen der Westmächte wahrscheinlich, womit Stalin den Kampf der Kapitalisten untereinander hatte, nach dessen Ende er bequem die Vorherrschaft in Europa hätte übernehmen können. Und damit dies nicht dem Zufall überlassen blieb, sandte Stalin seinen Botschafter in London, I.M. Maiski, zum britischen Außenminister Eden. Bereits am 13. Juni 1941, mehr als eine Woche vor dem dt. Angriff, berieten beide über einen britischen Militäreinsatz gegen Deutschland, falls es zu einem "Krieg zwischen der UdSSR und Deutschland" komme, also ausdrücklich nicht zu einem "Angriff Deutschlands".x(38)

x Stalins SU war schon vor dem Weltkrieg kein neutraler Staat gewesen, sondern eine aggressive Militärmacht mit Eroberungserfolgen. Sie hatte bis zum Zeitpunkt des dt. Angriffs schon insgesamt sieben ihrer Nachbarländer angegriffen, darunter drei mit Kriegsgewalt, und sich neue Gebiete einverleibt. Stalin hatte gute Gründe für die Annahme, daß er der einzige Nutznießer des Paktes mit Hitler war und hatte auch schon entsprechende Verabredungen mit dem dt. Kriegsgegner England angebahnt.

6. Umtriebige Grenzen

xZensur
Deutsche Zensurversuche betrafen nicht nur Suworows Bücher. Schon vorher verhandelte ein Gerichtsverfahren Streit zwischen Direktoren des MGFA über die SU im Zweiten Weltkrieg.

6.1 Grenzaufbau: Falls die zuvor erwähnte Rüstung Stalins überhaupt einen Verteidigungszweck gehabt haben sollte, müßte man parallel dazu finden, daß auch die Grenzsicherungen der SU verstärkt wurden. Eine solche Verstärkung gab es tatsächlich von 1927 bis 1939. Sie umfaßte Bunker, Baumsperren, Versumpfung von Gelände und sogar den Abtransport von Schienen.x(39) Als seit Herbst 1939 dt. Truppen und die Rote Armee auf poln. Gelände gegenüberstanden, endeten die Grenzsicherungsarbeiten. Im Gegenteil - die Sperren wurden abgebaut.x(40)

6.2 Grenzabbau: Von den 120.000 bestellten Minen zur kurzfristigen Sperrung der neuen Grenze in Polen erhielt der zuständige sowj. Kommandeur nur 120 Stück. Die Produktion dieser billigsten und einfachsten Sperrwaffe war von Stalin inzwischen stillgelegt worden.x(41) Statt dessen wurden kurz vor dem dt. Angriff noch neue Minenräumer in der SU benötigt.x(42) Ausgerechnet General K. Merezkow, der im Krieg gegen Finnland 1939/40 große Schwierigkeiten durch Minensperren hatte, und sie als Verteidiger schätzen müßte, befahl dann als Chef des sowj. Generalstabs, alle Grenzbefestigungen zu demontieren. Ferner sollten die Rote Armee und ihre strategischen Reserven an die neue Westgrenze in Polen verlegt werden, sowie die grenznahen Straßen und Flugplätze ausgebaut werden. Hohe Sowjetkommandeure besuchten Anfang Juni 1941 die Grenze, um den Abbau von Sperren zu beschleunigen und Truppenübungen zur Überwindung von Gewässern und Panzersperren zu besichtigen.x(43) Suworow fiel bei einer Besichtigung der ehemaligen Grenzlinie in Polen auf, daß die Sperranlagen beider Seiten gut sichtbar und nur in der vordersten Linie lagen, ohne Tiefe im Raum. Die dünne Panzerung maß auf beiden Seiten der Front zwei Zentimeter. Offenbar hatten beide Seiten ihre Befestigungsarbeiten an der Grenze jeweils nur als täuschendes Signal für die andere Seite verwendet.x(44) Die Beschwerde eines sowj. Kommandeurs, daß eigene Sicherungsarbeiten von Deutschen entdeckt wurden, überging sein Vorgesetzter.x(45) Ein Kuriosum sowj. Geschichtsschreibung bewertet die selbe Tätigkeit zur gleichen Zeit im Falle Deutschlands als Angriffsindiz und im Falle der SU als Verteidigungsanstrengung. So wurden offizielle Versuche zur Umdeutung der Geschichte betrieben.x(46)

6.3 Grenzflucht: Der Chef der NKWD-Grenztruppen erließ am 18. Juni 1941 den Befehl, die Familien von Armeeangehörigen aus dem Grenzraum Weißrußland zu evakuieren. Wenn die SU vier Tage später vom dt. Angriff überrascht wurde, kann diese Maßnahme nur bedeuten, daß eine ihm bekannte eigene Aktion kurz bevorstand, da er die der dt. Seite vorher nicht kennen konnte.x(47)

6.4 Partisanen: Im Herbst 1939 waren von Stalin die Partisanengruppen aufgelöst worden, deren Zweck darin bestanden hätte, einem eventuellen Invasoren des Landes einen Guerillakrieg zu liefern, und seinen Vormarsch zu behindern. Das Personal wurde meist zum NKWD versetzt, also zu den Truppen des sowj. Innenministeriums. Die Partisanenstrukturen wurden erst nach dem dt. Angriff wieder reaktiviert.x(48)

x Bei einem großangelegten Vormarsch der Roten Armee nach Westeuropa wären eigene Minensperren und andere Grenzbefestigungen bei Transport und Erschließung neuer Verkehrsadern nur hinderlich gewesen. Sie wurden demontiert, und die Partisanen in militärische Einheiten überstellt. Die Infrastruktur des Grenzgebiets wurde ausgebaut, und das Heer mit seinen strategischen Reserven dorthin verlegt. Kurz vor dem Krieg wurden russ. Zivilisten evakuiert.

7. Marine

7.1 U-Boote: Ob Untersee-Boote der Verteidigung oder dem Angriff dienen, hängt von der geostrategischen Lage eines Landes ab. Deutschland war mangels ausreichender eigener Rohstoffe im Ersten Weltkrieg ausgehungert worden und benötigte U-Boote zum Kampf gegen eine feindliche Seeblockade. Die SU verfügte hingegen über alle notwendigen Rohstoffe. Dennoch wurden ab 1935 alle großen sowj. Werften auf den Bau von Kriegsschiffen umgestellt, und das Volkskommissariat für die Schiffbauindustrie inoffiziell umgestellt auf die Produktion von U-Booten. So standen im Herbst 1939 nur 57 dt. U-Boote gegen 165 auf sowj. Seite.x(49)

7.2 Libauer Heringsfaß: Die von der SU im besetzten Baltikum errichtete Marinebasis in Libau lag zwar nahe der dt. Grenze, nördlich von Königsberg, doch der dt. Angriff traf die sowj. Marinetruppen ohne eigene Verteidigungsvorbereitungen, wobei drei Viertel der Treibstoffvorräte für die Ostseeflotte verloren gingen. Das Problem sowj. Geschichtsschreibung liegt nicht in diesem Eingeständnis, sondern dies zugleich damit zu erklären, daß die Truppen in der "vorgeschobenen Basis" auf Angriffskrieg vorbereitet waren, nicht auf Verteidigung. Die sowj. U-Boote waren in Libau wie in einem "Heringsfaß" gestapelt gewesen.x(50) Eine vergleichbare Beobachtung liegt auch für die Schwarzmeerflotte vor. Am 18. und 19. Juni 1941 übte sie auf der Krim erstmals die Anlandung einer ganzen Infanteriedivision durch die Marine. Unter sowj. Offizieren entstand der Eindruck, es sei eine Übung kurz vor ihrem Angriffseinsatz.x(51)

x 7.3 Sumpfmarine: Im zeitlichen Rahmen der dubiosen Vorbereitungen zur angeblichen Verteidigung der SU wurde ein Marinestützpunkt bei Pinsk in den weißruss. Pripjet-Sümpfen angelegt. Unter den zwei Dutzend Schiffseinheiten waren vier Monitore, also flachgehende Küstenpanzerschiffe mit schweren Kanonen, sowie eine Fliegerstaffel und zwei Regimenter Marineinfanterie.x(52) Die Entfernung von dort zum nächsten Meer beträgt 500 km, und welcher Angreifer damals diese Sümpfe erobern wollte, ist auch schwer zu erkennen. Weniger seltsam ist diese Stationierung unter Berücksichtigung eines Kanals, den Stalin in kürzester Frist anlegen ließ. Er verbindet auf 127 km den Pripjet bei Kobryn mit dem Fluß Bug. Der milit. Zweck des Kanalbaus folgert daraus, daß es in den Sümpfen kein Ziel oder Ausgangspunkte für Handelsschiffahrt gab. Durch den Kanal bieten sich für milit. Zwecke aber Zugänge zur Weichsel (Warschau) und über Netze, Warthe, Oder und Spree bis nach Berlin. Diese Perspektive stand zumindest 1943 Marschall Schukow vor Augen; sie wurde möglicherweise auch nicht erst zu diesem Zeitpunkt entdeckt.x(53) Jedenfalls kam auf dem Flußweg über den Kanal 1945 sowj. Marine nach Berlin.

x Die sowj. Marine war kurz vor dem dt. Schlag auf einen eigenen Angriff trainiert worden wie beim Krim-Manöver. Das führte wie in der Marinebasis Libau zu Versagen in plötzlicher Verteidigungslage. In den Pripjet-Sümpfen wurde eine Marine-Einheit zusammengezogen, deren Einsatzzweck nur in westlicher Richtung sinnvoll denkbar ist.

8. Mobilmachung

xStalins Angriffstips
Im September 1941 fand die dt. Wehrmacht unter den Leichen eines gerade besiegten sowj. Generalstabs Mitschriften über eine Rede Stalins vom Januar 1941 für einen Angriff auf Deutschland, das "Murat-Tagebuch".

8.1 Wehrpflicht: Die allgemeine Wehrpflicht wurde in der SU am gleichen 01.09.1939 eingeführt, als Hitler den mit Stalin verabredeten Angriff auf Polen befahl. Darin liegt entgegen derzeit gängiger Behauptung kein ursächlicher Zusammenhang. Denn zu diesem Beschluß durch den Obersten Sowjet mußten einige Delegierte aus entfernten Unionsstaaten eine Woche vorher anreisen. Mit dieser neuen Wehrpflicht wurde das Einberufungsalter von 21 Jahren auf 18 Jahre für Oberschüler und 19 für alle anderen herabgesetzt. So wurde gleich zweifach die Mannschaftsstärke der Roten Armee erheblich vergrößert. Bei einer Wehrpflicht von 21 Monaten hätten die neuen Soldaten ab Juni 1941 ihre milit. Grundausbildung absolviert haben und zur Verwendung bereitstehen können.x(54) Gestützt auf Hitlers "Mein Kampf" ging man in Moskau davon aus, daß der keinen Zweifrontenkrieg riskiert, denn "sein Ausgang wäre das Ende Deutschlands". Als sich unerwartet die Westmächte am Konflikt mit Polen beteiligten gegen Hitler, brauchte die SU (trotz eigener Komplizenschaft von westlichen Sanktionen unbehelligt) von Deutschland nichts mehr befürchten.x(55) Aber offenbar rückte eine Zeit näher, in welcher die SU eigene Soldaten für eigene Ziele benötigte. Diese Ziele waren einen Monat zuvor schon von Stalin im Politbüro der KPdSU festgelegt worden: nach einer Abnutzung der westlichen Nachbarn in Kriegen sollte die Rote Armee sie erobern.x(56) Entsprechend angelegt waren die Planungen der sowj. Heerführer, allerdings schon sieben Jahre vorher.x(57)

8.2 Beobachtungen: Daß Hitler beschlossen hatte, die SU anzugreifen, war den Sowjetführern elf Tage später bekannt, also ab Januar 1941.x(58) Bis dahin waren aber schon Jahre sowj. Rüstung und mehrere Monate des Truppenaufmarsches an der Westgrenze vergangen. Falls der erklärt würde als prophetisch-frühe Vorbreitung auf eigene Verteidigung, wäre es schwer verständlich, warum Stalin auch Tage nach dem dt. Angriff diesen immer noch nicht ernst nehmen wollte.x(59) Das, obwohl GRU-Chef Golikow schon länger zuvor Indizien für eine Vorbereitung der dt. Armee auf einen Krieg in Rußland gesucht hatte. So durch Beobachtung des dt. Hammelmarkts (Beschaffung von Schafspelzen für Winterausrüstung) und Kontrolle der Qualität des dt. Schmieröls, dessen Standardausführung im russ. Winter hartfrieren mußte. Aber auch Golikow wurde vom Zeitpunkt des dt. Angriffs überrascht, weil Hitler solche Vorbereitungen unterließ.x(60)

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