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Nr.58: Heilskarneval

Magier Jesus auf Indienreise zum Yoga-Kurs im 1. Jh.

Nominierung

Hinrichtung eines gelangweilten Studenten: Bildzugabe unbekannter Herkunft in einem
prominent plazierten Programmhinweis
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Thema: Enthüllte Geheimnisse um Jesus auf Indienreise zum Yoga-Kurs
Quelle: TV-Reportage: ZDF-Expedition / Terra X, 22.01.06, 19,30h (www.imdb.com/title/tt0382491)
Urheber: ZDF, Redaktion Helga Lippert, Sendung verm. Jens Afflerbach, Michael Engler, Renate Beyer

Aussagen

A) Zeugnisse
Jesus hat keine Schrift hinterlassen, Aussehen und Jugend bleiben unbekannt, die Evangelien sind nur subjektive Ansichten, ihre apokryphen Versionen mit wohl unerwünschten Informationen sind zensorisch verbrannt worden. Evangelien sind sachlich falsch, weil sogar Jesu Geburt umdatierend korrigiert werden mußte.
B) Jesus
Jesus hatte geheiratet, weil ein gottesgläubiger Mann seiner Zeit Familie und Kinder haben mußte. Er hatte viele Geschwister, also war seine Geburt ohne Weihnachtsstern von natürlicher Ursache wie bei anderen Gottessöhnen der Geschichte. Jesus war unehelicher Sohn Mariens mit dem syrischen Söldner "Pantheras". Ziel seiner Mission war die Gründung einer proletarischen Hilfsorganisation für die Armen.
C) Justizfall
Die Verantwortung für Jesu Tod haben nicht Juden sondern der Römer Pilatus. Das Ausspritzen von Blut und Wasser nach dem Lanzenstich war unmöglich, weil Leichen nicht bluten. Er überlebte am Kreuz durch Yoga-Techniken im Koma bis zur Auferstehung.
D) Religionstourismus
Jesus war als Kind in Ägypten, wo er von ägyptischen Priestern das Zaubern lernte und die Aufweckung von Toten. Auf dem Weg über die Seidenstraße von Palästina bis Indien reisend begann er mit 14 Jahren eine Lehrzeit bei indischen Yogis. Der russische Forscher Notowitsch hat in einem tibetischen Kloster seine Spur gefunden. Nach der Auferstehung kehrte Jesus nach Indien zurück und ist in Srinagar bestattet worden, wo heute noch sein Grab ist.

x A-1 / Zeugnislos x B-2 / Fehlstern x C-2 / Kreuzestod x Dänikenmethode
x A-2 / Legenden x B-3 / Eheliches x D-1 / Ägyptenzauber x Fazit
x A-3 / Apokryphe x B-4 / Sozialist x D-2 / Buddhismustexte x Belege
x B-1 / Gottessohn x C-1 / Urteilsschuld x D-3 / Indiengrab

A) Zeugnisse

A1) Zeugnislos
xRedaktion: Noch immer existiert kein verlässlicher Lebenslauf des Galiläers, der mit seinem Tod die Welt veränderte. Einig sind sich die Experten nur über die einzigartige Wirkung seiner Lehre. Den Grundstein dafür legten seine Anhänger. Er selbst hinterließ kein einziges schriftliches Zeugnis. (ZDF-1)
xTheologe Robert Price: Es gibt keinen, der wie im Fall Sokrates sagt: Ich habe den großen Mann getroffen. Er hat mich beeindruckt, und sagte das und das. Wir haben nur Berichte aus zweiter und dritter Hand. (ZDF-2)

xVon den antiken Philosophen Platon und Aristoteles ist kein selbstverfaßtes Schriftstück überliefert, auch nicht von Religionsstiftern wie Buddah (Siddharta) und Mohammed. Ihre Texte sind Erinnerungen durch Schüler und Abschriften. Im Falle der Philosophen mit über 1.000 Jahren zwischen ältestem Text und Urheber, im Falle der Evangelien aber mit weniger als 50 Jahren Differenz. Kein Text des Altertums ist genauer überliefert als das Neue Testament.x(1) Dennoch zweifelt niemand daran, daß auch heutige Textfassungen z.B. platonischer Schriften gültige Zeugnisse der Lehre ihres Urhebers sind. Die christliche Idee vom Todesopfer als Sühne für die Sünden der Welt und ihr Gottesbild (Sohn/Vater/Geist) scheinen ohne früheres Vorbild zu sein. Also wird wie auch in anderen Fällen neuer Ideen auf einen Urheber geschlossen (Vergl. "Homer", Art.36). Von den oben genannten anderen Philosophen und Religionsstiftern ist ebenfalls nichts über ihre Jugend belegt durch unmittelbare neutrale Zeugen, obwohl z.B. Mohammed 600 Jahre später als Jesus in jüngerer Zeit gelebt hat. Mindestens ein Evangelist betont, die berichteten Ereignisse und Jesus selbst gesehen zu haben.x(2) Elegant wird verschwiegen, daß unmittelbare Begleiter von Jesus nicht notwendig nur Evangelien geschrieben haben, sondern wie Petrus "nur" Briefe. Soweit man einwendet, diese Texte seien spätere Abschriften, gilt das auch für alle anderen genannten Fälle und eigentlich alle Lehrer sowie historischen Persönlichkeiten der Antike. Also auch für den röm. Autor Lucius Apuleius (um 125-180 n.Chr., Bild links), den die nominierte Reportage aber dringend als indirekten Hilfszeugen benötigt für eine angebliche "Zauberer-Ausbildung" von Jesus in Äypten (Vergl. D-1).

x Der genannte Zweifel trifft auf alle antiken Gestalten zu. Über Jesu Jugendzeit wissen wir ebensowenig wie über die eines jeden anderen aus seiner Zeit in Palästina, egal, wie berühmt er war oder wurde. Wie zuverlässig eine Überlieferung alter Weisheitslehren ist, scheint nach den Maßstäben dieser Zweifel eher davon abzuhängen, wie gefällig sie dem aktuellen Zeitgeist ist.

A2) Evangelienlegende
xRedaktion: Wissenschaftler sind sich einig, dass die vier Schriften nicht auf historisch genauen Fakten beruhen. Keine entstand zu Lebzeiten Jesu. Keiner der Evangelisten gehörte zum Kreis der Jünger oder kannte Jesus persönlich. (ZDF-3)
xTheologe Robert Price: Die Evangelisten verfassten einen heiligen Text, den die Kirche benutzen konnte. Das machten sie gut, aber er bleibt Legende. (ZDF-4)
xRedaktion: Angreifbar sind die biblischen Geschichten um Jesus immer, weil es den Evangelisten nicht auf historische Genauigkeit ankam. Davon abhängig ist der zeitliche Rahmen, das Jahr Null. Berechnungen schieben das Ereignis auf das Jahr vier vor der Zeitenwende. (ZDF-5)

xLegenden: Die genannte Einigkeit der Wissenschaftler scheint sich auf einen kleinen Kreis zu beschränken, den die Redaktion der Sendung wohl nur mit Mühe finden konnte. Das Gegenteil ist häufiger und leichter zu finden, vor allem in seriöser Fachliteratur.x(3) Demnach waren zwei Evangelisten erste Missionsbegleiter von Jesus (Kind Johannes, Zöllner Matthäus), die anderen beiden zumindest aus diesem Umkreis, jedenfalls frühe Begleiter oder Schüler der Apostel. Das schlußfolgert nicht nur aus Angaben der Evangelien, sondern auch aus zeitgleichen Briefen, sowie frühesten Schriften der Kirchenväter, die entweder noch selbst um die Lebenszeit der letzten Apostel lebten, oder sich auf ursprüngliche mündliche Zeugnisse stützen konnten.x(4) Durch die Erforschung der Papyri aus dem Kloster Qumran in Palästina (Bild rechts) zeichnet sich jüngst ab, daß das Markus-Evangelium und zwei Apostelbriefe auf Urtexte vor dem Jahr 68 n.Ch. zurückgeführt werden können, unmittelbar gegen Ende der Lebenszeiten von Aposteln und Evangelisten.x(5) Im Gegensatz zu den nominierten Aussagen richtet sich darauf zur Zeit die Arbeit der Quellenforschung zum Neuen Testament. Das wird in einer Sendung der gleichen Reportage-Reihe vom August 2004 (ZDF-21) verschwiegen, wobei nicht anzunehmen ist, daß es der Redaktion unbekannt war.

Zeitverschiebung: Keines der Evangelien noch ein anderer der zahlreichen weiteren Texte des Neuen Testaments der Bibel behauptet, Jesus sei im Jahre Null geboren worden. Denn bei Niederschrift dieser Bibeltexte gab es noch keine christliche Zeitrechnung, sondern eine nach römischen Herrschern ("im Jahr X des Kaisers Y", wie in Lk 3,1). Die nachträgliche Korrektur des Nulljahres reagierte auf chronologische Fehler, die dem Mönch Dionysius Exignus (†550) unterliefen, als er Jesu Geburt als Jahr 1 einer neuen Zeitrechnung vorschlug, ausgehend von der Zeitrechnung des Römischen Reiches "ab Gründung der Stadt Rom". Sein Fehler sagt also nichts aus über die Plausibilität des Neuen Testaments als historischen Bericht. Was die TV-Sendung nicht weiß ist, daß es Datierungsdifferenzen zwischen den Evangelien zu einzelnen Ereignissen gibt. Doch diese Differenzen um etwa zwei Jahren sind in der Erinnerung jener Zeugen aus rund dreißig Jahren Distanz zu den Ereignissen in einer Zeit ohne systematischen allgemeinen Kalender und ohne Archivierung kein Nachweis für auffällige Inkompetenz bei der Gedächtnisleistung der Zeugen.x(6)

x Das enge Beziehungsgeflecht aus Textverweisen vieler früher Schriften und neue Datierungen zu Qumran erweisen die Evangelien und ihre Verfasser als Begleiter von Jesus. Das könnte nur auf eine Weise in Zweifel gezogen werden, die methodologisch unser Wissen über die Antike an sich ausradiert. Bibeltexte können auch nicht in ihrer Aussage in Zweifel geraten durch Inhalte, die im Falle des "Jahres Null" dort nicht zu finden sind.

xA3) Apokryphe
xRedaktion: Nicht mehr in der Internet-Dokumentation enthalten ist eine Angabe, wonach zur frühen Christenzeit apokryphe, also nicht in die Bibel aufgenommene Frühschriften über Jesus verbrannt worden sein sollen.

Es gibt eine lange Liste heute noch erhaltener apokrypher Schriften. (Bild links: Egerton-Evangelium f.2r.) Sie sind eine Mischung aus authentischen Zeitberichten und Erfindungen im Rausch religiöser Begeisterung
(www-user.uni-bremen.de/~wie/nt-apokrypha.html).
Wenn man annimmt, daß seit der angeblichen Verbrennung solcher Texte noch zusätzlicher Schwund aus Alter, Beschädigung und Zeitwirren hinzukam, und daß unter den verlorengegangenen Stücken Kopien von Versionen waren, die es heute noch gibt, ist schwerlich zu behaupten, eine mögliche frühe Vernichtung hätte uns wichtiger Informationen beraubt. Daß die Produzenten der Reportage so skurrile Ideen für neue Legenden und Irreführungen verpaßt haben könnten, ist vielleicht bedauerlich, aber auch nicht wichtig.

x Apokryphe Evangelien tragen nichts bei zu der Frage, wie authentisch die Berichte der Texte im offiziellen Kanon sind.

B) Jesus

1) Lateranmuseum Rom, 4. Jh. / 2) Grabtuch von Turin / 3) Mosaik St.Cosmas&Damian, Rom, 6. Jh.
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B-1) Gottessohn
x Redaktion: Auch Buddha, Alexander der Große, der Friedenskaiser Augustus und andere herausragende Persönlichkeiten hatten dem Glauben nach überirdische Väter. An der jungfräulichen Geburt des Jesuskindes jedoch kamen bereits in der Antike Zweifel auf. (ZDF-6)
x Redaktion: Zunächst also ein ganz normaler Junge - mit dem Allerweltsnamen "Jesus/Gott hilft". Er hatte Brüder und Schwestern, sprach wie alle anderen Aramäisch mit galiläischem Dialekt. (ZDF-7)
x Redaktion: Auch weiß niemand, wie der Heilsbringer aussah. So schuf sich jede Epoche ihr eigenes Bild. Die wenigen sachdienlichen Informationen gründen weitgehend auf Vermutungen. (ZDF-8)

Jungfrauengeburt: Daß Glaube an ein außernatürliches Phänomen bezweifelt wird, dürfte ab der ersten Sekunde beginnen, in der andere davon erfahren. Die Beweiskraft eines Zweifels ist aber unabhängig von der Zeitabfolge, ein antiker beweist nicht mehr als ein moderner.

Geschwister: Dazu berufen sich vor allem anglo-amerik. Protestanten auf eine Textstelle Mk 3,38 aus eigener Bibelredaktion. In der Einheitsübersetzung gibt es sie nicht, das Kapitel endet bei 3,33. In ältesten Bibelfassungen wird für "Geschwister" Jesu das griech. Wort "adelphoi" verwendet, was auch "Verwandte" bedeutet. Maria (=Miriam) ist ein häufiger Name im NT, so daß sich Verwechslungen ergeben können. Derart scheint Jesus an zwei Brüder Jakobus und Joseph/Jose gekommen zu sein. Sie waren seine Anhänger, werden an späterer Stelle im NT aber als Söhne einer Maria Zebedäus erkennbar.x(7) Laut Apokryphen sei Stiefvater Josef vor der neuen Heirat ein Witwer mit zwei Söhnen aus erster Ehe gewesen.

Bildlos: Es hätte zumindest Erwähnung verdient, daß seit mehr als hundert Jahren in der Forschung der Gesichtsabdruck von Jesus im Grabtuch von Turin (Vergl. Art.51) authentischer zur Person befunden wird als Bilder antiker Persönlichkeiten weit nach seiner Lebenszeit. Im Gegensatz zur nominierten Aussage fällt Kunstforschern auf, daß es keine wahllosen Epochenstile seines Portraits gibt, sondern daß ab dem 4.Jh. der antike Putto-Held überall durch den rezenten Typus verdrängt wird (Bild rechts). Um 170 war das Grabtuch erstmals im kleinasiatischen Edessa (türk. Urfa) aufgetaucht und öffentlich ausgestellt als "Eikon Acheiropoietos" angebetet worden (=nicht von Menschenhand gemachtes Bild).x(8)

x Das Argument inflationärer Gottessöhne ist ohne Beweiswert gegen den damit kritisierten Glauben. Unklarheiten über mögliche Geschwister Jesu können keine Zweifel an der Jungfrauengeburt eines Erstgeborenen begründen und berühren seine Botschaft nicht. Die Behauptung über Portraits in der historischen Bildkunst zeugen von Unkenntnis der Sache sowie der Forschung.

B-2) Fehlender Stern
x xRedaktion: Auch die Legende vom strahlenden Stern hält einer näheren Prüfung nicht stand. Astrophysiker identifizieren das biblische Himmelszeichen als Naturphänomen aus dem Jahr sieben vor Christus als Coniunctio Magna. Eine spektakuläre Konstellation im Sternbild der Fische, die sich nur alle 794 Jahre wiederholt. Kosmische Zeichen begleiteten schon immer die Geburt außergewöhnlicher Menschen. Überirdisches Licht hüllte Buddha ein, bei Alexander dem Großen fiel Feuer vom Himmel. (ZDF-9)

Das "überirdische Licht" hätte Buddah auf der Erde umhüllen müssen, was keinen Bezug zur Astronomie hat. Das Feuer vom Himmel bei Alexander gehört zwar zur passenden Kategorie, ist aber mit heutiger Astronomie nicht mehr überprüfbar. Als Ausnahme bleibt der "Fall Jesus", wo die Überlieferung ein Gestirnzeichen zur Zeit seiner Geburt behauptet, und wo heutige Astronomie dies auch als Gestirnkonjunktion erklären kann. Daß die damalige Antike ohne Fernrohr einen Gestirnhaufen nicht von einem einzelnen Objekt unterschied, ist für die Einschätzung der Sache sicher nicht tragisch. Neu ist die Konjunktionserklärung (Saturn+Jupiter) für das Jahr -7 nicht. Sie wurde in der Neuzeit erstmals von Johannes Kepler (1571-1630) vertreten.x(9)

x Die Angaben über den angeblich fehlenden Weihnachtsstern bestätigen ein seltenes Himmelszeichen in passender Zeit und damit argumentativ das Gegenteil von dem, was bewiesen werden soll.

B-3) Eheliches
x Redaktion: Undokumentiert in der Internet-Fassung behauptete die Sendung daß Jesus verheiratet war, weil gottgefällige Juden eine Familie gründen mußten.
x Redaktion: Panthera hat gelebt. Seinen Grabstein haben Archäologen bei Mainz auf einem Soldatenfriedhof gefunden. Er stammt aus dem 1. Jahrhundert. Dass Panthera, der 40 Jahre in der römischen Armee diente, tatsächlich der Vater von Jesus ist, halten die meisten Forscher für antichristliche Polemik. (ZDF-10)

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TIB IUL ABDES PANTERA • SIDONIA ANN LXII
(STIIIN?) XXXX MILI SIXS • COH I SAGITTARIORUM
II S I

Heirat: Das Argument beruft sich unausgesprochen auf Ps 127,3, doch schien schon damals noch größere Heiligkeit in der Ehelosigkeit vermutet worden zu sein, denn sonst müßte man sich sehr wundern, warum zu Jesu Zeit Johannes der Täufer ein großer Prophet war (Mt 11,2-19; Lk 7,18-35), der aber in der Überlieferung auch ohne eigene Familie dasteht. Wenn ein Psalm Jahrhunderte vor Jesu Geburt der einzige Nachweis seiner Heirat sein soll, braucht man sich mit diesem Argument nicht näher zu befassen.

Grabstein: Der 1859/60 gefundene Soldatengrabstein (rechts) für den römischen Hilfssoldaten (Auxiliar) namens "Tiberius Julius Abdes Pantera" wurde erst ab August 2004 ins Rollen gebracht durch einen Museumsbesuch des Judaistik-Professors James Tabor aus den USA, der mit vielen Zeitungen zusammenarbeitet, auch in Jerusalem. Er ist bereits mit unsachlicher Kritik an Gibsons Passionsfilm in Erscheinung getreten.x(10)
Die Beweiskraft des Grabsteins für einen angeblichen unehelichen Vater von Jesus hängt trotz guter zeitlicher Übereinstimmung der biographischen Daten davon ab, was einen Zusammenhang mit Jesus belegen könnte. Der im Report genannte jüd. Talmud (Sanhedrin 43a) kann das nicht, weil selbst seine nicht mehr erhaltene Urfassung nur bis in das 4. Jh. zurückreicht und also kaum noch ein solches Detail authentisch kennen kann, das sonst niemand berichtet. Der Talmud scheint sich hierbei bedient zu haben bei dem christl. Kirchenvater Origines (185-253/54) und seiner Schrift von 248 "Contra Celsum/Katà Kélsou".x(11) Der diskutiert darin eine antichristliche Hetzschrift "Alethès Lógos" (Wahre Worte) des Römers Celsus von 178. Diese ursprünglichste Quelle des Vater-Gerüchts ist nicht mehr erhalten und wird nur noch durch die Origines-Argumente erschlossen. Celsus dürfte den Namen einer auch anderweitig bezeugten Römerfamilie "Panteras" gehört haben durch seinen Freund, den syrischen Redner und Satiriker Lucius von Samosata. Die Unterstellung, eine dem Tempel geweihte Frau aus dem jüdischen religiösen Adel, Tochter eines Priesters aus dem Geschlecht Aarons (Lk 1,5-7), habe mit Soldateska der Besatzer kollaboriert und daraus einen unehelichen Sohn, muß zu damaliger Zeit im Jahr 178, als Christen meist noch Juden waren, eine besonders infame Beleidigung gewesen sein.

Bewertungsmaßstäbe: Während der TV-Report ansonsten beklagt, daß man kaum etwas Genaues über Jesu frühe Zeit weiß, eventuelle Detailangaben für parteiliche Dichtung hält, und stets zeitliche Nähe der Zeugnisse zum Ereignis fordert (Vergl. A-1, A-2) nimmt er in diesem Falle aber problemlos an, ein Grabstein in Deutschland habe Verbindung zu Jesus in Palästina, wobei die Verbindung nur in einer Tendenzschrift des 2. Jhs. besteht, von der es weder eine Urfassung noch eine Abschrift gibt. Diese ungleichen Bewertungsmaßstäbe liegen auch in anderen hier genannten Fällen vor, wo die Reportage dem bekannten Wissen widersprechen will.

x Die Behauptung, daß Jesus verheiratet war, bedarf mangels Beleg keiner Prüfung. Das Argument eines unehelichen Vaters von Jesus stützt sich nur auf ein untergegangenes Pamphlet, das fast 150 Jahre nach Jesu Tod verfaßt wurde. Der Grabstein beweist kaum mehr, als daß dieser Text den Namen einer Person verwendet hat, die es wirklich gab.

B-4) Sozialist
x xTheologe W. Stegemann: "Die Jesusbewegung ist Armenbewegung gewesen - und zwar eine Armenbewegung von Armen für Arme." (ZDF-11)Vor lauter Armen sieht man hier die Schultern nicht mehr. Zwar hatte Jesus gelehrt, daß eher ein Kamel durch ein Nadelöhr (Fenster) paßt als ein Reicher in den Himmel (Mt 19,24). Aber wenn Jesus sich nur um Mittellose bemüht hätte, um ihnen Brote und Fische zur Sättigung zu vermehren, dann wäre dabei nicht mehr herausgekommen als eine antike Suppenküche für Obdachlose. Eine Botschaft zur Erlösung der Welt muß sich an alle Menschen wenden, unabhängig von ihrem materiellen Vermögen. Das war in der Urkirche so, sonst hätte Jesus kaum den reichen Zöllner und späteren Evangelisten Matthäus aufgenommen, oder später der Arzt Lukas dorthin gefunden, der vermutlich auch nicht schlecht verdient hatte. Fischer Petrus sei laut einer jüngsten Reportage der Platzhirsch an seinem Ort gewesen mit einem für damalige Zeit luxuriösen und großen Haus in Kapharnaum am See. Paulus betonte in einem seiner Briefe, als selbständiger Zeltmacher wirtschaftlich unabhängig zu sein, und der Gemeinde "nicht zur Last zu fallen" (Apg 18,1; 2Kor 12,13-15).

x Jesus war ein schlechter Theologe, der seine Botschaft nicht auf den wichtigen Kern konzentrierte. Da sollte er also besser erstmal an einer deutschen Theologenfakultät studieren, ehe er die Welt erlöst.

C) Justizfall

C-1) Urteilsschuld
xRedaktion: Die Darstellung in der Bibel, nach der die Juden selbst den Tod Jesu forderten, entspricht nicht den Tatsachen. Vielmehr sind Brutalität und Antisemitismus des Pontius Pilatus historisch belegt. Wegen Grausamkeit im Dienst wird er im Jahr 36 strafversetzt. Das Urteil über Jesus hat er zu verantworten. (ZDF-12)

Pontius Pilatus, Giotto 1305
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Diese Ansicht wurde bereits zum Passionsfilm von Gibson intensiv in die Medien getragen (Vergl. Art.46). Der angeblich "antisemitisch-grausame" Pilatus hatte gleichwohl syrische Söldner als Soldaten engagiert wie den angeblichen Vater von Jesus (Vergl. B-3). Syrer aber sind wie Libanesen und Jordanier selbst Semiten. Das Argument dürfte vom bereits genannten medienaktiven Judaisten Tabor aus den USA geprägt worden sein, der behauptet hat, die Abberufung des Pilatus 36 erkläre sich aus seiner Unterdrückung von Samaritern in Palästina. Diese Angabe ist nur durch den Juden Flavius Josephus belegt und bezieht sich auf eine Polizei-Aktion gegen Samariter (die keine Juden waren), als sie in einer Krisenzeit zum gemeinsamen Gebet mit Waffen erschienen, was Pilatus verdächtig war.x(12) Pilatus sei nach Beschwerden der Samariter zur Berichterstattung an den Hof von Tiberius in Rom berufen worden, doch kann das kaum eine "Absetzung" gewesen sein, denn noch vor seiner Ankunft war der Kaiser verstorben. Ein Verfahren in der Sache fand wohl nicht mehr statt. Das Ende von Pilatus Amtszeit fällt zusammen mit jener des jüd. Hohenpriesters Kaiphas. Den Umzug aus der stressigen Krisenprovinz Palästina nach Gallien dürfte Pilatus als Beförderung verstanden haben. Die außerbiblische Quellenlage beweist also nicht, daß Jesus "Opfer eines Antisemiten" wurde, wie heute gerne behauptet wird. Die Kirche hat durch den Vatikan ausdrücklich klargestellt, daß laut den Evangelien Pilatus aus Opportunismus dem Drängen des jüd. Hohen Rates und der durch ihn verhetzten Volksmenge Jerusalems nachgab, selbst aber Jesu Freispruch wünschte.x(13) Das irrelevante Argument zur Schuld der Römer und zum Freispruch der Synagoge erklärt sich leichter aus Selbstdarstellungsbedürfnissen heutiger Interessengruppen als aus historischen Fakten.

x Daß die Juden Jerusalems aufgehetzt von ihren Priestern von Pilatus den Tod Jesu forderten, und daß der Römer statt dessen zum Freispruch drängte, könnte entgegen den Evangelien nur durch bessere Beweise widerlegt werden. Solange diese nicht geboten werden, bleibt der bisherige Sachstand.

C-2) Kreuzestod
x Redaktion: Dafür lassen ihn die Römer ans Kreuz schlagen. Der Verurteilte stirbt unerwartet schnell. (ZDF-13)
xAnthropologe Joe Zias: Wenn Blut und Wasser aus dem Körper Jesu ausgetreten sind, kann das nur heißen, dass er noch gelebt hat. Wenn man tot ist fließtnichts mehr. Medizinisch ist es unmöglich. (ZDF-14)
xHistoriker Fida Hassnain: Als Jesus in jungen Jahren nach Indien kam, fand er in Guru Jethanatha einen guten Lehrer. Er gab ihm den Namen Ishanatha. Als er ans Kreuz geschlagen wurde, konnte er die Funktionen seines Körper durch extreme Meditation kontrollieren. (ZDF-15)
xRedaktion: Wenn Jesus lediglich im Koma lag, dann wäre er im Grab erstickt. Nicht aber in der Gruft, von der die Bibel spricht. In den gut belüfteten Kammern könnte ein Scheintoter eine Zeit lang überleben. Und das Grab Jesu war nach zwei Tagen leer. (ZDF-16)

Lucas Cranach d. Ä.
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Unerwartet schnell: Jesus war vor der Hinrichtung mit über 100 Schlägen der Bleipeitsche gefoltert worden (Vergl. Art.45), was nur dann nicht zum Tod durch Verletzung innerer Organe führt, wenn die Vollstrecker ihr Handwerk verstehen. Zusätzlicher Blutverlust entstand durch die Dornenkrönung. Deshalb starb Jesus durch Schwäche früher als andere Delinquenten, aber keineswegs unerwartet schnell.

Medizinisch unmöglich: Das wurde kurz nach dem Ersten Weltkrieg behauptet, aber später widerlegt und aufgegeben.x(14) Der Ausfluß an der Brust war wohl ein Transsudat aus den Brustfellsäcken, das sich besonders nach Folterung, Streß und hier durch Ersticken ansammeln kann. Bei dem "Wasser" könnte es sich auch um seröse Flüssigkeit aus dem Herzbeutel gehandelt haben, welche immer vorhanden ist, auch bei Leichenstarre. Die Behauptung von Zias, daß bei Leichen "gar nichts mehr fließt" erscheint mit Blick auf Magen- und Darmfüllungen als eminent dümmlich und bezüglich der Brustraumflüssigkeiten als unbelastet von medizinischen Kenntnissen. Durch die Zwangsstellung der angenagelten und zusammengesackten Leiche am Kreuz wird angenommen, daß der zusammengepreßte Brustraum diese Flüssigkeiten unter Druck setzte.

Scheintoter Yogi: Einem vorher gefolterten Gekreuzigten wird schließlich mit einer zolldicken Lanze durch die Bauchhöhle ins Herz gestochen. Aber er überlebt auch das noch im Koma, um Tage später wieder munter herumzulaufen. Entweder konnte die damalige Hausfrauenmedizin jüdischer Klageweiber Leistungen vollbringen, die heutiger Wissenschaft noch lange verschlossen bleiben - oder man sollte sich ihre Heilkräuter etwas genauer ansehen. Sofern Yogi-Meditation das Wunder ermöglicht haben sollte, müßte man annehmen, daß die Römer Kreuzigungsstrafen für Indienreisende danach abgeschafft hatten. Wie auch immer sind sich Gerichtsmediziner und Pathologen darin einig, daß die Berichte in den Evangelien zum Kreuzestod sowie Befunde auf dem Turiner Grabtuch (Vergl. Art.51) übereinstimmen mit heutiger medizinischer Kenntnis. Die Laienbeobachtungen in den Evangelienberichten bestätigen, daß hier Augenzeugen von einem realen Ereignis berichtet haben. Jesus konnte nur als Leiche vom Kreuz heruntergekommen sein. Der Auferstehung widersprechende Meinungen lassen sich meist bestimmten Religionskulturen zuordnen. Nach der jüdisch-römischen Lesart war sie ein Leichendiebstahl, nach der islamischen die Hinrichtung eines Doppelgängers. Die TV-Reportage wählt die typisch indische Deutung, den Scheintod.

x Die Auferstehung des scheintoten Yogi Jesus stammt aus der Selbstbeweihräucherungsküche kommerzieller indischer Religionsmanager und widerspricht den Untersuchungsergebnissen von Gerichtsmedizinern zum Kreuzigungstod sowie dem Stand der Forschungsliteratur.

D) Religionstourismus

Reportage-Bild
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D-1) Ägyptenzauber
xRedaktion: Das Reich der Pharaonen galt seit alters her als Land der Wunder und der Zauberei. Seine Magier erreichten hohe Berühmtheit. Heilungen und Verwandlungen zählten dabei zu den einfachsten Übungen. Die wahren Meister der Zunft konnten selbst Tote zu neuem Leben erwecken, schwärmt der römische Schriftsteller Apuleius. Fähigkeiten, die auch Jesus besaß. Ob er sie eigens erlernen musste, bleibt ein Rätsel. (ZDF-17)

Bedauerlich, daß die wahren Meister ägyptischer Zaubererzunft ihre Fähigkeit der Wunderheilung und Totenerweckung nicht bis heute weitergegeben haben zur Senkung der Krankenkassenbeiträge. Verwunderlich, daß solche Künste durch Jesus im Gegensatz zu seinen ägyptischen Meistern ein gewaltiges Echo hinterlassen haben. Die Ägypter hatten offenbar undankbare Kunden und müssen sich geärgert haben, als ihr Schüler mehr Erfolg hatte.

x Das faktenfreie Scherzgerücht soll Bibelwunder als Taschenspielertricks erklären und ihrer Metaphysik entleeren. Es bedient lediglich Medienbedürfnisse neuheidnischer Esoteriker und bedarf keiner Prüfung.

D-2) Buddhismustexte
x Redaktion: Nicholas Notovitch verbrachte 1887 zwei Monate im Hemis-Kloster. Dort zeigte ihm der Vorsteher ein heiliges, buddhistisches Buch. Darin war Jesus als 14-Jähriger mit einer Handelskarawane nach Nordindien gekommen und lebte bei Brahmanen, lernte böse Geister auszutreiben und mit Gebeten zu heilen. Bei Anhängern von Buddha erfuhr er Erkenntnisse des Erleuchteten. Nach zwölf Jahren kehrte er in die Heimat zurück. (ZDF-18)
x Fida Hassnain: Aus dem Sanskrit erfahren wir, dass er nach Kaschmir kam und mit dem König sprach. Als der ihn nach seinem Namen fragte, sagte er: Mein Name ist Ischaputram. Und das heißt: Gottes Sohn." (ZDF-19)

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Entdeckungen: Der jüd.-russ. Kosakenoffizier und Kriegsberichterstatter (links) hatte laut eigenen Angaben den Text 1887 durch den Klostervorsteher vorgelesen, per Dolmetscher übersetzt erhalten und das mitnotiert. 1894 veröffentlichte er den Text mit eigenem Kommentar in Paris. Er sei im Jahr darauf durch den russ. Geheimdienst ohne Begründung verhaftet worden. Die Haft kann nicht lange gedauert haben, da er im selben Jahr seine Darlegungen publizistisch gegen Kritik verteidigte und im folgenden Jahr eine zweite geänderte Auflage des Buches in London besorgte.x(15)

Zweifel: Schon im Jahr nach der Buchpublikation wurde der angebliche Fund überpüft durch Angehörige der christlichen Missionsstation Morovia von Leh/Ladakh in der Nähe des Klosters, wo Notowitsch wegen einer Fußverletzung während der Reise behandelt wurde. Die Prüfung, auch durch Prof. J.A.Douglas (Government College Agra/Indien), ergab 1895, daß es in Morovia durch das Tagebuch des inzwischen verstorbenen dt. Arztes K. Marx (†1891) sowie durch den Vorsteher des Klosters keine Bestätigung für den Aufenthalt des Russen und seinen Fund gab.x(16)

Lageplan Kloster 1896 (Constable/Edinburgh)