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Nr.66: Publikumsverkohlung

Radiokarbon-Datierung des Turiner Grabtuchs aus dem 1. Jh.

Nominierung

Thema: Altersdatierung des Grabtuchs von Turin
Quelle: Wikipedia, Textfassung vom 08.02.2011 (Netz)
Urheber: anonym, Gruppenerzeugnis

Aussage

Die als Grabtuch von Jesus in Turin verehrte Reliquie wurde 1988 durch eine Radiokohlenstoff-Untersuchung auf ihr Materialalter bestimmt. Obwohl schon andere Indizien ein antikes Alter belegten, meinten Radiologen, das Tuch definitiv auf das Spätmittelalter datieren zu können. Nachfolgende langjährige Diskussionen erwiesen zahlreiche Ungereimtheiten. Diese Altersbestimmung gilt inzwischen als falsch im Ergebnis - aber:

"Eine eingehende Untersuchung der Statistik der Radiokohlenstoffresultate des Turiner Grabtuches durch J. A. Christen führte jedoch zum Resultat, dass das ermittelte Radiokohlenstoffalter aus statistischer Sicht korrekt ist."

1. Untersuchungsplanung

xDas Testprinzip: Der 1946 entwickelte Radiokarbontest nutzt die Erkenntnis, daß chemische Elemente am gleichen Ort (="Isotop") Atome unterschiedlicher Bauart haben. Stoffe, die aus lebenden Organismen stammen, enthalten immer Kohlenstoff, der grundsätzlich alterungsstabil ist und auch bei ältesten Proben untersucht werden kann durch Verbrennen und Verkohlen der Probe. Kohlenstoff besteht aus den Isotopen C12, C13 und C14, wobei die Zahl das unterschiedliche Kerngewicht kennzeichnet aus der Anzahl der Protonen und Neutronen (links). Solange ein Organismus lebt, haben seine Kohlenstoff-Varianten 12-14 stabile Anteile, weil sie in dieser Mischung durch den Stoffwechsel aus der Umwelt laufend weiter aufgenommen werden. Nur die Variante C14 ist nicht altersstabil, sondern radioaktiv. Sie zerfällt in gleichmäßiger Abfolge, hier mit einer Halbierung ihres Anteils pro 5730 Jahren. Enden Leben und Stoffwechsel des Organismus, hier schließlich durch Verarbeitung der Leinpflanze zum Wäschetuch, verschwindet der Anteil C14 allmählich und ist jene innere Taktuhr, die zur Datierung des Gegenstands verwendet werden kann.

xHolperige Vorbereitungen: Planungen für einen Kohlenstoff-Test am Turiner Grabtuch zogen sich hin über eine Konferenz in Trondheim im Juli 1985 bis zu letzten Änderungen der Pläne im Veranstaltungsjahr eines Grabtuch-Kongresses 1986. Von den ursprünglich geplanten sechs, dann sieben Testlaboren blieben schließlich nur noch drei und von den drei geplanten Auswertungsstellen nur zwei: das britische Museum in London und das metereologischen Institut in Turin (Colonnetti-Institut). Selbst die drei beauftragten Institute protestierten unter dem 01.07.87 brieflich gegenüber dem Turiner Kardinal wegen dieser Auswahl aus Sorge um die öffentliche Anerkennung des künftigen Testergebnisses und ihrer Arbeit. Jener Kardinal, Anastasio A. Ballestrero (1913-1998, rechts), war schon nach der Grundschule in ein Karmeliterseminar gekommen und im Alter von 15 Jahren Mönch geworden. Über Jahre war er Vorsitzender der italienischen Bischofskonferenz sowie als Kustos zuständig für das Grabtuch. Nach Fehlentscheidungen bei der Planung der Altersuntersuchung legte er schließlich im folgenden Jahr auf dem Höhepunkt der Auseinandersetzungen sein Amt aus Gesundheitsgründen nieder im Alter von 76 Jahren. Erst dann betonte er in einem Zeitungsgespräch, daß er dieses Grabtuch als echt einschätze, und daß die (auf sein eigenes Betreiben) beauftragten Labore mit mangelnder Sorgfalt gearbeitet hatten.x(1)

xStreitereien: Carlos Chagas, der Vorsitzende der päpstlichen Akademie der Wissenschaften und des Grabtuch-Kongresses von 1986, wurde während der Planungen und nach zunehmenden Streitereien vom Vatikan abberufen. Hintergrund scheint gewesen zu sein, daß jenes Grabtuch in den Besitz der Päpste überging durch den Tod und die Testamentsverfügung des vormaligen Königs von Italien, Kronprinz Umberto II. (1904-1983, links) im Exil von Portugal. Der wissenschaftliche Berater des Turiner Kardinals, der Metereologe Luigi Gonella, verlor damit seine direkte Zuständigkeit und scheint auch in destruktiver Weise darauf reagiert zu haben. Die päpstliche Akademie blieb aus bis heute unbekannten Gründen von den geplanten Untersuchungen und der Auswertung des Ergebnisses ausgeschlossen.

Außenseiter an die Front: Es war der Turiner Kardinal, der schließlich jene drei Labore als Beauftragte durchsetzte, die vor allem nicht durch beste Erfahrungen mit der Untersuchungsmethode ausgewiesen waren. So hatte etwa das Züricher Institut im Test-Probelauf ein 50 Jahre altes Tischtuch auf 350 Jahre Alter datiert, ihre Kollegen im amerikanischen Tucson datierten ein Kuhhorn der Wikinger auf 18 Jahre in der Zukunft. Solche Auffälligkeiten kamen entweder nicht in die Protokolle, oder bagatellisiert in ihrer Bedeutung für das Untersuchungsverfahren.x(2) Das Oxforder Labor war eine Neugründung, und ihr Direktor Hall eigentlich ein Londoner Finanzmann in der Juwelierbranche sowie technischer Tüftler, der neue Apparaturen entwickelte hatte, stets an allem interessiert, was sein neues Institut bekannt macht.x(3) Labore mit tatsächlich erwiesener Kompetenz waren damals die von Rochester unter Prof. Gove, einer der Erfinder des Radiokarbon-Verfahrens, sowie die von Brookhaven (Harbottle) und Harwell. Es war schon damals unverständlich, warum statt erfahrener Institute Außenseiter gewählt wurden.x(4) Die Probenentnahme gelang wegen zahlreicher Differenzen bei der Planung auch nicht bis zum Mai 1987, sondern erst ein Jahr später.

x Die Altersuntersuchung war überschattet von persönlichen Interessen und Rivalitäten. Ein Karmelitermönch als Turiner Kardinal eher schlichten Geistes hatte sich gegen den Rat von Fachleuten mit Entscheidungen festgelegt, die über seine persönliche Urteilskompetenz hinausgingen, und die er später bedauert hat. Das 1988 bereits vier Jahrzehnte praktizierte Meßverfahren wurde schließlich gezielt von solchen Instituten durchgeführt, die nicht durch Erfahrung und sachliche Kompetenz in diesem Fachgebiet etabliert waren und während der Voruntersuchung zweifelhafte fachliche Leistungen zeigten.

2. Die Probenentnahme

xApril 1988: in der Sakristei von Turin wurde am 21. April ab 04,30 Uhr die Probe entnommen, beaufsichtigt durch den Kardinal, durch Michael Tite vom British Museum als leitender Koordinator, sowie durch Vertreter der drei Labore und italienischer Institutionen als Beobachter. Die Entnahmestelle am Tuch wurde entsprechend den 1986 vereinbarten Grundsätzen am selben Tag festgelegt durch Gonella sowie den Mikrobiologen Giovanni Riggi die Numana (1935-2008, rechts), welcher die Probe schließlich herausschnitt. Im Untersuchungsbericht hieß es später, die Regeln der Probenentnahme und Auswertung seien im Januar des Jahres in London mit den Vertretern der drei Labore vereinbart worden, wozu der Turiner Kardinal seine Zustimmung gab.x(5) Riggi war auf Empfehlung von Gonella in diese Aufgabe berufen worden, und hatte schon 1978 bei einem früheren Projekt (STURP) an Untersuchungen teilgenommen. Aus dem linken Rand, nahe einer alten Reparatur, entnahm er das Tuchstück. Um 13 Uhr erhielt der Kardinal als Kustos eine Hälfte der Probe, die andere wurde in drei gleiche Teile zerlegt zur weiteren Untersuchung in den Laboren. Bis 20 Uhr folgten Probenentnahmen der Blutspuren auf dem Tuch.

Die Schnittstelle:
Materialdaten der Textilprobe werden je nach Quelle unterschiedlich angegeben. Im Untersuchungsbericht der Labore hieß es später, es sei unten am Tuch die Trägerleinwand gelöst worden und ein Streifen von etwa 70 x 10 mm entnommen worden, also 7 cm², nahe der Stelle, wo bereits 1973 der belgische Textilkundler de Raes eine Probe erhob. xAus dem Streifen seien drei Abschnitte von je 50 mg Gewicht an die Labore überlassen worden. Diese Proben seien jeweils zusammengestellt worden mit drei zusätzlichen Blindproben aus Textilmaterial unterschiedlich alter anderer Gräber. Nach den festgelegten Regeln sollte keines der Labore wissen, welches der zugesandten Probestücke vom Untersuchungsgegenstand stammt. Erst die Auswertung ihrer Tests durch M. Tite im British Museum in London und im Institut in Turin hätte dann die Altersbestimmung leisten sollen. In Behältern verpackt wurden die Proben in Turin durch Tite.x(6) Man hat später anhand der Video-Aufzeichnungen rekonstruiert, welches Stück an wen ging. Die helle Fläche im Bild links ist das eingesetzte Flickstück aus alter Reparatur, unten rechts die von de Raes 1973 entnommene erste Probe. Es folgt rechts daran anschließend der lange Außenrand (ohne Kennzeichnung), der Jahre später im Privatbesitz von Riggi und Gonella gefunden wurde. Als "Retained" ist jene Hälfte bezeichnet, die in den Besitz der Turiner Kardinäle ging.

xProbensouvenire: Probenschneider Riggi berichtete kurz nach der Entnahme in einer italienischen Fachzeitschrift, er habe 81x16 mm, also 13 cm² entnommen, die er anschließend auf jenes Format setzte, das der Untersuchungsbericht nennt.x(7) Aus anderen Quellen weiß man, daß die Fläche der Probe tatsächlich noch größer war.x(8) Die Schnittreste (A) behielt er in seinem Privatbesitz. Der Arzt Garza-Valdes aus San Antonio/USA erhielt im April 1993 einige Fasern davon zur Untersuchung. Auf einer Konferenz desselben Jahres in Rom berichtete er, das Material mit einer regelrechten Speckschicht an Verschmutzungen gefunden zu haben, die für ihn die irrige Datierung erklären. Kardinal Saldarini, Nachfolger von Ballestrero in Turin, bestand ihm gegenüber in einem Brief darauf, daß diese Probe kirchlich nicht autorisiert sei, und verlangte ansonsten auch von allen anderen die noch vorhandenen Tuchstücke zurück. In einem TV-Gespräch hatte er im Januar zuvor bezweifelt, daß sie überhaupt vom echten Grabtuch stammen. Auch Gonella wurde später im Privatbesitz von Stücken der Probe gefunden. xWie der britische Forscher I. Wilson in einem unveröffentlichen Privatdokument im Oktober 2008 berichtet, erfuhr er von Ray Rogers in den USA, dieser habe von Gonella im Dezember 2003 ebenfalls solche Turiner Leinenproben erhalten. Es stellt sich die Frage, wieviele solcher Funde noch zu erwarten sind, und was schließlich als Probe untersucht worden ist.x(9)

Gewichtprobleme: Das durchschnittliche Gewicht des Tuches (rechts, Blutfleck als Abdunklung) war in vier separaten Untersuchungen materialkundlich bestimmt worden (A. Timossi, G. Raes, R.A. Morris, G. Riggi). In einer Spannbreite zwischen 20 und 25 mg der Einzelproben aus der Entnahme von Raes 1973 errechnete der Durchschnittswert von 23,3 mg pro cm². Der laut Nature-Bericht entnommene Streifen hatte eine Fläche von 7 cm². Wenn weiterhin selbem Bericht folgend aus einer Hälfte davon drei Stücke zu je 50 mg geschnitten worden sein sollen, hatte der Streifen ursprünglich 300 mg Gewicht. Daraus resultieren 43 mg Durchschnittsgewicht pro cm² - fast das Doppelte vom Wert des Turiner Tuches.x(10) Der Nature-Bericht betont jedoch wörtlich, nur originales Tuchmaterial verwendet zu haben und keine Flickstellen. Das bedeutet, daß man das Problem kannte, ohne erfolgreich sicherzustellen, daß es vermieden wurde. Fraglich dann, auf wieviele andere Behauptungen des Untersuchungsergebnisses dieses Indiz für Fahrlässigkeit ebenfalls zutreffen könnte. Tatsächlich erhalten hatten die Labore nicht drei, sondern vier Stücke, mit anderen, als den im Bericht genannten Probengewichten:
Oxford=52mg / Zürich=52,8mg / Arizona=53,7mg / letztere Probe in zwei separaten Stücken.

xMultikultistoff: Alle drei Labore versäumten, die Proben vor der Verkohlung vollständig zu photographieren. Oxford photographierte die Oberseite, Zürich die Unterseite und Tucson/Arizona nur eines von zwei Teilstücken. Nirgendwo lag ein Längenmaß dabei. So war nachträglich nicht mehr direkt nachvollziehbar, welches Tuchstück genau von ihnen datiert wurde. Hinzu kam, daß die Proben in allen Fällen vor der weiteren Verarbeitung nicht biochemisch bestimmt worden waren. Steven Mattingly/University of Texas: "Eine vollständige Glukoseanalyse der Leinenproben hätte uns die nachfolgende Kontroverse erspart."x(11) Selbst Riggi räumte in seinem persönlichen Bericht ein, "daß Fasern anderen Ursprungs mit der Probe vermischt waren". So fand man nicht nur im Labor von Arizona hohe Baumwollanteile am Leinentuch sowie bunt gefärbte Fasern, an der Züricher Probe auch unregelmäßig hinzugefügte Fadenstiche unterschiedlicher Dicke und anderer Fadenart als das Tuch, die ebenfalls von einer Reparatur stammten (links). Die Verantwortlichen der Untersuchung rechtfertigen ihre Entnahmestelle mit dem Hinweis, daß sie dort die Reparaturen der bekannten alten Brandschäden vermieden hatten. Es war jedoch schon damals durch alte Bilder bekannt, daß die Ausstellungspraxis früherer Zeit und das Hochhalten des Tuches mit den Händen zusätzlicher Grund für Ausbesserungen geworden waren. Im folgenden Bildbeispiel ein Beleg von der Ausstellung in Turin 1898, markiert die Stelle, wo die Probe entnommen wurde.x(12)

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x Über die Probenentnahme liegen widersprüchliche Angaben zu Größe und Gewicht des Tuchabschnitts vor. Die für den Test vorgesehene Hälfte sollte eigentlich durch Verbrennung verloren gegangen sein, wird aber trotzdem Jahre danach in Fragmenten im Besitz verschiedener Forscher gefunden. In die Verantwortung der Labore fällt, daß sie nicht klärten, was sie als Probe erhalten hatten, auch dann nicht, als die ersten Meßläufe stark abweichende Daten ermittelten.

3. Lohnende Wissenschaft

Das Ergebnis der Untersuchung wurde dem Turiner Kardinal am 20.09.88 brieflich mitgeteilt. Der Öffentlichkeit verkündet wurde es am 13.10.88 in Turin, am nächsten Tag auf einer Pressekonferenz im British Museum in London. Schriftlich veröffentlicht wurde es am 16.02.89 im britischen wissenschaftlichen Wochenjournal "Nature".x(13) Der Bericht enthält eine Datensammlung von Alterswerten, wohl auch aus weltanschaulichen Gründen bezogen auf die eigene Zeitrechnung "BP" (before present=1950). Die gefundenen Werte hatten eine Spannbreite zwischen 600 und 800 Jahren Alter vor 1950. Daraus wurde der Mittelwert gezogen und das radiologische Alter des Turiner Tuches festgelegt auf eine Herstellung um die Jahre 1260-1390 n.Chr.

xWissenschaftliche Hinrichtung: Auch unbeteiligte Beobachter hatten bemerkt, daß bei der Pressekonferenz in London der Leiter des Labors in Oxford, Edward Thomas Hall (1924-2001 links), und Michael S. Tite (rechts) mehr triumphale persönliche Begeisterung zur Schau stellten, als sich mit der Annahme vertrug, sie seien ihrer Aufgabe mit objektiver Neutralität nachgekommen. Eine Teilnehmerin der Konferenz, von welcher leider kein wörtliches Protokoll vorliegt, hörte Hall mit dem Versprechen: "Wer jetzt noch an das Grabtuch glaubt, wird erschossen". (M. Siliato). Der später publizierte Bericht hatte mangelnden Überblick über historische Fakten, die unnötigerweise Bestandteil des Datierungsberichts wurden, aber kein Dokument vor dem 14. Jh. nennen wollten, die gleichwohl schon bekannt waren.x(14) Der Bericht enthält auch sachliche Fehler, darunter ein Falschzitat aus einem radiologischen Fachartikel. Darin sei angeblich bestätigt worden, daß durch einen Testlauf vor der Untersuchung die Zuverlässigkeit der Meßmethode bestätigt wurde. Im Gegensatz zu diesen Angaben waren aber nicht drei sondern nur zwei Proben getestet worden, und die zweite Probe so falsch datiert, daß dieser Test als ungültig bewertet und das Testobjekt durch ein anderes ersetzt wurde. Trotz des Vorfalls, der im Abschlußbericht verschwiegen wurde, blieb das Züricher Labor, das mit den meisten und gravierendsten Fehlern aufgefallen war, am späteren Meßverfahren beteiligt.x(15) Bemerkenswert war vor allem, daß der Oxforder Untersuchungsbericht noch die Unwägbarkeiten der Untersuchungsmethode betonte und eine Garantie für das Ergebnis ablehnte, der Nature-Report jedoch eine angeblich 95prozentige Sicherheit des Meßergebnisses behauptete, die es bei der C14-Untersuchungsmethode nicht gibt.x(16)

xGeringwertige Wissenschaftler: Hall im selben Jahr dazu sehr deutlich: "Ich muß zugeben, daß ich Agnostiker (=Atheist) bin, und ich möchte nicht, daß ich während meiner Lebenszeit meine Ansichten ändern muß."x(17) Hall, auch Mitglied des britischen "Millionärsclubs" und erster Vorsitzender der Handelsvereinigung Londoner Goldschmiede, sagte noch vor Beginn seiner Untersuchung ebenfalls: "Falls sich das Bild als »Seine Wichtigkeit« (his nibs) herausstellen sollte, müßten einige von uns ihre Ansichten über schrecklich viele Dinge revidieren."x(18) Er hatte also einerseits das Ergebnis der Untersuchung willkürlich auf diese Bedeutung zugespitzt und zugleich betont, daß es diese Bedeutung aus persönlichen Bedürfnissen keinesfalls geben darf, was die Frage stellt, wie weit er dabei gegangen ist. (links: Sportpilot Hall als Ballonfahrer, 1975) Als der belgische Wissenschaftler Van Haelst sich bei ihm nach Details der Untersuchung erkundigte, antwortete Hall ihm nach langer Wartezeit brieflich, daß er nicht seine kostbare Zeit verschwenden könne an "Fragen die von geringwertigen Wissenschaftlern gestellt werden, die von Glauben verblendet sind".x(19)

Die 45 Geschäftsleute: Noch auffälliger ist der persönliche Hintergrund bei Michael Tite. Indem er als stellvertretender Direktor des British Museum die Aufgabe hatte, die Proben abschließend bewerten zu lassen, fiel ihm eine besondere Verantwortung zu. Tite war aber bereits vor Abschluß der Untersuchungen von Hall als sein Nachfolger in der Leitung des von ihm gegründeten Laboratoriums in Oxford nominiert worden.x(20)xDer Zeitpunkt und die Umstände von Tites Amtseinführung in Oxford waren aber noch merkwürdiger als Halls Verlautbarungen. Der britische Daily Telegraph meldete unter dem 25.03.1989, daß im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung an Hall in London eine Million Pfund übergeben wurden "durch 45 Geschäftsleute und reiche Freunde". Diese Summe entspricht im Jahr 2009 einem Wert von 1,9 Mio. Pfund nach Einzelhandelspreisen, oder 2,3 Mio. bezogen auf Durchschnittseinkommen. Im Mittel also 2,1 Mio. Pfund, was selbst in einer Zeit schwachen Wechselkurses der britischen Währung noch 2,4 Mio. Euro sind. Die Spender lobten Hall speziell, dafür, "daß er letztes Jahr das Grabtuch von Turin als mittelalterliche Fälschung erkannt hat", mit der Zweckbestimmung, das Geld solle zur Finanzierung eines Nachfolgers dienen für Hall, "den Turiner Professor". Der sagte unter Beifall zu, daß er in Oxford einen neuen Lehrstuhl für Archäologie schaffen werde. Der Reporter des Telegraph erfuhr bei dieser Gelegenheit, "daß der neue Lehrstuhl von Dr. Tite eingenommen werden wird, Direktor des Forschungslabors des British Museum, der ebenfalls eine wichtige Rolle spielte bei der Enttarnung des gefälschten Grabtuchs von Turin."x(21) (rechts: Tite bei der Verleihung des "Pomerance" Archäologie-Preises in den USA, 04.01.08)
Tite, der die Proben in Turin zum Versand an die Labore verpackt hatte, und zugleich als deren Empfänger am Zielort ohne Beisein von Zeugen verfügen konnte, war über die genannten Verabredungen mit Hall hinaus zugleich verantwortlicher Koordinator der Gutachter jener wissenschaftlichen Zeitschrift "Nature", die den Abschlußbericht durch ihre Veröffentlichung geadelt hatte. Diese 21 Gutachter hatten an dem Bericht, der zum Beispiel ein früheres Gutachten durch Falschzitat im eigenen Sinne umdeutete, nichts weiter zu korrigieren, als die Änderung der Größenangabe zur Tuchprobe von Zentimeter in Millimeter. Als Van Haelst die Unstimmigkeiten detailliert zusammengefaßt hatte, lehnte nicht nur "Nature" sondern auch die Zeitschrift "Radiocarbon" die Veröffentlichung seiner Einwände ab. Selbst für einen Brief an den Herausgeber sei kein Platz.x(22)

xEin Museums-Brief: Gut dotiertes Lob für Leistungen im Sinne spezieller Interessen war im Falle von Michael Tite sicher nicht unberechtigt. Auf dem Briefpapier des British Museum und unter dem Aktenzeichen MST/IMP wandte er sich am 12.02.88 persönlich an Jacques Évin (rechts) am Radiokarbonlabor von Villeurbanne in Frankreich. Weil er nicht annehme, daß sein Museum in London eine solche Textilprobe hat, bat er Évin "um sechs Quadratzentimeter Leinen von ungefähr 120 mg Gewicht, das möglichst genau mit der Webart des Turiner Tuches übereinstimmt", wozu er Fotokopien beifügte. Sein Museum hat solches Leinen tatsächlich bis heute nicht unter den Exponaten, doch mußte seine Angabe zum gewünschten Alter auffallen. Bei einer Blindprobe für den bewußten Test war es unerheblich, wie stark sie im Alter vom eigentlichen Testobjekt abweicht. Für den Nachweis der Testqualität hätte es genügt, wenn sie abweichend und im Alter zutreffend datiert wird. Tite hingegen suchte speziell "... eine Probe, die zwischen dem 13. und 14. Jahrhundert AD datiert ist, vorzugsweise aus dem 14. Die historische Genauigkeit sollte offenkundig so präzise wie möglich sein, doch man würde sicherlich auch Proben berücksichtigen in einer Zeitspanne von 50 bis 100 Jahren." Auffällig ist, wie genau dieser Alterswunsch übereinstimmte mit dem, was Tite später als angebliches Alter des Grabtuchs präsentierte. Évin hatte tatsächlich das gewünschte Leinenstück zugeschickt, das Tite gerne auch persönlich abgeholt hätte, "... aber ich denke nicht, daß dies nötig ist. Es würde sicherlich genügen, den Postweg zu verwenden."x(23) Évin scheint Stil und Methoden der britischen Gruppe grundsätzlich nicht ferngestanden zu haben. Als Van Haelst die Unstimmigkeit der im Abschlußbericht genannten Daten errechnet hatte, bat er verschiedene Beteiligte, darunter Évin darum, dies mit einem Taschenrechner doch selbst nachzuprüfen. Évin lehnte das ab und erklärte stattdessen: "Selbst wenn ihre Berechnung stimmt, kann sie keine Differenz von 1300 Jahren erklären".x(24) Verständlich, denn Évin wußte sicher am besten, wie diese Differenz zustandegekommen war.

Die Abweichler: Van Healst, Zeuge und Beobachter der Grabtuch-Untersuchungen, faßte schließlich seine Prüfung der Arbeit in drei Laboren zusammen. Sie zeigt, daß abgesehen von Fehlern aus möglichem Irrtum kaum faßbare Unregelmäßigkeiten hinzukamen. Auch Edward Hall in Oxford bestand etwa darauf, die erhaltenen Probenbehälter alleine und unter Ausschluß von Zeugen zu öffnen. Als Probengewicht nannte er anschließend ein geringeres als das, was in Italien abgesandt wurde. Ein heimlicher Nebentest der Proben fand kurz darauf, daß Fasern ägyptische Mumienbinden unter dem waren, was Hall schließlich untersuchen ließ. Seine Ergebnisse fallen entsprechend heraus in den Vergleichslisten. In anderen Laboren wurden wichtige Beobachtungen nicht in das Protokoll aufgenommen. So ebenfalls der Fund von Fremdfasern in der Probe, die Riggi ausdrücklich ausgeschlossen hatte. Alle Labore hatten so große Abweichungen ("Outliers"=Abweichler) unter den Resultaten der Einzeltests, daß die Untersuchung nach üblicher Verfahrensweise eigentlich hätte wiederholt werden müssen. Denn falls verschiedene Teilstücke derselben Probe in Testläufen unterschiedliche Ergebnisse lieferten, dann war entweder das Testverfahren unbrauchbar oder die Probe nicht einheitlich. Anläßlich des Abschlußberichts betonten jedoch alle drei Labore fälschlich, das Textilmaterial einheitlich gefunden und auch einheitliche Meßdaten erhalten zu haben. Diese Behauptung stimmt offenbar nicht einmal mit ihren eigenen Arbeitsprotokollen überein.x(25)

xDas Mafia-Spiel: L. Gonella (1930-2007, rechts), hatte schon am Jahresende 1988 öffentlich Vorwürfe erhoben. Er war nicht beteiligt worden, als zwischen dem British Museum in London und dem Metereologischen Institut in Turin der Abschlußbericht inhaltlich ausgehandelt wurde. Das Ergebnis erfuhr auch er erst aus der Presse und fühlte sich "benutzt für ein Spiel". Er ergänzte, daß die Untersuchung "zu einem Zirkus unprofessioneller Durchführung" verkommen sei. Die Vertreter der Labore waren nach seiner Kenntnis schon von Beginn der Untersuchung feindselig aufgetreten, befürchteten Manipulationen der Kirche bei der Probenentnahme, und schienen eigentlich nur am Reklamewert der Veranstaltung für das eigene Haus interessiert zu sein. Vor allem kritisierte Gonella zunehmende theologische Deutungen von ihrer Seite zum Untersuchungsergebnis, wozu ihnen die Sachkompetenz fehle. Die Differenzen eskalierten auf einem Symposium im persönlichen Gespräch mit Tite, Evin und Van Haelst zu heftigem Streit.x(26) Aus London wiederum wurde zu den Fragwürdigkeiten des Abschlußberichts von einem Beteiligten in einer Fachzeitschrift kolportiert, "daß da wohl jemand in Italien die Maßstäbe der Wissenschaftlichkeit verlassen hat".x(27)

Schleichende Rückzüge: Nach massiver Kritik und detaillierten Widerlegungen haben sich inzwischen verschiedene Vertreter der Altersmessung vom Ergebnis distanziert. Der im nominierten Zitat genannte J.A. Christen, Universität Nottingham, war selbst Laborant der Radiokarbontests gewesen, und hatte 1994 in einer Fachzeitschrift für angewandte Statistik ein Eigenlob der Datierungsuntersuchung veröffentlicht als vermeintliches Beispiel für ein "robustes Meßergebnis".x(28) Als im Mai 2008 die Geschlossenheit der Mitwirkenden nach zwanzig Jahren andauernden Kritik an der Untersuchung zu bröckeln begann, teilte er mit: "Ja, meine Analyse bekräftigt die Ergebnisse der Datierungsuntersuchung von 1988, aber nur unter der Voraussetzung, daß das Untersuchungsmaterial auch tatsächlich vom Grabtuch stammt. Soweit ich sehe, ist diese Voraussetzung jetzt infrage gestellt. Ich denke nicht, daß es einen grundlegenden Fehler bei der C14 Datierung und der nachfolgenden Analyse gegeben hat, aber offensichtlich stammten die Proben nicht vom Grabtuch selbst. Die C14 Labore hatten keinerlei Chance."x(29) Ch. Ramsey, derzeitiger Leiter des Labors in Oxford: "Bezüglich der Radiokarbonmessung verglichen mit allen anderen Indizien, die wir über das Grabtuch haben, scheint es tatsächlich einen Konflikt bei der Interpretation der verschiedenen Indizien zu geben."x(30) Bei einer persönlichen Korrespondenz mit Ramsey, der auch an der Laboruntersuchung 1988 beteiligt war, wies der im Juli 2009 lediglich auf diese Aussage von seiner Seite hin und antwortete auf weitere Nachfragen zu den Unstimmigkeiten nicht mehr.

x Bei diesem schwindelerregenden Tempo des Fortschritts wissenschaftlicher Erkenntnis während zwanzig Jahren detailierter Streitdiskussionen wäre es nicht unmöglich, daß man in etwa 86 Jahren erkennt, daß die Kompetenz der strittigen Untersuchung dann nicht mehr auf dem Stand der Wissenschaft ist.

Fazit

Die Verteilung der Proben in verschiedenen Ländern war nutzlos für die Unabhängigkeit ihrer Untersuchung, wenn schließlich einzig das British Museum die Ergebnisse bewertete. Michael Tite war zugleich auch Lektor des britischen Journals, welches den Untersuchungsbericht trotz auffälligster Fehler veröffentlichte. Er wußte schon vor der Untersuchung, daß der Gründer des neuen Labors in Oxford ihn als leitenden Nachfolger bestimmt hatte (Amtszeit 1989-2004), wofür es auf einer öffentlichen Veranstaltung in London eine erfreuliche Finanzierungshilfe gab "durch Freunde und Geschäftsleute", die vor allem die gelungene Grabtuchdemontage in hellen Tönen lobten.

Die Verantwortlichen der wissenschaftlich wertlosen Altersuntersuchung haben auf die Vorwürfe über Jahrzehnte bis heute nicht inhaltlich reagiert. Zunächst hatten sie gemeint, sich der Überprüfung ihrer Sachkompetenz entziehen zu können durch Zweifel an jener ihrer Kritiker, oder durch den Versuch, ihnen Parteilichkeit zu unterstellen, was als Verdacht sie und ihre eigenen öffentlichen Äußerungen in weit höherem Maße trifft. Ihre Stellungnahmen beschränkten sich bis vor kurzem auf bemühtes Verschweigen, das Ablehnen von Kommentaren, die Verweigerung von Nachprüfungen ihrer Untersuchung sowie das Totschweigen jeder nachfolgenden Studie, die nicht auf ihrer Linie liegt in wissenschaftlichen Fachzeitschriften, die von ihnen selbst beeinflußt, oder als Gutachter der Beiträge kontrolliert sind. Selbst die Kirchenhierarchie, der man eigentlich kein Interesse an einer Bewertung des Grabtuchs als Fälschung unterstellen sollte, weicht davon nicht ab und verweigert bis heute den Einblick in ihre Unterlagen.

Der allmähliche Rückzug aus einer unhaltbaren Altersdatierung scheint bereits wieder ein Drehbuch zu haben, dessen erste Proben seit dem Tod einiger Hauptverantwortlicher begonnen haben. Durch das Ableben des missionierenden Atheisten Edward Hall, dessen geldgefütterte Arroganz dekorativ war, und der einfach seinen losen Mund nicht halten konnte, waren die ersten Voraussetzungen für den Szenenwechsel gegeben. Als ihm Luigi Gonella wenig später folgte, war ein bissiger Zeuge verschwunden, der außerdem zuviel wußte. Der Durchbruch gelang nach dem Tod von Giovanni Riggi, der nicht nur in weiße Kittel und Rollkragenpullover verliebt war, sondern wie sein italienischer Kollege seltene Sammelstücke in der eigenen Vitrine zu schätzen wußte. Die detektivische Mühe zahlreicher Kritiker in verschiedenen Ländern wird wohl damit entlohnt, daß sie mit ihren Vorwürfen an der Untersuchung letztlich Recht behalten. Die damit Bloßgestellten sind schon lange mit hohen Ämtern entlohnt sowie polierten Medallien, die sie anstelle von Grabtuchproben in die eigene Vitrine legen können. Damit kann dann jeder zufrieden sein, weil das mit solchen Inszenierungen verkohlte Publikum immer meint, bestens informiert zu sein - sei es mit jenem Bühnenstück - oder nach der Thaterpause mit einem anderen.

Die nominierte Behauptung verdient trotz ihrer Inkompetenz in der Sache Erwähnung, weil die Beteiligten und Verantwortlichen fährlässigster Fehler, und sogar manche ihrer Kritiker, auffällig übereinstimmend am selben Szenenwechsel mitwirken. Durch Zugeständnisse kleinerer Fehler wird weiterhin die grundsätzliche Frage verschleiert, wie es zu der skandalösen Untersuchung gekommen ist, und welche Interessen das verfälschte Ergebnis gesteuert hatten. Bald wird ein weiteres Szenario öffentlich geschauspielert, mit dem dann auch die fortdauernden Verteidigungsversuche der Kohlenstoffuntersuchung enden werden: die armen Labore! Schuld an einer völlig falschen Datierung hatte eben nur Scherenschwinger Riggi als Probenproduzent, der zufällig gerade im selben Jahr 2008 verstorben ist, als der Szenenwechsel erstmals in Medienberichten sichtbar wurde. Er kann dem ebensowenig mehr widersprechen, wie seit dem Jahr zuvor sein ebenfalls nicht unbelasteter Kollege Gonella. Es leben aber noch fast alle Verantwortlichen in England, so vor allem die Laboranten des Tests, inzwischen fast alle wissenschaftliche Direktoren - ebenso Hedges, heute stellvertretender Leiter der Archäologie an der Uni Oxford. Und es lebt noch der Hauptverantwortliche M. Tite, der anscheinend schon so billig geworden ist, das man ihn mit einer goldenen Plakette und einem doppelseitigen Papierbogen im Schweigen halten kann, ehe die Demontage der von ihm 1988 geleiteten Untersuchung dann bald öffentlich als Bühnentanz entschuldbaren Versehens zu sehen sein wird. Auch sein früherer Kollege Hedges erhielt ein halbes Jahr nach ihm eine hohe britische Auszeichnung. Die Bühnenarchitekten hoffen vielleicht heimlich, daß solche Pensionäre bis zur Premiere vielleicht auch schon das Zeitliche gesegnet hat.

Die inzwischen hochdekorierten und -dotierten Verantwortlichen stützen sich dabei auf die Autorität der von ihnen selbst verantworteten Fachmagazine und auf die hypnotische Wirkung schillernder Seifenblasen undurchschaubarer Aussage, mit der sie eventuelle Neugier nichteingeweihten Publikums stets mühelos ertränken. Die Formel wissenschaftlicher Seriosität ist einfach: entweder gehorcht man der ungeschriebenen Regel, niemals die Fachkompetenz wissenschaftlicher Kollegen und ihrer Veröffentlichungen in Zweifel zu ziehen, beachtet stets, gerade solche Fragen nicht zu stellen, auf die es ankommt - oder man hat sich selbst aus dem Wissenschaftsbetrieb ausgeschlossen. Womit sich dann auch jeder Einwand von solcher Seite sachlich erledigt, und nicht weiter mehr zu berücksichtigen ist. Vor allem in den Augen derjenigen, die schon lange nicht mehr Argumente und Gegenstände aus der Objektivität der Sache beurteilen, sondern von Autoritäten her, durch welche die Mühe eigener Urteilsfähigkeit vor unnötigen Strapazen bewahrt wird.

Belege


x(1) Die früheste greifbare Übersicht der Ungereimtheiten ist Remi Van Haelst: Radiocarbon Dating. The Shroud of Turin. The Nature Report. STURP 1999 (=VHaelst/1). Dies in einer aktualisierten Fassung "Radiocarbon dating the Shroud of Turin " (VHaelst/2) vom Oktober 2002. Van Haelst ist belgischer Chemiker, der in der Nachfolge von Gilbert de Raes an der Uni Gent mit Untersuchungen zum Tuchmaterial befaßt war und auch mit schriftlicher Autorisierung von Papst Johannes Paul II. Untersuchungen durchführte. Nach langen Kontroversen hatten 2008 J.G. Marino und E.J. Prior zahlreiche Indizien für einen Forschungsskandal aus Fachliteratur und anderen schriftlichen Zeugnissen der Beteiligten gesammelt, die bis zur Zeit der Untersuchung zurückreichen und laufend weiter ergänzt werden (Chronological History of the Evidence for the Anomalous Nature of the C14 Sample Area of the Shroud of Turin. STURP 2008) Ihre geduldige Sammelarbeit enthüllt Abgründe des Wissenschaftsbetriebs.

x(2) Pensionierter Kardinal
Die Welt, Bonn, 05.09.1997
(2) Tischtuch und Kuhhorn
Marino,#19, VHaelst/2,S.18.

x(3) Bekanntmachungsdrang
Wilson/Gove/Marino,14

x(4) Außenseiter
Prof. Harry Gove schrieb an David Wilson, Direktor des British Museum: "
I am astonished you would permit the British Museum to risk having his reputation called into question in what has become a somewhat shoddy enterprise. I fear, sadly, that Mike Tite has taken on a responsibility which he and the British Museum may live to regret." VHaelst/2,30.

x(5) Probenregeln
Der Wortlaut im Nature-Report 1988: "
The procedures for taking the samples and treating the results were discussed by representatives of the three chosen laboratories at a meeting at the British Museum in January 1988 and their recommendations were subsequently approved by the Archbishop of Turin".

x(6) Tite-Verpackung
VHaelst/2,S.30.

x(7) Riggi-Bericht
Rapporto Sindone, Mailand 1988

x(8) Probengröße
Der britische Forscher Ian Wilson erwähnte im Oktober 2008 eher beiläufig in einem öffentlichen Vortrag Hintergründe der Probenentnahme, die deutlich von dem abweichen, was bis heute dazu bekannt ist:
"
This left over one significant-size portion kept back under Cardinal Ballestrero‘s control as "reserve", and also three fragments that he had trimmed away as unsuitable for, and superfluous to, the needs of the C14 testing. These he placed in a Petri dish, which he then put into a manila envelope (fastened with string sealed in red sealing wax impressed with his and Gonella‘s personal seals), subsequently to be stored in a bank vault. Later that same day, in the presence of some twenty witnesses, he also took samples from the bloody area in the back of the head section of the Shroud imprint. These too he arranged to be stored in a bank vault under his personal control. As he and Gonella subsequently insisted, Cardinal Ballestrero had given them full permission to take such initiatives for the benefit of future Shroud research, and in the light of the open, official manner in which they took the samples and documented these, there is no reason to doubt this. Thus when in May 1993 American physician Dr. Garza Leoncio-Valdes arrived in Turin looking for samples of the Shroud to examine in pursuance of his idea of how the C14 date might have been skewed, Riggi readily volunteered samples from both the "superfluous" fragments that he had trimmed away from the C14 sample, also from the back-of-the-head bloodstains. Very sadly, however, the publicity that became aroused by Garza-Valdes‘s subsequent "unofficial" usage of these materials, including his arranging for the back-of-the-head blood samples to be DNA tested at a laboratory in San Antonio, Texas, led to some serious questions being asked by Cardinal Balletrero‘s immediate successor as Archbishop of Turin, Cardinal Giovanni Saldarini. Saldarini asked for the return of all such samples of the Shroud held by outsiders, and from about time on Riggi and Gonella would play less prominent roles in Shroud matters."
Eine Beobachtung von zentraler Bedeutung - die Entdeckung von Ian Wilson, daß die Angaben zu den entnommenen Probestücken nicht stimmen, und in Wahrheit viel mehr Tuchmaterial in Umlauf ist - findet man beiläufig erwähnt. Selbst diesen Text einer öffentlichen Rede wollte Wilson offenbar nicht öffentlich publiziert sehen, er wird nur zufällig beim Durchforsten des Rechners in den USA gefunden, wo das Projekt STURP seine publizierten Beiträge hält. Auch Wilson ist also anscheinend mehr Brite als Wissenschaftler und hat sicherlich kein Interesse daran, sich mit dem Wissenschaftsbetrieb der führenden Universitäten seines Landes anzulegen, wo die fehlerhafte Datierung durchaus nicht aus Nachlässigkeit verschuldet wurde. Der Trick an der Sache ist hier, daß Wilsons Vortrag formal "unveröffentlicht" ist. Er ist also nicht "zitierfähig" und seine wichtige Information zur Sache nicht "verwertbar". So lautet das ungeschriebene Gesetz wissenschaftlicher Arbeit, und damit die Definition, mit der sich Täuscher selbst die Arbeitsgrundlage ihrer Verkohlung des Publikums erschaffen, solange jeder in ihrem Kreis diese Regeln "nobler Zurückhaltung" und kollegialer Solidarität beachtet.

x(9) Wilsons Grundsatzfrage
I. Wilson, Vortrag wie vor.

x(10) Tuchgewicht
Siliato, Maria G.: Und das Grabtuch ist doch echt. Augsburg 1998, S.44.

x(11) Mattingly-Ersparung
I. Wilson: An Appraisal of the Mistakes Made Regarding the Shroud Samples Taken in 1988 - and a Suggested Way of Putting These Behind Us. STURP,1999:
"
Compounding the laboratories' lapses, they conducted no chemical analysis of what exactly it was they dating, despite (again) their knowing destruction of all the evidence. As very recently pointed out to me by the American microbiologist Professor Steven Mattingly of the University of Texas: 'Lack of a chemical analysis of the Shroud linen violated the first basic principle in biochemistry - account for the chemical components on a dry weight basis. A total glucose analysis of the linen would have spared us this controversy.'"

x(12) Turiner Ausstellung 1898
Siliato/Grabtuch,S.48.

x(13) Nature-Report
Vol. 337, No. 6208, S. 611-615.

x(14) Ungenannte alte Zeugnisse
Das im Nature-Report genannte und auf die 1350er Jahre datierte Memorandum des Pierre d´Arcis, Bischof von Troyes, ist undatiert. Verschwiegen werden Berichte über dieses Grabtuch durch das Tagebuch des frz. Kreuzfahrers Robert de Clary (1204), der ungar. Codex Pray (1196), Imagine Edessana (944), das Tagebuch des Arculph de Perigeuex (675), sowie eine Bulle von Papst Eusebius (309), welcher die Verehrung des "Leinentuches vom Begräbnis Christi" anweist. Diese Dokumentenfunde wurden von der Archäologin M. Siliato zusammengetragen.

x(15) Falschangaben
Bezogen auf den Bericht Burleigh et.al.: in: Radiocarbon Nr. 28 (British Museum).

x(16) Bewertung des Nature-Report
VHaelst/2, S.27f. unter Verweis auf Aussagen des Erfinders des Untersuchungsverfahrens.

x(17) Atheist
T.Radford: The Guardian, 14.10.88.

x(18) Schrecklich viele Dinge
Marino,#30: "
Professor Edward Hall, who was to say that anyone who still believed the Shroud to be authentic was a "flat-earther," was quoted as saying "If the image turns out to be His Nibs, some of us will need to revise our opinions about an awful lot of things."

x(19) Kostbare Zeit
VHaelst/2, S.2. Er hatte viele Beteiligte und andere Fachleute um ihre Überprüfung der statistischen Daten gebeten, So J. Évin, Marion Scott, Prof. Dexter/Glasgow, Prof Hedges/Oxford. Die Antworten waren stets Ausflüchte und Versprechen auf spätere Prüfung, denen nie wieder eine Nachricht folgte. Ich selbst erhielt auf Nachfrage bei Prof. Ramsey/Oxford einen Antwort als Verweis auf seine Internetseite, eine anschließende Nachfrage zu Details der Unstimmigkeiten blieb ebenfalls ohne weitere Antwort (Email Ch. Ramsey, 16.07.2009)

x(20) Direktions-Nominierung
Harry Gove: Relic, Icon or Hoax: Carbon Dating the Turin Shroud. Institute of Physics Publishing, 1996, pp. 234, 248. "
"Otlet said that Teddy Hall and Sir David Wilson (Wilson is director of the British Museum) were members of the millionaire‘s club so that one had to be very careful in dealing with them. (He may have to be but I do not.) He said he was still worried about the possibility of collusion between the British Museum and Oxford." A few pages later, Gove continues, "On 18 March I talked to Ted Litherland. He had just come back from a trip to Oxford and he said that he had had a grand dinner at Teddy Hall‘s house but Hall seemed a bit ill at ease. He was defending his stand on the whole carbon dating enterprise on the grounds that Tite was involved. There was a four year plan that was prepared for Hall‘s Oxford lab, that stated Oxford was "chosen" to date the shroud and this was reason enough to support the lab. Ted said Hall would be retiring in the next year or so and Tite was the top contender to replace him. That was the first time I had heard of this possibility and it turned out to be true. No wonder Tite made no objection to only three labs being involved as long as one of them was Oxford!"

x(21) Reiche Freunde
Daily Telegraph, 25.03.1989, VHaelst/2, S.2.

x(22) Falschzitat und Journalhintergründe
Falschzitat aus Burleigh et al., Radiocarbon. Nr. 28, diskutiert bei VHaelst/1, S.13 und /2, S.3f.

x(23) Museumsbrief
Zur Verfügung gestellt durch J.Évin:
"
The British Museum
Research Laboratory
Dr. J. Évin.
Radiocarbon Laboratory
Villeurbanne, France.
Our reference: MST/IMP
London, 12 February 1988
Dear Dr. Évin,
Thank you very much for your most helpful and encouraging letter of 8th February.
Certainly, limiting the number of laboratories involved in dating the Shroud makes my task somewhat easier.
I would certainly very much welcome any assistance that you can give in obtaining a mediaeval control sample, which is as similar as possible in terms of weave and colour as the Shroud, since at present, I am not certain whether the British Museum will be able to provide such a sample.
Firstly, therefore, in answer to your specific questions:
1. The total sample would need to be 6 cm2.
2. The material of the sample should be linen. I enclose a photocopy of some photographs which give some indication of the weave of the Shroud.
3. We are looking for a sample which dates from the 13th or 14th century AD, preferably from the 14th.
4. The historical precision should obviously be as good as possible, but one would certainly consider samples with an age range of fifty to a hundred years.
5. There is no need for the sample to come from a well known textile.
6. I suppose I could come to France to collect the samples. The idea certainly appeals to me. But I do not really think that this is necessary. It would probably be satisfactory to use the postal service.
7. I think that one would want to include the name of the museum that provided the sample in the final publication, if this were in fact possible.
On the bases of these answers, it would seem that your third suggestion as a source of possible material, the Cluny Museum in Paris, would be the most suitable. I have, therefore, written a letter to Mme Joubert-Caillet-copy enclosed-asking her if she would be able and willing to help in this matter.
Again, thank you very much indeed for your kind offer of assistance, which is very much appreciated. As you say, I hope that the project will give us an opportunity to meet again.
With best wishes, yours sincerely,
Signed: M.S. Tite.
"

x(24) Rechenfaul
VHaelst/2, S.3.

x(25) Viele Auffälligkeiten
VanHaelst /1/2, passim.

x(26) Symposiumstreit
Symposium CIELT in Paris, 7-8.09.1989, Gonella nannte die Oxforder "Mafia". Er hatte dies im Mai des Jahres bereits öffentlich formuliert: "
The church was blackmailed by a number of persons, who did everyhting to make us say NO, in order to say that the church was afraid of the verdict of science. In any case, the laboratories acted very badly. I still protest their absolute lack of scientifc professionalism and the way they conducted the experiments. I have told them in their faces, that they are mafiosi".

x(27) Maßstäbe
Marino,#26: "
Otlet went so far as to say that changes made to the original protocol were done by someone in Italy obstructing the true path of science." = Robert Otlet(u.a.): "New Dispute on Dating Tests", London Times, 16. Jan.1988, S.3

x(28) Robustes Ergebnis
Applied Statistics Vol.43, No.3, S.489503.

x(29) Keine Chance
Zitiert von STURP/Borrie M. Schwortz aus einer privaten Zuschrift Christen.

x(30) Ramsey
in BBCNews, Kanal 2, 21.03.08 und
www.ox.ac.uk/media/news_stories/2008/080710.html
Veröffentlichung: März 2011
+Nr.65: Suum CuiqueNr.67: Seuchenopfer+
 
13.03.2018-00 Impressum 1,92
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System: PUBLIU
Sepp Depp: Prämie für Falschangaben zur Geschichte: Redaktionell ausgewählte Webseite auf onlinestreet.de
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