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Nr.50/b: Suworow

Wladimir Resun/Suworows Eisbrecher-Studie

xDer Buchautor gehörte zur Intelligenz der Sowjetarmee nach dem Zweiten Weltkrieg. In der Armee gewissermaßen aufgewachsen, gilt ihr seine ganze Loyalität, auch nach der Emigration. Geschult in Generalstabstaktiken am Beispiel des Zweiten Weltkriegs hatte er Einblick in die konzeptionelle Kriegsführung des Landes, seine ideologischen Ziele, und in Quellenmaterial des Krieges im Zentralarchiv des sowjetischen militärischen Geheimdienstes in Moskau. In sein Leitmotiv zur Rehabilitation der Sowjetarmee im Zweiten Weltkrieg ist möglicherweise auch sein persönliches Schicksal eingeflossen. Gegenstand seiner Argumentationen ist nicht die Bewertung der deutschen Seite zur NS-Zeit sondern der Nachweis sowjetischer Weltkriegsziele, sowie die Warnung vor der dahinter wirkenden Ideologie in der Zeit des Kalten Krieges.

Profil: "Viktor Suworow" ist das Schriftsteller-Pseudonym für den 1947 geborenen Wladimir Bogdanowitsch Resun. Er stammt aus einer russischen Soldatenfamilie, trat mit 11 Jahren in die Sowjetarmee ein, und widmet sein Buch "Tag M" dem Vater im Zweiten Weltkrieg. Sein Pseudonym ist der Name seiner ersten Offiziersschule in Kalinin. Seine Aufnahme in die militärische Eliteausbildung wurde möglich durch sein Verhalten in einem Manöver. Als ein Stau am Kasernentor den Panzeraufmarsch seines Bataillons behinderte, befahl er getreu der Dienstvorschrift, daß nichts den Aufmarsch behindern darf, den Durchbruch der Panzer durch die Kasernenmauer. Suworow nahm 1968 als junger Leutnant teil am Militäreinsatz gegen die Tschechoslowakei, als deren Staatsführung sich vom orthodoxen Sowjetsystem entfernen wollte. Er studierte auf der Hochschule für Heereskommandeure in Kiew, dann auf der Militärakademie für Diplomaten in Moskau. Er wurde eingesetzt in der Abteilung für Aufklärung der Armee, und kam ab 1974 als Pseudo-Diplomat in den Westen im Auftrag des sowjetischen Geheimdienstes GRU (Hauptverwaltung Aufklärung des Generalstabs der Sowjetarmee).

Flucht: Hintergründe seiner Dienstzeit berichtet Suworow in seinem Buch "Aquarium" (russ. Scherzname für den Glaspalast der GRU-Zentrale), das in Deutschland trotz entsprechender Verabredungen nicht mehr verlegt werden konnte. Bei einer anonymen Observierung im Ausland stellte Suworow fest, daß er auf unangemeldete Kontakte seines meistgeschätzten Vorgesetzten mit einer Amerikanerin angesetzt war. Laut "Aquarium" wird als Ort bewußt unzutreffend Wien angegeben, in einem Land, dessen Sprache Suworow nicht beherrschte, und wo er folglich nicht dienstlich eingesetzt war. Wie üblich konnte er bei diesem Auftrag nicht wissen, ob dieser nur ein Test zu seiner eigenen Überprüfung war. Er lieferte die gewünschten Informationen, die für ihn überraschend zur Verhaftung seines Vorgesetzten führten. Der Auftrag war echt. Am gleichen Abend fiel der Getäuschte in einer Gaststätte durch unfreundliches Verhalten auf. Ihm war bewußt, daß seine Gemütsaufwallungen besonders genau beobachtet werden. Noch am selben Abend sah er vor seiner Ankunft in der Wohnung von der Straße aus Licht im Fenster. Die GRU scheint die Professionalität ihres Mitarbeiters unterschätzt, oder Kollegen einem Freund eine Hilfestellung geboten zu haben. Suworow bat noch in der gleichen Nacht in der örtlichen britischen Botschaft um Asyl. Seine Wahl fiel auf die Briten, weil diese kurz zuvor den größten Teil der sowjetischen Pseudo-Diplomaten wegen Spionage ihres Landes verwiesen hatten. Er wurde von einem sowjetischen Gericht in Abwesenheit zweifach zum Tode verurteilt, ein Urteil, das bis heute (April 2005) nicht aufgehoben ist. Laut Suworow sei er der einzige Überlebende von insgesamt drei Überläufern der GRU. Die beiden anderen waren im Exil ermordet worden.

Motive: Aus dienstl. Gründen wurden die früheren Privatkontakte von Sowjetagenten im Auslandseinsatz unterbunden. Dienstkollegen und Vorgesetzte blieben ihre einzigen Bezugspersonen. Mit dem erwähnten dienstinternen Konflikt könnte ein endgültiger Bruch in Suworows persönlicher Orientierung verbunden gewesen sein. Dieser hatte sich vorher schon angebahnt, als er während des Studiums zunehmend Widersprüche in der offiziellen Darstellung des Sowjetstaates zum Zweiten Weltkrieg fand. Für Suworow war seine Armee vielleicht eine Ersatzfamilie geworden. Doch deren Unfähigkeit wäre indirekter Schluß aus der offiziellen Deutung von der hochgerüsteten UdSSR als überraschtes Opfer des Angriffs von 1941. Hierdurch waren in kurzer Zeit durch großangelegte Kesselschlachten Millionen von Sowjetsoldaten unter enormen Materialverlusten getötet, verwundet oder gefangengenommen worden. Suworow möchte geklärt wissen, daß dies nur möglich wurde, weil der deutsche Angriff unvorhergesehen in die letzten Wochen des russischen Aufmarsches einbrach, der nicht alleine Deutschland sondern ganz Westeuropa zum Ziel hatte. Für Suworow ist die Rehabilitierung der Leistungsfähigkeit seiner Armee möglicherweise zugleich auch Teil der persönlichen Bewältigung des Bruchs mit seinem Heimatland. Dessen Sowjetsystem hatte nicht nur ihm, seiner Familie und seiner Armee geschadet. Speziell in der Zeit des Terrors (1936-1938), als Stalin wohl durch Angst als Selbstzweck militärische Disziplinierung für einen gewaltigen Eroberungskrieg über Europa schaffen wollte, war die Substanz der russischen Gesellschaft zerrüttet worden. Suworow ist deshalb orientiert an der Totalitarismustheorie, die eine Gefahr für Freiheit in allen Konzepten sieht, welche Bürger- und Menschenrechte den Bedürfnissen eines totalen Staates unterordnen. Linksradikale Ideologie wird dabei nicht als Rettung vor "rechter Gefahr" betrachtet, sondern als mindestens ebenso große Gefahr. Deshalb wollte Suworow speziell in der Zeit des Kalten Krieges vor einer Fehleinschätzung der Sowjetunion warnen.

x Habent sua fata, libelli: Im britischen Exil stets unter dem Schutz von Sicherheitsbehörden arbeitete Suworow an militärhistorischen Forschungen mit zahlreichen Veröffentlichungen, darunter sieben Bücher bis 1995. Durch die Aufsätze in einer britischen Fachzeitschrift für Militärgeschichte wurde Redakteur Gillessen von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in Deutschland auf seine Studien aufmerksam. Suworows erstes Buch "Eisbrecher" wird von ihm als sein zentrales Werk betrachtet, dessen Vorarbeiten bis 1968 zurückreichen. Es faßt auch die früher publizierten Zeitschriftenartikel zusammen. Durch eine Agentur erhielt der französische Verlag Orban als Generalunternehmer um 1989 den Auftrag, dieses Buch zugleich in verschiedenen Sprachen und Ländern zu verlegen. Wohl um ausschließen zu können, daß die UdSSR Zeit findet, seine Verbreitung wirksam zu verhindern, oder seinen Urheber verschwinden zu lassen. Das Buch erlebte bis 1995 insgesamt 87 Auflagen in 18 Sprachen. Der deutsche Verlag Klett-Cotta erwarb das Recht für die deutsche Übersetzung. Anders als bei der vorangegangenen frz. Rohübersetzung flossen in die dt. umfangreiche Prüfungen der verwendeten Quellen ein, sowie einige Informationen von dt. Historikern, mit denen Suworow teilweise persönlichen Kontakt hatte. Suworow entschied deshalb, daß diese gründlichere Übersetzung Arbeitsbasis der anderen wird. Über nachfolgende Publikationsschwierigkeiten in Deutschland berichtet eine weitere Hintergrundinformation.

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