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Sepp DeppPrämie für Falschangaben zur Geschichte
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Nr.63: Befreierglück

Massenselbstmord im sowjetisch besetzten Demmin, Mai 1945?

Nominierung

Thema: Die Niederlage im Zweiten Weltkrieg - Massenselbstmord unter alliierter Besetzung in der Hansestadt Demmin 1945?
Quellen:
02.05.2005 / Magazin Stern, Serie: Besiegt, befreit, besetzt - Deutschland 1945-48 / "Hysterie - Der Massenselbstmord von Demmin".(www.stern.de/politik/historie/539858.html?eid=537265&s=7&nv=ex_rt)
02.05.2005 / Bildungswerk Brandenburg der Jakob-Kaiser-Stiftung e.V. in Potsdam (Hrsg.): "Hysterie - Der Massenselbstmord von Demmin". (Zugl. Copyright des Heimatmuseum Demmin)
(www.bildungswerk-jks.de/Meine_Bilder_und_Dateien/2005.11K%20-%202.Weltkrieg%20..%20Demmin%20..pdf)
03.05.2005 / Ostberliner Netzzeitung (in der britischen MECOM Mediengesellschaft): "Vor 60 Jahren: Massenselbstmord in Demmin". (www.netzeitung.de/spezial/zeitgeschichte/336828.html)
03.05.2005 / Tageszeitung Frankfurter Rundschau: "Eine Welle aus Rache und Hass. Massenselbstmord nach Zerstörung Demmins in Vorpommern Anfang Mai '45".
(fr-aktuell.de/in_und_ausland/politik/zeitgeschichte/60_jahre_nach_kriegsende/chronik_1945/
?sid=2495ffc0722f981b60584c03dbc676ac&em_cnt=672424
)
Urheber: Axel Büssem

Aussagen

Wie nachfolgend zitiert.

Verwüsteter deutscher Grenzort im Frontgebiet, Januar 1945
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1. Hintergrund

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Frontlage
Ab dem 30.04.45 nach der Eroberung durch den Gegner begannen die sowjetischen Untaten in Demmin. Das deutsche militärische Oberkommando bemerkte Im Chaos des Untergangs davon nichts. Seine Tagebücher über die Kämpfe geben zumindest noch Auskunft über den Ereigniszusammenhang.

Nachts im Oderbruch: In der 2. Weißrussischen Heeresgruppe ("Front") war auch deren 5. gepanzerte Garde-Armee unter dem Befehl von N.E. Bersarin Anfang 1945 kämpfend über die Linie Warschau - Bromberg - Schneidmühl bis nach Stettin vorgestoßen, das bis zum 21.03. erreicht wurde. Der russ. Oberkommandierende Schukow plante, die Masse der restlichen deutschen Truppen der 11. Armee im Oderbruch über Nacht zu vernichten, durch Blenden mit Scheinwerfern und durch den Einsatz von zehntausend Rohren Feldartillerie zugleich über mehrere Stunden. Doch die deutsche Wehrmacht hatte sich in der Dunkelheit kurz zuvor aus der Flußsenke heimlich nach Westen abgesetzt und dort neue Stellungen bezogen, so daß eine der größten Granatwalzen dieses Krieges sie verfehlte. In geordneter Kampfstärke konnten die Verteidiger vor allem von den Seelower Höhen so wirkungsvoll in die dicht gedrängt zur Oder vordringenden ahnungslosen Russen herunterschießen, daß verheerende Verluste entstanden. Ein sowj. Major: "Sie brauchten nicht einmal zu zielen". Eine behördliche Bergung förderte noch 1991 kiloweise Überreste der Angreifer pro Quadratmeter aus den Ufern an der Oder. Der steile Westhang der Flußniederung mit ihrem zähen Sand blieb längere Zeit eine verlustreiche Barriere des sowjetischen Vormarsches. Schukow hatte das von ihm geplante Massaker letztlich zwar durchaus erreicht, allerdings hatte es andere Opfer gefunden als von ihm geplant.

2. Viele Tote

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Nemmersdorf
Die sowjetischen Besatzer versäumten es am Kriegsende, aussagekräftige Fotos ihrer Befreiungstaten zu hinterlassen. Es gibt sie also meist nur in Fällen, wo besetztes Reichsgebiet zeitweise wieder zurückerobert werden konnte. Etwa hier im Raum Nemmersdorf/Ostpreußen, wo im Oktober 1944 die Einwohner innerhalb von 48 Stunden sowjetischer Befreiung von ihrer Habe und mehr als 70 von der Last ihres Lebens befreit wurden. Zwei Frauen fand man beim Gasthaus "Roter Krug" in Gumbinnen an Scheunentore gekreuzigt angenagelt. Spätestens ab solchen Funden schwanden in der Öffentlichkeit eventuelle Unklarheiten darüber, was von solchen Befreiern zu erwarten war. Der auch unter Mitwirkung internationaler Beobachter erstellte Untersuchungsbericht der Wehrmacht-Untersuchungsstelle fiel im weiteren Kriegsverlauf in sowjetische Hände und ist seitdem verschwunden.

Sicher nicht gerade in bester Stimmung erreichte die dezimierte sowjetische Garde-Panzerarmee aus den Stettiner Stellungen und nach zähem Widerstand erst einen Monat später Rügen und Stralsund, einen Tag später, am 02.05., Rostock, und tags darauf schließlich Grabow, zugleich äußerster westlicher Punkt ihres Vormarsches bis Kriegsende. Auf ihrem Weg lag die alten Hansestadt Demmin an der Peene mit 15 Tsd. Einwohnern, wo bald nach dem Einmarsch die bereits vielfach erlebten Verbrechen sowjetischer Besatzung begannen.
Eine Chronologie der heute öffentlich zu Wort kommenden örtlichen Zeugen:

Vorgeschichte: Anlage eines Panzergrabens als Kampflinie, Auswechseln des seit 1911 amtierenden Stadtvorstehers durch einen NS-Parteibeamten.
Montag, 30.04.45
- Mittags: (Heinz-Gerhardt Quadt:) Annäherung russ. Panzerspitzen. Übergaberhandlungen für Demmin gegen Zusicherung der Unversehrheit. (Arnim Gärtner:) Drei sowj. Parlamentäre der Verhandlungen bis heute unbekannten Inhalts wurden am Panzergraben erschossen, darunter ein übergelaufener dt. Offizier.
- Nachmittag: Einmarsch der Roten Armee, die vor den Flüssen steckenbleibt. Ein StR Gerhard Moldenhauer habe auf vorbeiziehende Russen geschossen, nachdem er seine Familie tötete und anschließend sich selbst. Eine halbe Stunde später: Sprengung aller Brücken durch Sicherungseinheiten der Wehrmacht.
- Nacht: (Fred Mrotzek:) Ausschreitungen der Sowjets gegen die Stadtbewohner. Plünderungen, Vergewaltigung von Frauen jeden Alters, Erschießung von Renitenten.

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Ham'se mal die Uhrzeit?
Eine typische Straßenszene im sowjetisch befreiten deutschen Osten im Frühjahr 1945. Die russischen Soldaten tragen Ausgehuniformen, waren also keine Kampftruppen.

(Quadt:) Der Apotheker am Markt habe auf einer Siegesfeier Sowjetoffiziere mit vergiftetem Wein getötet, seine Familie und dann sich selbst. (Die Stadt Demmin widerspricht dem unter Berufung auf Historiker, vermutlich A. Beevor)
Dienstag, 01.05.45
(Quadt:) Weitermarsch der Panzerarmee über Notbrücken. Verbleibende Sowjetsoldaten zünden das Stadtzentrum an und verbieten drei Tage das Löschen.
Danach: weitere Ausschreitungen, Tötungen und Selbstmorde. Bestattungen der Opfer in Massengräbern unter Betreuung durch den örtlichen Pfarrer. Die christlichen Kirchen hatten bis dahin die Bestattung von Selbstmördern auf geweihten Friedhöfen verweigert. Der Friedhof mit 35 Seiten Eintragungen zu den Gewaltopfern hat bis heute kein Denkmal. Lediglich einen Findling mit der Inschrift "Freitote, am Sinn des Lebens irre geworden".

3. Alles unklar

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Auch diese
Ein anderer Fall zurückeroberten russischen Besatzungsgebiets war im Oktober 1944 Metgethen in Ostpreußen. Auch dort waren die Opfer keineswegs in den Freitod gegangen, was aber das Ende ihres Lebens nicht hinausschob, sondern seine Leiden verlängerte. Ein Sowjetsoldat im Brief nachhause: "Von den Deutschen sind nur Greise und Kinder da, junge Frauen sehr wenig. Doch werden auch diese totgeschlagen." (BA-MA H 3/1177)

Die genauen Fakten des Ereignisses sind vorläufig nicht mehr ermittelbar. Neben ungezählten Leichen in Massengräbern gibt es nur noch unübersichtliche und teilweise widersprüchliche Zeugenangaben Überlebender. Die russische Seite hat sich bislang zur Sache nicht geäußert, auch sind keine behördlichen Ermittlungen einer beteiligten Seite bekannt. Die DDR hatte bis zu ihrem Untergang die öffentliche Beschäftigung mit dem vertuschten Ereignis verhindert, woran sich bis heute wenig geändert hat. Auch Gewissensnöte hindern Überlebende heute noch daran, ihre Erfahrungen mitzuteilen. Was im Medienbetrieb dazu diskutiert wird, ist oft geprägt von beschränkter Kenntnis der Sache, ersetzt durch voreilig betonte Meinungen zur Beschönigung alliierter Kriegsverbrechen. Sofern Zeugen oder Chronisten in diesem Medienbetrieb als Berichterstatter ausgewählt werden und zu Wort kommen dürfen, hat das zuweilen seinen guten Grund.

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Endlich befreit
Auch diese betagte Bäuerin aus Ostpreußen wurde vom Glück überwältigt, als sie zur Jahreswende 1945 jenen bis heute unbekannten sowjetischen Befreiern begegnete, welche ihre lange Knechtschaft im Dritten Reich kurzfristig aber zuverlässig beendeten.

Opferzahlen: Auch die genaue Opferzahl des Massenselbstmords muß bislang dahingestellt bleiben. Wie derzeit noch häufig zu finden, werden die eigenen Opfer alliierter Verbrechen regelmäßig Gegenstand von Zahlentricks. Wie hier schon erwähnt zum Fall Dresden. In Demmin werden es etwa 900 zivile Opfer der sowjetischen Übergriffe gewesen sein, so viele, wie im Friedhofsbuch auf 35 Seiten erfaßt sind. Es könnten aber auch bis zu 2.500 sein. Welche der Opfer in den Gräbern des Bartholomäi-Friedhofs Selbstmord begingen, oder vielmehr von Besatzungssoldaten umgebracht wurden, ist heute unklar. Es könnten sich alle selbst getötet haben, aber auch alle umgebracht worden sein. Ob die Bestatteten sämtliche Opfer sind, ist ebenso unklar. Nachdem die Sowjets die Innenstadt von Demmin angezündet und das Löschen verhindert hatten, könnten viele Leichen durch Brände vergangen sein. Ob die Flüsse um die Stadt alle wieder hergaben, die sich darin ertränkten, muß ebenso offen bleiben. Auch, ob im Friedhofsbuch alle Begrabenen erfaßt sind, oder nur identifizierte Leichen. Wie üblich stauten sich auch in Demmin seit dem Herbst 1944 Flüchtlinge aus östlicheren Gebieten auf der Flucht vor der Roten Armee, geschätzt in der Anzahl der damaligen Stadtbewohner. Wieviele Flüchtlinge durch Gewalttaten der Sowjetsoldaten oder durch Selbstmord umgekommen sind, zählt ebenfalls zu den Unsicherheitsfaktoren einer Einschätzung der Vorgänge. Die für entsprechende Parteigänger erfreulich nebulöse Berichtlage kann jedoch die vielen Toten nicht verleugnen und könnte unbequeme Fragen provozieren. Der nominierte Medienbeitrag sah sich vielleicht deshalb veranlaßt, hier helfend einzugreifen, als zum runden Jahrestag 2005 und nach einer Gedenkveranstaltung des Volksbundes Kriegsgräberfürsorge das Thema in sozusagen unbefugte Hände zu geraten drohte, oderdie Errichtung eines Denkmals, das nicht zu den vielen anderen verordneten Stils und Inhalts paßt.

4. Argumente

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Zuständigkeit
Der für die Verbrechen in Demmin damals mit zuständige Kommandeur der 58. Division in der 5. sowjetischen Garde-Armee, einer der möglichen Befehlsgeber hinter der Brandschatzung, hier am 25.04.45 beim Siegestreffen mit Amerikanern bei Torgau an der Elbe.

1) Wie nach mittelalterlichem Kriegsrecht wurde die pommersche Stadt Demmin nach ihrer Eroberung durch die Sowjetarmee im Mai 1945 zur Brandschatzung freigegeben.

Das Kriegsrecht als unkodifizierter Brauch hatte sich seit dem Mittelalter sowie den Haager und Genfer Konventionen deutlich geändert. Die Sowjetunion hatte diese Abkommen nicht ratifiziert, erklärte aber, sich ihren Maßstäben verpflichtet zu fühlen, und verwendete sie auch für eigene Anklagen in den Nürnberger Tribunalen. Auffällig ist, daß im ganzen nominierten Medienbericht der Begriff "Kriegsverbrechen" für die Taten der Roten Armee in Demmin nirgendwo verwendet wird. Der Bezug auf das Mittelalter und einen Begriff, der "Recht" enthält, ist also ein Versuch, diesen Taten einen irgendwie noch legitim erscheinenden Anstrich zu geben. Im Kontrast dazu steht, was heute noch Werturteile von Presse-Kommentaren inspiriert über Einsätze der deutschen Armee des Weltkriegs in besetzten Gebieten zu Stichworten wie etwa Fossa Ardeantina, Lidice, Oradur, etc.

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Wahre Propaganda
Eines der zeittypischen Kriegsplakate in einem Schaufenster von Breslau 1945. Im Bild links unten das damals bekannte Profil einer Nagelsohle von Mannschaftsstiefeln der Wehrmacht mit Hufeisen-Absatz. Die Plakate blieben nicht ohne Wirkung. Die eingeschlossenene Stadt kapitulierte erst zum letzten Kriegstag, als die Front bereits an der Elbe stand. Das noch weiter im Osten gelegene Königsberg, seit Jahresbeginn von Sowjets eingeschlossen, stellte die Kämpfe erst zwei Tage nach der deutschen Kapitulation ein am 09.05.45.

2) Die Panik der Bürger mündete in einer beispiellosen Selbstmordwelle.

Entsprechend ist dieser Beitrag im Magazin "Stern" und bei der Bildungsstiftung unter "Hysterie" thematisiert. Beide Begriffe bezeichnen irrationales Verhalten, vor allem eingebildete Ängste und sinnlose Kurzschlußreaktionen. Wie bis heute auf dem Stein über den Toten so schön geschrieben steht, sind diese Leute also anscheinend einfach nur "irre geworden". Nach unzähligen Todesopfern sowjetischer Barbarei im Vormarsch nach Westen seit Ende 1944 ist es jedoch tatsächlich eher geistesgestört, für Angst vor diesen Truppen noch solche Bewertungen zu verwenden. Die Berechtigung der Furcht war schon damals öffentlich bekannt anhand drastischer Beispiele des Zeitgeschehens. Man kann auch nicht behaupten, oder mit dem Hysterie-Begriff zurecht unterstellen, die Bürger Demmins hätten keine eigenen Erfahrungen mit sowjetischen Truppen gemacht. Zweck solcher heutigen Meinungsmache ist unverkennbar, die Schuld für die Gewalttaten den Opfern anzudichten und Fragen nach den Tätern zu verhindern. Die Demminer Toten wären demnach inmitten freundlicher und liebenswürdiger Sowjetsoldaten Opfer deutscher Kriegspropaganda geworden, die sie schließlich wie ein Nachtgespenst in den Wahnsinn trieb. Wie A. Beevor allerdings in sowj. Archiven fand, gaben Frauen nach mißglücktem Selbstmordversuch und befragt durch sowjetische Sicherheitsdienste an, daß sie die auch ihrerseits nicht ganz ernst genommene deutsche Propaganda in ihrer Stadt 1945 leider nur allzu bestätigt gefunden hatten.

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Mausefalle?
Hatte eine feige deutsche Wehrmacht hilflose Zivilisten Demmins auf der Flucht vor der strafenden Gerechtigkeit einfach im Stich gelassen? Das glaubt nur, wer die Ortslage nicht kennt.

3) Was der genaue Anlass für die Ausschreitungen der Soldaten war, ist bis heute umstritten. Norbert Buske, der für die Landeszentrale für politische Bildung (...) ein Heft über die Zerstörung Demmins verfasste, zählt mehrere Gründe auf: Die abziehenden deutschen Truppen hatten die Brücken (...) gesprengt, so dass die Rote Armee (...) nicht weiter konnte und sich so viele Truppen in der Stadt stauten.

Es ist üblicher Brauch in den Medien der möglicherweise nicht souveränen deutschen Nachkriegsstaaten, Kriegsverbrechen der alliierten Sieger zumindest zu relativieren, wenn sie derart offenkundig sind wie mit den Gräbern in Demmin. Zur Relativierung werden meist Ursachen konstruiert, die solche Verbrechen als vermeintlich unumgänglich erscheinen lassen durch Taten der eigenen Seite. Daß aber die dt. Wehrmacht den verfolgenden Russen freundlicherweise die Brücken zum bequemen Übergang mit trockenen Füßen hinterläßt, und damit sich auch ja keine sowjetischen Panzer unnötig aufstauen, deren ärgerliche Besatzungen unvermeidlich Einwohner belästigen müssen, ist doch eine etwas wahnwitzige Vorstellung. Da hätte man die Sowjets auch gleich bis Portugal und England durchwinken können, und so den späteren Kalten Krieg vermieden. Die Bürger Demmins und die Flüchtlinge aus dem Osten hätten trotz der zerstörten Brücken bis zur letzten Minute vorhandene Fluchtmöglichkeiten nutzen können, waren also offenbar aus eigener Entscheidung am Ort geblieben. (Info-Kasten "Mausefalle"). Nach einer wirksamen Verhetzung durch eigene Kriegspropaganda sieht dieser Befund ebenfalls nicht aus. Sollte allerdings Verkehrsstau ein gültiger Grund sein, eine Stadt so zu brandschatzen und zu terrorisieren, wäre das eine interessante Anregung für heutige Kraftfahrer, die auf bessere Verkehrsbedingungen nicht mehr nur hoffen wollen.

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Haßparolen
Das bis heute gängigste Argument zur Beschönigung der sowjetischen Kriegsverbrechen ist ihre Rechtfertigung als Summe langjähriger Erlebnisse mit angeblich selben Verbrechen der deutschen Gegner auf russischem Gebiet.
Doch schon kaum ein Jahr nach Kriegsbeginn wurde im Sommer 1942 das Flugblatt Nr. 228119 der UdSSR an ihre Soldaten verteilt. Unter dem Titel "Töte!" stachelte darin Ilja Ehrenburg, der angeblich nur ein beliebiger jüd.-russ. Journalist war, die nun mal so ihre Privatansichten haben, Sowjetsoldaten zu völkischem Haß gegen Deutsche auf. Ehrenburg bekräftigte ferner offiziell auf Papier des russ. Staates, "daß es nichts Lustigeres gibt als deutsche Leichen", weshalb "das Land der Faschisten zur Wüste werden muß", um dann "den letzten Fritz im Zoo auszustellen".

4) Der Hass und die Gewalt der sowjetischen Soldaten kamen nicht von ungefähr. Bei ihrem Vormarsch durch ihr zerstörtes Land sahen sie, welche Verbrechen die Deutschen dem russischen Volk angetan hatten.

Dies ist also die zweite typische Methode zur Relativierung gegnerischer Kriegsverbrechen durch den eigenen Staat. Die Konsumenten dieser Medienprodukte sollen den Eindruck gewinnen, daß selbst vernünftige Menschen die Fassung verlieren müssen, wenn sie zuvor schlimme Verbrechen jener Gegner erleiden mußten, mit denen sie dann später bedauerlicher- aber gerechterweise etwas hart umgesprungen sein könnten. Dagegen spricht jedoch, daß Staat und Armeeführung dieser russ. Soldaten schon vor der Zeit, als solche angeblichen früheren dt. Verbrechen geschehen sein sollen, die Aufstachelung zu völkischem Haß gegen die Feinde als Waffe eingesetzt hatten. Der zum Nachweis dt. Verbrechen gerne genannte "Kommissarbefehl" des OKW, demnach solche Personen bei jeder Art von Aufgriff zu erschießen seien, hätte Sowjetsoldaten kaum erschüttert oder bewegt. Schließlich hatten diese Sowjet-Kommissare seit Kriegsbeginn sie selbst, also eigene Soldaten, skrupellos erschossen, wenn sie nicht den nötigen Willen zeigten, ohne ausreichende Bewaffnung gegen die deutschen Angreifer zu stürmen. Dieser Sowjetstaat hatte außerdem selbst einen eigenen Angriff auf diesen Gegner geplant und seit Jahren vorbereitet (Vergl. Art.50), war also keineswegs das friedliche Opfer, als das es heute gerne dargestellt wird.

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Beschwerden
Bereits 1945 wurde auch innerhalb der Roten Armee in einem Bericht auf die Kriegsverbrechen der eigenen Truppe hingewiesen.

5) Um sie (die russ. Soldaten) zu motivieren, bis nach Berlin weiter zu marschieren, habe ihnen die Armeeführung reiche Beute versprochen. Der Besitz der besiegten Deutschen sei zur Plünderung freigegeben worden, die Frauen zur Vergewaltigung.

Es ist argumentationstechnisch einigermaßen unglücklich, im selben Text einerseits die Schuld an den unstrittigen Verbrechen durch die Kriegssieger in Demmin ursächlich deren Opfern zuzuweisen (Vergl. 2, 3), zugleich aber einzugestehen, daß diese Untaten von den Siegern beabsichtigt waren. Das paßt nicht gut zusammen. Nebenbei erfahren wir auf diese Weise, daß die Führung der Roten Armee Grund zu der Annahme hatte, daß sich die Ausübung von Kriegsverbrechen bei ihren Soldaten stets anspornend und leistungsfördernd für den Diensteifer auswirkt. Das muß nicht nur die heute noch lebenden Veteranen dieser Armee peinlich berühren, sondern auch grundsätzliche Fragen zur Führung der Roten Armee aufwerfen.

Fazit

Zumindest die zuletzt erwähnten Grundsatzfragen über die Führung der Roten Armee im Zweiten Weltkrieg brauchen ausnahmsweise nicht mehr gestellt zu werden. Da sie schon beantwortet sind durch Ereignisse in Demmin im Frühjahr 1945, gibt der hier nominierte Text weniger Auskunft über die Fakten und Hintergründe dieser Ereignisse, als vielmehr über das fragwürdige geistige Milieu, in dem er heute ausgebrütet wurde. Daß gezielt dieser Text von einer öffentlich-rechtlichen Stiftung und im Heimatmuseum der Stadt ausgerechnet dort zur Massenverbreitung ausgewählt wird, wo die Untaten der Kriegssieger verübt wurden, und daß er schließlich noch eine Kometenbahn durch Printmedien des selben Landes zieht, dürfte ein für moderne Kulturstaaten beispielloser Vorgang sein. Ebenso, daß es bis heute noch immer Versuche gibt, eine Zeit sinnlosen Terrors der Sieger des Zweiten Weltkriegs mit Millionen ziviler Opfer der Verlierer als "Befreiung" verkaufen zu wollen an die Opfer und ihre Hinterbliebenen. Diese Erscheinungsform von Wahnsinn ist sicherlich noch nicht ausreichend psychatrisch erforscht, im betroffenen Staat allerdings symptomatisch. So gesehen hat die derzeitige Gedenkinschrift an der Ruhestätte der Toten von Demmin letztlich doch noch einen nahezu hellseherischen Hintergrund.

Verwendete Literatur

Beevor, Antony: Berlin - The Downfall 1945. Penguin Books, 2002 (www.antonybeevor.com/)
Buske, Norbert (Hrsg.): Das Kriegsende in Demmin 1945. Berichte Erinnerungen Dokumente (Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern. Landeskundliche Hefte), Schwerin 1995
Cuba, L./Koch, E. (Hrsg.): Gedenkstätte der Befreiung auf den Seelower Höhen. Berlin 1985
Freund, Michael: Deutsche Geschichte. Gütersloh 1960
Jacobsen, H.A/Dollinger, H. (Hrsg.): Der Zweite Weltkrieg in Bildern und Dokumenten. München-Wien-Basel 1962.
Michaelis, Herbert e.a.: Der Zweite Weltkrieg. Bilder, Daten, Dokumente. Gütersloh 1968
Mühlfenzl, Rudolf (Hrsg.): Geflohen und vertrieben. Augenzeugen berichten, Königstein/Ts. 1981
Nawratil, Heinz: Schwarzbuch der Vertreibung 1945-1948, München 1999
Shilin, Pawel (Hrsg.): Über die Vergangenheit im Namen der Zukunft. Der Zweite Weltkrieg: Ursachen, Ereignisse, Lehren. Moskau 1985 - Kap. 3: Die Befreiungsmission, S. 66-94.
Zayas, Alfred M. de/Rabus, Walter: Die Wehrmacht-Untersuchungsstelle, München 1979.
Zentner, Ch.(Hrsg.): Das Dritte Reich. Sammeldokumentation zur Zeitgeschichte, Bd. 4. Hamburg o.J. ca. 1975

Netzquellen

Demmin, Stadtverwaltung: "Stadtinfo".
(
www.demmin-informativ.de/stadtinfos.html)
Detering, Rainer: "Demmin". (Ein Beispiel für die weiterhin präsente Verbreitung einer alten und inhaltlich angreifbaren Version des heute geänderten Artikels per XML-WikiPedia)
(
www.infobitte.de/free/lex/wpdeLex0/online/d/de/Demmin.htm)
Tensing, Eva: "Braunes Gedenken an Massenselbstmord in Demmin - Nazizug durch die Stadt fiel ins Wasser." IMC Indymedia 06.05.2006 (Hetzpamphlet ökologisch-alternativer Globalisierungsgegner)
(
indymedia.org/fr/2006/05/838850.shtml)
Sonntag, F.W.: "Massenselbstmord in Demmin", ARD/MDR, 23. September 2003, Red. "FAKT",
(
www.mdr.de/fakt/aktuell/949223.html)
Zimmer, Gisela: "Erinnerungen für die Zukunft", Norddeutscher Runkfunk, Radio Meckl.-Vorp., (
www.ndr1radiomv.de/programm/erinnerungen/vor_der_teilung/ndr1250.html)
Veröffentlichung: Februar 2008
+Nr.62: Ermordeter KriegNr.64: Falscher Hase+
 
15.10.2018-21 Impressum 1,86
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System: PUBLIU
Sepp Depp: Prämie für Falschangaben zur Geschichte: Redaktionell ausgewählte Webseite auf onlinestreet.de
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