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Sepp DeppPrämie für Falschangaben zur Geschichte
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Nr.68: Engel am Zaun

Berufsopfer der Geschichte stehen Schlange im Supermarkt bewältigter Vergangenheit

Nominierung

x Thema: Zeitzeugen und ihre Geschichtserfahrungen
Quelle: Kinderbuch "Angel Girl" von Laurie Friedman im Lerner-Verlag
Urheber: Herman Rosenblat

Aussage

Rosenblat habe während des Zweiten Weltkrieges als zwölfjähriger Insasse im KZ Buchenwald/Schlieben bei Weimar über sieben Monate lang am Zaun Äpfel und andere Lebensmittel von einer neunjährigen Polin Roma Radzicki erhalten. Nach zufälligem Wiedertreffen 1957 bei einem Blind-Date in Brooklyn habe er sie dann geheiratet.
Es wird eine Ereignistatsache berichtet mit Zeugenautorität, deren Anspruch auf Wahrheitswert im Buchdeckel betont wird. Es dient als Symbol für zustimmenswerte Menschlichkeit, die in einem realen Beispiel Hoffnung findet.

Tatsachen

1. Verbreitungsaktionen
xDie Öffentlichkeit dieser Geschichte begann um 1995 mit Rosenblats Teilnahme an einem Zeitungswettbewerb, gefolgt 1996 und 2007 von Auftritten des mythischen Ehepaares in der Talkshow der afro-amerikanischen Milliardärin Oprah Winfrey. Sie fand, dies sei "die großartigste Liebesgeschichte, die ich in 22 Jahren Sendung gehört habe". Dem folgten weitere TV-Berichte, so in CBS-News. Rosenblat begründete über 45 Jahre vorheriges Schweigen so: er sei 1992 während eines Überfalls in seinem Brooklyner Geschäft als Fernseh-Elektriker angeschossen worden. Erst im Krankenhaus sei durch eine Vision seiner Mutter der Auftrag zu ihm gekommen, die Romanze zu verbreiten. x(1)

xSeit der Jahrhundertwende liefen Kettenbriefe von Unbekannten durch das Netz mit einer angeblich von Rosenblat in Miami verfaßten rührseligen Zusammenfassung der Geschichte und einem weitgespannten Aktionismus: "This e-mail is intended to reach 40 million people world-wide!" x(2)
xIm März 2006 wurde eine Kurzversion der Story publiziert mit Anbindung an eine Synagogenfeier im Bundesstaat New York. x(3)
x xIm September 2008 erschien die Geschichte als wohlfeiles Kinderbuch durch die Kalifornierin Laurie Friedman: "Angel Girl". x(4)
xFür Februar 2009 war die Publikation einer Biographie geplant, "Engel am Zaun", durch den Berkley-Verlag der Penguin-Gruppe. x(5)
Dessen Winter-Katalog betonte einmal mehr die Wahrheitstreue der Geschichte, auf die größter Wert gelegt wurde: "The true story of a Holocaust survivor whose prayers for hope and love were answered. A perfect Valentine's Day gift".
xAb März 2009 sollte der Erzählkern als Kinofilm produziert werden "Flower of the Fence" durch die Filmgesellschaft Atlantic Overseas Pictures von Harris Salomon - mit einem Monster-Budget von 25 Mio. Euro.

x Ein unbekanntes Netzwerk von Multiplikatoren trug die Geschichte in die Öffentlichkeit, sogar mit Email-Spam. Bis hin zur Filmproduktion sollten alle Medienkanäle ausgeschöpft werden für eine Wohlfühlgeschichte, deren geschichtsbelehrender Inhalt gegenwartspolitische Stereotype bedient. Ihr Wahrheitswert schien in der Massenverbreitung mit Medienprominenz erwiesen.

2. Geschichtsabsturz
xIm November 2008 begann Kenneth Waltzer, Direktor für jüdische Studien an der Michigan Universität und Autor eines Fachbuchs über das Haftlager, öffentlich Fragen zur Echtheit der Geschichte aufzuwerfen. Sie blieben lange ohne Antwort von Rosenblat und Verlag. Viele Detailangaben, die zunächst für die Wahrheitstreue zu sprechen schienen, kollidierten mit bekannten Fakten. Auch Benjamin Helfgott, ehemaliger Insasse des bewußten Lagers, bezeichnete die Story schlicht als "erfunden". Bereits in seinen ersten Briefen an eine US-Zeitung fragte Waltzer, warum niemandem die Ungereimtheiten der schon mehr als zehn Jahre umgehenden Sage auffallen. Solches Unwissen verwundere angesichts der vielen seriösen Informationen und Museen zum Thema. Ungewöhnlich sei auch, daß keiner der Produzenten die Geschichte überprüfte. Manche von ihnen hatten sich vielmehr gegen Nachforschungen gewehrt und seine behindert. x(6)

xDie Enthüllung war schon vor Waltzer in der "Blogosphäre" gelungen, so der Hinweis im Spiegel-Magazin. x(7) Auf ihrer Netzseite hatte bereits im Dezember 2007 Deborah Lipstadt fachliche Zweifel veröffentlicht. x(8) Die Publizistin mit Spezialisierung im Thema, angeklagte Prozeßgegnerin des Historikers David Irving, widersprach Rosenblats Behauptung, er habe dem Mädchen im Mai 1945 gesagt, es brauche keine Äpfel mehr bringen, weil er am nächsten Morgen vergast werde. Lipstadt: "Buchenwald hatte keine Gaskammern. Im Mai 1945 ist niemand mehr vergast worden." Sie fand Ähnlichkeiten zu einer anderen Geschichte, ebenfalls per Kettenbrief gestreut, lokalisiert in Theresienstadt, wovon Lipstadt weiß, daß es dort ebenfalls keine Gaskammern gab. Sie forderte ihre Leser auf, solche Beeinflussungen zu unterbinden, da die Wahrheit schon genug sei und keine Erfindungen benötige.

3. Die Absage
x Auch aus Rosenblats Familie waren Zweifel aufgekommen. Seit Beginn seiner öffentlichen Apfelgeschichten war Herman mit seinem Bruder Sam zerstritten, der wie zwei weitere Brüder ebenfalls in diesem Lager war. Der Streit konnte nach Angaben von Sams Witwe Jutta auch zu dessen Tod im Februar 2007 nicht beigelegt werden, weil Herman zu keiner Korrektur seiner Phantasiegeschichte bereit war. x(9) Sein Sohn, der bei dem bewußten Überfall in Brooklyn 1992 wie er angeschossen wurde, und seitdem im Rollstuhl sitzt, wußte schon seit Jahren von den medienwirksamen Lügen seiner Eltern. x(10) Auch das angebliche Mädchen vom Lagerzaun hatte vor der Kamera die Sage mit eigenen Dekors unterstützt. Ihr Sohn erklärt das mit Kriegserfahrung. Bei der Verfolgung von Katholiken in Polen habe sie sich mit Lügen und Täuschungen gerettet, was seitdem ihr Leben präge. Der Sohn schwieg über Jahre zu den offenkundigen Erfindungen und nahm Abstand zu den Eltern, was bis heute andauert. Auch Mithäftlinge seines Lagers meiden inzwischen Rosenblat.
Parteigänger solcher Themen hatten vielleicht darauf vertraut, daß jener die Anwürfe schweigend aussitzt. Irgendwann wären sie verstummt, und man hätte sagen können, daß sich solche Zweifel von selbst erledigten, womit auf die Kompetenz der Einwände geschlossen wird.
Als Rosenblat zum Jahresende nicht mehr Unterstützung verblieb als die seiner Vermarkter und eines Publikums für Seelenschmalz, gab er am 27.12.08 auf. Er ließ durch seine Agentin mitteilen, daß er die Geschichte erfunden habe, da er als "Anwalt der Liebe Menschen glücklich machen wollte", verbunden mit einer Entschuldigung.

x Nachdem bis zur Massenverbreitung der Story ihr Wahrheitsgehalt unüberprüft blieb, führten anschließende Nachforschungen zur Enthüllung. Der Zeitzeuge hatte weder Gewissen noch Verantwortungsgefühl, wahr zu bleiben, wenn das Gegenteil sich besser lohnt und von Aktionsgruppen gefördert wird. Gegenüber zunehmender Kritik gestand er schließlich seine willkürliche Erfindung.

Reaktionen

x Entsetzt über die Enthüllung waren sowohl die Kinderbuch-Autorin Friedman, ihr Verleger Carolrhoda/Lerner-Gruppe und Rosenblats Literaturagentin Andrea Hurst. x(11) Der Verlag erstattete für das Kinderbuch den Kaufpreis, Neuauflagen wurden abgesetzt, der Verkauf eingestellt, Lagerwaren vom Markt genommen. x(12) Berkley setzte am 27.12.08 ebenfalls die geplante Publikation der Biographie ab und fordert von Rosenblat und Hurst gezahlte Vorschüsse zurück. x(13)
Filmproduzent Salomon, "sehr verärgert über die Lüge", fordert Rosenblat nun auf, noch einmal und mit einer geeigneten Erklärung in der TV-Show aufzutreten. x(14) Nach der Investition von angeblich sechs Jahren Vorarbeit und in wirtschaftlichen Krisenzeiten wurden die Neuigkeiten auch ein Thema für beteiligte Investoren. Salomon wollte den Film als schöne Phantasiestory weiterproduzieren und durch das Filmbuch nachträglich eine Publikation besorgen. Er rechtfertigt in einer Stellungnahme vom 30.12.08 sein fortgesetztes Bemühen als einen Kampf gegen die schlimmste Art Zensur, unter der die amerikanische Publizistik immer noch leide "American publishing still suffers from the worst kind of censorship.". x(15) Der Urheber dieser seltsamen Behauptung weiß ferner vom dringenden Bedürfnis der Welt an dieser Produktion:"It is this story to which the world has responded", und es sei bedauerlich, daß jede Gelegenheit genutzt werde, an der historischen Judenverfolgung zu zweifeln, was als Argument vor allem an politische Aktivisten appelliert. Es sei auch ungehörig, sich zu erdreisten, Taten überlebender Opfer der Verfolgung beurteilen zu wollen: "It is indeed unfortunate that so many remain poised to jump on any opportunity to question the occurrence of the Holocaust, and to judge the actions of survivors of that horrific time in history". x(16)

x Das ehrliche Entsetzen in Medien, die durch Rosenblats Betrug auch wirtschaftlichen Schaden haben, gibt Auskunft über ihre Naivität, die sie eigentlich für ihr Metier ungeeignet macht. Aus diesem Dilemma befreite sich ein Filmproduzent, indem er selbst eine weitere Erfindung draufsetzte: der Zensurvorwurf als Schutz für Schwindel durch Opfer, die nicht mehr überprüft werden dürfen.

Vermarktungsmechanismen

x Rosenblats Märchen lag am Ende einer gleichartigen Schwindelserie, womit die Geduld von Publikum und Publizistik 2008 überstrapaziert wurde. In den USA gibt es seit diesem Jahr den Fachbegriff YAFM "Yet Another Fake Memoir". Warum die Vermarkter der anstößigen Äpfel bis zuletzt kein Interesse an einer ernsthaften Prüfung fanden, ist nicht schwer zu verstehen, kennt man das profitable Schema hinter dem sattsam inszenierten Thema:
x1) Vorschläge für ein neues Produkt dieser Fabrikationsschiene können von Multiplikatoren fast nicht mehr abgelehnt werden - solcher Widerstand ließe sich verdächtigen als Beleidigung der Opfer, politische Zensur, Leugnung der Verfolgung usw., was werbewirksame Skandale bietet zur weiteren Bekanntmachung.
x2) Typischerweise wird rührselige Menschlichkeit als Aufhänger der Serienprodukte gewählt mit einer Hoffnungsbotschaft. Gibt es Kritik an den Inhalten, wird das angebliche Hauptthema Menschlichkeit und der erzieherische Wert betont, was jeder gut finden muß, es bleibt keine andere Wahl.
x3) Jedes neue Produkt fügt sich in ein vorhandenes Vermarktungsschema ein: Reklame muß nicht mehr neu konzipiert werden, die Grundthemen sind bereits etabliert - es existieren Schablonen (Buchcover, Präsentationsoptik, Satzbausteine) in bewährten Marktkanälen.
x4) Zur Plazierung eines solchen Produkts genügt es, seine Übereinstimmung mit dem vorhandenen Schema zu verdeutlichen, um sich darin einklinken und die pflichtschuldige Aufmerksamkeit finden zu können.
x5) Das Einklinken bedeutet meist staatliche Zuschüsse aus Kulturetats mit politischer Mission sowie kostenlose Reklame im gleichgesinnten Journalismus, Pflichtankauf von Bibliotheken, gut beworbene Wanderausstellungen, hochrangige Schirmherren und Geleitworte von Würdenträgern aus Politik und Gesellschaft.
x6) Öffentlicher Beifall ist dann vorprogrammierte Routine und kann überall eingefordert werden; es winken Verdienstorden und Ehrungen, Ehrendoktorate und -professuren, schulische und universitäre Pflichtprogramme, was umsatzfördernde Reklame wird durch kostenlose Berichte über das gesellschaftliche Ereignis mit Hinweis auf das prominent plazierte Medienprodukt.
x7) Die sakrale Atmosphäre des Themenkreises ermöglicht es, die Produktion selbst zur Reliquie zu machen - sie wird Thema einer neuen Geschichte und Gedenkgegenstand, Thema für Talkshows, Hintergrundberichte und Dokumentationen, was überleitet in selbstreferenzielle Mechanismen: der Film über den Film, das Buch über das Buch.
x8) Weltweite Verbände der Klientelgruppen finden in solchen Produkten Identifikation und Eigenreklame, sind also zur Unterstützung verpflichtet: es winken Zuschüsse aus ihren Fonds und Stiftungen, wodurch Produktionskosten sinken und die Rentabilität steigt.

x Das Wunder der Wirksamkeit von Märchenerfindungen in der Publizistik ist dann am ehesten möglich, wenn der Beitrag thematisch ein weltanschauliches Stereotyp bedient, gegen das jegliche Vernunft abgeschaltet worden ist. Aktionsgruppen fördern die Verbreitung, weil sie im Thema ihre eigene Relevanz inszenieren.

Vergleichsfälle

Die Entscheidung für ein lukratives Serienprodukt, dessen Qualität in der Freiheit seiner Unwahrheit liegt, die als echt behauptet wird, garantiert mehr sicheren und dauerhaften Profit als selbst die beste Börsen-Investition in Aufschwungzeiten. Ein Investitionsrisiko gibt es praktisch nicht. Probleme mit diesem skrupellosen Geschäftskonzept können wegen der unangreifbaren Berufsopfer nur Kritiker haben. Einer von ihnen, Blake Eskin, resumiert aus eigener Erfahrung, daß Fragen nach dem Wahrheitsgehalt auch abwegigster Geschichten eine freudlose Aufgabe sei, die in anstößige Gesellschaft führe: "Raising questions about the authenticity of someone's Holocaust testimony, however implausible it seems, is a joyless task and one that puts you in unsavory company." x(17) Bewußtes Schweigen zu lukrativen Lügen wird in kaum bessere Gesellschaft führen, aber für die so geschaffene Nachfrage finden sich gleichwohl genügend Anbieter mit Geschäftssinn. Rosenblats mit Apfel- und Abenteuergeschichten sind in der letzten Zeit schon serienweise in der Publizistik aufgeschwemmt und als Zeitzeugen für Erfinder von Märchen befunden worden - hier eine Auswahl der bekanntesten jüngeren Fälle:

x Beah, Ishmael: "Rückkehr ins Leben. Ich war Kindersoldat" Campus 2007 / Piper 2008.
Der US-Immigrant aus Sierra Leone behauptet, über eigene Erlebnisse in der früheren Heimat Afrikas zu berichten. Obwohl Ismael dank eines "fotographischen Gedächtnisses" irrtumsfrei in der Erinnerung sei, enthält sein Bericht objektive Fehler, um Jahre falsche Zeiten. Sein Alter paßt nicht zum dreijährigen Kriegseinsatz. Den angeblichen Angriff auf ein UNICEF-Lager kennt außer ihm sonst niemand, und es ist unwahrscheinlich, daß es einem Kind gelang, in weniger als drei Monaten an fast allen Schlachten des elfjährigen Bürgerkriegs teilzunehmen. Seine ganze Familie sei dabei umgekommen, doch seine Mutter gibt heute Interviews über ihren Sohn. Die erste Schulbildung erhielt er nicht bei der UN in den USA, sondern im Heimatland. Sein Agent Ira Silberberg weist alle Vorwürfe zurück. Interessant ist der Vergleich zwischen der dt. und engl. Fassung der Wikipedia-Einträge. Ersterer weiß nichts von den öffentlich diskutierten Ungereimtheiten, ebensowenig der Verlag. x(18)

x Defonseca, Misha (=Monique De Wael): "Surviving with Wolves" Riverhead/Penguin 2005, verfilmt.
Eine christliche Belgierin behauptete, eine Jüdin zu sein, die in der Kriegszeit überlebte durch ihre Flucht aus Brüssel, um als Siebenjährige mit Kompaß auf die Suche nach den Eltern zu gehen. Ihre Adoption durch ein Wolfsrudel habe ihr auf dem Fußweg quer durch Europa geholfen, das Warschauer Ghetto zu erreichen, wo sie einen dt. Soldaten erstechen konnte, als der sie vergewaltigen wollte. Ein US-Gericht sprach ihr 22,5 Mio. Dollar Entschädigung zu, weil der Verlag ihr Buch nicht ordnungsgemäß vermarktet habe. Nach Berichten über offensichtliche Lügen gestand die psychisch labile Verfasserin ein, fast alles nur erfunden zu haben. Sie wird nicht mehr unter den Autoren des Verlags geführt. x(19)

xFrey, James: "Tausend kleine Scherben" Goldmann 2005, verfilmt.
Behauptete, Alkoholiker, Drogensüchtiger und Schwerverbrecher gewesen zu sein, was nicht belegbar oder wahrscheinlich ist. Vielen Angaben wurde durch Zeugen konkret widersprochen, der Verfasser gestand schließlich ein, seine Geschichten weitgehend erfunden zu haben. Die Verlagsauslieferung ist eingestellt, Buch und Autor fehlen im dortigen Verzeichnis. x(20)

xJones, Margaret B. (=Margaret Seltzer): "Love and Consequences: A Memoir of Hope and Survival" Riverhead/Penguin Verlag 2008
Die Amerikanerin aus Oregon hatte ihr Leben in einer Banditengang komplett erfunden gegen 100 Tsd. Dollar Autorenhonorar. Angeblich mit fünf Jahren mißbraucht, sei sie drei Jahre mit einer Plastiktüte auf den Straßen herumgeirrt, ehe sie als Mischling in eine schwarzamerikanische Pflegefamilie "Big Mom's Home" kam. So habe ihr Leben in einem Schwarzen-Ghetto von Los Angeles begonnen, beschrieben mit Aufzählungen von Straftaten, was schließlich auf die Universität geführt habe. In Radio-Interviews gelang ihr die Imitation afro-amerikanischer Straßendialekte. Das weiße Kind begüterter Eltern hatte jedoch nichts davon selbst erlebt, was Seltzer im März 2008 in einem Telefoninterview zugab. Sie habe unterdrückten Stimmen Gehör verleihen wollen. Amazon führt das Buch noch immer mit erfundenen biographischen Daten der Verfasserin. Sie wird jedoch nicht mehr unter den Autoren des Verlages geführt, und auch die jüngste Auflage vom Februar 2008 wird nicht mehr ausgeliefert. x(21)

xWilkomirski, Binjamin (=Bruno Grosjean): "Bruchstücke. Aus einer Kindheit 1939–1948" Jüdischer Verlag/Suhrkamp 1995,
Der angebliche polnische Jude aus Litauen will den Horror von Majdanek als dreijähriger Insasse erlebt und dabei gesehen haben, wie Säuglinge aus Hunger ihre Finger aßen. Mit dieser Geschichte wurde er als vermeintlicher Zeitzeuge durch Schweizer Schulen geschickt. Die Staatsanwaltschaft Zürich konnte per DNA-Test feststellen, daß diese Person vielmehr ein uneheliches Kind aus zerrütteten Schweizer Familienverhältnissen ist und nie in Osteuropa war. Der Persönlichkeitsgestörte, ein Schweizer Musikalienhandwerker, scheint seine Einbildungen jedoch subjektiv ernsthaft zu glauben. Wikipedia bietet wenige ausgewählte Verweise auf schönfärbende Rechtfertigungen oder entsprechend parteiliche Gruppen. Der Verlagsverkauf ist eingestellt, das Portrait des Autors im Netz ist leer. x(22)

Fazit

Herman Rosenblat als Zeitzeuge des Zweiten Weltkriegs ist mit seinen erfundenen Lager-Äpfeln weniger ein Thema der Bewältigung oder Erforschung von Geschichte. Daß seine Märchenerfindung so unkritisch durch Multiplikatoren aufgegriffen wurde und durch Gruppenaktivitäten zur Massenpräsenz gebracht wurden, stellt Fragen an die Bewußtseinsbildung in der modernen Gesellschaft.

Belege


x(1) Netzartikel CNN: edition.cnn.com/2008/US/12/30/holocaust.hoax.love.story/index.html

x(2) Netzartikel: www.truthorfiction.com/rumors/t/rosenblat.htm

x(3) Synagogenfeier - Netzartikel Jewish News: www.jewishsf.com/content/2-0-/module/displaystory/story_id/28695/edition_id/544/format/html/displaystory.html

x(4) Verkauf Amazon: www.amazon.com/Angel-Girl-Laurie-Friedman/dp/0822587394
Zur Autorin Friedman: www.lauriebfriedman.com/about-me/

x(5) Diskussion in einer Amazongruppe zum kommenden Verkauf der Neupublikation: www.amazon.com/Angel-Fence-True-Story-Survived/forum/Fx2NYLKI8BYGZIM/-/1?_encoding=UTF8&asin=042522581X

x(6) K. Waltzer November 2008: "Less understandable is the widespread belief in their story by the culture makers, including the publisher and movie maker and many thousands of others who have encountered it over a decade. Second, such belief suggests a broad illiteracy about the Holocaust and about experience in the camps despite decades of books, serious memoirs, museums, and movies. This shakes this historian up. This memoir was at the far end of implausibility, yet until yesterday, no one connected with packaging, promoting, and disseminating it asked questions about or investigated it. Some actively resisted such investigation and tried to shut mine down." Im Netzartikel TNR: www.tnr.com/booksarts/story.html?id=f458c2c8-0d4f-4dc7-8cba-15e465c2201a

x(7) Magazin Spiegel-Online: einestages.spiegel.de/static/topicalbumbackground/3404/zu_schoen_um_wahr_zu_sein.html

x(8) Artikel Lipstadt: www.lipstadt.blogspot.com/2007/12/apples-over-fence-holocaust-story-that.html

x(9) Artikel TNR: www.tnr.com/politics/story.html?id=91de36ee-ef8b-4695-99c9-8c0d8c28d1ec

x(10) Artikel TNR: blogs.tnr.com/tnr/blogs/the_plank/archive/2008/12/28/rosenblat-s-lies-quot-always-hurtful-quot-says-son.aspx

x(11) Entsetzen: Artikel TNR über Medienreaktion: blogs.tnr.com/tnr/blogs/the_plank/archive/2008/12/27/agent-rosenblat-told-me-that-love-story-is-fake.aspx

x(12) Bereinigung Lerner-Verlag: www.lernerbooks.com/angelgirl/

x(13) Rückbau bei Berkley-Verlag: blogs.tnr.com/tnr/blogs/the_plank/archive/2008/12/27/publisher-cancels-rosenblat-memoir-after-tnr-exposes-hoax.aspx

x(14) Show-Einladung: blogs.tnr.com/tnr/blogs/the_plank/archive/2008/12/27/publisher-cancels-rosenblat-memoir-after-tnr-exposes-hoax.aspx

x(15) Zensurphantasie: www.atlanticoverseaspictures.com/

x(16) H. Salomon, 30.12.2008 (New York/London): "Harris Salomon, President of Atlantic Overseas Pictures (AOP) wishes to inform the public that Herman Rosenblat's story of survival, and its message of love and hope will not be silenced. AOP has been working on the movie for six years and is responding to the groundswell of public demand to let Herman's story be told in both a book and movie.
Mr. Salomon states "what I have learned from my long involvement with Mr. Rosenblat and this project which I have come to love, is that American publishing still suffers from the worst kind of censorship. The documented fact, acknowledged by his critics, is that Herman is a survivor of concentration camps. He found a way to tell his story and bring a message against hate. It is his story. It is this story to which the world has responded. It is indeed unfortunate that so many remain poised to jump on any opportunity to question the occurrence of the Holocaust, and to judge the actions of survivors of that horrific time in history."
AOP intends to proceed with production of the movie based on Mr. Rosenblat's story as relayed to Mr. Salomon, pursuant to an Option granted to AOP. In addition, AOP is inviting publishing houses to contact AOP for rights to the book based on the screenplay for the movie. AOP will ensure the publication of the book whether or not a publisher steps forward."

x(17) Blake Eskins: nymag.com/daily/entertainment/2008/03/misha_totally_impossible_memoi.html

x(18) Beah:
Buch: www.campus.de/isbn/3593382644
de.wikipedia.org/wiki/Ishmael_Beah
en.wikipedia.org/wiki/Ishmael_Beah
www.theaustralian.news.com.au/story/0,25197,23075054-32682,00.html
www.slate.com/id/2185928/

x(19) Defonseca:
Buch: www.amazon.com/Surviving-Wolves-Misha-Defonseca/dp/0749950617
us.penguingroup.com/static/pages/publishers/adult/riverhead.html
forum.politik.de/forum/showthread.php?t=198290
www.stern.de/unterhaltung/buecher/:Belgierin-Kindheit-Gef%E4lschte-Holocaust-Autobiografie/612724.html
nymag.com/daily/entertainment/2008/03/misha_totally_impossible_memoi.html
www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,538651,00.html
www.lefigaro.fr/culture/2008/02/28/03004-20080228ARTFIG00667-survivre-avec-les-loups-la-supercherie-.php
wissen.spiegel.de/wissen/dokument/03/13/dokument.html?titel=Verliebt%2Bin%2Beine%2Btote%2BKobra&id=9133130&top=SPIEGEL&suchbegriff=misha%2Bdefonseca&quellen=&qcrubrik=artikel
www.metrowestdailynews.com/arts/x775561576/Author-publisher-Jane-Daniel-tells-her-side-of-Misha-hoax

x(20) Frey:
Buch: www.amazon.de/Tausend-kleine-Scherben-James-Frey/dp/3442153441
www.randomhouse.de/author/authorlist.jsp?zone=3&key=aut&pel=F
www.nytimes.com/2006/01/10/books/10frey.html?_r=1&adxnnl=1&adxnnlx=1136869938-y8dHQfzjrAh/kDcadzBzhQ
de.wikipedia.org/wiki/James_Frey

x(21) Jones:
Buch: www.amazon.com/Love-Consequences-Memoir-Hope-Survival/dp/1594489777
us.penguingroup.com/nf/Search/QuickSearchProc/1,,,00.html
scwc.wordpress.com/2008/03/04/the-week-in-fabrication/
www.nytimes.com/2008/03/04/books/04fake.html?_r=2
www.ew.com/ew/article/0,,20181835,00.html
www.ew.com/ew/article/0,,20184105,00.html
dearauthor.com/wordpress/2008/03/04/yet-another-fake-memoir-yafm-love-and-consequences-by-margaret-b-jones/
en.wikipedia.org/wiki/Margaret_Seltzer

x(22) Wilkomirski:
Buch: www.amazon.com/Fragments-Memories-Childhood-Binjamin-Wilkomirski/dp/080521089X/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books&qid=1230751823&sr=1-1
Autor: www.suhrkamp.de/autoren/autor.cfm?id=5344
www.sicetnon.org/modules.php?op=modload&name=PagEd&file=index&topic_id=24&page_id=481
de.wikipedia.org/wiki/Wilkomirski
Veröffentlichung: Januar 2009
+Nr.67: Seuchenopfer+
 
13.03.2018-00 Impressum 2,78
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System: PUBLIU
Sepp Depp: Prämie für Falschangaben zur Geschichte: Redaktionell ausgewählte Webseite auf onlinestreet.de
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