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Sepp DeppPrämie für Falschangaben zur Geschichte
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Nr.62/b: Melac

Ein französischer Kommandeur der Brandschatzung

Themistius Aristonicus, 1689:

"Obrister Mélac […] ein rechter tyrannischer Wüterich und Unmensch […] hat auf allen Dörfern um Heidelberg alles so kahl wegbrennen lassen, daß nicht ein Schweinstall auf allen Dörfern stehen blieben. Es sind bei solcher mehr als türkischer Mordbrennerei viele Kinder, so nicht bald errettet worden, jämmerlich mitverbrannt worden. Es sind viele unter dieses […] Obristen Leute gefunden worden, welche vor solches unmenschliches brennen selbst ein Abscheu gehabt und nicht haben brennen wollen, davon dieser Tyrann unterschieden selbst ins Feur gestossen, theils auch gar erschossen. Wie nun alles zu Stumpf und Stiel verbrandt, ist er mit grossem Jauchtzen wieder nach Heidelberg kommen. Man könnte aber diesem Mordbrenner kein besseres Epithaphium setzen, als welches dem la Brosse im vorigen Kriege war nachgesetzt, welcher in der Pfaltz auch so gewütet und endlich lebendig selbst verbrandt worden: ,Weil brennen deine Lust im gantzen Leben war, so brenn nun in der Höll mit Leib, Seel, Haut und Haar.‘".

Zedlers Universal-Lexikon, 1739:

(Mélac) "Allezeit, wenn er spatzieren geritten, hatte er eine große Anzahl grimmiger Hunde um sich herum und ließ eine besondere Freude von sich mercken, wenn selbige die Leute anfielen."

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Michael Martin: Mélac!
(Stadtarchiv in Landau)
In: Die Zeit Nr. 20, 06.06.2004 (gekürzt)

Schon das Geburtsdatum liegt im Dunkeln. Um 1630 kommt Ezéchiel du Mas, Comte de Mélac, in Saint-Radegonde, 15 Kilometer südöstlich von Libourne im heutigen Département Gironde, auf die Welt. Über seine Jugend ist nichts bekannt. Fest steht, dass er sehr jung zum Militär geht. 1664 finden wir ihn als Leutnant eines Kavallerieregiments in Portugal, wo er zwei Jahre später eine eigene Kompanie bekommt. 1672, zu Beginn des französisch-niederländischen Krieges, dient Mélac in Flandern, nimmt an allen Belagerungen teil und wird 1675 zum maître de camp de cavalerie befördert. Schon hier, in diesem Feldzug, da sich die Niederländer verbissen und erfolgreich gegen die Invasoren wehren, zeigt sich Mélac als gnadenloser Krieger. "Bei Tagesbeginn", schreibt er in einem Brief an seinen Vorgesetzten, "drangen wir in das Dorf ein […]. Es wurde vollständig geplündert und fast gänzlich niedergebrannt. Wir legten das Feuer am Dorfausgang und zogen uns dann nach und nach zurück." Vier Jahre muss Mélac auf seine nächste Beförderung zum brigadier warten. Er wird Gouverneur von Schleiden, 40 Kilometer südöstlich von Aachen. Im Februar/März 1686 finden wir ihn in der Armee des Marschalls Catinat in Savoyen. Anfang April 1688 kommt der Marschbefehl zur Rheinarmee, wo Mélac dem Kommando von Marschall Jacques-Henri de Duras unterstellt wird. Im selben Jahr noch heiratet der inzwischen 58-Jährige Duras‘ Tochter Jeanne, 1691 allerdings ist er bereits Witwer.

Der Pfälzische Krieg hat begonnen. 1685 war das Haus Pfalz-Simmern mit dem Tode des kinderlos gebliebenen Pfalzgrafen Karl erloschen. Das Ende dieser Seitenlinie wäre keine Notiz wert, wenn Karl nicht der Bruder der Lieselotte von der Pfalz gewesen wäre, die wiederum mit dem Bruder Ludwigs XIV. verheiratet war und am Hofe des Königs lebte. Obwohl sie auf ihr Erbe verzichtet hatte, erhob Ludwig in ihrem Namen seine Ansprüche. Zunächst noch, immerhin drei Jahre lang, überließ der König der Diplomatie das Wort, dann sprachen die Waffen.

Bis heute ist ungewiss, ob Ludwig oder sein Kriegsminister, der Marquis de Louvois, die treibende Kraft war. Im September 1688 schlagen die Truppen los und marschieren in die Pfalz ein - ohne förmliche Kriegserklärung. Darüber hinaus dringen sie ins Rechtsrheinische vor, Heilbronn und Heidelberg werden erobert, Philippsburg, die einzige deutsche Festung am Oberrhein, fällt am 30. Oktober, Mannheim kapituliert am 10. November.

Als Untergebener des Kommandanten von Heilbronn, Joseph de Montclar, unternimmt Mélac Züge in die nähere Umgebung und sogar bis in die 120 Kilometer weit entfernte Reichsstadt Donauwörth. Die Verwüstungen, die er anrichtet, hinterlassen unübersehbare Spuren. Marbach und Schorndorf sind weitere Stationen. Zum Jahreswechsel 1688/1689, als die französischen Truppen Württemberg wieder räumen müssen, taucht Mélac in Heidelberg auf, zieht die Bergstraße entlang und ins Neckartal, die dortigen Ortschaften, darunter Ladenburg, in Schutt und Asche legend.

Auf Befehl von Louvois beginnen die Franzosen unter dem Comte de Tessé und Mélac in Heidelberg am 16.Februar mit der Sprengung des Schlosses, am 2.März wird die Stadt in Brand gesteckt, doch gelingt es den Bürgern noch, die Feuer zu löschen. Die Schlossruine (1764 durch Blitzschlag weiter zerstört) wird später von den Romantikern entdeckt und verklärt und zählt heute - wunderliche Volte der Geschichte - neben dem Kölner Dom, dem Brandenburger Tor und Neuschwanstein zu Deutschlands Wahrzeichen.

Am 8. März 1689 ist, wiederum auf Befehl von Kriegsminister Louvois, Mannheim an der Reihe. Hier, am strategisch wichtigen Zusammenfluss von Rhein und Neckar, versucht das französische Militär mit Montclar und Tessé an der Spitze, alles Leben systematisch auszulöschen und den vertriebenen Bewohnern jede Rückkehr unmöglich zu machen. Zu ihnen gehören viele Glaubensflüchtlinge aus Frankreich, die in dem liberalen Kurfürstentum Asyl gefunden haben. Sie ziehen nun weiter, etliche von ihnen nach Brandenburg.

Es ist Louvois, der im Namen des Königs befiehlt, und es ist nicht nur Mélac, der gehorcht. Doch er gehorcht besonders bedenkenlos. So ist es am Ende allein sein Name, der zum Inbegriff einer neuen Strategie der planmäßigen Zerstörung wird. Dass die Franzosen nur Prinzipien einer Kriegsführung anwenden, wie sie zuerst der kaiserliche Generalleutnant und österreichische Feldmarschall Raimond von Montecuccoli formuliert hat, wird den drangsalierten Bewohnern kaum bekannt und herzlich egal gewesen sein.

Wie weit Mélac, der 1690 zum maréchal de camp befördert wird, persönlich an den weiteren großflächigen Zerstörungen des Jahres 1689 beteiligt ist, bleibt im Dunkeln. Frankenthal, Worms, Speyer und zahlreiche Dörfer im Linksrheinischen werden in Brand gesetzt. Im Rechtsrheinischen trifft es Bretten, Maulbronn, Pforzheim, Baden-Baden und viele andere Orte mehr. In Esslingen ist die Beteiligung Mélacs verbürgt. Hier nämlich wird er selber zum Täter: Er vergewaltigt eine junge Pfarrerstochter und steht in nichts seinen Soldaten nach, die, oft genug vom Wein berauscht, ihre Opfer in jeder Art und Weise drangsalieren und quälen.

Unklar ist auch bis heute, ob hinter all diesem Terror von Anfang an ein klar definierter Kriegsplan stand. Was als lokaler Angriffskrieg gegen die Kurpfalz begonnen hat, entwickelt sich zu einem gesamteuropäischen Konflikt, in dem sich eine starke antifranzösische Koalition der deutschen Reichsstände mit England und Spanien bildet; Frankreich gerät rasch in die Defensive. Jetzt geht es Ludwig und seinen Kriegsherren vor allem darum, am Rhein eine wüste Fläche zu schaffen, die es den vorrückenden Feinden unmöglich machen soll, sich aus dem Land zu verproviantieren.

Am Ende bringt der Frieden von Rijswijk 1697 Frankreich einige territoriale Gewinne. Vertraglich abgesichert, kann LudwigXIV. Straßburg, das Elsass und vor allem Landau behalten. In ebendieser strategisch wichtigen Festung residiert seit dem Frühjahr 1693, zum Generalleutnant befördert, Mélac. Von hier aus hat er weiter die Nachbarschaft terrorisiert, bis nach Rheinhessen und Württemberg hinein. Insbesondere ist er im Mai 1693 an der zweiten und endgültigen Zerstörung der kurpfälzischen Hauptstadt Heidelberg beteiligt.

Sein Amt als Festungskommandant nimmt der Militär sehr ernst. Zu ernst für den Hof, den er mit Rechenschaftsberichten, Kommentaren, Vorschlägen und Kritik überhäuft und nervt. Rücksichtnahme auf höfische Gepflogenheiten ist Mélacs Sache nicht. Auch vor den großen Zeitgenossen wie dem Architekten Sébastien le Prestre de Vauban, dem Erbauer der Festung, zeigt er keinen Respekt. Dabei bringt er nicht nur kleinliche Kritik an, sondern durchaus sachkundige und detaillierte Verbesserungsvorschläge. Sie sind nicht gern gesehen und kommen am Hof im wahrsten Sinn des Wortes immer seltener an. Die Briefe werden abgefangen und zensiert oder gleich ganz gefälscht. Seine wenigen Gönner warnen ihn - vergebens. Mélacs Brutalität bricht immer wieder durch. Als er sechs Prostituierte zwei Tage lang nackt auf dem Landauer Marktplatz zur Schau stellen lässt und sie dann aus der Stadt jagt, handelt er sich eine königliche Abmahnung ein.

1702, inzwischen hat er schon sein Testament gemacht, muss er sich in einer neuen Situation bewähren. Der nächste Erbfolgekrieg, der Spanische, hat begonnen, und Markgraf Max von Baden belagert Landau. Vier Monate hält Mélac durch, in Erwartung eines Entlastungsangriffs aus dem Elsass, immer wieder zur Gegenattacke übergehend. Um die Soldaten bei der Stange zu halten, lässt der General sein eigenes Gold- und Silbergeschirr platt walzen, in Stücke schneiden und zu Münzen prägen, so genannte Klippen

Doch es hilft alles nichts. Im September muss Mélac kapitulieren. Inzwischen ist der erst 24jährige König Joseph, der spätere Kaiser Joseph I., eigens aus Wien angereist. Seine Anwesenheit zeigt, wie bedeutsam allen im Reich der Fall von Vaubans Festung erscheint, einer der modernsten Anlagen Europas. Ehrenvoll darf Mélac die Stadt mit seiner marschfähigen Garnison, den Leichtverwundeten und einem Teil der Artillerie verlassen. Vor den Toren paradiert der Zug an Joseph vorbei, und Mélac wird vom König empfangen. Glaubt man dem Herzog von Saint-Simon, dem berühmten Hofchronisten des Sonnenkönigs, soll Joseph den General sogar zu einem Essen eingeladen haben.

Mélac verlässt die Rheinarmee und reist nach Fontainebleau an den Hof, wenn auch keines Triumphzugs so doch, ob seines selbstlosen Einsatzes, einer Belohnung gewiss. Und tatsächlich fällt die Pension, die Ludwig seinem Mann fürs Grobe gewährt, königlich aus: 30000 Livres. Dennoch hat der General mehr erwartet: eine letzte große Beförderung. "Mélac", berichtet Saint-Simon, "außer sich vor Schmerz, zog sich nach Paris zurück. Er hatte weder Weib noch Kinder. Er lebte mit vier oder fünf Dienern und verzehrte sich bald vor Kummer in einer Abgeschiedenheit, die er durch keinen Kontakt zur Außenwelt mildern wollte." In seinem Haus in der Rue des Tournelles im heutigen 4. Arrondissement setzt Mélac Ende August 1703 ein weiteres und letztes Testament auf, ein drei viertel Jahr später stirbt er, am 10. Mai 1704.

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